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Rentenmärkte: FED - Kommt etwa eine Zinserhöhung?


26.04.24 12:15
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in Deutschland und den USA haben sich in den letzten Tagen etwas auseinander entwickelt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Die Renditen der Bunds seien durch positive Konjunkturdaten, einschließlich des besser als erwartet ausgefallenen HCOB PMI für April, dem ifo-Geschäftsklimaindex und des GfK Konsumklimaindikators auf ein Fünfmonatshoch von 2,60% getrieben worden. In den USA seien die Renditen der T-Notes hingegen praktisch unverändert zur Vorwoche geblieben, möglicherweise aufgrund der bevorstehenden FED-Sitzung am 1. Mai und der damit verbundenen Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs. Die Konjunkturdaten hätten genug Gründe für einen Anstieg der Renditen geboten, die derzeit bei 4,65% lägen, darunter starke Auftragseingänge für langlebige Güter und ein kräftiger Anstieg der Verkäufe neuer Eigenheime im März.

Der einzige Dämpfer sei durch gesunkenen PMI-Einkaufsmanagerindices sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleistungssektor im April gekommen. Obwohl die Anleger auf BIP-Wachstumszahlen und PCE-Inflationsdaten warten würden, scheine es unwahrscheinlich, dass die erste Zinssenkung auf den Märkten vor der zweiten Jahreshälfte erfolge. Die Märkte würden den ersten Zinsschnitt der FED erst im September erwarten. Die möglichen Zinssenkungen für das Gesamtjahr lägen laut den Futuresmärkten mittlerweile bei 1,5. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende der EZB im Juni werde von den Anlegern auf etwa 85% geschätzt, und für das Gesamtjahr werde von etwa drei Zinsschritten ausgegangen.

In der Erwartung der ersten Zinssenkung im Juni und angesichts der zuverlässig sinkenden Inflation habe es in Deutschland ermutigende Signale von den Sentimentindices gegeben. Besonders erfreulich sei der Anstieg des HCOB Germany Composite PMI von 47,7 im Vormonat auf 50,5 im April 2024 gewesen, was die Markterwartungen von 48,6 deutlich übertroffen habe. Dies sei das erste Mal seit Juni 2023 gewesen, dass der Wert über der Schwelle von 50,0 gelegen habe und eine moderate Expansionsrate der Geschäftstätigkeit des privaten Sektors signalisiert habe, angeführt von einer starken Erholung der Produktion im Dienstleistungssektor.

Der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland sei im April 2024 auf 89,4 gestiegen, den dritten Monat in Folge, und habe die Markterwartungen von 88,9 übertroffen. Zusätzlich sei der GfK-Konsumklimaindex für Deutschland bis Mai 2024 auf -24,2 gestiegen, von leicht revidierten -27,3 im Vorzeitraum und habe über den Marktprognosen von -25,9 gelegen. Sei die deutsche Wirtschaft damit über den Berg? Definitiv nicht, weitere harte Daten würden benötigt, um diese Indizien zu bestätigen.

In den USA hätten vor allem die Auftragseingänge für langlebige Industriegüter überzeugen können. Im März 2024 seien sie im Vergleich zum Vormonat um 2,6% gestiegen, nachdem sie im Februar ein nach unten revidiertes Wachstum von 0,7% verzeichnet hätten. Diese Zahlen hätten leicht die Markterwartungen eines Anstiegs von 2,5% übertroffen. Erstaunlicherweise würden die Verkäufe von neuen Eigenheimen den hohen Refinanzierungskosten trotzen. Im März 2024 seien die Verkäufe neuer Einfamilienhäuser in den Vereinigten Staaten im Vergleich zum Vormonat um 8,8% auf eine saisonbereinigte annualisierte Rate von 693 Tsd. gestiegen, den höchsten Stand seit sechs Monaten, und hätten sich von einem Rückgang von 5,1% im Februar erholt. Diese positive Stimmung sei jedoch durch den PMI-Einkaufsmanagerindex von S&P Global gedämpft worden.

Der S&P Global US Composite PMI sei von 52,1 im Vormonat auf 50,9 im April 2024 gesunken, was nur eine leichte Expansion im privaten Sektor des Landes signalisiert habe. Laut einer vorläufigen Schätzung sei dies die schwächste Expansion seit Dezember gewesen. Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor habe die Wirtschaftstätigkeit langsamer zugenommen. Man werde sehen, ob es sich hier um die ersten Hinweise auf eine zu schwächeln beginnende US-Wirtschaft handele.

Alle Augen würden sich gespannt auf Washington richten, wo am 1. Mai der FED-Chef Jerome Powell die Zinsentscheidung der Notenbank verkünden werde. Eine Zinssenkung werde von den Anlegern an den Futuresmärkten mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 2,6% für unwahrscheinlich erklärt. Stattdessen werde eher auf die zweite Jahreshälfte geschielt. Es gebe bereits erste FED-Mitglieder, die vorab, abhängig von eingehenden Daten natürlich, sogar Zinserhöhungen in diesem Jahr für möglich halten würden.

"Wenn die Inflation ins Stocken gerät oder sich sogar in die entgegengesetzte Richtung bewegt, weg von unserem Ziel, glaube ich nicht, dass wir eine andere Möglichkeit haben, als darauf zu reagieren", habe Raphael Bostic, der stimmberechtigte Chef der regionalen Notenbank von Atlanta gesagt. Anleger würden gespannt darauf warten, was der FED-Chef Powell ankündigen werde, und versuchen, Hinweise darauf zu erhaschen, ob sich Powell eher den Falken oder den Tauben anschließen werde. HCOB Economics gehe (noch) von drei Zinssenkungen aus, beginnend ab Juli.

Die bevorstehenden Datenhighlights, die auch von der FED besonders beachtet würden, um eine abschließende Einschätzung vor dem 1. Mai treffen zu können, würden zum einen die US-BIP-Zahlen (25.04.) umfassen. Das HCOB Nowcast-Modell zeige bisher ein Wachstum von 1,6% im Jahresvergleich für das erste Quartal dieses Jahres an. Zum anderen würden die PCE-Zahlen (26.4.) genau beobachtet werden. Im Februar habe die Gesamtinflation annualisiert bei 2,5% und die Kernrate bei 2,8% gelegen. Laut dem HCOB Nowcast der Analysten dürfte die Gesamtinflation auf 2,7% steigen, während die Kernrate leicht auf 2,7% zurückgehen werde.

Neben der FED-Zinsentscheidung am 1. Mai würden auch die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) eingehen. Diese dürften wichtige Hinweise darauf geben, ob der robuste Arbeitsmarkt möglicherweise erste Anzeichen von Schwäche zeige. In Deutschland und der Eurozone werde gespannt auf die Inflationszahlen (29.4. und 30.04.) für den April geschaut werden. Das Nowcast-Modell der Analysten prognostiziere für die Eurozone einen leichten Anstieg der Gesamtinflation um 0,4 Prozentpunkte auf 2,8%. Die Kernrate solle hingegen von 3,0% im April auf 2,8% fallen. Anfang Mai stünden eine Reihe von finalen Daten des HCOB PMI-Einkaufsmanagerindex für den April an, darunter für das Verarbeitende Gewerbe (2.5.), Dienstleistungen (6.5.) und den Bausektor (7.5.). (Ausgabe vom 25.04.2024) (26.04.2024/alc/a/a)