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Renten: EZB dementiert Pläne einer angeblichen Zinserhöhung


20.09.21 14:40
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der Presse tauchte ein Artikel auf, wonach das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank 2025 erreicht sei und die Währungshüter deshalb womöglich schon 2023 mit den ersten Zinserhöhungen beginnen könnten, so die Experten von Union Investment.

Schnell sei ein Dementi der Notenbanker gefolgt. Solch eine Aussage habe man nicht getroffen. Viel spreche dafür, dass dies ein Ergebnis aus einer Modellrechnung gewesen sein könnte. Dennoch zeige dies auch, dass die Meinungen innerhalb der EZB zunehmend auseinander gehen würden. Am Euro-Rentenmarkt habe sich daher der Trend zu leicht steigenden Renditen fortgesetzt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen sei bis Freitagmittag auf -0,28 Prozent geklettert, den höchsten Wert seit Anfang Juli.

US-Staatsanleihen hätten hingegen eher seitwärts gehandelt. Die guten US-Einzelhandelsumsätze hätten die Rentenmärkte nur kurz belastet. Vor der anstehenden Sitzung der US-Notenbank wolle sich offenbar kein Marktteilnehmer allzu offensiv in die eine oder andere Richtung positionieren. Unklar sei weiterhin, wann die US-Währungshüter mit der Drosselung ihrer Anleihekäufe beginnen könnten.

Trotz der leicht steigenden Renditen im Euroraum sei die Nachfrage hoch geblieben. Österreich habe in der vergangenen Woche ein neues 15-jähriges Papier im Umfang von fünf Milliarden Euro emittiert. Die Orderaufträge hätten sich dabei auf einen Rekordwert von 42 Milliarden Euro summiert. Auch im Bereich der Unternehmensanleihen sei wieder eine Reihe an Titeln platziert worden. Mitunter seien die Preisvorstellungen recht ambitioniert gewesen, sodass die Anleihen keine großen Prämien geboten hätten. Die Erstnotiz sei letztlich aber dennoch in der Nähe des Ausgabepreises gewesen.

Das Großereignis dieser Woche sei die Sitzung der US-Notenbank FED. Eine Entscheidung über den Beginn einer Reduzierung des Kaufprogramms gelte zwar als unwahrscheinlich, die zuletzt guten Konjunkturdaten würden aber die Tür hierfür ein Stück offen lassen. Nur einen Tag später, am Donnerstag, tage die Norwegische Zentralbank. Diese habe schon im Sommer avisiert, im September die Zinswende einzuläuten. Eine Anhebung des Leitzinses von 0,00 auf 0,25 Prozent gelte daher als ausgemacht.

Kurz vor dem Wochenende werde der ifo-Geschäftsklimabericht präsentiert. Angesichts der anhaltenden Lieferengpässe sei mit einem erneuten Rückgang zu rechnen. Denkbar sei auch, dass die anstehende Bundestagswahl auf der Stimmung laste. Als weitere Frühindikatoren würden diverse Einkaufsmanagerindices veröffentlicht. (Ausgabe vom 17.09.2021) (20.09.2021/alc/a/a)