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Renten: Renditeanstieg über alle Laufzeiten hinweg


05.11.24 10:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den Rentenmärkten kam es im Oktober zu teils deutlich steigenden Renditen, so die Experten von Union Investment.

Bessere Konjunkturdaten, sowohl in Europa als auch in den USA und eine wieder etwas höhere Inflation hätten dafür gesorgt, dass sich die zuvor schon als überzogen angesehenen Zinssenkungserwartungen der Marktteilnehmer zurückgebildet hätten. Seien Ende September noch fünf Zinsschritte von jeweils 25 Basispunkten bis Ende März kommenden Jahres von der US-Notenbank erwartet worden, seien es zuletzt nur noch drei gewesen. Lange Zeit sei man sich uneinig gewesen, was die US-Währungshüter auf ihrer Sitzung im November wohl entscheiden würden.

Ein erster Zinsschritt im September um 50 Basispunkte spreche zwar für eine weitere Senkung, jedoch finde die nächste Sitzung unmittelbar nach der US-Wahl statt, sodass auch eine mögliche Pause ins Spiel gebracht worden sei. Ende Oktober sei eine Zinssenkung um 25 Basispunkte am Markt als sicher gegolten. Der weitere Zinspfad der Federal Reserve sei jedoch infrage gestellt worden. Marktseitig hätten kurzlaufende US-Staatsanleihen entsprechend auf die Änderung der Leitzinserwartungen reagiert und seien Ende Oktober um rund 50 Basispunkte höher verzinst gewesen als noch im Vormonat.

Auch zehnjährige US-Schatzanweisungen hätten einen Renditeanstieg um knapp 50 Basispunkte hinnehmen müssen. Somit habe sich die US-Zinskurve im Oktober merklich nach oben verschoben. In Summe hätten US-Staatsanleihen, gemessen am JP Morgan Global Bond US-Index, im Berichtsmonat 2,3 Prozent eingebüßt.

Europäische Anleihen hätten sich den Vorgaben aus den USA nicht entziehen können und ebenfalls Verluste erlitten. Die zuletzt wieder etwas erhöhten Inflationsdaten hätten sich im Euroraum im Oktober mit einem Anstieg von 2,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit auf den Zielwert der EZB widergespiegelt. Die um schwankungsanfällige Komponenten wie Energie und Lebensmittel bereinigte Kernrate sei entgegen den Erwartungen unverändert bei 2,7 Prozent geblieben, während ein Rückgang erwartet worden sei.

Die deutsche Teuerung habe nach der europäischen Berechnungsmethode (HVPI) sogar um 2,4 Prozent zugelegt. Insgesamt sei die Dynamik der Renditebewegung am Euro-Rentenmarkt jedoch etwas geringer ausgefallen als in den USA. Ähnlich wie dort hätten sich die Renditen von kurz- und langlaufenden Papieren im Gleichschritt nach oben entwickelt. Im Zehnjahresbereich sei die Bewegung mit 25 Basispunkten am deutlichsten gewesen. Analog dazu sei es bei der Europäischen Zentralbank seitens der Marktakteure zur Auspreisung zuvor überhöhter Zinssenkungserwartungen gekommen. Man erwarte derzeit im Dezember eine Zinssenkung im Umfang von 25 Basispunkten.

Im Euroraum habe Frankreich im Blickpunkt der Anleger gestanden. Dort sei ein Haushaltsplan verabschiedet und darüber hinaus die gute Bonitätsnote bestätigt worden. Der Ausblick sei hingegen von zuvor stabil auf negativ gesenkt worden. Die Marktteilnehmer seien skeptisch geblieben und hätten die Regierung in Paris vor weiterhin großen Herausforderungen gesehen. Der französische Staat weise eine hohe Schuldenstandquote sowie ein starkes Defizit auf. Im Ergebnis bewegten sich die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundespapieren auf dem Niveau Spaniens. Daher nehme man eine zurückhaltende Haltung ein.

Die Staatsanleihen aus den Peripherieländern hätten sich hingegen weiterhin gut entwickelt. So habe sich etwa der Risikoaufschlag italienischer Papiere zwischenzeitlich auf weniger als 120 Basispunkte verringert. Zum Vergleich: Vor einem Jahr habe er noch rund 200 Basispunkte betragen. Dadurch seien die Verluste bei europäischen Staatsanleihen in Summe auch niedriger ausgefallen als in den USA. Gemessen am iBoxx Euro Sovereigns-Index habe sich im Oktober ein leichtes Minus in Höhe von einem Prozent ergeben.

Deutlich unter Druck seien zum Monatsende britische Staatsanleihen geraten. Pläne der Labour-Regierung hinsichtlich einer massiven Kreditaufnahme sowie fiskalischer Anreize hätten unter den Anlegern Befürchtungen eines inflationären Haushalts geweckt und dabei eine straffere Geldpolitik der Bank of England ins Spiel gebracht. Die richtungsweisenden britischen Staatsanleihen (Gilts) mit zehn Jahren Laufzeit hätten einen Renditesprung von 4,0 auf 4,5 Prozent verzeichnet. Gleichzeitig habe das Britische Pfund gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung abgewertet.

Der US-Dollar habe angesichts der nunmehr geringeren Zinssenkungserwartungen im Oktober aufwerten können. Gegenüber dem Euro sei die US-Währung von etwas mehr als 1,11 auf weniger als 1,09 US-Dollar je Euro um rund 2,3 Prozent gefallen. Rückenwind für den Greenback habe sich aus der Erkenntnis ergeben, dass die US-Volkswirtschaft die jüngste Schwächephase schon wieder überwunden zu haben scheine, während sich die Konjunkturentwicklung in anderen Regionen weitaus weniger resilient gezeigt habe. Zudem sei der Markt von aggressiveren Zinssenkungen der Fed im Vergleich zu anderen Notenbanken ausgegangen. Angesichts der jüngsten Kommentare aus den Zentralbanken und der wirtschaftlichen Entwicklung habe sich hier die Einschätzung der Marktteilnehmer geändert. (Ausgabe Oktober 2024) (05.11.2024/alc/a/a)