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Rentenmärkte: Gute Kommunikation durch Powell


18.03.21 16:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die letzten Tage standen im Zeichen der Spekulation darüber, wie die FED mit dem Anstieg der langfristigen Renditen umgehen würde, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Nach der gestrigen FED-Sitzung seien die Renditen heute morgen (18.03.) erneut gestiegen und lägen im zehnjährigen Bereich bei 1,72%. Die entsprechenden Bunds hätten ebenfalls nachgezogen, sie würden bei -0,27% rentieren. Die Erklärungen des FED-Chefs Jerome Powell seien auf der einen Seite zuversichtlich hinsichtlich der Konjunktur gewesen - die FED erwarte im Median ihrer Mitglieder ein Wirtschaftswachstum von sagenhaften 6,5% -, aber er habe sich auf der anderen Seite auch sehr entschlossen gezeigt, in der Geldpolitik Kurs zu halten und Zinserhöhungen erst für 2023 in Betracht zu ziehen. Denn Powell habe erneut betont, dass man weiterhin weit von einer Vollbeschäftigung entfernt sei und dass angesichts des Rückgangs der Partizipationsrate am Arbeitsmarkt 9,5 Millionen Menschen weniger beschäftigt seien als vor der Krise. Das scheine auch die Ansicht der meisten FED-Mitglieder zu sein, von denen lediglich vier von 18 Mitgliedern eine Zinserhöhung im kommenden Jahr für angemessen halten würden.

Selbst im Jahr 2023 sei die FED-Mehrheit der Ansicht, dass eine Zinserhöhung nicht angemessen wäre. Von den sieben Stimmen, die höhere Zinsen erwarten würden, seien allerdings fünf dabei, die sogar drei bis vier Schritte als opportun ansehen würden. Langfristig werde ein Leitzinsniveau zwischen 2 und 3% gesehen. Dazu passe auch der Ausblick auf die Inflation und die Arbeitslosenrate. Die Inflation werde zwar in diesem Jahr etwas höher gesehen, aber ähnlich wie die EZB werde auch hier auf temporäre Effekte verwiesen. Die Teuerungsrate werde nach einem leichten Anstieg auf 2,4% im kommenden Jahr bereits wieder bei 2,0% gesehen, 2023 dann bei 2,1%.

Die Arbeitslosenrate werde mittlerweile am Ende diesen Jahres bereits bei 4,5% erwartet, von derzeit 6,2%. Die bisherige Prognose habe bei 5,0% gelegen. Im Jahr 2023 solle die Arbeitslosenrate dann auf 3,5% sinken. In Bezug auf den Renditeanstieg mache sich Powell über die bisherige Entwicklung keine Sorgen. Das wäre erst dann der Fall, wenn es zu einem abrupten und starken Anstieg der Renditen käme. Damit sei klar: Notfalls werde die FED mit höheren Anleiheankäufen eingreifen, aber jetzt gebe es keinen Anlass von der bisherigen Ankaufpolitik abzuweichen. Man werde weiterhin pro Monat 120 Mrd. US-Dollar an Anleihen ankaufen. Im Jahr entspreche dies 7% des BIP und sei für sich gesehen ein mächtiges Werkzeug, um den Renditeanstieg zu dämpfen.

Hierzulande stehe die Corona-Politik weiterhin im Vordergrund. Das vorübergehende Aussetzen der Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneka wecke die Befürchtung, dass die Konjunkturerholung noch später einsetze, als man das ohnehin erwarte. Die Gesamtlieferungen an Impfstoffen für das zweite Quartal würden in Deutschland bei rund 60 Millionen Dosen liegen statt fast 80 Millionen Dosen. Damit wäre immer noch eine erhebliche Beschleunigung des Impftempos möglich.

Heute werde die Europäische Arzneimittelagentur EMA entscheiden, ob AstraZeneka seine Zulassung behalte. Vor diesem Hintergrund sei auch der deutsche Impfgipfel, der für gestern vorgesehen gewesen sei, auf morgen (19.03.) verschoben worden. Nächste Woche sei außerdem noch das Bund-Länder-Treffen geplant (22.03.). Weitere Lockerungen könne man da wohl nicht erwarten, eher dürften einige Länder die letztes Mal beschlossene Notbremse ziehen. Wünschenswert wäre allerdings, wenn man gezielt eine Teststrategie beschließe, die es erlaube, die Wirtschaft stückweise und sicher wieder zu öffnen. Die Selbsttests, die in ihrer Anwendung keine Probleme bereiten sollten, erscheinen gut geeignet für das regelmäßige und massenweise testen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Derweil habe Griechenland gestern eine 30-jährgie Anleihe im Volumen von 2,5 Mrd. Euro emittiert, versehen mit einer Rendite von 1,96%. Das Orderbuch sei 26 Mrd. Euro schwer gewesen. Moody's habe das Land im November hochgestuft von B1 auf Ba3, womit Griechenland weiterhin kein Investmentgrade habe, aber sich diesem immerhin, trotz einer Verschuldung von 200% des BIP, annähere.

Datenseitig sei in den USA auf die Auftragseingänge für Kapitalgüter im Februar zu achten (24.03.) sowie auf die persönlichen Einkommen und Konsumausgaben (ebenfalls Feb, 26.03.). In diesem Zusammenhang sei es interessant zu sehen, wie sich die Stimmung unter den Konsumenten entwickele (Michigan Konsumentenvertrauen für März, 26.02.). Letzteres sollte auch in Deutschland beobachtet werden (GfK, 25.03.).

Ein größeres Augenmerk würden die Investoren aber auf den ifo-Index für März werfen (26.03.), nachdem der PMI für Deutschland und für Frankreich (24.03.) eine erste Indikation geben werde, wohin die Reise gehe. Am Montag (22.03.) werde mit einer geldpolitischen Entscheidung in China gerechnet, heute tage die Bank of England und morgen die Bank of Japan. In Japan möchte man offensichtlich die Geldpolitik, die von einer 2016 beschlossenen Zinskurvensteuerung geprägt sei, auf den Prüfstand stellen. (18.03.2021/alc/a/a)