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Renditefresser Hedgingkosten: Euro-Anleihen gehören weiterhin ins Portfolio
04.09.18 12:00
AB
München (www.anleihencheck.de) - In den USA steigen die Zinsen - und locken europäische Anleger mit Anleihen, die in US-Dollar denominiert sind, so Markus Peters, Senior Manager Fixed Income beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).
Der Zinsaufschlag für die USA gegenüber Europa befinde sich auf dem höchsten Stand seit Frühjahr 2007. Und der Abstand werde weiter wachsen: Nach aktuellen Zinsprognosen der Experten von 2,4 Prozent im August 2018 auf 3,25 Prozent zum Jahresende 2019. Das wäre sogar der größte Abstand seit 2006. Dennoch würden die Experten dazu raten, diesseits des Atlantiks zu investieren.
Wer als Euro-basierter Anleger im Ausland investiere, müsse auch die Kursschwankungen der Währungen im Auge behalten. Denn Währungsschwankungen könnten die Rendite bedeutend schmälern. Anleger, die sich dieser Gefahr nicht aussetzen möchten, könnten ihre Portfolios absichern - durch Hedging. Das Problem: Die Währungsabsicherung sei derzeit so teuer, dass sie den kompletten Renditeaufschlag verschlinge, den sich europäische Anleger von festverzinslichen Investments in US-Dollar erhoffen würden. Und die Hedging-Kosten würden wohl weiter steigen, da die US-Notenbank Federal Reserve (FED) ihre Geldpolitik schneller straffe als die Europäische Zentralbank (EZB), die Experten würden sogar schneller glauben als viele Marktteilnehmer derzeit erwarten würden.
Ohne Währungsabsicherung zu investieren sei eine Option, aber sie sei riskant. Der Volatilitätseffekt eines nicht-abgesicherten Fremdwährungsrisikos sei enorm und schmälere die stabilisierende Funktion eines Kerninvestments am Rentenmarkt. Über die letzten zehn Jahre habe der US-Aggregate Index, ein bekannter Rentenindex für USD-denominierte Investment Grade-Anleihen, eine Volatilität von 3,4 Prozent pro Jahr gehabt, wenn das Währungsrisiko in Euro abgesichert worden sei. Hätte man das Währungsrisiko ungesichert gelassen wäre die annualisierte Wertschwankung mit fast 11 Prozent mehr als dreimal so groß gewesen - und genau dies wollten viele Investoren in einem Kernbaustein ihres Rentenportfolios vermeiden.
Ohnehin sei es ein schwieriges Unterfangen, die Richtung des Dollarkurses konstant richtig einzuschätzen. Der Wechselkurs habe in den vergangenen zwölf Monaten unvorhersehbar aufgrund des stetig wechselnden US-Konjunkturausblicks und des Getöses aus Washington geschwankt. Ein schwächerer US-Dollar könnte einem ungesicherten Portfolio erheblichen Schaden zufügen.
Die Konjunktur der Eurozone habe einen holprigen Start in das Jahr 2018 gehabt. Die Markterwartungen seien hoch gewesen, nachdem ein starker Anstieg des Welthandels und der Exporte im Vorjahr positiv zum Wachstum beigetragen hätten. Angesichts des nachlassenden Außenhandels werde nun die Inlandsnachfrage eine größere Rolle für das Wachstum spielen. Diese sei ausreichend, um die Eurozone auch im nächsten Jahr solide wachsen zu lassen, allerdings nicht wie zuvor mit überdurchschnittlicher Dynamik.
Selbst eine Straffung durch die EZB werde das Wachstum nicht aus der Bahn werfen. Das Kaufprogramm solle zwar im Dezember 2018 enden, jedoch dürfte die EZB noch einige Jahre warten, bis sie ihre Bilanzen wieder reduziere - so wie die FED bereits begonnen habe. Die Experten würden auch mit vier bis fünf weiteren Zinserhöhungen durch die FED bis Jahresende 2019 rechnen, während die EZB ihren Leitzins wahrscheinlich nur einmal in der zweiten Jahreshälfte 2019 anheben werde.
Aktuell sorge die neue populistische Regierung Italiens für Unruhe unter den Marktteilnehmern. Wenn man die wirtschaftliche Entwicklung Italiens seit Einführung des Euro betrachte, könne die Unzufriedenheit der Italiener nicht überraschen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf sei in Italien seit 1999 nicht gewachsen, ganz im Gegensatz zu Deutschland, Frankreich und Spanien.
Doch seit der Griechenland-Krise 2011 sei viel passiert, und für Anleger in europäische Anleihen seien die Entwicklungen durchweg positiv gewesen. Die Ansteckungsgefahr sei seit der Bewältigung der Griechenland-Krise gesunken, wenngleich sie weiterhin existiere. Europäische Banken in vielen Ländern (mit Ausnahme Frankreichs) hätten ihr Engagement in Italien auf vertretbare Niveaus reduziert. Und obwohl italienische Banken noch immer einen relativ hohen Anteil notleidender Kredite in den Büchern hätten (15 Prozent im 4. Quartal 2017), gehe es doch in die richtige Richtung (im 4. Quartal 2015 habe der Anteil noch bei 19 Prozent gelegen). Hinzu komme, dass die größten italienischen Banken auch die größten Fortschritte hinsichtlich der Qualität ihrer Aktiva gemacht hätten und somit das systemische Risiko gesunken sei.
Auch möglich Ausfälle der aktuellen Krise in der Türkei erscheinen uns - aus Investment-Perspektive - als überschaubar, so die Experten von AB. Zwar seien einige europäische Banken dort engagiert, aber die Experten würden den Umfang für beherrschbar halten.
Kurz gesagt: Zwar dürfte die Volatilität hoch bleiben, aber die Experten würden nicht denken, dass Anleger schlaflose Nächte wegen eines möglichen Arrivederci Italiens aus der Eurozone haben müssten. Das Szenario eines Auseinanderbrechens der Eurozone bleibe sehr unwahrscheinlich, zumindest in den kommenden Jahren.
Zwar würden die Experten denken, dass Europas Konjunktur stark genug sei, um eine Zinserhöhung im kommenden Jahr zu verkraften. Die Experten würden jedoch auch mit steigenden Renditen für deutsche Bundesanleihen rechnen.
Daher würden die Experten eine Ausbalancierung von Zins- und Bonitätsrisiken mittels einer Mischung aus Staats-, Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen favorisieren. Aktuell würden sie mehr in Richtung Bonitätsrisiken tendieren und das Durationsrisiko niedrig halten, um vom weiterhin robusten Wachstum in Europa zu profitieren. Die Grundlagen für den Bankensektor in Europa seien solide und die Bewertungen günstig - das kompensiere die erhöhte Volatilität. Einige ausgewählte Hochzinsanleihen würden weiterhin interessante Renditen bieten. Hinzu würden eine fortgesetzte Bilanzkonsolidierung der Emittenten und positive technische Faktoren kommen.
Zusammenfassend lasse sich festhalten: Für europäische Anleiheinvestoren, die ihre Hausaufgaben machen und ihre Engagements sorgfältig auswählen würden, sei es nach Überzeugung der Experten jetzt eine gute Zeit, um nach Hause zu kommen. (04.09.2018/alc/a/a)
Der Zinsaufschlag für die USA gegenüber Europa befinde sich auf dem höchsten Stand seit Frühjahr 2007. Und der Abstand werde weiter wachsen: Nach aktuellen Zinsprognosen der Experten von 2,4 Prozent im August 2018 auf 3,25 Prozent zum Jahresende 2019. Das wäre sogar der größte Abstand seit 2006. Dennoch würden die Experten dazu raten, diesseits des Atlantiks zu investieren.
Wer als Euro-basierter Anleger im Ausland investiere, müsse auch die Kursschwankungen der Währungen im Auge behalten. Denn Währungsschwankungen könnten die Rendite bedeutend schmälern. Anleger, die sich dieser Gefahr nicht aussetzen möchten, könnten ihre Portfolios absichern - durch Hedging. Das Problem: Die Währungsabsicherung sei derzeit so teuer, dass sie den kompletten Renditeaufschlag verschlinge, den sich europäische Anleger von festverzinslichen Investments in US-Dollar erhoffen würden. Und die Hedging-Kosten würden wohl weiter steigen, da die US-Notenbank Federal Reserve (FED) ihre Geldpolitik schneller straffe als die Europäische Zentralbank (EZB), die Experten würden sogar schneller glauben als viele Marktteilnehmer derzeit erwarten würden.
Ohne Währungsabsicherung zu investieren sei eine Option, aber sie sei riskant. Der Volatilitätseffekt eines nicht-abgesicherten Fremdwährungsrisikos sei enorm und schmälere die stabilisierende Funktion eines Kerninvestments am Rentenmarkt. Über die letzten zehn Jahre habe der US-Aggregate Index, ein bekannter Rentenindex für USD-denominierte Investment Grade-Anleihen, eine Volatilität von 3,4 Prozent pro Jahr gehabt, wenn das Währungsrisiko in Euro abgesichert worden sei. Hätte man das Währungsrisiko ungesichert gelassen wäre die annualisierte Wertschwankung mit fast 11 Prozent mehr als dreimal so groß gewesen - und genau dies wollten viele Investoren in einem Kernbaustein ihres Rentenportfolios vermeiden.
Ohnehin sei es ein schwieriges Unterfangen, die Richtung des Dollarkurses konstant richtig einzuschätzen. Der Wechselkurs habe in den vergangenen zwölf Monaten unvorhersehbar aufgrund des stetig wechselnden US-Konjunkturausblicks und des Getöses aus Washington geschwankt. Ein schwächerer US-Dollar könnte einem ungesicherten Portfolio erheblichen Schaden zufügen.
Die Konjunktur der Eurozone habe einen holprigen Start in das Jahr 2018 gehabt. Die Markterwartungen seien hoch gewesen, nachdem ein starker Anstieg des Welthandels und der Exporte im Vorjahr positiv zum Wachstum beigetragen hätten. Angesichts des nachlassenden Außenhandels werde nun die Inlandsnachfrage eine größere Rolle für das Wachstum spielen. Diese sei ausreichend, um die Eurozone auch im nächsten Jahr solide wachsen zu lassen, allerdings nicht wie zuvor mit überdurchschnittlicher Dynamik.
Aktuell sorge die neue populistische Regierung Italiens für Unruhe unter den Marktteilnehmern. Wenn man die wirtschaftliche Entwicklung Italiens seit Einführung des Euro betrachte, könne die Unzufriedenheit der Italiener nicht überraschen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf sei in Italien seit 1999 nicht gewachsen, ganz im Gegensatz zu Deutschland, Frankreich und Spanien.
Doch seit der Griechenland-Krise 2011 sei viel passiert, und für Anleger in europäische Anleihen seien die Entwicklungen durchweg positiv gewesen. Die Ansteckungsgefahr sei seit der Bewältigung der Griechenland-Krise gesunken, wenngleich sie weiterhin existiere. Europäische Banken in vielen Ländern (mit Ausnahme Frankreichs) hätten ihr Engagement in Italien auf vertretbare Niveaus reduziert. Und obwohl italienische Banken noch immer einen relativ hohen Anteil notleidender Kredite in den Büchern hätten (15 Prozent im 4. Quartal 2017), gehe es doch in die richtige Richtung (im 4. Quartal 2015 habe der Anteil noch bei 19 Prozent gelegen). Hinzu komme, dass die größten italienischen Banken auch die größten Fortschritte hinsichtlich der Qualität ihrer Aktiva gemacht hätten und somit das systemische Risiko gesunken sei.
Auch möglich Ausfälle der aktuellen Krise in der Türkei erscheinen uns - aus Investment-Perspektive - als überschaubar, so die Experten von AB. Zwar seien einige europäische Banken dort engagiert, aber die Experten würden den Umfang für beherrschbar halten.
Kurz gesagt: Zwar dürfte die Volatilität hoch bleiben, aber die Experten würden nicht denken, dass Anleger schlaflose Nächte wegen eines möglichen Arrivederci Italiens aus der Eurozone haben müssten. Das Szenario eines Auseinanderbrechens der Eurozone bleibe sehr unwahrscheinlich, zumindest in den kommenden Jahren.
Zwar würden die Experten denken, dass Europas Konjunktur stark genug sei, um eine Zinserhöhung im kommenden Jahr zu verkraften. Die Experten würden jedoch auch mit steigenden Renditen für deutsche Bundesanleihen rechnen.
Daher würden die Experten eine Ausbalancierung von Zins- und Bonitätsrisiken mittels einer Mischung aus Staats-, Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen favorisieren. Aktuell würden sie mehr in Richtung Bonitätsrisiken tendieren und das Durationsrisiko niedrig halten, um vom weiterhin robusten Wachstum in Europa zu profitieren. Die Grundlagen für den Bankensektor in Europa seien solide und die Bewertungen günstig - das kompensiere die erhöhte Volatilität. Einige ausgewählte Hochzinsanleihen würden weiterhin interessante Renditen bieten. Hinzu würden eine fortgesetzte Bilanzkonsolidierung der Emittenten und positive technische Faktoren kommen.
Zusammenfassend lasse sich festhalten: Für europäische Anleiheinvestoren, die ihre Hausaufgaben machen und ihre Engagements sorgfältig auswählen würden, sei es nach Überzeugung der Experten jetzt eine gute Zeit, um nach Hause zu kommen. (04.09.2018/alc/a/a)


