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Rentenmärkte: Gute Nachrichten aus Fernost


21.04.23 08:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der Rentenmarkt, sowohl in den USA als auch in Deutschland, befindet sich renditeseitig im Vergleich zur Vorwoche stark im Aufwind, so Tariq Chaudhry, Economist von der Hamburg Commercial Bank.

Die zehnjährigen T-Notes würden bei 3,56% (+15 BP zur Vorwoche) und die zweijährigen bei 4,27% (+35 BP) rentieren. Ebenfalls stark angestiegen seien die Bunds, die zehnjährigen Renditen stünden aktuell bei 2,5% (+15 BP) und die zweijährigen bei 2,96% (+25 BP).

Die Stimmung scheine an den Finanzmärkten entspannter. Dafür sprächen vor allem die robusten Konjunkturdaten der letzten Wochen. Besonders die Zahlen über den Arbeitsmarkt und die Inflation dürften zur Entspannung beigetragen haben. Nun scheinen stärker als erwartete Wachstumszahlen aus China die Stimmung weiter zu heben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Denn im Quartalsvergleich sei Chinas Wirtschaftsleistung um überraschend starke 2,2% und im Vorjahresvergleich um 4,5% gewachsen. Von Reuters befragte Ökonomen seien in der Konsensschätzung für die jährliche Veränderungsrate lediglich auf 4% gekommen.

Dies sei das dritte vierteljährliche Wachstum in Folge gewesen, nachdem Peking im Dezember letzten Jahres die COVID-Beschränkungen aufgehoben und die seit drei Jahren verhängten Strafmaßnahmen gegen Technologieunternehmen und Immobilien gelockert habe. Dennoch würden die jüngsten chinesischen Daten zeigen, dass die Erholung uneinheitlich bleibe: Konsum, Dienstleistungen und Infrastrukturausgaben würden anziehen, aber die sich verlangsamende Inflation, die auf Rekordniveau (ca. 20%) gestiegene Jugendarbeitslosigkeit und die ansteigenden Bankeinlagen würden Zweifel an der Nachfrage aufkommen lassen.

Es sei unklar, wie lange sich die Nachholeffekte nach den Jahren der wiederkehrenden Lockdowns in den nächsten Quartalen bemerkbar machen würden. Andere ostasiatische Länder seien in der Regel nicht in der Lage gewesen, mehr als zwei Quartale vom covidbedingten Rebound zu profitieren.

Nicht nur scheinen die Anleger den chinesischen Wachstumsschub zu überschätzen, sondern sie scheinen einige negative Impulse aus dem Markt zu unterschätzen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Der Bausektor leide außerordentlich unter den stark angestiegenen Zinsen. Die in den USA kürzlich veröffentlichten März-Zahlen hinsichtlich der Baubeginne und der Baugenehmigungen hätten im Vergleich zum Vormonat nachgegeben. Die Baugenehmigungen seien mit einem Minus von 8,8% stärker zurückgegangen als die Baubeginne mit einem Minus von 0,8%. Das werde wahrscheinlich über eine geringere Nachfrage die Immobilienpreise weiter senken.

Ähnlich optimistisch wie die Anleger auf dem Rentenmarkt habe sich die EZB-Präsidenten Madame Lagarde jüngst in einem Interview des US-TV-Senders CBS hinsichtlich einer "weichen Landung" in der Eurozone gezeigt. Befragt nach den ökonomischen Aussichten, habe sie geantwortet: "…Vor sechs Monaten gingen wir alle noch davon aus, dass es eine Rezession geben würde, wenn auch nur eine technische. Wenn man sich jetzt alle Prognosen ansehe, sind sie alle positiv." Gleichzeitig habe sie aber auch darauf verwiesen, dass multiple Risiken auf dem Weg zu einem guten Ergebnis gemeistert werden müssten, darunter würden fallen: Der Krieg in der Ukraine, die Bankenkrise aus den USA und der Schweiz und der Kampf gegen die Inflation. "Ich denke, wir haben einen schmalen Pfad zu navigieren, der erfordert, dass sowohl die Regierungen als auch die Zentralbanken auf der ganzen Welt die richtigen Maßnahmen ergreifen."

Datenseitig blicken wir vor allem gespannt auf europäische Konjunkturdaten, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Am 21.04. würden Flash HCOB-PMI Zahlen zum Verarbeitenden Gewerbe und zum Dienstleistungssektor veröffentlicht. Gemäß der Bloomberg-Schätzung dürfte man weiterhin Expansion im Dienstleistungssektor und Schrumpfung im Verarbeitenden Gewerbe erwarten. Weiterhin würden auch vierteljährliche BIP-Wachstumszahlen (28.4.) im Euroraum veröffentlicht, die Aufschluss darüber geben dürften, wie der ökonomische Auftakt für das Jahr 2023 ausgefallen sei. Darüber würden ebenfalls quartärliche BIP-Wachstumszahlen für die USA erwartet, diese dürften mit rund 2% Q/Q etwas schwächer als im Vorquartal ausfallen (2,6% Q/Q). (Ausgabe vom 20.04.2023) (21.04.2023/alc/a/a)