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Renten: Höheres Renditeniveau bietet Kaufgelegenheiten


08.05.15 15:49
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Hatten wir vor zwei Wochen an dieser Stelle noch davon berichtet, dass der deutsche Staat für Kredite bis zu neun Jahren Laufzeit sogar belohnt wurde und eine negative Rendite auch für 10-jährige Bundesanleihen kurz bevorstünde, so hat sich das Blatt nun gewendet: Innerhalb weniger Tage stiegen die Renditen in rasantem Tempo wieder an, so die Analysten der Weberbank.

Zum Beispiel sei die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit vom Rekordtief in Höhe von 0,05 Prozent auf zwischenzeitlich fast 0,6 Prozent hochgeschnellt. Dieses Phänomen sei insbesondere bei Bundesanleihen aufgetreten, aber ebenso auch bei anderen Staatsanleihen, Pfandbriefen oder Unternehmensanleihen, wobei der Renditeanstieg weniger stark ausgeprägt gewesen sei und auf Basis eines allgemein höheren Renditeniveaus stattgefunden habe.

Konjunkturelle Gründe, also eine deutliche Verbesserung von makroökonomischen Daten, könnten nicht als Erklärung für diesen starken Anstieg herhalten. Das gelte insbesondere, da der Rentenmarkt durch das Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) massiv verzerrt sei. Über den Auslöser des Renditeanstiegs dürfe also spekuliert werden. So sei im Vorfeld von einigen Marktteilnehmern nach den schnellen Kursanstiegen vor einer Überhitzung gewarnt worden. Aus technischer Sicht seien zudem Gewinnmitnahmen nach den Kursanstiegen denkbar.

Argumentiert worden sei auch, dass die EZB in den letzten Apriltagen nicht mehr als Käufer aufgetreten sei, da das monatliche Kaufziel bereits vorzeitig erreicht worden sei. In Summe hätten vermutlich viele kleine Mosaiksteinchen dazu geführt, dass die Richtung am Rentenmarkt zu drehen geschienen habe. Die Analysten seien mittelfristig jedoch positiv gestimmt. Die Anleihenkäufe der EZB würden auf absehbare Zeit das Geschehen an den Rentenmärkten dominieren und das Renditeniveau flachhalten. Die aktuelle Bewegung am Rentenmarkt stelle für die Analysten eine Kaufgelegenheit dar.

Wer sein Glück in den letzten Monaten am Aktienmarkt gesucht habe, der sei in den vergangenen Tagen in die Börsen-Realität zurückgeholt worden und dessen Geduld sei auf die Probe gestellt worden. Hätten die Indices lange Zeit nur eine Richtung gekannt, hätten DAX, EURO STOXX 50 und andere europäische Leitindices von den Jahreshöchstkursen rund sechs bis neun Prozent (DAX) verloren. Der amerikanische Aktienmarkt habe sich hingegen etwas stärker gezeigt. Für die Analysten sei das eine ganz normale Korrektur in einem beinahe beispiellosen Börsenaufschwung, denn belastbare fundamentale Gründe lägen nicht vor.

Auch wenn diese Börsenphase im traditionell schwachen Monat Mai noch anhalten könne, würden die Analysten niedrigere Kurse als Einstiegschance sehen. Dafür gebe es durchaus fundamentale Gründe wie etwa die recht erfreulich anlaufende Berichtssaison amerikanischer und europäischer Unternehmen. Günstige Energiepreise sowie der schwache Außenwert des Euros würden nach und nach positiv in den Gewinn- und Verlustrechnungen insbesondere europäischer Unternehmen zu Buche schlagen. Darüber hinaus sei die Geldschwemme der EZB ein Haupttreiber für steigende Aktienkurse. Obwohl sich der US-Aktienmarkt in Schwächephasen oftmals stabiler zeige, würden die Analysten die attraktivere Anlagemöglichkeit folglich in Europa sehen.

Hierzulande würden die Analysten in den letzten Wochen auch eine leicht dynamischere Konjunkturerholung sehen, während in den USA im ersten Quartal 2015 das Wirtschaftswachstum fast stagniert habe. Im Vergleich zum Vorquartal sei die US-Wirtschaft nur noch um annualisierte 0,2 Prozent gewachsen, nach noch 2,2 Prozent im Vorquartal. Freilich beinhalte diese Erstschätzung auch einige Sondereinflüsse wie Streiks und schlechtes Wetter, die bereits im laufenden Quartal zumindest teilweise ausgeglichen werden könnten.

Dennoch habe zuletzt auch der US-Arbeitsmarkt enttäuscht, was die US-Notenbank dazu veranlassen könnte, den Leitzins erst im dritten Quartal anzuheben. In Europa hingegen würden einige Vorlaufindikatoren weitere Verbesserungen zeigen, wie zum Beispiel der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland. Getragen seien diese vor allem von Erwartungen, dass schwacher Euro und niedrige Energiekosten Rückenwind für die europäische Wirtschaft bieten würden.

Der Euro habe zuletzt überraschenderweise aufgewertet, nachdem er ein 12-Jahres-Tief zum US-Dollar markiert habe. Fundamental spreche vieles für einen starken Dollar, insbesondere die Erwartung, dass die US-Notenbank die Zinsen noch in diesem Jahr erhöhen werde. Die ultra-expansive Geldpolitik der EZB sollte den Euro zudem weiter schwächen. Aus Sicht der Analysten sei also die aktuelle Erholung der europäischen Gemeinschaftswährung nur temporärer Natur und sollte keine Trendwende einläuten. (08.05.2015/alc/a/a)