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Renten: Geld verdienen mit neuen Schulden
22.07.16 10:44
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Jahren war eine der Aufgaben von Analysten für Rentenmärkte, neue Superlative für die Marktbewegungen zu suchen, so die Analysten der Weberbank.
"Neues Rekordhoch" oder "wieder ein Renditetief" hätten sich in nahezu jeder Publikation gefunden. Mit der neuesten zehnjährigen Emission seitens des Bundesfinanzministeriums brauche man keinen Superlativ mehr. Schulden seien nun gleichbedeutend mit Einnahmen. Dass Anleihen an den Markt kämen und eine Zinszahlung von Null hätten, sei nicht ganz neu, aber dass lang laufende auch eine negative Emissionsrendite aufweisen würden schon. Was bedeute das konkret? Es sei eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren, einer Zinszahlung von Null und einer Rendite von -0,05% emittiert worden. Dies gehe nur, wenn der Verkaufspreis höher sei als der erforderliche Rückzahlungswert. Und somit sei die Verschuldung nun nicht mehr nur kostenfrei, sondern direkt zur Einnahmequelle geworden.
Und das Beste dabei: Die Einnahmen würden direkt mit der Herausgabe der Anleihen erzielt und nicht verteilt über die gesamte Laufzeit. Sei nun mehr Verschuldung besser? Was würden die Maastricht-Kriterien noch bedeuten - in diesem Umfeld? Oder sei das das eigentliche Ziel der Europäischen Zentralbank gewesen? Werde sie weiter machen, bis auch andere Länder des Euroraumes ihre Haushalte durch mehr Verschuldung entlasten würden? Dies seien alles Fragen, die nur abermals vor Augen führen, wie sehr die Anleihenmärkte verzerrt seien und dass eine normale Preisbildung nicht mehr möglich sei.
Da nicht absehbar sei, wann oder ob die Notenbanken überhaupt einen Ausweg aus dieser Liquiditätsspirale finden würden, würden die Analysten Anlegern empfehlen, weiter auf die Notenbank zu setzen und gleichzeitig Märkte zu nutzen, in die keine direkten Eingriffe erfolgen würden. Das bedeute konkret, von den Käufen zu profitieren und auf Anleihen zu setzen, die von der EZB auch gekauft würden, vor allem aus dem Unternehmenssektor. Da dies aber eine hohe Achtsamkeit und genaue Beobachtung erfordere, sollten unabhängige Märkte in den Portfolien höher gewichtet werden. Zuletzt hätten sich hier vor allem wieder Engagements in Schwellenländerregionen angeboten.
Auch wenn die Entwicklungen noch mit zahlreichen Fragezeichen versehen seien, seien erste Verbesserungen des fundamentalen Umfeldes zu erkennen. Aus Sicht der Analysten würden die höheren Risiken, welche sich in größeren Schwankungen zeigen würden, durch attraktive Ertragschancen vergütet, sowohl bei staatlichen als auch bei Unternehmenspapieren. Das sei in Europa schon seit geraumer Zeit nicht mehr der Fall.
Gleiches gelte auch für die Aktienmärkte der Wachstumsregionen. Trotz zahlreicher politischer Schwierigkeiten scheine der wirtschaftliche Abschwung abzuklingen. Dies gelte vor allem für Länder, die in den vergangenen Jahren unter rückläufigen Rohstoffpreisen gelitten hätten. Die zuletzt veröffentlichten Vorlaufindikatoren würden die gestiegenen Erwartungen und die positiven Entwicklungen an den Aktienmärkten bestätigen. Eine höhere Gewichtung biete sich nach langer Durststrecke wieder an. Den Schwerpunkt eines Depots würden die Analysten jedoch weiterhin in den USA legen. Hier kämen zwei Aspekte zum Tragen. Erstens seien die letzten Konjunkturdaten wie beispielsweise der Arbeitsmarktbericht und auch die Konsum- und Produktionszahlen wirklich gut gewesen. Und zweitens habe sich trotz der guten Daten die Straffung der Geldpolitik ein wenig nach hinten verschoben.
Nach Erachten der Analysten seien dies die besten Voraussetzungen, um weiterhin zu wachsen. Ein Wermutstropfen könnte die begonnene Berichtssaison sein. Denn die Erwartungshaltung deute mehr auf Minuszeichen hin. Jedoch zeige sich ein zuletzt häufiger festgestelltes Phänomen: Die Erwartungen würden im Vorfeld nach unten korrigiert, um anschließend von den gemeldeten Zahlen übertroffen zu werden. Je öfter sich dieses Muster zeige, umso bedeutungsloser würden natürlich die Schätzungen als Impulsgeber. Dies gelte vor allem unter der These der rationalen Erwartungen. Diese besage, dass nicht systematisch die gleichen Fehler gemacht würden. Als ob sich die Marktteilnehmer immer wieder von der Abwärtsrevision der Gewinnerwartungen täuschen lassen würden.
So verwundere auch das neue Hoch im S&P 500-Index nicht und bestätige die positive Einschätzung der Analysten für den US-Aktienmarkt. Auch in Europa hätten sich die Gewinnerwartungen weiter verschlechtert. Im Vergleich zu den USA aber auf niedrigerem Niveau. Auch könnten die Analysten die vorsichtige Einschätzung durchaus nachvollziehen. Zu hoch sei die Ungewissheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung. In jedem Fall würden sie davon ausgehen, dass die Dynamik geringer sein sollte als in den USA. Darauf würden auch die zuletzt veröffentlichten Wachstumseinschätzungen deuten, welche nach dem Austrittsentscheid Großbritanniens deutlich gesenkt worden seien.
Die Märkte hätten sich dennoch positiv entwickelt. Hoffnungen auf weitere EZB-Maßnahmen seien der entscheidende Treiber gewesen. Aus Sicht der Analysten ein gefährliches Spiel, sodass sie bei ihrer Empfehlung, Europa unterzugewichten, vorerst bleiben würden. (22.07.2016/alc/a/a)
"Neues Rekordhoch" oder "wieder ein Renditetief" hätten sich in nahezu jeder Publikation gefunden. Mit der neuesten zehnjährigen Emission seitens des Bundesfinanzministeriums brauche man keinen Superlativ mehr. Schulden seien nun gleichbedeutend mit Einnahmen. Dass Anleihen an den Markt kämen und eine Zinszahlung von Null hätten, sei nicht ganz neu, aber dass lang laufende auch eine negative Emissionsrendite aufweisen würden schon. Was bedeute das konkret? Es sei eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren, einer Zinszahlung von Null und einer Rendite von -0,05% emittiert worden. Dies gehe nur, wenn der Verkaufspreis höher sei als der erforderliche Rückzahlungswert. Und somit sei die Verschuldung nun nicht mehr nur kostenfrei, sondern direkt zur Einnahmequelle geworden.
Und das Beste dabei: Die Einnahmen würden direkt mit der Herausgabe der Anleihen erzielt und nicht verteilt über die gesamte Laufzeit. Sei nun mehr Verschuldung besser? Was würden die Maastricht-Kriterien noch bedeuten - in diesem Umfeld? Oder sei das das eigentliche Ziel der Europäischen Zentralbank gewesen? Werde sie weiter machen, bis auch andere Länder des Euroraumes ihre Haushalte durch mehr Verschuldung entlasten würden? Dies seien alles Fragen, die nur abermals vor Augen führen, wie sehr die Anleihenmärkte verzerrt seien und dass eine normale Preisbildung nicht mehr möglich sei.
Da nicht absehbar sei, wann oder ob die Notenbanken überhaupt einen Ausweg aus dieser Liquiditätsspirale finden würden, würden die Analysten Anlegern empfehlen, weiter auf die Notenbank zu setzen und gleichzeitig Märkte zu nutzen, in die keine direkten Eingriffe erfolgen würden. Das bedeute konkret, von den Käufen zu profitieren und auf Anleihen zu setzen, die von der EZB auch gekauft würden, vor allem aus dem Unternehmenssektor. Da dies aber eine hohe Achtsamkeit und genaue Beobachtung erfordere, sollten unabhängige Märkte in den Portfolien höher gewichtet werden. Zuletzt hätten sich hier vor allem wieder Engagements in Schwellenländerregionen angeboten.
Gleiches gelte auch für die Aktienmärkte der Wachstumsregionen. Trotz zahlreicher politischer Schwierigkeiten scheine der wirtschaftliche Abschwung abzuklingen. Dies gelte vor allem für Länder, die in den vergangenen Jahren unter rückläufigen Rohstoffpreisen gelitten hätten. Die zuletzt veröffentlichten Vorlaufindikatoren würden die gestiegenen Erwartungen und die positiven Entwicklungen an den Aktienmärkten bestätigen. Eine höhere Gewichtung biete sich nach langer Durststrecke wieder an. Den Schwerpunkt eines Depots würden die Analysten jedoch weiterhin in den USA legen. Hier kämen zwei Aspekte zum Tragen. Erstens seien die letzten Konjunkturdaten wie beispielsweise der Arbeitsmarktbericht und auch die Konsum- und Produktionszahlen wirklich gut gewesen. Und zweitens habe sich trotz der guten Daten die Straffung der Geldpolitik ein wenig nach hinten verschoben.
Nach Erachten der Analysten seien dies die besten Voraussetzungen, um weiterhin zu wachsen. Ein Wermutstropfen könnte die begonnene Berichtssaison sein. Denn die Erwartungshaltung deute mehr auf Minuszeichen hin. Jedoch zeige sich ein zuletzt häufiger festgestelltes Phänomen: Die Erwartungen würden im Vorfeld nach unten korrigiert, um anschließend von den gemeldeten Zahlen übertroffen zu werden. Je öfter sich dieses Muster zeige, umso bedeutungsloser würden natürlich die Schätzungen als Impulsgeber. Dies gelte vor allem unter der These der rationalen Erwartungen. Diese besage, dass nicht systematisch die gleichen Fehler gemacht würden. Als ob sich die Marktteilnehmer immer wieder von der Abwärtsrevision der Gewinnerwartungen täuschen lassen würden.
So verwundere auch das neue Hoch im S&P 500-Index nicht und bestätige die positive Einschätzung der Analysten für den US-Aktienmarkt. Auch in Europa hätten sich die Gewinnerwartungen weiter verschlechtert. Im Vergleich zu den USA aber auf niedrigerem Niveau. Auch könnten die Analysten die vorsichtige Einschätzung durchaus nachvollziehen. Zu hoch sei die Ungewissheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung. In jedem Fall würden sie davon ausgehen, dass die Dynamik geringer sein sollte als in den USA. Darauf würden auch die zuletzt veröffentlichten Wachstumseinschätzungen deuten, welche nach dem Austrittsentscheid Großbritanniens deutlich gesenkt worden seien.
Die Märkte hätten sich dennoch positiv entwickelt. Hoffnungen auf weitere EZB-Maßnahmen seien der entscheidende Treiber gewesen. Aus Sicht der Analysten ein gefährliches Spiel, sodass sie bei ihrer Empfehlung, Europa unterzugewichten, vorerst bleiben würden. (22.07.2016/alc/a/a)


