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Reformfähigkeit von Euroland auf dem Prüfstand
11.04.13 15:56
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich Euroland sein TÜV-Prüfsiegel verdienen kann, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Seit einigen Monaten sei an der Kursentwicklung des Euro gegenüber anderen Leitwährungen immer wieder ersichtlich, wie es um das Vertrauen in die Eurozone bestellt sei. Daher werde der Euro-Kurs inzwischen bereits als Vertrauensbarometer bezeichnet. Und Vertrauen müsse man sich an den internationalen Kapitalmärkten hart erarbeiten, das werde einem nicht geschenkt. Hierbei seien sicherlich Historie und auch Gegenwart zu bewerten, aber ein besonderes Augenmerk richte sich auf die Zukunft.
Die Beurteilung der Zeit "X" sei aber eng mit der Reformfähigkeit verknüpft, die von vielen Investoren und Marktteilnehmern allerdings skeptisch bewertet werde. Denn soziale Unruhen in den Krisenländern, eine Hydra-ähnliche Bankenkrise, schwache Positionen einzelner Regierungen und eine nicht vollständig legitimierte europäische Führung würden die notwendigen Reformen zum Flickwerk werden lassen. Denn um wirtschaftliches Wachstum zu erreichen, müssten überfällige Reformen auf den Weg gebracht werden, die die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte zum Inhalt hätten.
Dazu brauche man allerdings klare Vorstellungen von der Zukunft Europas und könne nicht einfach nur in den Tag hinein leben. Schließlich seien die Staatsregierungen auf die Bereitschaft der Investoren angewiesen, in das Projekt "Zukunft" zu investieren, weshalb man sich eine Verunsicherung der Investoren dauerhaft nicht leisten könne. Die kommenden Monate würden zeigen, ob sich Euroland sein TÜV-Prüfsiegel verdienen könne.
So sei es in Portugal das Verfassungsgericht gewesen, das Teile des geplanten Sparprogramms zu Fall gebracht habe, weshalb nun erstmals von einem Antrag für ein zweites Hilfspaket die Rede sei. Dies wolle die amtierende Regierung zwar verhindern. Unklar sei aber, wie sie das 1,25 Mrd. Euro große Finanzloch stopfen wolle, das sich durch das Urteil des Verfassungsgerichts wieder aufgetan habe.
Auch Irland habe trotz guter Fortschritte Mühe, seinen Haushalt in den Griff zu bekommen. So habe der IWF die Regierung in Dublin eindringlich gemahnt, auf dem eingeschlagenen Sparkurs zu bleiben, was bei einer Arbeitslosenquote von 14% nicht leicht falle. Außerdem müsse bis 2015 eine weitere Reduzierung der Ausgaben durchgesetzt werden.
Und dann sei da noch Slowenien, das möglicherweise doch bald unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müsse. Hier sei es nicht der Schuldenstand, der mit 47% des BIP deutlich besser als bei allen Euro-Kernländern sei, sondern der stark angeschlagene Bankensektor, der wegen der hohen Risiken bei den Banken Sorgen bereite. Von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn habe Slowenien bereits eine dringende Mahnung erhalten, seinen wirtschaftspolitischen Kurs mit Blick auf den risikobehafteten Bankensektor zu korrigieren. Ebenso habe Spanien von Rehn einen Schuss vor den Bug bekommen, gefährde dessen hohe Verschuldung doch das Wirtschaftswachstum und das Finanzsystem.
Auch wenn ob dieser zahlreichen Baustellen die Reformfähigkeit von Euroland in Zweifel gezogen werden könne, würden zumindest die Deutschen zum Euro halten. Deutschland hafte zwar mit einer Rekordsumme von 265 Mrd. Euro für die Schuldensünder, aber dennoch würden 69 Prozent der Deutschen die Gemeinschaftswährung behalten wollen. Dies habe eine Forsa-Umfrage für das Handelsblatt ergeben. 2012 sei das anders gewesen. Da habe noch jeder Zweite den Euro abgelehnt.
Für die zweite Jahreshälfte sei nach den Worten des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, mit einer Rückkehr zum wirtschaftlichen Wachstum in der Eurozone zu rechnen. Die Frage sei nur: Warum? Italien und Spanien würden weiter in der Krise fest stecken, Frankreich sacke wirtschaftlich immer weiter ab und Deutschland könne die Welt - in diesem Fall: Die Eurozone - nicht alleine retten. Somit würden die Hoffnungsschimmer blasser und eine Zinssenkung in Euroland immer wahrscheinlicher.
Aber wann möge dies der Fall sein? Eigentlich könne das Wachstum nur die Folge einer baldigen Zinssenkung sein, denn ansonsten würde bei einer "Eigenstimulanz" ja keine Veranlassung bestehen, eine solche Maßnahme zu ergreifen. Sollte der zuletzt beschriebene Fall eintreten, dann wäre die EZB die letzte Bastion gegen eine lockere Geldpolitik der Notenbanken. Wenn die Eurozone aber nicht so zerstritten wäre, so wäre das die Chance, ganz groß rauszukommen.
Denn andere Notenbanken wie beispielsweise die Bank of Japan (BoJ) würden einen anderen Weg gehen. Eine nicht mehr für weiter lockerungsfähig gehaltene Geldpolitik sei nochmals gelockert worden. Das heiße, es würden jetzt monatlich fast doppelt so viele Anleihen angekauft. Sogar die Begrenzung der Restlaufzeit auf drei Jahre sei gekippt worden. Während die BoJ diesen Weg beschreite, halte die Bank of England (BoE) ihr Pulver noch trocken und verzichte auf eine zusätzliche Stimulanz. Wie sich das Gremium unter dem neuen Vorsitzenden verhalten werde, bleibe abzuwarten. Während also in England noch die Geldpolitik der ruhigen Hand praktiziert werde, würden in den USA immer mehr Mitglieder des Offenmarktausschusses für die baldige Einstellung oder zumindest eine deutliche Reduzierung der Anleihenankäufe plädieren.
Somit sei zu konstatieren: Es gebe keinen "Königsweg" der Geldpolitik. Drei Notenbanken hätten sich für drei unterschiedliche Wege entschieden und man könne sich nur wünschen, dass alle auf ihre Art Recht bekämen.
Beim Aufspüren von Alternativen zu den niedrig verzinslichen Staatsanleihen würden immer wieder ausgewählte Corporate Bonds das Rennen machen. So habe bei den Anlegern in dieser Woche an den Börsen Düsseldorf und München unter anderem eine Unternehmensanleihe (ISIN XS0873432511 / WKN A1HEWZ) von Fresenius im Mittelpunkt gestanden. Das bis 7/2020 laufende Papier erscheine Anlegern bei einer Rendite von ca. 2,8% offenbar ein Investment wert.
Ebenso hätten ein Bond (ISIN XS0875797515 / WKN A1UDV4) der Deutschen Telekom mit Laufzeit 1/2028 und ca. 2,9% Rendite, sowie ein Titel (ISIN DE000A1TM5X8 / WKN A1TM5X) von HOCHTIEF, der 3/2020 fällig werde und eine Rendite von ca. 3,7% aufweise, auf den Kauflisten gestanden. Weiter gefragt sei auch eine mit ca. 1% rentierende Anleihe (ISIN DE000A1KRJD4 / WKN A1KRJD) der ING-Diba gewesen, die bis 3/2019 laufe.
Vielleicht nicht gerade täglich, aber doch immer mal wieder grüße das Murmeltier. Nachdem die Diskussion um Sinn und Unsinn von Eurobonds abgeebbt sei, habe sie nun George Soros neu belebt. Im Bestreben, die Schuldenkrise in Euroland einzudämmen, sehe der US-Großinvestor nur zwei Alternativen. Entweder Deutschland mache sich für die Einführung gemeinsamer Schuldentitel aller Euroländer, so genannter Eurobonds, stark oder die größte Wirtschaftsmacht von Euroland müsse der Gemeinschaftswährung den Rücken kehren. Also, Eurobonds oder Euro-Austritt als Königsweg aus der Schuldenkrise? Allzu große Hoffnungen, dass sein Vorschlag umgesetzt werde, mache sich allerdings auch Soros nicht. Dennoch brächte nach Ansicht des Großinvestors genau eine dieser beiden Alternativen den Durchbruch in der Schuldenkrise.
Fast zeitgleich sei die Forderung nach Eurobonds auch in Paris wieder aufgetaucht. EZB-Direktor Benoit Coeure habe dort gesagt, dass er gemeinsam begebene Staatsanleihen als erstrebenswert erachte. Gemeinsame Schulden seien ein gutes Ziel, werde er zitiert. Über Details wie die Frage, ob damit etwa alle Schulden oder nur neue gemeint seien, werde nichts berichtet. Hauptsache, das Thema sei wieder in die Debatte eingebracht. Ob Coeure und Soros sich abgesprochen hätten, sei freilich nicht überliefert.
Viele Länder, die man noch gerne als Schwellenländer bezeichne, würden mit immer breiterer Brust an den Finanzmärkten agieren. Nicht nur, dass die Zentralbanken der Entwicklungsstaaten den Euro-Anteil an ihren Devisenreserven 2012 um 8% gekürzt haben, nein, auch ihre eigenen Währungen scheinen für sie selbst zunehmend an Attraktivität zu gewinnen, so die Analysten der Baader Bank. So seien Brasilien und China übereingekommen, sich im Falle von Währungsturbulenzen gegenseitig 30 Mrd. USD in der Währung des jeweils anderen Landes zu leihen.
Doch damit nicht genug. So hätten sich die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika jüngst auf die Gründung einer Entwicklungsbank verständigt. Das mit einem Eigenkapital von 50 Mrd. USD ausgestattete Institut solle sich vor allem der Finanzierung von Infrastrukturprojekten in den BRICS-Staaten annehmen und sei als Gegengewicht zu der Weltbank und dem IWF gedacht. Südafrika sei bestrebt, den Sitz der neuen Bank nach Kapstadt zu holen. Kein Zweifel, die Schwellenländer würden ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickeln und sich neu ausrichten.
Dass sie dabei auf Probleme stoßen könnten, die an die Krise in Euroland erinnern würden, zeige das Beispiel Brasilien. Die dortigen staatlichen Banken würden möglicherweise bald frisches Geld benötigen, weil sie in den kommenden zwei Jahren mit einer Zunahme fauler Kredite rechnen würden. Das befürchte die Ratingagentur Fitch für die staatlichen Banken eines Landes, das nach zahlreichen Boomjahren deutlich an Fahrt verloren und 2012 nur noch ein Wachstum von 0,9% aufgewiesen habe.
Sowohl der befürchtete "Banken-Run" in Zypern als auch der Rückgang des Sorgenbarometers seien entgegen der Markterwartung ausgeblieben, denn weiterhin gelte seit geraumer Zeit für Euroland: Sei ein Feuer gelöscht, flamme das nächste schon auf. Ob es nun die Unsicherheit über die Regierungsbildung in Italien oder schwache Konjunkturkennzahlen aus der Eurozone seien, an Brandherden mangele es nicht.
In der vergangenen Handelswoche hätten z.B. die Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstagnachmittag eine Spiritus-ähnliche Auswirkung auf den Euro-Bund-Future. Er sei zusätzlich durch die US-Arbeitsmarktdaten am Freitagnachmittag, von 145,10% kommend, bis auf 146,54% befeuert worden. Seit Wochenbeginn würden die Flammen aber nun wieder kleiner und das Rentenbarometer sei gestern Abend bis auf 145,15% zurückgekommen. Als Löschwasser hätten hierbei einerseits Gewinnmitnahmen fungiert, aber andererseits auch optimistische Erwartungen an die beginnende Quartalsberichtssaison.
Aus charttechnischer Sicht sei die Marke von 146% als erster Widerstand auf dem Weg zum Allzeithoch im Endloskontrakt bei 146,89% zu sehen. Der Bereich zwischen 144,60% und 144,85% stelle aktuell eine solide Unterstützung dar. Auch in den nächsten Wochen sei mit keiner finalen Lösung der europäischen Schuldenkrise zu rechnen und daher könne weiterhin von einer großen Volatilität auf sehr hohem Niveau ausgegangen werden.
Das gestiegene Bedürfnis der Investoren nach Sicherheit habe auch in dieser Woche wieder für ein breites Grinsen bei den für die Refinanzierung Deutschlands Verantwortlichen gesorgt. Zuerst hätten sechsmonatige Bubills im Volumen von 3,5 Mrd. Euro mit einer negativen Rendite von -0,0002% platziert werden können. Anschließend sei 1 Mrd. Euro durch die Aufstockung der bereits 2011 begebenen inflationsindexierten Anleihe (ISIN DE0001030534 / WKN 103053) aufgenommen worden. Die hierbei erzielte reale Durchschnittsrendite von -1,18% und das bei einer 1,9fachen Überzeichnung, spreche eine eindeutige Sprache.
Die "Krönung" in dieser Woche sei allerdings die Aufstockung der zweijährigen Bundesschatzanweisungen um 5 Mrd. Euro gewesen. Dass hierbei nur noch eine marginale Rendite von +0,02% zu erzielen sei, mache sicherlich keinen Investor glücklich. Solche "Zinsauswüchse" seien das Resultat der Verunsicherung aller Marktteilnehmer und dies werde nicht zuletzt in der 2,2fachen Überzeichnung deutlich.
In den vergangenen Handelswochen sei es an den Märkten ziemlich turbulent zugegangen. Dies würden auch die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt zeigen. Die Anleger würden aktuell eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle durchleben. Während der EZB-Ratssitzung am vergangenen Donnerstag sei es für die Gemeinschaftswährung bergab gegangen. Getrieben von Spekulationen um eine mögliche Leitzinssenkung habe der Euro kräftig eingebüßt. Bei 1,2745 USD sei ein neues Vier-Monats-Tief markiert worden.
Im weiteren Handelverlauf habe sich jedoch die Einheitswährung relativ schnell berappeln können. Schwache Konjunkturdaten aus den USA und damit einhergehend ein schwächerer Greenback hätten dem Euro zum Kursplus verholfen. Infolgedessen habe sogar die Marke von 1,31 USD zurückerobert werden können. Mit 1,3121 USD sei es gar der höchste Stand seit einem Monat gewesen.
Ein besonderes Augenmerk habe in den vergangenen Tagen der Entwicklung des Japanischen Yen gegolten. Die Ausweitung der ohnehin extrem lockeren Geldpolitik habe in Nippon zu einem deutlichen Kursrutsch der heimischen Währung geführt. Der Euro sei somit auf 130,53 JPY geklettert, dem höchsten Stand seit Januar 2010.
In der Eurozone lägen Licht und Schatten oft nah beieinander. So seien Anleger weiterhin vorsichtig und würden nach dem Prinzip der Risikostreuung agieren. Aus diesem Grund stünden Fremdwährungsanleihen auf Norwegische Kronen, Australische Dollar, Türkische Lira und auch US-Bonds hoch im Kurs.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
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Copyright ©: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (11.04.2013/alc/a/a)
Seit einigen Monaten sei an der Kursentwicklung des Euro gegenüber anderen Leitwährungen immer wieder ersichtlich, wie es um das Vertrauen in die Eurozone bestellt sei. Daher werde der Euro-Kurs inzwischen bereits als Vertrauensbarometer bezeichnet. Und Vertrauen müsse man sich an den internationalen Kapitalmärkten hart erarbeiten, das werde einem nicht geschenkt. Hierbei seien sicherlich Historie und auch Gegenwart zu bewerten, aber ein besonderes Augenmerk richte sich auf die Zukunft.
Die Beurteilung der Zeit "X" sei aber eng mit der Reformfähigkeit verknüpft, die von vielen Investoren und Marktteilnehmern allerdings skeptisch bewertet werde. Denn soziale Unruhen in den Krisenländern, eine Hydra-ähnliche Bankenkrise, schwache Positionen einzelner Regierungen und eine nicht vollständig legitimierte europäische Führung würden die notwendigen Reformen zum Flickwerk werden lassen. Denn um wirtschaftliches Wachstum zu erreichen, müssten überfällige Reformen auf den Weg gebracht werden, die die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte zum Inhalt hätten.
Dazu brauche man allerdings klare Vorstellungen von der Zukunft Europas und könne nicht einfach nur in den Tag hinein leben. Schließlich seien die Staatsregierungen auf die Bereitschaft der Investoren angewiesen, in das Projekt "Zukunft" zu investieren, weshalb man sich eine Verunsicherung der Investoren dauerhaft nicht leisten könne. Die kommenden Monate würden zeigen, ob sich Euroland sein TÜV-Prüfsiegel verdienen könne.
So sei es in Portugal das Verfassungsgericht gewesen, das Teile des geplanten Sparprogramms zu Fall gebracht habe, weshalb nun erstmals von einem Antrag für ein zweites Hilfspaket die Rede sei. Dies wolle die amtierende Regierung zwar verhindern. Unklar sei aber, wie sie das 1,25 Mrd. Euro große Finanzloch stopfen wolle, das sich durch das Urteil des Verfassungsgerichts wieder aufgetan habe.
Auch Irland habe trotz guter Fortschritte Mühe, seinen Haushalt in den Griff zu bekommen. So habe der IWF die Regierung in Dublin eindringlich gemahnt, auf dem eingeschlagenen Sparkurs zu bleiben, was bei einer Arbeitslosenquote von 14% nicht leicht falle. Außerdem müsse bis 2015 eine weitere Reduzierung der Ausgaben durchgesetzt werden.
Und dann sei da noch Slowenien, das möglicherweise doch bald unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müsse. Hier sei es nicht der Schuldenstand, der mit 47% des BIP deutlich besser als bei allen Euro-Kernländern sei, sondern der stark angeschlagene Bankensektor, der wegen der hohen Risiken bei den Banken Sorgen bereite. Von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn habe Slowenien bereits eine dringende Mahnung erhalten, seinen wirtschaftspolitischen Kurs mit Blick auf den risikobehafteten Bankensektor zu korrigieren. Ebenso habe Spanien von Rehn einen Schuss vor den Bug bekommen, gefährde dessen hohe Verschuldung doch das Wirtschaftswachstum und das Finanzsystem.
Auch wenn ob dieser zahlreichen Baustellen die Reformfähigkeit von Euroland in Zweifel gezogen werden könne, würden zumindest die Deutschen zum Euro halten. Deutschland hafte zwar mit einer Rekordsumme von 265 Mrd. Euro für die Schuldensünder, aber dennoch würden 69 Prozent der Deutschen die Gemeinschaftswährung behalten wollen. Dies habe eine Forsa-Umfrage für das Handelsblatt ergeben. 2012 sei das anders gewesen. Da habe noch jeder Zweite den Euro abgelehnt.
Für die zweite Jahreshälfte sei nach den Worten des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, mit einer Rückkehr zum wirtschaftlichen Wachstum in der Eurozone zu rechnen. Die Frage sei nur: Warum? Italien und Spanien würden weiter in der Krise fest stecken, Frankreich sacke wirtschaftlich immer weiter ab und Deutschland könne die Welt - in diesem Fall: Die Eurozone - nicht alleine retten. Somit würden die Hoffnungsschimmer blasser und eine Zinssenkung in Euroland immer wahrscheinlicher.
Aber wann möge dies der Fall sein? Eigentlich könne das Wachstum nur die Folge einer baldigen Zinssenkung sein, denn ansonsten würde bei einer "Eigenstimulanz" ja keine Veranlassung bestehen, eine solche Maßnahme zu ergreifen. Sollte der zuletzt beschriebene Fall eintreten, dann wäre die EZB die letzte Bastion gegen eine lockere Geldpolitik der Notenbanken. Wenn die Eurozone aber nicht so zerstritten wäre, so wäre das die Chance, ganz groß rauszukommen.
Denn andere Notenbanken wie beispielsweise die Bank of Japan (BoJ) würden einen anderen Weg gehen. Eine nicht mehr für weiter lockerungsfähig gehaltene Geldpolitik sei nochmals gelockert worden. Das heiße, es würden jetzt monatlich fast doppelt so viele Anleihen angekauft. Sogar die Begrenzung der Restlaufzeit auf drei Jahre sei gekippt worden. Während die BoJ diesen Weg beschreite, halte die Bank of England (BoE) ihr Pulver noch trocken und verzichte auf eine zusätzliche Stimulanz. Wie sich das Gremium unter dem neuen Vorsitzenden verhalten werde, bleibe abzuwarten. Während also in England noch die Geldpolitik der ruhigen Hand praktiziert werde, würden in den USA immer mehr Mitglieder des Offenmarktausschusses für die baldige Einstellung oder zumindest eine deutliche Reduzierung der Anleihenankäufe plädieren.
Somit sei zu konstatieren: Es gebe keinen "Königsweg" der Geldpolitik. Drei Notenbanken hätten sich für drei unterschiedliche Wege entschieden und man könne sich nur wünschen, dass alle auf ihre Art Recht bekämen.
Beim Aufspüren von Alternativen zu den niedrig verzinslichen Staatsanleihen würden immer wieder ausgewählte Corporate Bonds das Rennen machen. So habe bei den Anlegern in dieser Woche an den Börsen Düsseldorf und München unter anderem eine Unternehmensanleihe (ISIN XS0873432511 / WKN A1HEWZ) von Fresenius im Mittelpunkt gestanden. Das bis 7/2020 laufende Papier erscheine Anlegern bei einer Rendite von ca. 2,8% offenbar ein Investment wert.
Ebenso hätten ein Bond (ISIN XS0875797515 / WKN A1UDV4) der Deutschen Telekom mit Laufzeit 1/2028 und ca. 2,9% Rendite, sowie ein Titel (ISIN DE000A1TM5X8 / WKN A1TM5X) von HOCHTIEF, der 3/2020 fällig werde und eine Rendite von ca. 3,7% aufweise, auf den Kauflisten gestanden. Weiter gefragt sei auch eine mit ca. 1% rentierende Anleihe (ISIN DE000A1KRJD4 / WKN A1KRJD) der ING-Diba gewesen, die bis 3/2019 laufe.
Vielleicht nicht gerade täglich, aber doch immer mal wieder grüße das Murmeltier. Nachdem die Diskussion um Sinn und Unsinn von Eurobonds abgeebbt sei, habe sie nun George Soros neu belebt. Im Bestreben, die Schuldenkrise in Euroland einzudämmen, sehe der US-Großinvestor nur zwei Alternativen. Entweder Deutschland mache sich für die Einführung gemeinsamer Schuldentitel aller Euroländer, so genannter Eurobonds, stark oder die größte Wirtschaftsmacht von Euroland müsse der Gemeinschaftswährung den Rücken kehren. Also, Eurobonds oder Euro-Austritt als Königsweg aus der Schuldenkrise? Allzu große Hoffnungen, dass sein Vorschlag umgesetzt werde, mache sich allerdings auch Soros nicht. Dennoch brächte nach Ansicht des Großinvestors genau eine dieser beiden Alternativen den Durchbruch in der Schuldenkrise.
Fast zeitgleich sei die Forderung nach Eurobonds auch in Paris wieder aufgetaucht. EZB-Direktor Benoit Coeure habe dort gesagt, dass er gemeinsam begebene Staatsanleihen als erstrebenswert erachte. Gemeinsame Schulden seien ein gutes Ziel, werde er zitiert. Über Details wie die Frage, ob damit etwa alle Schulden oder nur neue gemeint seien, werde nichts berichtet. Hauptsache, das Thema sei wieder in die Debatte eingebracht. Ob Coeure und Soros sich abgesprochen hätten, sei freilich nicht überliefert.
Viele Länder, die man noch gerne als Schwellenländer bezeichne, würden mit immer breiterer Brust an den Finanzmärkten agieren. Nicht nur, dass die Zentralbanken der Entwicklungsstaaten den Euro-Anteil an ihren Devisenreserven 2012 um 8% gekürzt haben, nein, auch ihre eigenen Währungen scheinen für sie selbst zunehmend an Attraktivität zu gewinnen, so die Analysten der Baader Bank. So seien Brasilien und China übereingekommen, sich im Falle von Währungsturbulenzen gegenseitig 30 Mrd. USD in der Währung des jeweils anderen Landes zu leihen.
Doch damit nicht genug. So hätten sich die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika jüngst auf die Gründung einer Entwicklungsbank verständigt. Das mit einem Eigenkapital von 50 Mrd. USD ausgestattete Institut solle sich vor allem der Finanzierung von Infrastrukturprojekten in den BRICS-Staaten annehmen und sei als Gegengewicht zu der Weltbank und dem IWF gedacht. Südafrika sei bestrebt, den Sitz der neuen Bank nach Kapstadt zu holen. Kein Zweifel, die Schwellenländer würden ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickeln und sich neu ausrichten.
Sowohl der befürchtete "Banken-Run" in Zypern als auch der Rückgang des Sorgenbarometers seien entgegen der Markterwartung ausgeblieben, denn weiterhin gelte seit geraumer Zeit für Euroland: Sei ein Feuer gelöscht, flamme das nächste schon auf. Ob es nun die Unsicherheit über die Regierungsbildung in Italien oder schwache Konjunkturkennzahlen aus der Eurozone seien, an Brandherden mangele es nicht.
In der vergangenen Handelswoche hätten z.B. die Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstagnachmittag eine Spiritus-ähnliche Auswirkung auf den Euro-Bund-Future. Er sei zusätzlich durch die US-Arbeitsmarktdaten am Freitagnachmittag, von 145,10% kommend, bis auf 146,54% befeuert worden. Seit Wochenbeginn würden die Flammen aber nun wieder kleiner und das Rentenbarometer sei gestern Abend bis auf 145,15% zurückgekommen. Als Löschwasser hätten hierbei einerseits Gewinnmitnahmen fungiert, aber andererseits auch optimistische Erwartungen an die beginnende Quartalsberichtssaison.
Aus charttechnischer Sicht sei die Marke von 146% als erster Widerstand auf dem Weg zum Allzeithoch im Endloskontrakt bei 146,89% zu sehen. Der Bereich zwischen 144,60% und 144,85% stelle aktuell eine solide Unterstützung dar. Auch in den nächsten Wochen sei mit keiner finalen Lösung der europäischen Schuldenkrise zu rechnen und daher könne weiterhin von einer großen Volatilität auf sehr hohem Niveau ausgegangen werden.
Das gestiegene Bedürfnis der Investoren nach Sicherheit habe auch in dieser Woche wieder für ein breites Grinsen bei den für die Refinanzierung Deutschlands Verantwortlichen gesorgt. Zuerst hätten sechsmonatige Bubills im Volumen von 3,5 Mrd. Euro mit einer negativen Rendite von -0,0002% platziert werden können. Anschließend sei 1 Mrd. Euro durch die Aufstockung der bereits 2011 begebenen inflationsindexierten Anleihe (ISIN DE0001030534 / WKN 103053) aufgenommen worden. Die hierbei erzielte reale Durchschnittsrendite von -1,18% und das bei einer 1,9fachen Überzeichnung, spreche eine eindeutige Sprache.
Die "Krönung" in dieser Woche sei allerdings die Aufstockung der zweijährigen Bundesschatzanweisungen um 5 Mrd. Euro gewesen. Dass hierbei nur noch eine marginale Rendite von +0,02% zu erzielen sei, mache sicherlich keinen Investor glücklich. Solche "Zinsauswüchse" seien das Resultat der Verunsicherung aller Marktteilnehmer und dies werde nicht zuletzt in der 2,2fachen Überzeichnung deutlich.
In den vergangenen Handelswochen sei es an den Märkten ziemlich turbulent zugegangen. Dies würden auch die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt zeigen. Die Anleger würden aktuell eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle durchleben. Während der EZB-Ratssitzung am vergangenen Donnerstag sei es für die Gemeinschaftswährung bergab gegangen. Getrieben von Spekulationen um eine mögliche Leitzinssenkung habe der Euro kräftig eingebüßt. Bei 1,2745 USD sei ein neues Vier-Monats-Tief markiert worden.
Im weiteren Handelverlauf habe sich jedoch die Einheitswährung relativ schnell berappeln können. Schwache Konjunkturdaten aus den USA und damit einhergehend ein schwächerer Greenback hätten dem Euro zum Kursplus verholfen. Infolgedessen habe sogar die Marke von 1,31 USD zurückerobert werden können. Mit 1,3121 USD sei es gar der höchste Stand seit einem Monat gewesen.
Ein besonderes Augenmerk habe in den vergangenen Tagen der Entwicklung des Japanischen Yen gegolten. Die Ausweitung der ohnehin extrem lockeren Geldpolitik habe in Nippon zu einem deutlichen Kursrutsch der heimischen Währung geführt. Der Euro sei somit auf 130,53 JPY geklettert, dem höchsten Stand seit Januar 2010.
In der Eurozone lägen Licht und Schatten oft nah beieinander. So seien Anleger weiterhin vorsichtig und würden nach dem Prinzip der Risikostreuung agieren. Aus diesem Grund stünden Fremdwährungsanleihen auf Norwegische Kronen, Australische Dollar, Türkische Lira und auch US-Bonds hoch im Kurs.
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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (11.04.2013/alc/a/a)
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