Erweiterte Funktionen
Renten: Diverse Baustellen in den USA
07.02.19 11:30
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Die Einladung von D. T., dem Unberechenbaren, an Jerome Powell, den Chef der US-Notenbank FED, zum gemeinsamen Essen ins Weiße Haus, sollte man nicht überbewerten, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Zumal bei diesem Termin auch noch Finanzminister Steven Mnuchin sowie FED-Vize Richard Clarida zugegen gewesen seien und über die Wirtschaftspolitik des Landes, aber nicht über die zukünftige Geldpolitik der FED gesprochen worden sei. Es dürfte auch nichts an der unabhängigen Haltung von Powell geändert haben, welche dieser bisher bei seinen geldpolitischen Entscheidungen an den Tag gelegt habe.
Es könnte aber durchaus ein Hinweis darauf sein, dass US-Präsident Donald Trump den Gegenwind wahrnehme, der ihm immer in mancherlei Hinsicht ins Gesicht blase. Deshalb möge er auch bei seiner Rede an die Nation die Einheit des Landes beschworen haben, indem er die Demokraten zur Zusammenarbeit aufgerufen habe. Die Aussagen hätten zwar versöhnlich geklungen, seien aber letztlich nur Floskeln gewesen, würden sie doch keinerlei konkreten Aus- oder Zusagen beinhalten. Und für den erneut drohenden Shutdown, der ein Downgrade der Bonität bedeuten könnte, sei damit auch kein Lösungsansatz gefunden.
Also sei nichts gewonnen, insbesondere mit Blick auf den 15. Februar. Denn an diesem Tag laufe die Frist aus, für welche der Government Shutdown ausgesetzt sei. Sollte es dann wiederum zu keiner Lösung im Haushaltsstreit um die Mauer zu Mexiko kommen, drohe ein weiterer Regierungsstillstand. Rufe der Präsident dann womöglich den "Notstand" aus und baue die Mauer ohne Zustimmung des Kongresses?
Bekanntlich hätten die großen Ratingagenturen den jüngsten Shutdown zum Anlass genommen, das Credit Rating des Landes unter die Lupe zu nehmen. Sollte der Haushaltsstillstand und die Schuldenobergrenze von 22 Billionen US-Dollar, die am 2. März wiedereingesetzt werde, zum Problem werden, drohe den USA der Verlust ihres Triple-A-Ratings. Dies dürfte schnell sehr viel teurer werden als die mit 5,7 Mrd. US-Dollar veranschlagte Grenzmauer zu Mexiko.
Beruhigend sei, dass in solch aufgewühltem Fahrwasser die US-Notenbank eine verlässliche Institution darstelle und den Gegenpol zur Sprunghaftigkeit des Präsidenten gebe. Abwarten und einen Whiskey trinken, so laute daher die Devise des US-Notenbankers Robert Kaplan, der dafür plädiere, von weiteren Zinsschritten abzusehen, bis die Wirtschaftsaussichten besser beurteilt werden könnten. Und seines Erachtens werde man im 1. Halbjahr 2019 mehr Klarheit erhalten.
Nachdem die FED 2018 ihren Leitzins insgesamt vier Mal angehoben habe, habe Powell im Januar eine Kehrtwende angedeutet. So werde die FED bei künftigen Entscheidungen geduldig reagieren. Für 2020 würden am Kapitalmarkt gar erste Zinssenkungen nicht mehr ausgeschlossen. Diese dürften der Wirtschaft neue Impulse geben und kämen Trump, der schließlich wiedergewählt werden wolle, gerade recht. Aber egal, ob es dem Ansinnen des Präsidenten nutze oder schade, die FED müsse unabhängig entscheiden und sei nur einer Art von Politik verpflichtet: Der Geldpolitik.
Der "Deadlock" in der Brexit-Debatte sei bekannt. Das britische Parlament akzeptiere Theresa Mays Austrittsvereinbarung nicht, die Abgeordneten wollten den sogenannten "Backstop", der eine harte Grenze zu Irland verhindern solle, kippen. Das aber sei mit der EU nicht zu machen. Die Premierministerin beschwöre zwar immer wieder, reichlich realitätsfern, die Formel von den Nachverhandlungen, mache aber selbst keine konstruktiven Vorschläge und das sei auch die Erwartungshaltung für ihren erneuten Besuch in Brüssel am heutigen Donnerstag. Zwar beteuere May, dass sie eine Rückkehr zu den Grenzen der Vergangenheit in Irland nicht zulassen werde, aber es bleibe ihr Geheimnis, wie sie dies ohne "Backstop" gegen die Hardliner ihrer Tory-Partei verhindern wolle.
Nun also würden mehrere Minister in London fordern, den Brexit zu verschieben, wie die Zeitung "Telegraph" berichte. Statt am 29. März solle demnach das Vereinigte Königreich am 24. Mai die EU verlassen - also denkbar knapp vor einer ansonsten abzuhaltenden Europawahl. Diese Gnadenfrist solle jedoch nur dann notwendig sein, wenn der ausgehandelte Deal vorher angenommen worden sei und lediglich dazu dienen, notwendige Gesetze zu erlassen. Doch was passiere, wenn auch diese Verlängerung keine Klarheit schaffe? Würde man dann sogar die Notbremse ziehen? Das Chaos wäre perfekt!
Um Schlimmes für den Finanzplatz London zu verhindern, könne es aber schon zu spät sein. "Deal or no Deal" - die Finanzindustrie scheine das Hick-Hack um den EU-Austritt der Briten satt zu haben. Wie eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) verdeutliche, werde das Finanzzentrum an der Themse schrumpfen, egal wie die Sache ausgehe. Demnach würden Unternehmen aus der Finanzbranche planen, etwa 900 Mrd. EUR aus London abzuziehen. Dies sei laut EY sogar eine vorsichtige Schätzung und die tatsächliche Summe könnte demnach um einiges höher ausfallen. Darüber hinaus dürften rund 7.000 Jobs in Londons Finanzindustrie wegfallen. Ähnliche Ergebnisse habe auch eine Studie von Bloomberg geliefert.
Damit werde klar, dass hier ein Zug ins Rollen gebracht worden sei, der kaum mehr aufzuhalten sei. Die Finanzindustrie könne sich einfach nicht darauf verlassen, ob im letzten Augenblick doch noch eine Lösung gefunden werde. Das Ganze sei umso verwunderlicher, weil es die traditionell wirtschaftsnahen Tories doch besser hätten wissen müssen. Aber die Illusion einer nationalistischen Variante von "Make Britain great again" habe hier offenbar vielen den Sachverstand geraubt. Natürlich werde London, wo 1,1 Millionen Menschen im Finanzdienstleistungssektor beschäftigt seien, ein starker Finanzplatz bleiben. Aber es dürften schon jetzt Marktanteile dauerhaft verloren sein. Das ganze Ausmaß werde aber erst in vielen Jahren zu beziffern sein und könnte im schlimmsten Fall der geographischen Trennung vom Festland entsprechen.
Es möge auf den ersten Blick verwundern, dass der italienische Finanzminister nichts gegen Bundesbank-Chef Jens Weidmann an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) hätte. Schon mehrfach habe sich Giovanni Tria gegen die Kapriolen der populistischen Regierung in Rom positioniert, wenn diese mal wieder gegen jeglichen ökonomischen Sachverstand agiert habe. Trias Aussage, er sei gegenüber Weidmann unvoreingenommen, passe dennoch nicht zu seiner Kritik der Vergangenheit. Jedoch bedeute es zugleich, dass Weidmann doch noch nicht ganz aus dem Rennen für die Nachfolge von EZB-Chef Mario Draghi sei.
Offiziell habe immer noch kein europäischer Notenbanker seinen Hut in den Ring für den Chefposten, der Ende Oktober neu zu besetzen sei, geworfen. Zuvor nehme im Mai der belgische Chefökonom Peter Praet seinen Hut bei der EZB, den wohl der Ire Philip Lane beerben werde. Im Dezember stehe die Nachfolge des französischen Direktoriumsmitglieds Benoît Couré an.
Nachdem den EZB-Chefposten bisher ein Holländer, ein Franzose und ein Italiener innegehabt hätten, wäre eigentlich nun ein Deutscher am Zuge. Bekanntlich liebäugele die Bundesregierung aber damit, den Posten des EU-Kommissionspräsidenten zu besetzen, wofür Manfred Weber (CSU) ins Rennen geschickt werden solle. Diese Verlagerung des politischen Schwerpunkts habe natürlich Weidmanns Chancen für die Draghi-Nachfolge deutlich reduziert. Dennoch, solange kein Notenbanker seine Kandidatur offiziell verkündet habe, sei theoretisch noch alles möglich.
Allerdings könnten deutsche Sparer von einem EZB-Präsidenten Weidmann, dessen Kompetenz als unbestritten gelte, keine Wunderdinge erwarten. Auch er müsste mit den Realitäten der Staatsverschuldung in Europa zurechtkommen und könnte nicht von heute auf morgen wieder für spürbare Zinserhöhungen sorgen. Vor dem Hintergrund solch hoher Erwartungen sei also durchaus die Frage erlaubt, ob sich Weidmann mit dem Job des EZB-Chefs überhaupt einen Gefallen tun würde. Aber ohne Zweifel, für die Kapitalmärkte und das Vertrauen in eine verlässliche Geldpolitik wäre Weidmann an der EZB-Spitze ein starkes Signal.
Knapp fünf Jahren sei es her, seit Portugal wieder an die Finanzmärkte zurückgekehrt sei. Damit sei das 78 Mrd. EUR schwere Hilfsprogramm des Euro-Rettungsschirms und des IWFs, welches das Land vor der Pleite bewahrt habe, zu Ende gewesen. Seitdem sei viel passiert am westlichen Rand von Europa. Die Wirtschaft sei viermal in Folge gewachsen, zuletzt um 2,7%. Gleichzeitig sei die Arbeitslosenquote bis 2018 von mehr als 17% auf 6,8% gesunken - mit der Folge, dass junge Portugiesen wieder ins Land zurückdrängen würden. So mancher spreche von einem kleinen Wirtschaftswunder.
Nach mehr als drei Jahren an der Regierung könne sich deshalb der Sozialdemokrat António Costa in seinem Kurs bestätigt fühlen. Er habe nach seinem Amtsantritt den Mindestlohn erhöht, Gehaltskürzungen und Sondersteuern aus den Krisenjahren zurückgenommen und die 35-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst wieder eingeführt. Dies habe in Brüssel zunächst für Unmut gesorgt. Doch Costa habe dennoch den Sparkurs der Vorgängerregierung beibehalten können, etwa durch Kürzungen im Gesundheitswesen. Und gleichzeitig habe seine Sozialpolitik für einen Konsumschub im Inland gesorgt. Hinzu sei ein Boom im Tourismus gekommen, der dem kleinen Land jährlich mehr als 24 Mio. Besucher beschere.
Dass die Rechnung in Lissabon bisher aufgegangen sei, zeige ein Blick auf die Entwicklung der Staatsverschuldung des Landes, die Costa kontinuierlich habe drücken können. So liege die Quote mit 125,5% des BIP zwar immer noch sehr hoch, sei aber - wie vom IWF prognostiziert - tendenziell rückläufig. Habe der Wert doch 2014 noch bei 131,3% gelegen.
Die Anerkennung durch den internationalen Bonitätswächter sei prompt gefolgt. Im Oktober 2018 habe Moody's als letzte der großen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Landes um eine Note auf "Baa3" angehoben - mit stabilem Ausblick. Damit habe Portugal das Gütesiegel "Investment Grade" zurückgehabt. In der Folge sei der Renditespread bei zehnjährigen Staatsanleihen gegenüber "Bunds" auf aktuell ca. 151 BP gesunken. Entsprechend rentiere ein bis 6/2029 laufender Titel (ISIN PTOTEXOE0024 / WKN A2RWF6) aus Lissabon bei einem Kurs von 102,818% mit aktuell rund 1,65%. Den Kapitalmarkt erfreue also die positive Entwicklung Portugals.
Der Machtkampf in Venezuela nehme immer globalere Züge an und führe inzwischen zu einem fast vollständigen Erliegen der Handelbarkeit von Anleihen Venezuelas und dort beheimateter Unternehmen. Denn die USA hätten gegenüber der venezolanischen Ölindustrie Sanktionen verhängt und somit die wichtigsten Einnahmequellen des Landes ins Visier genommen. Die Strafmaßnahmen seien vorerst zeitlich nicht begrenzt und sollten gelten, bis eine neue Regierung die Amtsgeschäfte übernehme.
Nachdem sich der oppositionelle Parlamentspräsident Juan Guaidó zum Übergangspräsidenten erklärt habe, sei ein Machtkampf mit dem noch nicht abgewählten Präsidenten Nicolás Maduro entbrannt, was das Land zunehmend im Chaos versinken lasse. Die Weltgemeinschaft sei nun allerdings aufgefordert, eine Lösung des Konfliktes zu initiieren. Jedoch werde dies nicht dadurch erreicht, dass einzelne Staaten den Interimspräsidenten als Repräsentanten anerkennen und andere Regierungen dem bisherigen Machthaber weiterhin die Treue halten würden.
Dadurch werde es nicht einfach werden, eine friedliche Lösung des Konflikts bei einer in der kommenden Woche in Washington stattfindenden Geberkonferenz zu finden. Ziel solle hierbei sein, die humanitäre Hilfe für Venezuela zu organisieren. Dazu sollten die Hilfslieferungen sowohl grenznah in Kolumbien als auch in Brasilien gesammelt werden. Um die Güter allerdings ins Land bringen zu können, bedürfe es der Duldung des Militärs, welches die Grenzen kontrolliere.
Donald Trump, der wie einige westliche Regierungen die Übergangsregierung bereits anerkannt habe, sei mit den Sanktionen auf direkten Konfrontationskurs zu Maduro gegangen und habe allen möglichen finanziellen Unterstützungen Venezuelas somit einen Riegel vorgeschoben. Dies habe zur Folge, dass auch die an den deutschen Regionalbörsen gehandelten Anleihen Venezuelas und der Petróleos de Venezuela (PDVSA) bis auf weiteres ausgesetzt worden seien. Denn aus Angst vor Sanktionen, wie man sie aus der Iran-Krise bereits kenne, würden auch im Interbankenhandel keine handelbaren Preise mehr gestellt.
In dieser Berichtswoche sei es am Primärmarkt für Corporate Bonds verhältnismäßig ruhig zugegangen. Lediglich zwei namenhafte Unternehmen hätten sich an den Markt gewagt und sich somit frisches Geld besorgt. Dabei habe BMW gleich einen Doppelpack emittiert und die Privatanleger hätten sich ebenfalls freuen können. Der Autokonzern aus Bayern habe sich bei beiden Gattungen für die bei privaten Investoren besonders beliebte Mindeststückelung von nominal 1.000 EUR entschieden. Iberdrola habe hingegen auf eine langfristige Refinanzierung mit einem Perpetual Bond und eine Mindeststückelung von 100.000 EUR gesetzt.
Der erste BMW-Tranche sei bereits in etwas mehr als vier Jahren, am 06.10.2023, fällig und beschere den Investoren bis zur Endfälligkeit jährlich eine Verzinsung von 0,625%. Das 1,5 Mrd. EUR schwere Papier sei zu 99,439% begeben worden, was einen Emissionsspread von +65 BP über Mid Swap bedeutet habe. Mit der zweiten Anleihe (ISIN XS1948611840 / WKN A2RXDR) habe der Konzern aus der bayrischen Hauptstadt ebenfalls erfolgreich 1,5 Mrd. EUR einsammeln können und entlohne die Gläubiger bis zur Fälligkeit am 06.02.2029 mit einem jährlichen Zins von 1,5%. Ausgegeben worden sei der Bond mit 99,375% (+90 BP über Mid Swap).
Iberdrola habe über seine niederländische Finanzierungsgesellschaft einen Perpetual Bond begeben. Der spanische Stromlieferant habe eine Fix-to-Float Anleihe (ISIN XS1890845875 / WKN A2RXL8) mit einem Emissionsvolumen von 800 Mio. EUR zum Preis von 100% (+297,3 BP über Mid Swap) aufgelegt. Das Unternehmen zahle für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 12.02.2025 einen festen Zins in Höhe von 3,25% p.a. an die Gläubiger. Im Anschluss orientiere sich der Zinssatz am 5-Jahres-Swap. Bis zum 12.02.2030 gebe es einen Aufschlag in Höhe von +2,973 PP. Fortan bis zum 12.02.2045 betrage der Aufschlag dann +3,223 PP und ab 2045 werde mit +3,973 PP gerechnet. Die Anleihe sei ab dem 12.02.2025 jährlich zu jedem Zinstermin zu pari kündbar.
Auch in dieser Handelswoche habe das Rentenbarometer den positiven Trend der vergangenen Wochen weiter fortsetzen können. Dass es dabei vorübergehend zu Gewinnmitnahmen gekommen sei, sei nicht besonders erwähnenswert, sondern die Normalität. Aber unterm Strich habe der Euro-Bund-Future von der abwartenden Haltung der US-amerikanischen Notenbank FED, von der möglicherweise weiter nach hinten verschobenen Erhöhung des EZB-Einlagensatzes infolge der abgekühlten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der immer noch fehlenden Brexit-Lösung profitieren können. Es sei deshalb sogar bei einem zeitlichen Zusammentreffen dieser Ereignisse nicht auszuschließen, dass es einen erneuten Test der "Null-Rendite-Linie" geben werde.
Unter diesen Voraussetzungen sei also auch in den kommenden Tagen damit zu rechnen, dass die alte Börsenweisheit: "The trend is your friend" beibehalten werde. Die charttechnisch unterstützenden Leitplanken würden aktuell bei ca. 165,31% bzw. ca. 165,11% verlaufen. Wer allerdings weiterhin den Blick nach oben richte, der werde das Verhalten an den Widerstandslinien bei ca. 165,70% bzw. ca. 165,90% genauer beobachten.
Aktuell notiere der Euro-Bund-Future bei ca. 165,63%, was einer Rendite der 10-jährigen Benchmark-Anleihe von ca. 0,153% entspreche und um eine Rendite von 0% zu erhalten, müsste das Sorgenbarometer bis auf ca. 167,50% klettern.
Bereits vor Wochen habe die italienische Regierung mit einer 16-jährigen Anleihe die Bereitschaft der Investoren ausgelotet, dem hoch verschuldeten Staat Geld zu leihen. In dieser Woche habe man die Finanzmärkte dann mit der Ankündigung überrascht, sich für 30 Jahre (ISIN IT0005363111 / WKN nicht bekannt) am Kapitalmarkt refinanzieren zu wollen. Hierbei habe sich Italien sicherlich - ungeachtet der nicht nur positiven Beurteilung der politischen Situation - den "Anlagenotstand" zunutze machen wollen. Wie verzweifelt die Anleger nach renditeverheißenden Investitionen suchen würden, habe sich bereits vor kurzem bei einer griechischen Anleihe feststellen lassen und auch gestern seien für ein angedachtes Emissionsvolumen von 8 Mrd. EUR Aufträge für nominal ca. 41 Mrd. EUR aufgegeben worden. Aufgrund des Interesses sei die Zuteilung zu einem um 4 BP geringeren Spread als zu Zeichnungsbeginn geplant erfolgt.
Doch auch Frankreich, Spanien und Deutschland werden bzw. wurden in dieser Handelswoche mittels Aufstockungen am Kapitalmarkt aktiv, so die Analysten der Baader Bank. So erhöhe Frankreich am heutigen Donnerstag das Emissionsvolumen von drei Bonds (ISIN FR0013341682 / WKN A1911P, 2028; ISIN FR0011883966 / WKN A1ZHSU, 2030; ISIN FR0013234333 / WKN A19CGY, 2039) und Spanien von vier Anleihen (ISIN ES0000012C46 / WKN A2RSUP, 2021; ISIN ES00000123C7 / WKN A1GNNU, 2026; ISIN ES00000127C8 / WKN A1ZZBE, 2030; ISIN ES00000128Q6 / WKN A19DZD, 2033). Deutschland hingegen habe lediglich bei zwei inflationsindexierten Anleihen (ISIN DE0001030567 / WKN 103056, 2026; ISIN DE0001030575 / WKN 103057, 2046) insgesamt 750 Mio. EUR aufgenommen. Die Zuteilungen seien bei realen Durchschnittsrenditen von -1,11% für die 2026er- bzw. von -0,69% für die 2046er-Fälligkeit erfolgt. Darüber hinaus habe Finnland ebenfalls eine neue 10-jährige Anleihe (ISIN FI4000369467 / WKN A2RXL7) aufgelegt.
Aber auch in den USA hätten die Anleger die Möglichkeit gehabt, sich an der Refinanzierung des Staatshaushaltes mittels unterschiedlicher Laufzeiten zu beteiligen. So seien u.a. 169 Mrd. USD als T-Bills mit Endfälligkeit in 4 bzw. 8 Wochen sowie 3 und 6 Monaten eingesammelt worden. T-Notes mit Laufzeiten von 3 und 10 Jahren für insgesamt 65 Mrd. USD und 30-jährige T-Bonds für 19 Mrd. USD würden die Angebotspalette in dieser Woche abrunden.
Momentan scheine die europäische Gemeinschaftswährung in einer Selbstfindungsphase zu sein. Dies sei allerdings angesichts der vielen offenen Themen und der immer noch spürbaren Verunsicherung der Marktteilnehmer nicht verwunderlich. So profitiere bei entsprechenden Meldungen zwar der Euro oftmals von der Schwäche anderer Währungen, leide aber manchmal auch unter deren Stärke.
Dennoch seien in der aktuellen Handelswoche auch beim Währungspaar EUR/USD keine besonderen Ereignisse registriert worden. Die Einheitswährung habe in den vergangenen Handelstagen wieder etwas zulegen können, notiere aber weiterhin in der zuletzt angestammten, engen Tradingrange zwischen 1,13 USD und 1,15 USD. Wie lange der Euro allerdings noch bei ca. 1,1350% USD gehandelt werde, hänge von diversen Faktoren ab und es sei nur eine Frage der Zeit, bis eine Neubewertung stattfinden werde.
Eine klare Tendenz sei hingegen bei der Landeswährung aus Schweden zu beobachten. So habe die Schwedische Krone den schlechtesten Jahresauftakt seit 1993 erwischt. Ein sich immer weiter verschlechterndes Konjunkturklima habe die heimische Währung im Januar unter Druck gebracht und auch im Februar setze sich die Talfahrt weiter fort. So habe der Euro zeitweise sogar bei 10,4693 SEK, dem bisherigen Hoch in 2019 notiert.
Auf der Suche nach rentablen Investment hätten sich Privatanleger in der vergangenen Berichtswoche vornehmlich in Währungsanleihen lautend auf Australische Dollar, Norwegische Kronen, Russische Rubel, Türkische Lira sowie US-Dollar engagiert, um sich gegen eine mögliche Euroschwäche abzusichern.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (07.02.2019/alc/a/a)
Zumal bei diesem Termin auch noch Finanzminister Steven Mnuchin sowie FED-Vize Richard Clarida zugegen gewesen seien und über die Wirtschaftspolitik des Landes, aber nicht über die zukünftige Geldpolitik der FED gesprochen worden sei. Es dürfte auch nichts an der unabhängigen Haltung von Powell geändert haben, welche dieser bisher bei seinen geldpolitischen Entscheidungen an den Tag gelegt habe.
Es könnte aber durchaus ein Hinweis darauf sein, dass US-Präsident Donald Trump den Gegenwind wahrnehme, der ihm immer in mancherlei Hinsicht ins Gesicht blase. Deshalb möge er auch bei seiner Rede an die Nation die Einheit des Landes beschworen haben, indem er die Demokraten zur Zusammenarbeit aufgerufen habe. Die Aussagen hätten zwar versöhnlich geklungen, seien aber letztlich nur Floskeln gewesen, würden sie doch keinerlei konkreten Aus- oder Zusagen beinhalten. Und für den erneut drohenden Shutdown, der ein Downgrade der Bonität bedeuten könnte, sei damit auch kein Lösungsansatz gefunden.
Also sei nichts gewonnen, insbesondere mit Blick auf den 15. Februar. Denn an diesem Tag laufe die Frist aus, für welche der Government Shutdown ausgesetzt sei. Sollte es dann wiederum zu keiner Lösung im Haushaltsstreit um die Mauer zu Mexiko kommen, drohe ein weiterer Regierungsstillstand. Rufe der Präsident dann womöglich den "Notstand" aus und baue die Mauer ohne Zustimmung des Kongresses?
Bekanntlich hätten die großen Ratingagenturen den jüngsten Shutdown zum Anlass genommen, das Credit Rating des Landes unter die Lupe zu nehmen. Sollte der Haushaltsstillstand und die Schuldenobergrenze von 22 Billionen US-Dollar, die am 2. März wiedereingesetzt werde, zum Problem werden, drohe den USA der Verlust ihres Triple-A-Ratings. Dies dürfte schnell sehr viel teurer werden als die mit 5,7 Mrd. US-Dollar veranschlagte Grenzmauer zu Mexiko.
Beruhigend sei, dass in solch aufgewühltem Fahrwasser die US-Notenbank eine verlässliche Institution darstelle und den Gegenpol zur Sprunghaftigkeit des Präsidenten gebe. Abwarten und einen Whiskey trinken, so laute daher die Devise des US-Notenbankers Robert Kaplan, der dafür plädiere, von weiteren Zinsschritten abzusehen, bis die Wirtschaftsaussichten besser beurteilt werden könnten. Und seines Erachtens werde man im 1. Halbjahr 2019 mehr Klarheit erhalten.
Nachdem die FED 2018 ihren Leitzins insgesamt vier Mal angehoben habe, habe Powell im Januar eine Kehrtwende angedeutet. So werde die FED bei künftigen Entscheidungen geduldig reagieren. Für 2020 würden am Kapitalmarkt gar erste Zinssenkungen nicht mehr ausgeschlossen. Diese dürften der Wirtschaft neue Impulse geben und kämen Trump, der schließlich wiedergewählt werden wolle, gerade recht. Aber egal, ob es dem Ansinnen des Präsidenten nutze oder schade, die FED müsse unabhängig entscheiden und sei nur einer Art von Politik verpflichtet: Der Geldpolitik.
Der "Deadlock" in der Brexit-Debatte sei bekannt. Das britische Parlament akzeptiere Theresa Mays Austrittsvereinbarung nicht, die Abgeordneten wollten den sogenannten "Backstop", der eine harte Grenze zu Irland verhindern solle, kippen. Das aber sei mit der EU nicht zu machen. Die Premierministerin beschwöre zwar immer wieder, reichlich realitätsfern, die Formel von den Nachverhandlungen, mache aber selbst keine konstruktiven Vorschläge und das sei auch die Erwartungshaltung für ihren erneuten Besuch in Brüssel am heutigen Donnerstag. Zwar beteuere May, dass sie eine Rückkehr zu den Grenzen der Vergangenheit in Irland nicht zulassen werde, aber es bleibe ihr Geheimnis, wie sie dies ohne "Backstop" gegen die Hardliner ihrer Tory-Partei verhindern wolle.
Nun also würden mehrere Minister in London fordern, den Brexit zu verschieben, wie die Zeitung "Telegraph" berichte. Statt am 29. März solle demnach das Vereinigte Königreich am 24. Mai die EU verlassen - also denkbar knapp vor einer ansonsten abzuhaltenden Europawahl. Diese Gnadenfrist solle jedoch nur dann notwendig sein, wenn der ausgehandelte Deal vorher angenommen worden sei und lediglich dazu dienen, notwendige Gesetze zu erlassen. Doch was passiere, wenn auch diese Verlängerung keine Klarheit schaffe? Würde man dann sogar die Notbremse ziehen? Das Chaos wäre perfekt!
Um Schlimmes für den Finanzplatz London zu verhindern, könne es aber schon zu spät sein. "Deal or no Deal" - die Finanzindustrie scheine das Hick-Hack um den EU-Austritt der Briten satt zu haben. Wie eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) verdeutliche, werde das Finanzzentrum an der Themse schrumpfen, egal wie die Sache ausgehe. Demnach würden Unternehmen aus der Finanzbranche planen, etwa 900 Mrd. EUR aus London abzuziehen. Dies sei laut EY sogar eine vorsichtige Schätzung und die tatsächliche Summe könnte demnach um einiges höher ausfallen. Darüber hinaus dürften rund 7.000 Jobs in Londons Finanzindustrie wegfallen. Ähnliche Ergebnisse habe auch eine Studie von Bloomberg geliefert.
Damit werde klar, dass hier ein Zug ins Rollen gebracht worden sei, der kaum mehr aufzuhalten sei. Die Finanzindustrie könne sich einfach nicht darauf verlassen, ob im letzten Augenblick doch noch eine Lösung gefunden werde. Das Ganze sei umso verwunderlicher, weil es die traditionell wirtschaftsnahen Tories doch besser hätten wissen müssen. Aber die Illusion einer nationalistischen Variante von "Make Britain great again" habe hier offenbar vielen den Sachverstand geraubt. Natürlich werde London, wo 1,1 Millionen Menschen im Finanzdienstleistungssektor beschäftigt seien, ein starker Finanzplatz bleiben. Aber es dürften schon jetzt Marktanteile dauerhaft verloren sein. Das ganze Ausmaß werde aber erst in vielen Jahren zu beziffern sein und könnte im schlimmsten Fall der geographischen Trennung vom Festland entsprechen.
Es möge auf den ersten Blick verwundern, dass der italienische Finanzminister nichts gegen Bundesbank-Chef Jens Weidmann an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) hätte. Schon mehrfach habe sich Giovanni Tria gegen die Kapriolen der populistischen Regierung in Rom positioniert, wenn diese mal wieder gegen jeglichen ökonomischen Sachverstand agiert habe. Trias Aussage, er sei gegenüber Weidmann unvoreingenommen, passe dennoch nicht zu seiner Kritik der Vergangenheit. Jedoch bedeute es zugleich, dass Weidmann doch noch nicht ganz aus dem Rennen für die Nachfolge von EZB-Chef Mario Draghi sei.
Offiziell habe immer noch kein europäischer Notenbanker seinen Hut in den Ring für den Chefposten, der Ende Oktober neu zu besetzen sei, geworfen. Zuvor nehme im Mai der belgische Chefökonom Peter Praet seinen Hut bei der EZB, den wohl der Ire Philip Lane beerben werde. Im Dezember stehe die Nachfolge des französischen Direktoriumsmitglieds Benoît Couré an.
Nachdem den EZB-Chefposten bisher ein Holländer, ein Franzose und ein Italiener innegehabt hätten, wäre eigentlich nun ein Deutscher am Zuge. Bekanntlich liebäugele die Bundesregierung aber damit, den Posten des EU-Kommissionspräsidenten zu besetzen, wofür Manfred Weber (CSU) ins Rennen geschickt werden solle. Diese Verlagerung des politischen Schwerpunkts habe natürlich Weidmanns Chancen für die Draghi-Nachfolge deutlich reduziert. Dennoch, solange kein Notenbanker seine Kandidatur offiziell verkündet habe, sei theoretisch noch alles möglich.
Allerdings könnten deutsche Sparer von einem EZB-Präsidenten Weidmann, dessen Kompetenz als unbestritten gelte, keine Wunderdinge erwarten. Auch er müsste mit den Realitäten der Staatsverschuldung in Europa zurechtkommen und könnte nicht von heute auf morgen wieder für spürbare Zinserhöhungen sorgen. Vor dem Hintergrund solch hoher Erwartungen sei also durchaus die Frage erlaubt, ob sich Weidmann mit dem Job des EZB-Chefs überhaupt einen Gefallen tun würde. Aber ohne Zweifel, für die Kapitalmärkte und das Vertrauen in eine verlässliche Geldpolitik wäre Weidmann an der EZB-Spitze ein starkes Signal.
Knapp fünf Jahren sei es her, seit Portugal wieder an die Finanzmärkte zurückgekehrt sei. Damit sei das 78 Mrd. EUR schwere Hilfsprogramm des Euro-Rettungsschirms und des IWFs, welches das Land vor der Pleite bewahrt habe, zu Ende gewesen. Seitdem sei viel passiert am westlichen Rand von Europa. Die Wirtschaft sei viermal in Folge gewachsen, zuletzt um 2,7%. Gleichzeitig sei die Arbeitslosenquote bis 2018 von mehr als 17% auf 6,8% gesunken - mit der Folge, dass junge Portugiesen wieder ins Land zurückdrängen würden. So mancher spreche von einem kleinen Wirtschaftswunder.
Nach mehr als drei Jahren an der Regierung könne sich deshalb der Sozialdemokrat António Costa in seinem Kurs bestätigt fühlen. Er habe nach seinem Amtsantritt den Mindestlohn erhöht, Gehaltskürzungen und Sondersteuern aus den Krisenjahren zurückgenommen und die 35-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst wieder eingeführt. Dies habe in Brüssel zunächst für Unmut gesorgt. Doch Costa habe dennoch den Sparkurs der Vorgängerregierung beibehalten können, etwa durch Kürzungen im Gesundheitswesen. Und gleichzeitig habe seine Sozialpolitik für einen Konsumschub im Inland gesorgt. Hinzu sei ein Boom im Tourismus gekommen, der dem kleinen Land jährlich mehr als 24 Mio. Besucher beschere.
Dass die Rechnung in Lissabon bisher aufgegangen sei, zeige ein Blick auf die Entwicklung der Staatsverschuldung des Landes, die Costa kontinuierlich habe drücken können. So liege die Quote mit 125,5% des BIP zwar immer noch sehr hoch, sei aber - wie vom IWF prognostiziert - tendenziell rückläufig. Habe der Wert doch 2014 noch bei 131,3% gelegen.
Die Anerkennung durch den internationalen Bonitätswächter sei prompt gefolgt. Im Oktober 2018 habe Moody's als letzte der großen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Landes um eine Note auf "Baa3" angehoben - mit stabilem Ausblick. Damit habe Portugal das Gütesiegel "Investment Grade" zurückgehabt. In der Folge sei der Renditespread bei zehnjährigen Staatsanleihen gegenüber "Bunds" auf aktuell ca. 151 BP gesunken. Entsprechend rentiere ein bis 6/2029 laufender Titel (ISIN PTOTEXOE0024 / WKN A2RWF6) aus Lissabon bei einem Kurs von 102,818% mit aktuell rund 1,65%. Den Kapitalmarkt erfreue also die positive Entwicklung Portugals.
Nachdem sich der oppositionelle Parlamentspräsident Juan Guaidó zum Übergangspräsidenten erklärt habe, sei ein Machtkampf mit dem noch nicht abgewählten Präsidenten Nicolás Maduro entbrannt, was das Land zunehmend im Chaos versinken lasse. Die Weltgemeinschaft sei nun allerdings aufgefordert, eine Lösung des Konfliktes zu initiieren. Jedoch werde dies nicht dadurch erreicht, dass einzelne Staaten den Interimspräsidenten als Repräsentanten anerkennen und andere Regierungen dem bisherigen Machthaber weiterhin die Treue halten würden.
Dadurch werde es nicht einfach werden, eine friedliche Lösung des Konflikts bei einer in der kommenden Woche in Washington stattfindenden Geberkonferenz zu finden. Ziel solle hierbei sein, die humanitäre Hilfe für Venezuela zu organisieren. Dazu sollten die Hilfslieferungen sowohl grenznah in Kolumbien als auch in Brasilien gesammelt werden. Um die Güter allerdings ins Land bringen zu können, bedürfe es der Duldung des Militärs, welches die Grenzen kontrolliere.
Donald Trump, der wie einige westliche Regierungen die Übergangsregierung bereits anerkannt habe, sei mit den Sanktionen auf direkten Konfrontationskurs zu Maduro gegangen und habe allen möglichen finanziellen Unterstützungen Venezuelas somit einen Riegel vorgeschoben. Dies habe zur Folge, dass auch die an den deutschen Regionalbörsen gehandelten Anleihen Venezuelas und der Petróleos de Venezuela (PDVSA) bis auf weiteres ausgesetzt worden seien. Denn aus Angst vor Sanktionen, wie man sie aus der Iran-Krise bereits kenne, würden auch im Interbankenhandel keine handelbaren Preise mehr gestellt.
In dieser Berichtswoche sei es am Primärmarkt für Corporate Bonds verhältnismäßig ruhig zugegangen. Lediglich zwei namenhafte Unternehmen hätten sich an den Markt gewagt und sich somit frisches Geld besorgt. Dabei habe BMW gleich einen Doppelpack emittiert und die Privatanleger hätten sich ebenfalls freuen können. Der Autokonzern aus Bayern habe sich bei beiden Gattungen für die bei privaten Investoren besonders beliebte Mindeststückelung von nominal 1.000 EUR entschieden. Iberdrola habe hingegen auf eine langfristige Refinanzierung mit einem Perpetual Bond und eine Mindeststückelung von 100.000 EUR gesetzt.
Der erste BMW-Tranche sei bereits in etwas mehr als vier Jahren, am 06.10.2023, fällig und beschere den Investoren bis zur Endfälligkeit jährlich eine Verzinsung von 0,625%. Das 1,5 Mrd. EUR schwere Papier sei zu 99,439% begeben worden, was einen Emissionsspread von +65 BP über Mid Swap bedeutet habe. Mit der zweiten Anleihe (ISIN XS1948611840 / WKN A2RXDR) habe der Konzern aus der bayrischen Hauptstadt ebenfalls erfolgreich 1,5 Mrd. EUR einsammeln können und entlohne die Gläubiger bis zur Fälligkeit am 06.02.2029 mit einem jährlichen Zins von 1,5%. Ausgegeben worden sei der Bond mit 99,375% (+90 BP über Mid Swap).
Iberdrola habe über seine niederländische Finanzierungsgesellschaft einen Perpetual Bond begeben. Der spanische Stromlieferant habe eine Fix-to-Float Anleihe (ISIN XS1890845875 / WKN A2RXL8) mit einem Emissionsvolumen von 800 Mio. EUR zum Preis von 100% (+297,3 BP über Mid Swap) aufgelegt. Das Unternehmen zahle für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 12.02.2025 einen festen Zins in Höhe von 3,25% p.a. an die Gläubiger. Im Anschluss orientiere sich der Zinssatz am 5-Jahres-Swap. Bis zum 12.02.2030 gebe es einen Aufschlag in Höhe von +2,973 PP. Fortan bis zum 12.02.2045 betrage der Aufschlag dann +3,223 PP und ab 2045 werde mit +3,973 PP gerechnet. Die Anleihe sei ab dem 12.02.2025 jährlich zu jedem Zinstermin zu pari kündbar.
Auch in dieser Handelswoche habe das Rentenbarometer den positiven Trend der vergangenen Wochen weiter fortsetzen können. Dass es dabei vorübergehend zu Gewinnmitnahmen gekommen sei, sei nicht besonders erwähnenswert, sondern die Normalität. Aber unterm Strich habe der Euro-Bund-Future von der abwartenden Haltung der US-amerikanischen Notenbank FED, von der möglicherweise weiter nach hinten verschobenen Erhöhung des EZB-Einlagensatzes infolge der abgekühlten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der immer noch fehlenden Brexit-Lösung profitieren können. Es sei deshalb sogar bei einem zeitlichen Zusammentreffen dieser Ereignisse nicht auszuschließen, dass es einen erneuten Test der "Null-Rendite-Linie" geben werde.
Unter diesen Voraussetzungen sei also auch in den kommenden Tagen damit zu rechnen, dass die alte Börsenweisheit: "The trend is your friend" beibehalten werde. Die charttechnisch unterstützenden Leitplanken würden aktuell bei ca. 165,31% bzw. ca. 165,11% verlaufen. Wer allerdings weiterhin den Blick nach oben richte, der werde das Verhalten an den Widerstandslinien bei ca. 165,70% bzw. ca. 165,90% genauer beobachten.
Aktuell notiere der Euro-Bund-Future bei ca. 165,63%, was einer Rendite der 10-jährigen Benchmark-Anleihe von ca. 0,153% entspreche und um eine Rendite von 0% zu erhalten, müsste das Sorgenbarometer bis auf ca. 167,50% klettern.
Bereits vor Wochen habe die italienische Regierung mit einer 16-jährigen Anleihe die Bereitschaft der Investoren ausgelotet, dem hoch verschuldeten Staat Geld zu leihen. In dieser Woche habe man die Finanzmärkte dann mit der Ankündigung überrascht, sich für 30 Jahre (ISIN IT0005363111 / WKN nicht bekannt) am Kapitalmarkt refinanzieren zu wollen. Hierbei habe sich Italien sicherlich - ungeachtet der nicht nur positiven Beurteilung der politischen Situation - den "Anlagenotstand" zunutze machen wollen. Wie verzweifelt die Anleger nach renditeverheißenden Investitionen suchen würden, habe sich bereits vor kurzem bei einer griechischen Anleihe feststellen lassen und auch gestern seien für ein angedachtes Emissionsvolumen von 8 Mrd. EUR Aufträge für nominal ca. 41 Mrd. EUR aufgegeben worden. Aufgrund des Interesses sei die Zuteilung zu einem um 4 BP geringeren Spread als zu Zeichnungsbeginn geplant erfolgt.
Doch auch Frankreich, Spanien und Deutschland werden bzw. wurden in dieser Handelswoche mittels Aufstockungen am Kapitalmarkt aktiv, so die Analysten der Baader Bank. So erhöhe Frankreich am heutigen Donnerstag das Emissionsvolumen von drei Bonds (ISIN FR0013341682 / WKN A1911P, 2028; ISIN FR0011883966 / WKN A1ZHSU, 2030; ISIN FR0013234333 / WKN A19CGY, 2039) und Spanien von vier Anleihen (ISIN ES0000012C46 / WKN A2RSUP, 2021; ISIN ES00000123C7 / WKN A1GNNU, 2026; ISIN ES00000127C8 / WKN A1ZZBE, 2030; ISIN ES00000128Q6 / WKN A19DZD, 2033). Deutschland hingegen habe lediglich bei zwei inflationsindexierten Anleihen (ISIN DE0001030567 / WKN 103056, 2026; ISIN DE0001030575 / WKN 103057, 2046) insgesamt 750 Mio. EUR aufgenommen. Die Zuteilungen seien bei realen Durchschnittsrenditen von -1,11% für die 2026er- bzw. von -0,69% für die 2046er-Fälligkeit erfolgt. Darüber hinaus habe Finnland ebenfalls eine neue 10-jährige Anleihe (ISIN FI4000369467 / WKN A2RXL7) aufgelegt.
Aber auch in den USA hätten die Anleger die Möglichkeit gehabt, sich an der Refinanzierung des Staatshaushaltes mittels unterschiedlicher Laufzeiten zu beteiligen. So seien u.a. 169 Mrd. USD als T-Bills mit Endfälligkeit in 4 bzw. 8 Wochen sowie 3 und 6 Monaten eingesammelt worden. T-Notes mit Laufzeiten von 3 und 10 Jahren für insgesamt 65 Mrd. USD und 30-jährige T-Bonds für 19 Mrd. USD würden die Angebotspalette in dieser Woche abrunden.
Momentan scheine die europäische Gemeinschaftswährung in einer Selbstfindungsphase zu sein. Dies sei allerdings angesichts der vielen offenen Themen und der immer noch spürbaren Verunsicherung der Marktteilnehmer nicht verwunderlich. So profitiere bei entsprechenden Meldungen zwar der Euro oftmals von der Schwäche anderer Währungen, leide aber manchmal auch unter deren Stärke.
Dennoch seien in der aktuellen Handelswoche auch beim Währungspaar EUR/USD keine besonderen Ereignisse registriert worden. Die Einheitswährung habe in den vergangenen Handelstagen wieder etwas zulegen können, notiere aber weiterhin in der zuletzt angestammten, engen Tradingrange zwischen 1,13 USD und 1,15 USD. Wie lange der Euro allerdings noch bei ca. 1,1350% USD gehandelt werde, hänge von diversen Faktoren ab und es sei nur eine Frage der Zeit, bis eine Neubewertung stattfinden werde.
Eine klare Tendenz sei hingegen bei der Landeswährung aus Schweden zu beobachten. So habe die Schwedische Krone den schlechtesten Jahresauftakt seit 1993 erwischt. Ein sich immer weiter verschlechterndes Konjunkturklima habe die heimische Währung im Januar unter Druck gebracht und auch im Februar setze sich die Talfahrt weiter fort. So habe der Euro zeitweise sogar bei 10,4693 SEK, dem bisherigen Hoch in 2019 notiert.
Auf der Suche nach rentablen Investment hätten sich Privatanleger in der vergangenen Berichtswoche vornehmlich in Währungsanleihen lautend auf Australische Dollar, Norwegische Kronen, Russische Rubel, Türkische Lira sowie US-Dollar engagiert, um sich gegen eine mögliche Euroschwäche abzusichern.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (07.02.2019/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,9501 € | 125,8944 € | 0,0557 € | +0,04% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




