Renten: Die Tagung des EZB-Rats rückt in den Fokus


26.04.17 10:15
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - In dem Senior Lending Survey der EZB lässt sich ablesen, dass die europäische Wirtschaft tatsächlich an Fahrt gewinnt, denn die Unternehmen haben verstärkt Kredite nachgefragt, die sie von den Banken auch erhalten haben, so die Analysten der National-Bank AG.

Zugleich sei der Zugang zu den Krediten erleichtert worden, und die Margen seien gesunken. Letzteres sei positiv für die Kreditnehmer, allerdings negativ für die Kreditgeber. Zugleich zeichne sich gemäß des Berichtes ab, dass die Banken ihre Kreditvergabestandards für Konsumentenkredite in den kommenden Monaten etwas straffen wollten. Wahrscheinlich werde der EZB-Chef morgen auf der Pressekonferenz nach der Tagung des EZB-Rats auf den Senior Lending Survey hinweisen, wenn es um die Beurteilung des Erfolgs der Geldpolitik gehe.

Zudem werde er sich nun zahlreichen Fragen stellen müssen, wie es mit der Geldpolitik weitergehen und wann das Wording in den Erklärungen geändert werde. Schließlich habe es dazu gestern entsprechende Medienberichte gegeben, wonach die Formulierung in den Erklärungen im Juni angepasst werden solle. Die Passage hinsichtlich des Leitzinsausblicks solle demnach geändert werden und das "or lower" entfallen. D. h., weitere Leitzinssenkungen sollten damit ausgeschlossen werden.

Dass die Aufregung über eine Änderung des Wordings so groß ist, wie es gestern schien, ist schon verwunderlich: Schließlich ist der geldpolitische Pfad aus den bisherigen Aussagen vieler europäischer Notenbanker gut ableitbar: Vorbereitung durch Änderung der Wortwahl, im Herbst Auseinandersetzung mit dem QE-Programm und vermutlich die Bekanntgabe des Auslaufens bis Mai/Juni 2018 und erst danach Anpassungen der Leitzinsen, immer unter der Voraussetzung, es gibt keine externen Schocks, so die Analysten der National-Bank AG.

Heute dürfte der Fokus jedoch auf den USA liegen. Schließlich wolle der US-Präsident eine große Ankündigung zum Thema Steuern machen. Bislang sei durchgesickert, dass der Unternehmenssteuersatz von 35 auf 15% sinken solle und dass repatriierte Gewinne mit 10% zu versteuern seien. Zudem solle es eine Vereinfachung der Steuergesetzgebung sowie Entlastungen der Bürger bei gleichzeitigem Streichen / Einschränkungen von Privilegien geben. Zur Gegenfinanzierung werde es darüber hinaus keine Informationen geben.

Auch die Boarder Adjustment Tax dürfte nicht erwähnt werden. Schließlich, so jedenfalls die wahrscheinliche Lesart aus dem Weißen Haus, werde sich die Steuerreform selber über die Zeit durch mehr Wachstum selbst finanzieren. Die Aussagen des US-Finanzministers seien ja bereits in so eine Richtung gegangen. Sollte es so kommen, sei das sicher nicht der "große Wurf". So etwas dürfte bei vielen Republikanern und den Demokraten durchfallen und kaum Aussicht auf Erfolg haben. In die Verhandlungen um die Anhebung der Verschuldungsobergrenze sei insoweit Bewegung gekommen, dass der Präsident tatsächlich vorerst auf Geld für die Mexikomauer verzichten könnte, sodass die öffentliche Verwaltung auch am 100. Tag seit Amtsantritt offen bleibe. Vereinbart sei aber noch nichts.

Hinsichtlich der Handelspolitik bleibe sich das Weiße Haus dagegen treu: Der US-Handelsminister habe weitere Branchen identifiziert, in denen die USA von ihren Partner möglicherweise unfair behandelt würden. Auch hier seien Strafzölle nun im Spiel. Die FED werde das ganze sicher mit Sorge im Hinblick auf die Preisentwicklung betrachten, denn Strafzölle würden nicht ohne Wirkung bleiben. Schließlich müsse das irgendjemand bezahlen.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) dürfte vorerst unter Druck bleiben und den Tag mit Kursverlusten beginnen. Im Tagesverlauf sollte er sich zwischen 160,10 und 161,60 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,26 und 2,41% schwanken. Die Auktion der 5-jährigen T-Notes dürfte am Abend für Druck auf die Kursnotierungen sorgen. (26.04.2017/alc/a/a)





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