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Renten leiden unter Zinserhöhungen
02.10.18 11:00
Alte Leipziger Trust
Oberursel (www.anleihencheck.de) - In Europa haben wir zwar auch ein Konjunkturhoch. Dieses ist aber weniger stabil als jenseits des Atlantiks, so die Experten der Alte Leipziger Trust.
Trotz der zuletzt zu beobachtenden Verlangsamung des konjunkturellen Wachstums in Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien wachse die Wirtschaft in der Eurozone mit einer Rate, die weiterhin über dem so genannten Potenzialwachstum liege. Letzteres stelle die langfristige Veränderung des BIP bei einem normalen Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten dar. Infolge der positiven Entwicklung habe sich die Arbeitslosigkeit verringert und die Inflation sei leicht angestiegen.
Aufgrund der insgesamt guten konjunkturellen Entwicklung und der weiter soliden Aussichten habe die Europäische Zentralbank (EZB) entscheiden, ihr Programm der quantitativen Lockerung im Dezember dieses Jahrs zu beenden. Wann nun die EZB genau die Zinswende vollziehe und die erste Zinserhöhung vornehme, sei allerdings weiter unklar. Die jüngsten Mitteilungen der EZB würden in dieser Hinsicht keine Eile erkennen lassen. Nicht ausgeschlossen werden könne ein erster Zinsschritt im kommenden Jahr. Aus heutiger Sicht sei eine weitere Verlangsamung des Wachstums wahrscheinlich.
Auf diese Entwicklung lasse auch der Geschäftsklimaindex der Europäischen Kommission schließen. Anzeichen für eine Rezession seien jedoch nicht erkennbar und Zweifel an einer Normalisierung der Geldpolitik der EZB unbegründet. Zwar habe die Frage nach der Zukunft der Regierungskoalition in Deutschland an den Märkten nur für unwesentliche Bewegungen gesorgt, ein nachhaltiger Kursrutsch sei jedoch nicht gefolgt.
Ganz andere Wirkungen aber könnte der Haushaltsentwurf der italienischen Regierung auslösen. Hier habe sich der zur Besonnenheit mahnende Finanzminister Tria - auf den auch die Anleger Hoffnungen gesetzt hätten - gegenüber den Parteichefs der Fünf-Sterne-Bewegung und Lega nicht durchsetzen können. Wie wichtig der weitere Fortgang in der drittgrößten Volkswirtschaft der EU sei, hätten zuletzt die höheren Defizitplanungen Italiens gezeigt. Diese Entwicklung lasse Befürchtungen aufkommen, dass die Diskussionen über die Zukunft der EU wieder befeuert werden könnten. Dies natürlich auch vor dem Hintergrund, dass der Brexit in seine heiße Phase - der offizielle Austrittstermin sei der 29. März 2019 - gehe und die Märkte zudem in Unruhe versetzt werden könnten.
Zuletzt habe der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland überrascht. Im September habe sich die Inflationsrate dort gegenüber dem Vorjahr von 2% auf 2,3% erhöht. In der Eurozone sei der Anstieg von 2% auf 2,1% etwas moderater ausgefallen. Steigende Ölpreise und ein Anstieg der Lohnkosten sollten auch in den kommenden Monaten die Inflation beeinflussen. Inwieweit die EZB der Federal Reserve folgen werde, die wie erwartet den US-Leitzins um weitere 0,25%-Punkte auf 2% bis 2,25% angehoben habe, bleibe mehr als unwahrscheinlich. Die Unsicherheiten insbesondere mit Blick auf den nahenden Brexit seien zu hoch. Die noch zur Verfügung stehende Zeit für einen geordneten Brexit werde immer knapper, nachdem der EU-Gipfel in Salzburg diesbezüglich keinerlei Fortschritte gebracht habe.
Während die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen seit Jahresanfang meist unter dem Niveau von 3% verharrt habe, seien die Renditen von Papieren mit kürzerer Laufzeit infolge des Straffungszyklus und der Forward Guidance der FED deutlich gestiegen, was eine konjunkturelle Abschwächung in der Zukunft signalisiere. Sollte der Rendite-Spread zwischen 10- und 2-jährigen Papieren noch weiter schmelzen oder sich sogar ins Negative umkehren, seien Bremsspuren in der konjunkturellen Entwicklung bereits vorweggenommen.
Da die Zinserhöhungserwartungen im Euroraum von den Marktteilnehmern zugenommen hätten, sollte die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen wieder über die 0,5%-Marke ansteigen, denn der Renditerückgang wegen des angezogenen Budgetdefizits in Italien scheine nicht nachhaltig zu sein. Mittelfristig sei im weiteren Verlauf ein Anstieg Richtung 0,8% bei 10-jährigen Bunds denkbar. Der Spread zwischen italienischen und deutschen Anleihen sollte weiter hoch bleiben.
Steigende US-Zinsen hätten die Schwellenländer unter Druck gesetzt. Lange hätten sie von den niedrigen Zinsen profitiert und zunehmend Kredite in US-Dollar aufgenommen. Mit den Leitzinserhöhungen der FED habe sich das Umfeld grundlegend geändert. Viele Anleger würden deshalb von riskanteren Schwellenländeranlagen in sichere US-Dollar-Anlagen umschichten, was massive Abwertungen der Schwellenländer-Währungen nach sich ziehe. Für Unternehmen mit Einnahmen in Lokalwährung werde es schwieriger, ihre Fremdwährungskredite zu bedienen. Neben der Türkei habe es auch Argentinien erwischt: Seit Jahresbeginn habe der Peso um über 50% gegenüber dem US-Dollar abgewertet. (Ausgabe Oktober 2018) (02.10.2018/alc/a/a)
Trotz der zuletzt zu beobachtenden Verlangsamung des konjunkturellen Wachstums in Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien wachse die Wirtschaft in der Eurozone mit einer Rate, die weiterhin über dem so genannten Potenzialwachstum liege. Letzteres stelle die langfristige Veränderung des BIP bei einem normalen Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten dar. Infolge der positiven Entwicklung habe sich die Arbeitslosigkeit verringert und die Inflation sei leicht angestiegen.
Aufgrund der insgesamt guten konjunkturellen Entwicklung und der weiter soliden Aussichten habe die Europäische Zentralbank (EZB) entscheiden, ihr Programm der quantitativen Lockerung im Dezember dieses Jahrs zu beenden. Wann nun die EZB genau die Zinswende vollziehe und die erste Zinserhöhung vornehme, sei allerdings weiter unklar. Die jüngsten Mitteilungen der EZB würden in dieser Hinsicht keine Eile erkennen lassen. Nicht ausgeschlossen werden könne ein erster Zinsschritt im kommenden Jahr. Aus heutiger Sicht sei eine weitere Verlangsamung des Wachstums wahrscheinlich.
Auf diese Entwicklung lasse auch der Geschäftsklimaindex der Europäischen Kommission schließen. Anzeichen für eine Rezession seien jedoch nicht erkennbar und Zweifel an einer Normalisierung der Geldpolitik der EZB unbegründet. Zwar habe die Frage nach der Zukunft der Regierungskoalition in Deutschland an den Märkten nur für unwesentliche Bewegungen gesorgt, ein nachhaltiger Kursrutsch sei jedoch nicht gefolgt.
Zuletzt habe der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland überrascht. Im September habe sich die Inflationsrate dort gegenüber dem Vorjahr von 2% auf 2,3% erhöht. In der Eurozone sei der Anstieg von 2% auf 2,1% etwas moderater ausgefallen. Steigende Ölpreise und ein Anstieg der Lohnkosten sollten auch in den kommenden Monaten die Inflation beeinflussen. Inwieweit die EZB der Federal Reserve folgen werde, die wie erwartet den US-Leitzins um weitere 0,25%-Punkte auf 2% bis 2,25% angehoben habe, bleibe mehr als unwahrscheinlich. Die Unsicherheiten insbesondere mit Blick auf den nahenden Brexit seien zu hoch. Die noch zur Verfügung stehende Zeit für einen geordneten Brexit werde immer knapper, nachdem der EU-Gipfel in Salzburg diesbezüglich keinerlei Fortschritte gebracht habe.
Während die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen seit Jahresanfang meist unter dem Niveau von 3% verharrt habe, seien die Renditen von Papieren mit kürzerer Laufzeit infolge des Straffungszyklus und der Forward Guidance der FED deutlich gestiegen, was eine konjunkturelle Abschwächung in der Zukunft signalisiere. Sollte der Rendite-Spread zwischen 10- und 2-jährigen Papieren noch weiter schmelzen oder sich sogar ins Negative umkehren, seien Bremsspuren in der konjunkturellen Entwicklung bereits vorweggenommen.
Da die Zinserhöhungserwartungen im Euroraum von den Marktteilnehmern zugenommen hätten, sollte die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen wieder über die 0,5%-Marke ansteigen, denn der Renditerückgang wegen des angezogenen Budgetdefizits in Italien scheine nicht nachhaltig zu sein. Mittelfristig sei im weiteren Verlauf ein Anstieg Richtung 0,8% bei 10-jährigen Bunds denkbar. Der Spread zwischen italienischen und deutschen Anleihen sollte weiter hoch bleiben.
Steigende US-Zinsen hätten die Schwellenländer unter Druck gesetzt. Lange hätten sie von den niedrigen Zinsen profitiert und zunehmend Kredite in US-Dollar aufgenommen. Mit den Leitzinserhöhungen der FED habe sich das Umfeld grundlegend geändert. Viele Anleger würden deshalb von riskanteren Schwellenländeranlagen in sichere US-Dollar-Anlagen umschichten, was massive Abwertungen der Schwellenländer-Währungen nach sich ziehe. Für Unternehmen mit Einnahmen in Lokalwährung werde es schwieriger, ihre Fremdwährungskredite zu bedienen. Neben der Türkei habe es auch Argentinien erwischt: Seit Jahresbeginn habe der Peso um über 50% gegenüber dem US-Dollar abgewertet. (Ausgabe Oktober 2018) (02.10.2018/alc/a/a)


