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Rentenmärkte: Historisches US-Konjunkturpaket scheint eingepreist
11.03.21 13:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der Renditeanstieg bei den US-T-Notes und den Bunds, der bis zum Ende der vergangenen Woche zu beobachten war, hat sich nicht mehr fortgesetzt, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Zehnjährige T-Notes würden jetzt bei 1,50% rentieren, die korrespondierenden Bunds bei -0,32%. Das deute zunächst darauf hin, dass die Verabschiedung des Hilfs- und Konjunkturprogramms in den USA, das Präsident Biden wohl morgen (12.03.) unterzeichnen werde, an den Bondmärkten grundsätzlich eingepreist gewesen sei. Geholfen habe auch der leichte Rückgang der Kerninflation in den USA. Wie stark sich das Programm dann letztlich auf das Wachstum und vor allem die Inflation auswirken werde, lasse sich nicht genau sagen.
Die OECD prognostiziere in ihrem Zwischenbericht zur globalen Konjunktur, dass die USA aufgrund des 1,9 Billionen US-Dollar-Pakets um 2 bis 3 Prozentpunkte stärker wachsen würden als ohne dieses Paket. Für 2021 erwarte die OECD nunmehr einen BIP-Zuwachs von 6,5%. Zudem gehe die Organisation davon aus, dass die gesamte Welt erheblich von dem Ausgabenprogramm der USA profitieren werde. Demnach werde beispielsweise die Eurozone ein bis zu einen halben Prozentpunkt höheres Wachstum aufweisen, das Gleiche gelte für China und bei Japan sei es eine Idee mehr. Für die Eurozone gehe die OECD von 3,9% Wachstums aus, Deutschlands BIP solle um 3,0% zulegen.
Das Fiskalpaket aus den USA dürfte vor allem den privaten Konsum anregen. So sei in dem Gesetz eine Einmalzahlung in Höhe von 1.400 US-Dollar für alle Amerikaner mit einem Einkommen von bis zu 75.000 US-Dollar enthalten, Arbeitslose würden wöchentlich eine Zusatzzahlung von 300 US-Dollar bis September erhalten, die Kinderfreibeträge würden um ein Drittel erhöht (für ein Jahr) und die Beiträge für die öffentliche Krankenkasse würden unter bestimmten Umständen stärker subventioniert. Auch wenn ein großer Teil dieser Zuwendungen von den Haushalten gespart werden dürfte, sei dennoch mit einem kräftigen Schub beim privaten Konsum zu rechnen.
Darüber hinaus sehe das Fiskalpaket 160 Mrd. US-Dollar, das seien immerhin 0,8% des BIP, für Schulen und Universitäten vor. 39 Mrd. US-Dollar würden für die Kinderbetreuung ausgegeben. Für die Impfstoffverteilung sowie Tests und Nachverfolgung seien rund 55 Mrd. US-Dollar eingeplant. Zudem würden die Kommunen 350 Mrd. US-Dollar erhalten. Das Gesamtpaket entspreche knapp 9% des BIP und habe historische Ausmaße, zumal sich zwei Drittel der Ausgaben auf das laufende Jahr konzentrieren dürften. 2022 sollten noch die positiven Effekte der Hilfen zu spüren sein, 2023 bestehe die Gefahr, dass das Pendel zurückschlage. Allerdings plane die Regierung einen auf vier Jahre angelegten Green Deal im Volumen von 2 Billionen US-Dollar, bei dem es hauptsächlich um Investitionen in die Infrastruktur gehen solle. Die Frage sei, ob Biden mit der Verabschiedung des jetzigen Fiskalpakets politisches Kapital gesammelt oder verspielt habe. Der Green Deal werde vermutlich ein wesentlich komplexeres Paket werden, da die Verteilung zwischen den Bundesstaaten stärker austariert werden müsse.
In Deutschland, aber nicht nur hier, sorge die GREENSILL BANK für Diskussionsstoff. Die Bremer GREENSIL BANK sei von der BaFin unter Zwangsverwaltung gestellt worden und ein halbes Dutzend deutscher Kommunen habe bei dieser Bank Einlagen, die nicht unter die Einlagensicherung fallen dürften. Die GREENSILL BANK gehöre zur 2011 gegründeten australischen Greensill Capital, die von Großbritannien aus operiere. Sie betreibe wie der Bremer Ableger Factoring-Geschäft mit Lieferanten- bzw. Handelskrediten. Die Einlagen bei der GREENSILL BANK lägen bei 3,2 Mrd. Euro. Ob die Zahlungsschwierigkeiten der GREENSILL BANK globale Auswirkungen haben würden, scheine noch nicht ausgemacht zu sein.
Bei der heutigen EZB-Sitzung (11.03.) dürfte es hauptsächlich um die Frage gehen, wie die Notenbank mit dem Renditeanstieg aus den USA umgehe. Die kurzfristige Ruhe an dieser Front - in den letzten Tagen habe sich der Anstieg ja nicht fortgesetzt - impliziere zwar einen verringerten unmittelbaren Handlungsdruck. Aber die EZB werde den Marktteilnehmern vermutlich kommunizieren, dass sie jederzeit bereit sei, die Anleiheankäufe im Rahmen des PEPP-Programms signifikant zu erhöhen, und auch nicht davor zurückscheuen werde, den Umfang des Programms zu erweitern. Der Spielraum für weitere Ankäufe sei mit rund 1 Billion Euro immer noch groß. In jedem Fall dürfte es das Ziel sein, die Renditen in der Eurozone, soweit es gehe, von dem Renditeverlauf in den USA zu entkoppeln. Vollständig werde dies sicher nicht gelingen, aber eine Dämpfung des Renditeanstiegs wäre aus Sicht der EZB bereits ein wichtiger Erfolg.
In Bezug auf den jüngsten Inflationsanstieg werde die EZB voraussichtlich Gelassenheit demonstrieren und auf temporäre Effekte verweisen. Dazu würden die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland und Anpassungen im Warenkorb gehören, der die Basis für die Inflationsmessung darstelle. Sie dürfte die Marktteilnehmer außerdem darauf vorbereiten, dass im Laufe des Jahres temporäre Inflationseffekte aufgrund der höheren Ölpreise (sie würden im April rund 200% über dem Vorjahr liegen) und Engpässe als Folge von sich entladener Nachfrage bei einigen Dienstleistungen (z.B. Pauschalreisen) zu erwarten seien.
Konkrete neue Maßnahmen erwarten wir nicht, zumal der zuletzt nachgebende Euro hilft, Sorgen über eine konjunkturdämpfende Verteuerung von Exporten zu zerstreuen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Schließlich werde die EZB noch neue Prognosen vorstellen. Hier würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank eine leichte Aufwärtsrevision bei der Inflation erwarten, die aber an der grundlegenden Botschaft eines gedämpften Teuerungstrends nichts ändern sollte.
Was liege ansonsten in den nächsten Tagen an? Am Sonntag (14.03.) fänden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz statt, am Montag und Dienstag (15./16.03.) würden sich die Finanzminister der Eurozone bzw. der EU treffen und am Mittwoch, Donnerstag und Freitag (17./18./19.03.) würden die Sitzungen der FED, der Bank of England und der Bank of Japan stattfinden.
Datenseitig sei in den USA auf das Konsumentenvertrauen Michigan im März zu achten (morgen, 12.03.) sowie die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion (beides für Februar, beide am 16.03.). Je stärker der Konsum, desto eher könnten die Inflationserwartungen steigen und damit die Renditen.
In Deutschland sei auf die Großhandelspreise für Februar zu achten (16.03.), sie würden frühzeitig Auskunft über möglichen Inflationsdruck geben. Der ZEW für März könnte eine leichte Stimmungsaufhellung dokumentieren und schließlich werde China seine Einzelhandelsumsätze für Januar und Februar veröffentlichen. Bislang hinke der Einzelhandelsumsatz der Gesamtentwicklung hinterher. (11.03.2021/alc/a/a)
Zehnjährige T-Notes würden jetzt bei 1,50% rentieren, die korrespondierenden Bunds bei -0,32%. Das deute zunächst darauf hin, dass die Verabschiedung des Hilfs- und Konjunkturprogramms in den USA, das Präsident Biden wohl morgen (12.03.) unterzeichnen werde, an den Bondmärkten grundsätzlich eingepreist gewesen sei. Geholfen habe auch der leichte Rückgang der Kerninflation in den USA. Wie stark sich das Programm dann letztlich auf das Wachstum und vor allem die Inflation auswirken werde, lasse sich nicht genau sagen.
Die OECD prognostiziere in ihrem Zwischenbericht zur globalen Konjunktur, dass die USA aufgrund des 1,9 Billionen US-Dollar-Pakets um 2 bis 3 Prozentpunkte stärker wachsen würden als ohne dieses Paket. Für 2021 erwarte die OECD nunmehr einen BIP-Zuwachs von 6,5%. Zudem gehe die Organisation davon aus, dass die gesamte Welt erheblich von dem Ausgabenprogramm der USA profitieren werde. Demnach werde beispielsweise die Eurozone ein bis zu einen halben Prozentpunkt höheres Wachstum aufweisen, das Gleiche gelte für China und bei Japan sei es eine Idee mehr. Für die Eurozone gehe die OECD von 3,9% Wachstums aus, Deutschlands BIP solle um 3,0% zulegen.
Das Fiskalpaket aus den USA dürfte vor allem den privaten Konsum anregen. So sei in dem Gesetz eine Einmalzahlung in Höhe von 1.400 US-Dollar für alle Amerikaner mit einem Einkommen von bis zu 75.000 US-Dollar enthalten, Arbeitslose würden wöchentlich eine Zusatzzahlung von 300 US-Dollar bis September erhalten, die Kinderfreibeträge würden um ein Drittel erhöht (für ein Jahr) und die Beiträge für die öffentliche Krankenkasse würden unter bestimmten Umständen stärker subventioniert. Auch wenn ein großer Teil dieser Zuwendungen von den Haushalten gespart werden dürfte, sei dennoch mit einem kräftigen Schub beim privaten Konsum zu rechnen.
Darüber hinaus sehe das Fiskalpaket 160 Mrd. US-Dollar, das seien immerhin 0,8% des BIP, für Schulen und Universitäten vor. 39 Mrd. US-Dollar würden für die Kinderbetreuung ausgegeben. Für die Impfstoffverteilung sowie Tests und Nachverfolgung seien rund 55 Mrd. US-Dollar eingeplant. Zudem würden die Kommunen 350 Mrd. US-Dollar erhalten. Das Gesamtpaket entspreche knapp 9% des BIP und habe historische Ausmaße, zumal sich zwei Drittel der Ausgaben auf das laufende Jahr konzentrieren dürften. 2022 sollten noch die positiven Effekte der Hilfen zu spüren sein, 2023 bestehe die Gefahr, dass das Pendel zurückschlage. Allerdings plane die Regierung einen auf vier Jahre angelegten Green Deal im Volumen von 2 Billionen US-Dollar, bei dem es hauptsächlich um Investitionen in die Infrastruktur gehen solle. Die Frage sei, ob Biden mit der Verabschiedung des jetzigen Fiskalpakets politisches Kapital gesammelt oder verspielt habe. Der Green Deal werde vermutlich ein wesentlich komplexeres Paket werden, da die Verteilung zwischen den Bundesstaaten stärker austariert werden müsse.
Bei der heutigen EZB-Sitzung (11.03.) dürfte es hauptsächlich um die Frage gehen, wie die Notenbank mit dem Renditeanstieg aus den USA umgehe. Die kurzfristige Ruhe an dieser Front - in den letzten Tagen habe sich der Anstieg ja nicht fortgesetzt - impliziere zwar einen verringerten unmittelbaren Handlungsdruck. Aber die EZB werde den Marktteilnehmern vermutlich kommunizieren, dass sie jederzeit bereit sei, die Anleiheankäufe im Rahmen des PEPP-Programms signifikant zu erhöhen, und auch nicht davor zurückscheuen werde, den Umfang des Programms zu erweitern. Der Spielraum für weitere Ankäufe sei mit rund 1 Billion Euro immer noch groß. In jedem Fall dürfte es das Ziel sein, die Renditen in der Eurozone, soweit es gehe, von dem Renditeverlauf in den USA zu entkoppeln. Vollständig werde dies sicher nicht gelingen, aber eine Dämpfung des Renditeanstiegs wäre aus Sicht der EZB bereits ein wichtiger Erfolg.
In Bezug auf den jüngsten Inflationsanstieg werde die EZB voraussichtlich Gelassenheit demonstrieren und auf temporäre Effekte verweisen. Dazu würden die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland und Anpassungen im Warenkorb gehören, der die Basis für die Inflationsmessung darstelle. Sie dürfte die Marktteilnehmer außerdem darauf vorbereiten, dass im Laufe des Jahres temporäre Inflationseffekte aufgrund der höheren Ölpreise (sie würden im April rund 200% über dem Vorjahr liegen) und Engpässe als Folge von sich entladener Nachfrage bei einigen Dienstleistungen (z.B. Pauschalreisen) zu erwarten seien.
Konkrete neue Maßnahmen erwarten wir nicht, zumal der zuletzt nachgebende Euro hilft, Sorgen über eine konjunkturdämpfende Verteuerung von Exporten zu zerstreuen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Schließlich werde die EZB noch neue Prognosen vorstellen. Hier würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank eine leichte Aufwärtsrevision bei der Inflation erwarten, die aber an der grundlegenden Botschaft eines gedämpften Teuerungstrends nichts ändern sollte.
Was liege ansonsten in den nächsten Tagen an? Am Sonntag (14.03.) fänden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz statt, am Montag und Dienstag (15./16.03.) würden sich die Finanzminister der Eurozone bzw. der EU treffen und am Mittwoch, Donnerstag und Freitag (17./18./19.03.) würden die Sitzungen der FED, der Bank of England und der Bank of Japan stattfinden.
Datenseitig sei in den USA auf das Konsumentenvertrauen Michigan im März zu achten (morgen, 12.03.) sowie die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion (beides für Februar, beide am 16.03.). Je stärker der Konsum, desto eher könnten die Inflationserwartungen steigen und damit die Renditen.
In Deutschland sei auf die Großhandelspreise für Februar zu achten (16.03.), sie würden frühzeitig Auskunft über möglichen Inflationsdruck geben. Der ZEW für März könnte eine leichte Stimmungsaufhellung dokumentieren und schließlich werde China seine Einzelhandelsumsätze für Januar und Februar veröffentlichen. Bislang hinke der Einzelhandelsumsatz der Gesamtentwicklung hinterher. (11.03.2021/alc/a/a)


