Renten: Mario Draghi wird in Lindau keine neuen Informationen liefern


23.08.17 08:30
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die Investoren hoffen auf neue Signale zur künftigen Geldpolitik der FED und der EZB während des Treffens in Jackson Hole, das morgen beginnt und bei dem sowohl die FED-Chefin als auch der EZB-Präsident am Freitag ihre öffentlichen Auftritte haben, so die Analysten der National-Bank AG.

Nach wie vor sei es jedoch unwahrscheinlich, dass die Notenbanker neue Einblicke in die künftige Geldpolitik geben würden. Mario Draghi könne sich heute in Lindau bereits warm laufen. Er dürfte sich jedoch bedeckt halten, um den Märkten keine Signale zu geben, die sie falsch interpretieren könnten. Immerhin könne er aber auf die Erfolge der Geldpolitik der EZB hinweisen.

Schließlich laufe die Wirtschaft im Euroraum, ohne dass die meisten Euroländer bislang umfangreiche strukturelle Anpassungsmaßnahmen vorgenommen hätten. Allerdings liege genau hier das Risiko für die EZB, wenn der Stimulus zurückgefahren werde. Allerdings dürfte die europäische Wirtschaft in den kommenden Monaten eine hohe Dynamik aufweisen, was die vorläufigen Werte der Markit Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende und das Dienstleistungsgewerbe anzeigen dürften. Selbst erneut leicht rückläufige Werte wären kein Problem. Schließlich lägen die Zahlen alle deutlich oberhalb der Marke von 50 Punkten.

Auffällig sei gestern die Sonderbewegung der Renditen italienischer Staatsanleihen gewesen. Die Renditedifferenz zu Bunds habe sich deutlich ausgeweitet. Möglichweise würden die diversen Wahlprogramme der italienischen Parteien allmählich in den Fokus der Investoren rücken. Von weiteren Konsolidierungsbemühungen sowie konkreten Strukturreformen hätten sich die Parteien wohl weitestgehend verabschiedet. In Anbetracht der italienischen Verschuldungssituation gepaart mit der zu erwartenden Reduzierung bzw. völligen Rückführung des QE-Volumens würden die Investoren wahrscheinlich anfangen, sich Sorgen über die künftige Schuldentragfähigkeit des Landes zu machen.

Aus den USA sei gestern berichtet worden, dass sich eine Gruppe von sehr einflussreichen Republikanern, darunter die Mehrheitsführer in Senat und Repräsentantenhaus, um die Gestaltung der Steuerreform bemühen würden. Als Unternehmenssteuersatz würden 22 bis 25% genannt, auch die Arbeitnehmer sollten entlastet werden. Die Diskussion über die Gegenfinanzierung umfasse alt bekanntes - Reduzierung der Abzugsfähigkeit von Hypothekenzinsen, lokaler Steuern, Zinszahlungen der Unternehmen usw.

Insgesamt sei es verwunderlich, dass die Anleger darauf reagiert hätten, denn inhaltlich sei nichts Neues dabei. Und der US-Präsident sollte mit seinen Aussagen vor Anhängern eher für Verunsicherung gesorgt haben: Er deute an, dass er Geld für den Mauerbau zu Mexiko wolle und dafür ggf. ein Lahmlegen der öffentlichen Verwaltung in Kauf nehmen würde. Für die benötigte Anhebung der Schuldenobergrenze sowie den US-Haushalt für das kommenden Fiskaljahr seien das keine guten Gesprächsvoraussetzungen.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) dürfte heute Morgen mit leichten Verlusten in den Tag starten, denn die Aufstockung der 2027er Bund sollte belastend wirken. Im Tagesverlauf sollte er sich zwischen 163,55 und 164,90 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries sollte zwischen 2,15 und 2,28% schwanken. (23.08.2017/alc/a/a)





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