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Der Reiz russischer Unternehmensanleihen


05.07.16 10:58
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Mit der russischen Wirtschaft geht es wieder bergauf, so Willem Visser, Credit Analyst bei NN Investment Partners.

Noch 2015 sei die Konjunktur um 3,7 Prozent geschrumpft, nachdem Ölpreis und Rubel gefallen seien und Russland mit Sanktionen aufgrund des Ukraine-Konfliktes zu kämpfen gehabt habe. Maßnahmen der russischen Regierung, wie etwa die Einführung gleitender Wechselkurse, drastische Haushaltsanpassungen und eine straffe Geldpolitik, hätten inzwischen Wirkung gezeigt. So sei die Inflationsrate seit ihrem Höchststand von 16,9 Prozent im März 2015 kontinuierlich zurückgegangen. "In diesem Jahr dürfte sich der Schrumpfungsprozess verlangsamen, bevor das Land 2017 wieder moderate Wachstumszahlen schreibt", erwarte Willem Visser, Credit Analyst bei NN Investment Partners.

Der Experte halte daher russische Unternehmensanleihen für attraktiv, vor allem außerhalb des Finanzsektors. Trotz Sanktionen, Schrumpfung der heimischen Wirtschaft und hoher Inflation habe sich dieser Sektor bemerkenswert solide gezeigt: "Russische Unternehmen sind letztlich finanziell gestärkt aus der Krise hervorgegangen", sage Visser. Aufgrund der Finanzierungsengpässe hätten Investitionsausgaben optimiert und Dividendenzahlungen angepasst werden müssen, sodass sich die Cashflows deutlich verbessert hätten und die Nettoverschuldung um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sei. Nach Vissers Beobachtung zeige sich diese Stärke auch an der Umkehrung der Credit Spreads, die sich mittlerweile wieder fast auf Vorkrisenniveau verengt hätten.

NN Investment Partners rate daher zu einer selektiven Übergewichtung russischer Unternehmensanleihen: "Schaut man sich die Verschuldungskennzahlen an, so bietet die Öl- & Gasindustrie immer noch interessante Anlagechancen. Das gilt auch - in geringerem Maße - für bonitätsstarke Metall- & Bergbauunternehmen sowie Telcos. Insgesamt kommt dem russischen Credit-Universum die starke markttechnische Nachfrage zugute. Aufgrund der Sanktionen ist das Neuemissionsangebot sehr begrenzt. Entsprechend lebhaft ist die Nachfrage vonseiten heimischer liquiditätsstarker Investoren. Diese Nachfragesituation dürfte vorerst noch anhalten, könnte aber über die nächsten zwölf Monate abebben." (Ausgabe vom 04.07.2016) (05.07.2016/alc/a/a)