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Reform-Momentum eröffnet Anlegern Möglichkeiten am indischen Anleihemarkt
19.04.17 11:00
T. Rowe Price
Baltimore (www.anleihencheck.de) - Bei Schwellenländeranlegern genoss Indiens Anleihemarkt nicht immer oberste Priorität, weil der Markt für viele als etwas undurchsichtig und schwierig gilt, so Andrew Keirle, Portfoliomanager des Emerging Markets Local Currency Bond Fund bei T. Rowe Price.
Doch in den vergangenen Jahren habe sich der indische Anleihemarkt allmählich gegenüber internationalen Investoren geöffnet. Gleichzeitig habe sich das Investmentumfeld verbessert, dazu beigetragen hätten der langfristige Desinflationstrend des Landes, positive Wachstumsaussichten und Reformen, welche die Regierung des Premierministers Narendra Modi implementiert habe. Trotz dieser Fortschritte sollten potenzielle Investoren jedoch auch die Risiken berücksichtigen, die sich aus dem erheblichen Verschuldungsproblem des Landes und seinen vielen politischen Unwägbarkeiten ergeben würden.
Der indische Anleihemarkt sei traditionell in der Hand von inländischen Anlegern und internationale Investitionen seien vergleichsweise gering, da die Regulierung trotz der allmählichen Öffnung des Marktes den Zugang für ausländische Investoren immer noch begrenze.
"Für internationale Investoren hat sich der Aufwand, den indischen Markt zu erschließen, gelohnt. Die indische Staatsverschuldung hat sich seit 2014 relativ gut entwickelt, wobei die Renditen bei 10-jährigen Anleihen zwischen Anfang 2014 und Ende 2016 von neun Prozent bis unter sieben Prozent abgenommen haben", sage Andrew Keirle.
Die kürzlich erfolgte Geldentwertung von hohen INR (Indische Rupie)-Banknoten durch die Regierung, um die Schattenwirtschaft zu schwächen, habe Sorgen um das Wirtschaftswachstum befördert. Dies habe sich wiederum positiv auf die Bondspreise ausgewirkt. Aber selbst wenn die Bewertungen nicht so attraktiv seien wie sie einmal gewesen seien, gebe es immer noch gute Gründe, in indische Anleihen zu investieren. Auch die indische Währung könnte für Investoren interessant sein. Gute Zahlungsbilanzen und ein geringes Leistungsbilanzdefizit sowie solide ausländische Direktinvestitionszuflüsse sprächen für sich. "Die Rupie erscheint fair bewertet. Wir glauben, dass sie Vorteile gegenüber anderen asiatischen Währungen hat", so Keirle.
Die hohe Inflation sei historisch gesehen eine Belastung für Indiens Anleihemarkt gewesen. Hier würden die Reformen der Regierung allerdings Wirkung zeigen. Nach der Finanzkrise von 2007/2008 habe es zweistellige Inflationsraten gegeben. Die indische Notenbank, Reserve Bank of India (RBI), habe seit dem Jahr 2013 dafür gesorgt, dass sich die Inflation auf einen einstelligen Bereich reduziert habe. "Der zugleich sinkende Leitzins hat ein attraktives Umfeld für Anleiheanleger geschaffen", erläutere Portfoliomanager Keirle.
Neben der Umsetzung eines formalen Inflationsmandats habe die indische RBI weitere Reformen eingeführt, um die Zinssätze zu bestimmen - dies habe sie früher nicht eigenständig gedurft. Dies habe wiederum den Anreiz der Zentralbank weiter gestärkt, sich langfristig auf die Inflation zu konzentrieren. Zum Vorteil der Investoren, die es in der Regel begrüßen würden, dass Zentralbanken so unabhängig wie möglich seien.
Indien habe zudem mehrere Reformen auf den Weg gebracht, um die Schwarzmarktwirtschaft einzudämmen. Außerdem sei die Bürokratie reduziert worden, wenn es um Infrastrukturausgaben und Immobilienentwicklung gehe. Eine weitere Schlüsselreform, die festverzinslichen Investoren zugute komme, sei die Schaffung einer landesweiten Waren- und Dienstleistungssteuer (im Englischen "goods and services tax", kurz GST). Diese Steuer beseitige gewisse Barrieren und Steuerverzerrungen zwischen den verschiedenen Bundesstaaten, mit dem Ziel, in Indien einen effizienteren Binnenmarkt zu etablieren.
Während der Einfluss der Regierung auf die indische Notenbank reduziert worden sei, sei die politische Entwicklung ein Risiko für die Entwicklung des indischen Anleihemarktes. Auch wenn die Regierung im Unterhaus eine Mehrheit habe, kontrolliere sie nicht das Oberhaus. Dies erschwere es, Gesetze zu verabschieden. Im Allgemeinen bewege sich die indische Politik allmählich von einer dominierenden zentralen Partei zu einer Parteienlandschaft, die durch eine Anzahl kleinerer, regionaler Parteien gekennzeichnet sei. Das mache es wiederum schwieriger, auf lange Sicht wichtige Reformen herbeizuführen.
Indiens Anleihemarkt stehe aber auch vor einigen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die großen Konglomerate des Landes seien teilweise äußerst stark verschuldet: Das eine Prozent der größten indischen Unternehmen vereine laut dem Internationalen Währungsfonds IWF etwa die Hälfte der Gesamtverschuldung auf sich. Auch das Bankensystem des Landes habe ein großes Schuldenproblem.
Dennoch würden indische Anleihen Diversifizierungspotenzial für internationale Investoren bieten. Der Markt sei im Vergleich zu anderen asiatischen Schwellenländern weniger stark dem Risiko ausgesetzt, dass sich ausländische aus der Region schnell zurückziehen würden. Darüber hinaus habe der Markt eine relativ geringe Korrelation zu US-Staatsanleihen.
"Im Großen und Ganzen entwickelt sich das Land allmählich zu einem offeneren, integrativen Markt. Dies sollte sicherstellen, dass die Nachfrage nach indischen Vermögenswerten strukturell im Laufe der Zeit steigen wird - das gilt insbesondere für festverzinsliche Wertpapiere und Devisen. Indische Staatsanleihen erzielen höhere Erträge als die Anleihen anderer asiatischer Schwellenländer, die sich nicht auf einem solchen Reformkurs wie Indien befinden", resümiere Keirle. (19.04.2017/alc/a/a)
Doch in den vergangenen Jahren habe sich der indische Anleihemarkt allmählich gegenüber internationalen Investoren geöffnet. Gleichzeitig habe sich das Investmentumfeld verbessert, dazu beigetragen hätten der langfristige Desinflationstrend des Landes, positive Wachstumsaussichten und Reformen, welche die Regierung des Premierministers Narendra Modi implementiert habe. Trotz dieser Fortschritte sollten potenzielle Investoren jedoch auch die Risiken berücksichtigen, die sich aus dem erheblichen Verschuldungsproblem des Landes und seinen vielen politischen Unwägbarkeiten ergeben würden.
Der indische Anleihemarkt sei traditionell in der Hand von inländischen Anlegern und internationale Investitionen seien vergleichsweise gering, da die Regulierung trotz der allmählichen Öffnung des Marktes den Zugang für ausländische Investoren immer noch begrenze.
"Für internationale Investoren hat sich der Aufwand, den indischen Markt zu erschließen, gelohnt. Die indische Staatsverschuldung hat sich seit 2014 relativ gut entwickelt, wobei die Renditen bei 10-jährigen Anleihen zwischen Anfang 2014 und Ende 2016 von neun Prozent bis unter sieben Prozent abgenommen haben", sage Andrew Keirle.
Die kürzlich erfolgte Geldentwertung von hohen INR (Indische Rupie)-Banknoten durch die Regierung, um die Schattenwirtschaft zu schwächen, habe Sorgen um das Wirtschaftswachstum befördert. Dies habe sich wiederum positiv auf die Bondspreise ausgewirkt. Aber selbst wenn die Bewertungen nicht so attraktiv seien wie sie einmal gewesen seien, gebe es immer noch gute Gründe, in indische Anleihen zu investieren. Auch die indische Währung könnte für Investoren interessant sein. Gute Zahlungsbilanzen und ein geringes Leistungsbilanzdefizit sowie solide ausländische Direktinvestitionszuflüsse sprächen für sich. "Die Rupie erscheint fair bewertet. Wir glauben, dass sie Vorteile gegenüber anderen asiatischen Währungen hat", so Keirle.
Neben der Umsetzung eines formalen Inflationsmandats habe die indische RBI weitere Reformen eingeführt, um die Zinssätze zu bestimmen - dies habe sie früher nicht eigenständig gedurft. Dies habe wiederum den Anreiz der Zentralbank weiter gestärkt, sich langfristig auf die Inflation zu konzentrieren. Zum Vorteil der Investoren, die es in der Regel begrüßen würden, dass Zentralbanken so unabhängig wie möglich seien.
Indien habe zudem mehrere Reformen auf den Weg gebracht, um die Schwarzmarktwirtschaft einzudämmen. Außerdem sei die Bürokratie reduziert worden, wenn es um Infrastrukturausgaben und Immobilienentwicklung gehe. Eine weitere Schlüsselreform, die festverzinslichen Investoren zugute komme, sei die Schaffung einer landesweiten Waren- und Dienstleistungssteuer (im Englischen "goods and services tax", kurz GST). Diese Steuer beseitige gewisse Barrieren und Steuerverzerrungen zwischen den verschiedenen Bundesstaaten, mit dem Ziel, in Indien einen effizienteren Binnenmarkt zu etablieren.
Während der Einfluss der Regierung auf die indische Notenbank reduziert worden sei, sei die politische Entwicklung ein Risiko für die Entwicklung des indischen Anleihemarktes. Auch wenn die Regierung im Unterhaus eine Mehrheit habe, kontrolliere sie nicht das Oberhaus. Dies erschwere es, Gesetze zu verabschieden. Im Allgemeinen bewege sich die indische Politik allmählich von einer dominierenden zentralen Partei zu einer Parteienlandschaft, die durch eine Anzahl kleinerer, regionaler Parteien gekennzeichnet sei. Das mache es wiederum schwieriger, auf lange Sicht wichtige Reformen herbeizuführen.
Indiens Anleihemarkt stehe aber auch vor einigen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die großen Konglomerate des Landes seien teilweise äußerst stark verschuldet: Das eine Prozent der größten indischen Unternehmen vereine laut dem Internationalen Währungsfonds IWF etwa die Hälfte der Gesamtverschuldung auf sich. Auch das Bankensystem des Landes habe ein großes Schuldenproblem.
Dennoch würden indische Anleihen Diversifizierungspotenzial für internationale Investoren bieten. Der Markt sei im Vergleich zu anderen asiatischen Schwellenländern weniger stark dem Risiko ausgesetzt, dass sich ausländische aus der Region schnell zurückziehen würden. Darüber hinaus habe der Markt eine relativ geringe Korrelation zu US-Staatsanleihen.
"Im Großen und Ganzen entwickelt sich das Land allmählich zu einem offeneren, integrativen Markt. Dies sollte sicherstellen, dass die Nachfrage nach indischen Vermögenswerten strukturell im Laufe der Zeit steigen wird - das gilt insbesondere für festverzinsliche Wertpapiere und Devisen. Indische Staatsanleihen erzielen höhere Erträge als die Anleihen anderer asiatischer Schwellenländer, die sich nicht auf einem solchen Reformkurs wie Indien befinden", resümiere Keirle. (19.04.2017/alc/a/a)


