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Renten: Draghi weiter gegen Exit aus lockerer Geldpolitik, zuletzt Verluste bei Bundesanleihen
30.05.17 09:00
Alte Leipziger Trust
Oberursel (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsident Mario Draghi hat die ultralockere Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) verteidigt, so die Experten der Alte Leipziger Trust.
Forderungen nach einem schnellen Kurswechsel hätten eine Absage erhalten. Nach dessen Ansicht würden die Vorteile der EZB-Politik die Nachteile überwiegen. So sei es trotz des anziehenden Wachstums in der Eurozone zu früh, einen Erfolg zu verkünden. Der sich festigende ökonomische Aufschwung in der Eurozone und die Wiederbelebung der Inflation hätten Forderungen nach einer baldigen Kehrtwende der EZB lauter werden lassen.
Die Mehrheit im EZB-Rat lehne diesen Exit aber bislang ab. Denn sie sei nicht davon überzeugt, dass sich die Inflation bereits nachhaltig Richtung des EZB-Ziels von knapp unter 2% bewege und dass die Wirtschaft bereits ohne EZB-Hilfe auskommen könne. Die EZB wolle bis Ende 2017 für 60 Milliarden Euro im Monat Anleihen kaufen und über Zinserhöhungen erst nach dem Ende des Quantitative Easing (QE) nachdenken.
Vor allem in Deutschland würden die Forderungen immer lauter, QE bereits im laufenden Jahr weiter herunterzufahren. Einige Marktakteure würden weiter über eine Erhöhung des Einlagezinses noch vor dem Jahresende spekulieren. Der EZB-Präsident habe sich weiterhin dafür stark gemacht, die Währungsunion weiterzuentwickeln. So habe er unter anderem für eine gemeinsame EU-Einlagensicherung und eine gemeinsame finanzielle Absicherung für den EU-Abwicklungsfonds (Single Resolution Fund) plädiert - wobei parallel die Risiken in den Bankbilanzen abgebaut werden müssten. In Deutschland stoße vor allem die Einlagensicherung auf großen Widerstand.
Der neue französische Präsident Emmanuel Macron werbe für ein Euro-Budget und einen Euro-Finanzminister. Weiterhin mache er sich für Euro-Bonds stark, die eine Vergemeinschaftung der europäischen Schulden darstellen würden. In Deutschland gebe es auch dagegen großen Widerspruch. Die Bundesregierung stecke nun in einem Dilemma: In der Eurozone eine sukzessive Abkehr vom Konsolidierungskurs und den Haushaltsregeln zuzulassen und die Tür für eine Transferunion anzustoßen oder ein - politisch sicher keinesfalls anzustrebendes - Scheitern von Emmanuel Macron in Kauf zu nehmen und einen Zerfall der EU zu riskieren.
So sei die Zeit politischer Kompromisse angebrochen, damit das europäische Projekt stabilisiert werden könne.
Rentenaffine Anleger, die auf Bundesanleihen gesetzt hätten, hätten zuletzt Verluste erlitten: So sei die Umlaufrendite von minus 0,06% auf plus 0,23% geklettert. Auch deshalb würden einige Investoren wohl wieder auf eine Assetklasse setzen, die sie eigentlich hätten meiden wollen: Aktien. Daher habe sich zuletzt eine "Kaufen bei Schwäche"-Mentalität am deutschen Aktienmarkt durchgesetzt, welche die DAX-Konsolidierungen gebremst und damit die Volatilität verringert habe.
Die Wirtschaft der Euro-Zone zeige sich trotz politischer Störfaktoren solide, sie habe mit 0,5% im Vorquartal recht deutlich auch an Breite zugelegt. Das Wachstum sei damit doppelt so stark ausgefallen wie das in den Vereinigten Staaten. Positiv sei, dass die Konjunktur regional breit aufgestellt gewesen sei und sie zunehmend gefestigt erscheine.
So würden alle Mitgliedsländer bis auf Griechenland Zuwächse beim Bruttoinlandsprodukt verzeichnen. Auch die deutsche Wirtschaft sei gut gelaunt ins Jahr 2017 gestartet. Im ersten Quartal habe das BIP um 0,6% gegenüber dem Vorquartal zugenommen. Die Robustheit der Wirtschaft der Eurozone in den letzten Jahren sei angesichts der Vielzahl der Störfeuer überraschend. Infolge der Brexit-Entscheidung und des für die meisten Marktteilnehmer überraschenden Wahlausgangs in den USA wären negative Reaktionen der Finanzmärkte und negative Folgen für die Konjunktur nicht ungewöhnlich gewesen.
Das Wachstum in Deutschland, das durch den Konsum gestützt werde und zunehmend Impulse durch die globale Konjunktur erhalte, sollte auch in den kommenden Quartalen robust bleiben. Trotz des vergleichsweise schwächeren Wachstums in den USA im 1. Quartal 2017 sollte sich im Jahresverlauf eine Beschleunigung des Wachstums einstellen. Risiken bestünden, wenn die hohe Erwartung an die Trump-Administration nicht erfüllt werden sollten. Auch in den Schwellenländern sollte sich die Belebung fortsetzen können. Große Volkswirtschaften wie Brasilien oder Russland hätten ihre Rezessionen offenbar überwinden können.
Im ersten Quartal 2017 habe die Preissteigerung im Euroraum und in den USA angezogen. Ursächlich hierfür seien die Basiseffekte in Folge des tendenziell anziehenden Ölpreises gewesen. Allerdings: Von einer nachhaltigen Inflationsdynamik würden die Experten trotz der anziehenden Konjunkturerholung nicht ausgehen. So scheine der Aufwärtstrend bei den Rohstoffpreisen gestoppt zu sein. Weiterhin zeige die immer noch auf einem niedrigen Niveau verharrende Kerninflation, dass es keinen nachhaltigen Anstieg der Inflationsdynamik gebe.
Vieles spreche dafür, dass die von der neuen US-Administration angekündigten Reform- und Stimulierungsprogramme nur mithilfe von Kompromissen umgesetzt werden sollten. Hierdurch könnte die Effektivität der Reformschritte verwässert werden. Vor allem gelte dies für die Steuerreform, die das US-Haushaltsdefizit nochmals ausweiten könnten.
So bleibe es nach Erachten der Experten fraglich, ob und in welchem Ausmaß der US-Dollar erneut gegenüber dem Euro aufwerten könne. Denn die europäische Konjunktur erweise sich weiter als robust und die EZB sollte perspektivisch ihre äußerst expansive Geldpolitik unter anderem durch Rückführung ihres Aufkaufprogramms ein wenig straffen können. Kurzfristig sei mit einer US-Dollar-Aufwertung zu rechnen, insbesondere dann, wenn die FED ihren Zinserhöhungszyklus fortsetze, während sich die EZB im laufenden Jahr - was Zinsanhebungen betreffe - weiterhin bedeckt halten sollte. (Ausgabe Juni 2017) (30.05.2017/alc/a/a)
Forderungen nach einem schnellen Kurswechsel hätten eine Absage erhalten. Nach dessen Ansicht würden die Vorteile der EZB-Politik die Nachteile überwiegen. So sei es trotz des anziehenden Wachstums in der Eurozone zu früh, einen Erfolg zu verkünden. Der sich festigende ökonomische Aufschwung in der Eurozone und die Wiederbelebung der Inflation hätten Forderungen nach einer baldigen Kehrtwende der EZB lauter werden lassen.
Die Mehrheit im EZB-Rat lehne diesen Exit aber bislang ab. Denn sie sei nicht davon überzeugt, dass sich die Inflation bereits nachhaltig Richtung des EZB-Ziels von knapp unter 2% bewege und dass die Wirtschaft bereits ohne EZB-Hilfe auskommen könne. Die EZB wolle bis Ende 2017 für 60 Milliarden Euro im Monat Anleihen kaufen und über Zinserhöhungen erst nach dem Ende des Quantitative Easing (QE) nachdenken.
Vor allem in Deutschland würden die Forderungen immer lauter, QE bereits im laufenden Jahr weiter herunterzufahren. Einige Marktakteure würden weiter über eine Erhöhung des Einlagezinses noch vor dem Jahresende spekulieren. Der EZB-Präsident habe sich weiterhin dafür stark gemacht, die Währungsunion weiterzuentwickeln. So habe er unter anderem für eine gemeinsame EU-Einlagensicherung und eine gemeinsame finanzielle Absicherung für den EU-Abwicklungsfonds (Single Resolution Fund) plädiert - wobei parallel die Risiken in den Bankbilanzen abgebaut werden müssten. In Deutschland stoße vor allem die Einlagensicherung auf großen Widerstand.
Der neue französische Präsident Emmanuel Macron werbe für ein Euro-Budget und einen Euro-Finanzminister. Weiterhin mache er sich für Euro-Bonds stark, die eine Vergemeinschaftung der europäischen Schulden darstellen würden. In Deutschland gebe es auch dagegen großen Widerspruch. Die Bundesregierung stecke nun in einem Dilemma: In der Eurozone eine sukzessive Abkehr vom Konsolidierungskurs und den Haushaltsregeln zuzulassen und die Tür für eine Transferunion anzustoßen oder ein - politisch sicher keinesfalls anzustrebendes - Scheitern von Emmanuel Macron in Kauf zu nehmen und einen Zerfall der EU zu riskieren.
So sei die Zeit politischer Kompromisse angebrochen, damit das europäische Projekt stabilisiert werden könne.
Die Wirtschaft der Euro-Zone zeige sich trotz politischer Störfaktoren solide, sie habe mit 0,5% im Vorquartal recht deutlich auch an Breite zugelegt. Das Wachstum sei damit doppelt so stark ausgefallen wie das in den Vereinigten Staaten. Positiv sei, dass die Konjunktur regional breit aufgestellt gewesen sei und sie zunehmend gefestigt erscheine.
So würden alle Mitgliedsländer bis auf Griechenland Zuwächse beim Bruttoinlandsprodukt verzeichnen. Auch die deutsche Wirtschaft sei gut gelaunt ins Jahr 2017 gestartet. Im ersten Quartal habe das BIP um 0,6% gegenüber dem Vorquartal zugenommen. Die Robustheit der Wirtschaft der Eurozone in den letzten Jahren sei angesichts der Vielzahl der Störfeuer überraschend. Infolge der Brexit-Entscheidung und des für die meisten Marktteilnehmer überraschenden Wahlausgangs in den USA wären negative Reaktionen der Finanzmärkte und negative Folgen für die Konjunktur nicht ungewöhnlich gewesen.
Das Wachstum in Deutschland, das durch den Konsum gestützt werde und zunehmend Impulse durch die globale Konjunktur erhalte, sollte auch in den kommenden Quartalen robust bleiben. Trotz des vergleichsweise schwächeren Wachstums in den USA im 1. Quartal 2017 sollte sich im Jahresverlauf eine Beschleunigung des Wachstums einstellen. Risiken bestünden, wenn die hohe Erwartung an die Trump-Administration nicht erfüllt werden sollten. Auch in den Schwellenländern sollte sich die Belebung fortsetzen können. Große Volkswirtschaften wie Brasilien oder Russland hätten ihre Rezessionen offenbar überwinden können.
Im ersten Quartal 2017 habe die Preissteigerung im Euroraum und in den USA angezogen. Ursächlich hierfür seien die Basiseffekte in Folge des tendenziell anziehenden Ölpreises gewesen. Allerdings: Von einer nachhaltigen Inflationsdynamik würden die Experten trotz der anziehenden Konjunkturerholung nicht ausgehen. So scheine der Aufwärtstrend bei den Rohstoffpreisen gestoppt zu sein. Weiterhin zeige die immer noch auf einem niedrigen Niveau verharrende Kerninflation, dass es keinen nachhaltigen Anstieg der Inflationsdynamik gebe.
Vieles spreche dafür, dass die von der neuen US-Administration angekündigten Reform- und Stimulierungsprogramme nur mithilfe von Kompromissen umgesetzt werden sollten. Hierdurch könnte die Effektivität der Reformschritte verwässert werden. Vor allem gelte dies für die Steuerreform, die das US-Haushaltsdefizit nochmals ausweiten könnten.
So bleibe es nach Erachten der Experten fraglich, ob und in welchem Ausmaß der US-Dollar erneut gegenüber dem Euro aufwerten könne. Denn die europäische Konjunktur erweise sich weiter als robust und die EZB sollte perspektivisch ihre äußerst expansive Geldpolitik unter anderem durch Rückführung ihres Aufkaufprogramms ein wenig straffen können. Kurzfristig sei mit einer US-Dollar-Aufwertung zu rechnen, insbesondere dann, wenn die FED ihren Zinserhöhungszyklus fortsetze, während sich die EZB im laufenden Jahr - was Zinsanhebungen betreffe - weiterhin bedeckt halten sollte. (Ausgabe Juni 2017) (30.05.2017/alc/a/a)


