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Renten: Neue Herausforderungen für Finanzmärkte - Bundesanleihen im freien Fall


12.01.15 17:03
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Auch 2015 bleibt es an den Finanzmärkten spannend, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Werde es der Europäischen Zentralbank (EZB) gelingen, eine europaweite Deflation zu verhindern und die Inflation in die Nähe des selbst gesteckten Zieles von zwei Prozent zu treiben? Und: Zu welchen Mitteln müssten und würden die Währungshüter greifen, nachdem die Senkung der Leit- und Einlagezinsen auf historische Tiefststände im vergangenen Jahr nicht zum erhofften Erfolg geführt habe? Spätestens am 22. Januar 2015, wenn die EZB zu ihrer fortan nur noch alle sechs Wochen stattfindenden geldpolitischen Sitzung zusammentreffe, werde sich zeigen, welchen Weg EZB-Präsident Mario Draghi und seine Ratskollegen angesichts der Herausforderungen gehen wollten.

Anfang dieses Jahres habe sich Draghi für den baldigen Kauf der EZB von Staatsanleihen stark gemacht. Es werde vermutet, dass es im EZB-Rat - trotz Widerstands der deutschen Bundesbank - eine Mehrheit für ein Quantitative Easing (QE) gebe. Verschiedene Modelle seien denkbar. Die EZB könnte Staatsanleihen nach ihrem Kapitalschlüssel kaufen, nach dem Volumen der ausstehenden Anleihen eines jeden Landes oder nach den Zinsspreads gegenüber deutschen Bundesanleihen.

Was treibe die Notenbanker? Ein Blick auf aktuelle Daten und Zahlen zeige, dass Europa auch Anfang 2015 noch nicht die erhoffte positive wirtschaftliche Entwicklung nehme.

Wie Notenbankchefin Janet Yellen habe vermuten lassen, sollte die FED noch mindestens bis März stillhalten. Die FED halte den Leitzins derzeit noch auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25%. Durchaus denkbar, dass erst für die Jahresmitte oder später mit einer Zinserhöhung zu rechnen sei. Es wäre die erste nach sechs Jahren ultralockerer Geldpolitik.

Grexit, wie der mögliche Austritt Griechenlands aus der Währungsunion genannt werde, und das schwache Wachstum hätten die Gemeinschaftswährung Euro zu Jahresbeginn weiter unter Druck gesetzt. Der Euro sei in der ersten Januarwoche auf den tiefsten Stand seit neun Jahren gefallen und habe bei 1,18 US-Dollar notiert. Die Sorgen um Griechenland und die Erwartungen hinsichtlich einer expansiveren EZB-Politik hätten die Gemeinschaftswährung belastet.

Die anstehenden Parlamentswahlen in Griechenland würden nicht nur bis zum Wahltermin ein Unsicherheitsfaktor bleiben. Die Regierungsbildung könnte schwierig werden. Im Fall eines Wahlsieges der Linkspartei Syrizia sei der wirtschaftspolitische Kurs Griechenlands ungewiss. Der Euro dürfte kurzfristig hiervon belastet werden.

Deutschland bleibe vor diesem Hintergrund bei den Investoren weiterhin attraktiv, hiesige Staatsanleihen und Pfandbriefe seien gefragt. Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen würden sich dadurch im Fall befinden und seien in der ersten Januarwoche unter die 0,5-Prozent-Marke gerutscht.

Auch die zehnjährigen Pfandbriefrenditen lägen Anfang Januar bei unter 0,8%. Die aktuelle Gemengelage aus schlechten Konjunkturdaten und dem Handlungsdruck der EZB, der sich durch die Bekanntgabe des Ankaufs von Staatsanleihen oder anderen geldpolitischen Maßnahmen entladen könnte, berge Unsicherheiten. (Ausgabe Januar 2015) (12.01.2015/alc/a/a)