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Renditeniveau wird moderat anziehen - Attraktivität von Anleihen dürfte steigen


04.02.20 11:30
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Wir rechnen weiterhin mit einer Stabilisierung der globalen Konjunktur, allerdings auf vergleichsweise bescheidenem Niveau, so die Experten von Swisscanto Invest.

Indes habe die Gefahr, dass die Flaute des Industriesektors auf den Dienstleistungssektor überschwappe, weiter abgenommen. Auch wenn der Handelskonflikt mittelfristig wieder Anlass zur Sorge geben werde, bringe das nun unterzeichnete Phase-1-Abkommen zwischen den USA und China für die nächsten Monate eine willkommene Beruhigung. Durch den Ausbruch des Coronavirus erhalte das fundamental-ökonomische Bild nur kurzfristig einen Dämpfer; eine nachhaltige Eintrübung der wirtschaftlichen Situation würden die Experten von Swisscanto Invest nicht erwarten.

Um die inzwischen hohe Bewertung der Aktienmärkte zu rechtfertigen, braucht es eine stärkere wirtschaftliche Entwicklung als die von uns prognostizierte Wachstumsstabilisierung der Weltwirtschaft, so die Experten von Swisscanto Invest. Die Aktienmärkte hätten also Konsolidierungsbedarf. Die Notenbanken würden an ihrer Geldpolitik festhalten und expansiv bleiben. Vor diesem Hintergrund werde ein Renditeanstieg selbst bei einer Aufhellung der Konjunkturaussichten nur moderat ausfallen, was die Attraktivität von Anleihen steigere.

Die zuletzt veröffentlichten Wirtschaftsdaten würden auf eine Stabilisierung der globalen Konjunktur hinweisen. Dies verringere den Druck auf die Renditen und die Experten von Swisscanto Invest sähen über die kommenden Monate wieder ein leicht anziehendes Renditeniveau auf globaler Ebene. Das Renditeanstiegspotenzial bleibe infolge der expansiven Notenbanken jedoch beschränkt. Die Notenbankpolitik werde sich erst bei einer Beschleunigung der Konjunktur und anziehenden Inflationsraten ändern. Erst dann sei der Nährboden für ein nachhaltig höheres Renditeniveau vorhanden. Trotzdem würden die Experten von Swisscanto Invest glauben, dass die Zinskurven aufgrund der verbesserten Konjunkturaussichten wieder steiler würden. Die Zinskurve kanadischer Staatsanleihen sei bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren invers, was nach Ansicht der Experten eine zu negative Konjunkturwahrnehmung impliziere.

In der Vergangenheit hätten die Experten von Swisscanto Invest immer wieder hervorgehoben, dass die verantwortlichen Politiker der Eurozone die Lösung der strukturellen Herausforderungen in der Währungsgemeinschaft vor sich herschieben würden. Dies mache sich auch am Aktienmarkt bemerkbar, der sich seit dem Ausbruch der Finanzkrise trendmäßig schlechter entwickle als die globale Benchmark. Allerdings habe es immer wieder Phasen mit vorübergehender relativer Stärke gegeben. Die Auslöser dafür seien in den meisten Fällen geldpolitische Maßnahmen der EZB gewesen. Auch die geldpolitischen Entscheidungen des letzten Jahres und der Stabwechsel an der Spitze der Notenbank hätten den Markt seine relative Schwäche ablegen lassen. Da man allerdings bis auf Weiteres keine zusätzlichen expansiven Schritte der EZB erwarte, dürften neben den strukturellen auch die konjunkturellen Schwächen wieder in den Vordergrund rücken.

In ihrem Basisszenario würden die Experten von Swisscanto Invest davon ausgehen, dass sich das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern, anders als in den Industriestaaten, leicht beschleunigen werde. Darüber hinaus sähen sie dort noch weiteres Potenzial für Leitzinssenkungen und fiskalpolitische Stimuli. Insofern seien die konjunkturellen und wirtschaftspolitischen Voraussetzungen für eine überdurchschnittlich gute Aktienmarktentwicklung gegeben.

Vorübergehend dürfte allerdings das Coronavirus belasten, weil die asiatische Region, die den MSCI Schwellenländerindex dominiere, am stärksten vom Virus betroffen sei. Wie gefährlich der Erreger sei und wie weit er sich ausbreiten werde, sei noch offen. Ein Vergleich mit früheren Pandemien zeige allerdings, dass ein vorübergehender wirtschaftlicher Einbruch zu einem vorübergehenden Kursrückgang an den Aktienmärkten führe. Die Betonung liege dabei auf "vorübergehend". Denn für die Aktieninvestoren gelte eine derartige Krise als überstanden, sobald die Anzahl der Neuinfektionen wieder sinke. Der Aktienmarkt nehme die konjunkturelle Erholung vorweg und überkompensiere in der Regel die vorherige Korrektur. Den zeitlichen Ablauf richtig einzuschätzen, grenze aber an ein Glücksspiel. Die Experten von Swisscanto Invest würden sich deshalb weiterhin auf die guten Fundamentaldaten konzentrieren.

Bislang verlaufe die Gewinnberichtssaison für das abgelaufene Quartal im Rahmen der vorherigen Berichtsperioden. Die Überraschungen lägen überwiegend auf der positiven Seite, was den Aktienmärkten leichten Rückenwind verleihe. Unter Berücksichtigung der aktuellen Gewinnschätzungen der Finanzanalysten für den MSCI Welt sei mit einem Anstieg von knapp 9 Prozent für das Gesamtjahr 2020 zu rechnen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) habe sich in den vergangenen Wochen allerdings deutlich erhöht. Das heiße, die Aktieninvestoren seien deutlich zuversichtlicher geworden bezüglich des Gewinnwachstums. Veranschaulichen lasse sich das an einer einfachen Rechnung: Um das KGV beim aktuellen Kursniveau des MSCI Welt auf das langfristige Mittel von 16 zu bringen, müssten die Gewinne um knapp 18 Prozent steigen.

Die Experten von Swisscanto Invest seien zwar weiterhin zuversichtlich für die globale Konjunktur, aber eine Wachstumsbeschleunigung, die einen zweistelligen Gewinnanstieg bewirke, würden sie für wenig wahrscheinlich halten. Vielmehr würden sie bei ihren Schätzungen davon ausgehen, dass das Gewinnwachstum eher zwischen 5 und 6 Prozent liegen dürfte. Ein höheres KGV ließe sich auch durch mehr Zentralbankliquidität rechtfertigen. Tatsächlich hätten die US-Währungshüter ihre Bilanz seit September letzten Jahres wieder deutlich ausgeweitet. Auch wenn die US-Notenbank nicht von einer quantitativen Lockerung spreche, sei es doch de facto eine. Mit weiteren Liquiditätsspritzen könnte das KGV auf dem aktuellen Niveau gehalten werden. Aus fundamentaler Sicht würden die Experten von Swisscanto Invest es jedoch als zu hoch erachten. (04.02.2020/alc/a/a)