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Rentenmärkte: Anleihen der Wachstumsländer erholen sich


20.09.13 16:12
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - In den letzten Monaten seiner Amtszeit hatte der US-Notenbankchef Ben Bernanke noch eine Überraschung für die Kapitalmärkte parat: Anders als erwartet, hat die FED ihr Anleihenkaufprogramm nicht gemindert, sondern setzt die Käufe in einem Umfang von 85 Mrd. USD pro Monat weiter fort, so die Analysten der Weberbank.

Das Festhalten an ihrer sehr expansiven Geldpolitik habe Bernanke am vergangenen Mittwoch mit einer nicht zufrieden stellenden Wirtschaftsentwicklung in den USA begründet. In den vergangenen Monaten hätten die Spekulationen um die zukünftige Richtung der Notenbank zu einem deutlichen Anstieg des Zinsniveaus geführt und somit Konsum- und Investitionsentscheidungen sowohl der Bürger als auch der Unternehmen beeinflusst. Infolgedessen hätten zuletzt die Auftragseingänge enttäuscht und sich die Konsumentenstimmung eingetrübt. Zusätzlich habe der Beschäftigungsaufbau sukzessive an Dynamik verloren und laste auf einem nachhaltigen Erholungstrend in der Wirtschaft.

Nichtsdestotrotz würden die Frühindikatoren ein überaus positives Konjunkturbild zeichnen, wobei man in den USA eher von einem anhaltend moderaten Wachstumspfad ausgehe. Auch in Europa verbreite sich immer größerer Konjunkturoptimismus, wie zum Beispiel diese Woche die ZEW-Umfragen gezeigt hätten. Doch auch hier würden die Analysten diesen Optimismus nur eingeschränkt teilen. Die zuletzt veröffentlichten Realwirtschaftsdaten, wie z.B. Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion, hätten enttäuscht und mit den optimistischen Frühindikatoren nicht mithalten können.

Für Europa erwarte man daher zwar eine leichte Erholung, jedoch dürfe mit einer nachhaltig positiven Entwicklung erst im nächsten Jahr gerechnet werden. Für Deutschland bleibe man optimistischer als für Gesamteuropa unter der Voraussetzung, dass die Bundestagswahl am Wochenende ein klares Regierungsbündnis hervorbringe.

Die globalen Rentenmärkte seien die FED-Entscheidung mit deutlichen Renditerückgängen gefeiert. Neben den US-Staatspapieren hätten insbesondere die Anleihen aus den Wachstumsländern profitieren können. Diese hätten zuvor deutliche Kursrückgänge verkraften müssen, nachdem Ben Bernanke im Mai erste Andeutungen einer möglichen Reduzierung der Anleihenkäufe gemacht habe. Die Analysten würden allerdings erwarten, dass diese Entscheidung nur aufgeschoben worden sei und sich somit die Unsicherheit über die Fortführung der US-Notenbankpolitik in den kommenden Monaten an den Rentenmärkten bemerkbar machen sollte. Dies könnte ebenfalls die deutschen Staatsanleihen betreffen, auch wenn EZB-Präsident Draghi jede Chance nutze, mögliche Zinsanstiegsfantasien im Keim zu ersticken.

Mit Blick auf die Leitzinserwartungen scheine es ihm bisher gelungen zu sein, da diese kein Niveau oberhalb des aktuellen Leitzinses voraussagen würden. Die Analysten würden aktuell eine Beimischung von Rentensegmenten empfehlen, die sich relativ unabhängig zu klassischen Staatsanleihen bewegen würden. Hierzu zähle man insbesondere Wandelanleihen und Unternehmensanleihen unterer Bonitätsklassen.

Natürlich habe sich die Notenbankentscheidung auch an den Aktienmärkten bemerkbar gemacht: Neue Allzeithochs hätten sowohl in den Leitindices in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland erklommen werden können. Die weiterhin sperrangelweit offenen Liquiditätsschleusen der US-Notenbank hätten regelrecht die Stimmung der Aktionäre beflügelt. Unter der Voraussetzung, dass sich die Konjunktur in den Industrieländern sukzessive erhole, sollten die Aktienmärkte weiterhin positiv unterstützt bleiben.

Auch vonseiten der Charttechnik könnten weitere Kursanstiege erwartet werden. In den kommenden Wochen sehe man jedoch auch einige Risikoereignisse am Horizont. Auch wenn in Griechenland die Rezession nachlasse und sich die Arbeitslosenquote das erste Mal seit vier Jahren rückläufig entwickelt habe, benötige das Land weitere Hilfszahlungen in naher Zukunft von seinen europäischen Partnern. Die politische Stabilität in den größeren Peripherieländern, Italien und Spanien, sei alles andere als sicher, und somit könne die Schuldenkrise jederzeit Druck auf die europäischen Märkte ausüben.

Aber auch die Amerikaner müssten einige Stolpersteine aus dem Weg räumen: Das leidige Thema Budgetverhandlungen zwischen den Demokraten und Republikanern sei weiterhin ungelöst und müsse bis Monatsende geklärt werden, um die Zahlungsfähigkeit des Staates zu garantieren. Auch die gesetzlich festgelegte Schuldengrenze müsse im Einvernehmen der Parteien erhöht werden. Eine vergleichbare Situation habe zuletzt im Spätsommer 2011 am Kapitalmarkt für große Unruhe gesorgt. Die Analysten würden aktuell jedoch erwarten, dass sich die verantwortlichen Politiker rechtzeitig sowohl in Europa als auch Amerika einigen und eine Belastung der Märkte verhindern würden.

Der USD sei in den letzten Tagen kräftig unter Druck geraten und habe dabei einige Chartmarken verletzt. Die Analysten würden allerdings weiterhin an ihrer positiven USD-Meinung festhalten, da die Erholung in der US-Konjunktur im Vergleich zu ihren europäischen Pendants weiter fortgeschritten sei und die US-Notenbank daher früher zur restriktiven Geldpolitik zurückkehren sollte. Die beschriebenen Risikoereignisse könnten kurzfristig das Währungspaar Euro und USD stark beeinflussen - Kurse bis 1,40 Euro seien vorübergehend möglich. (20.09.2013/alc/a/a)