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Reduzieren die Notenbanken das Tempo?


28.10.22 11:47
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Der ungewöhnlich warme Start in den Herbst sowie gut gefüllte Gastanks haben am Gasmarkt zu einer starken Korrektur geführt, so Sascha Rehbein von der Weberbank.

Entwarnung für die deutsche Wirtschaft? Werde alles doch nicht so schlimm? Leider sei es für diese Aussagen noch zu früh. Die Temperaturen der kommenden Monate sowie Gaslieferungen aus alternativen Quellen werden entscheidend sein, ob wir in Deutschland um die gefürchtete Gas-Rationierung herumkommen werden, so die Analysten der Weberbank. Da die deutsche Wirtschaft bereits jetzt schon mit hohen Energiekosten und einer sich abschwächenden globalen Nachfrage zu kämpfen habe, würden die Analysten weiterhin von einem schwachen Konjunkturausblick ausgehen.

Unser größter Handelspartner, China, hat auf dem 20. Parteitag wie erwartet eine weitere Amtsperiode für Generalsekretär Xi bestätigt, so die Analysten der Weberbank. Interessanter gewesen sei allerdings die Besetzung der zweiten Führungsriege, welche sich von nun an ausschließlich aus Loyalisten des Generalsekretärs zusammensetze. Somit sei zu befürchten, dass regulatorische Eingriffe in die Wirtschaft analog der letzten beiden Jahre (primär im Technologie- und Bausektor), nicht die Ausnahme sein sollten und dass das Damoklesschwert einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Taiwan an Wahrscheinlichkeit gewonnen habe. In Summe keine positiven Aussichten für die Weltwirtschaft.

Auch in den USA könnte sich das Machtverhältnis in Kürze verändern. Die Demokraten würden Gefahr laufen, bei den anstehenden Kongresswahlen mindestens das Repräsentantenhaus an die republikanische Partei zu verlieren. Aber auch der Senat wackele, da die aktuellen Umfragen nur einen knappen Vorsprung für die demokratischen Kandidaten prognostiziere. In Summe sei zu erwarten, dass Präsident Biden in den letzten zwei Amtsjahren mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich schwieriger innenpolitische Entscheidungen durchsetzen könne und die politischen Grabenkämpfe zunehmen sollten.

Die hohe Inflation habe die US-Notenbank FED und etwas zeitverzögert auch die EZB zu deutlichen Zinserhöhungen gezwungen. Auf der gestrigen Sitzung der europäischen Notenbank sei ein weiterer ungewöhnlich hoher 75-Basispunkte-Schritt verkündet worden. EZB-Präsidentin Lagarde habe auf der Pressekonferenz klargestellt, dass ein Ende der geldpolitischen Normalisierung noch nicht erreicht worden sei. Mit Blick auf den schwachen Konjunkturausblick können wir uns allerdings eine Verlangsamung des Zinspfads sehr gut vorstellen, so die Analysten der Weberbank.

Kommende Woche werde auch vonseiten der US-Notenbank (FED) ein weiterer 75-Basispunkte-Schritt erwartet. Anders als in Europa verliere die Inflation in den USA an Dynamik und es würden verstärkt die Rufe lauter, die Wirtschaft durch weitere Zinsschritte nicht unnötig zu belasten. Somit ist es gut möglich, dass wir kommende Woche auch in den USA den vorerst letzten 75-Basispunkte-Schritt sehen und die folgenden Schritte moderater ausfallen sollten, so die Analysten der Weberbank.

An den Rentenmärkten sei die tägliche Schwankungsintensität unverändert hoch. Kurzlaufende Bundesanleihen hätten zwischenzeitlich Renditeniveaus erreicht, die man zuletzt im Jahr 2008 gesehen habe. Somit würden die Analysten der Weberbank weiterhin empfehlen, die relativ hohe Attraktivität von kurzlaufenden Anleihen von hoher Bonität zu nutzen. Zögerlich sind wir weiterhin bei schwachen Bonitäten, da die Konjunkturschwäche zu einem weiteren Anstieg der Risikoprämien führen sollte, so die Analysten der Weberbank.

Am Aktienmarkt sei die Diskussion über einen abgeschwächten Leitzinspfad, insbesondere der FED, positiv aufgenommen worden. Aber auch die aktuelle Bilanzsaison sei mit Ausnahme einiger großer Technologieunternehmen bisher in Summe besser ausgefallen als befürchtet. Die Umsatzentwicklung steche dabei besonders positiv hervor, während die Unternehmensgewinne wie erwartet lediglich geringfügig angewachsen seien. Wie bereits antizipiert, könnten einige Unternehmen die hohen Preise nicht mehr ohne Weiteres an den Endkunden weitergeben, was somit die Margen belaste. Bei den Ausblicken werde zunehmend vor einer Abkühlung der Wirtschaftsaktivität gewarnt. Besonders auffällig sei hier das Software- und Chip-Segment. Die Analysten der Weberbank würden erwarten, dass die Marktteilnehmer ihre Prognosen für die künftigen Unternehmensgewinne reduzieren würden. Somit würden die Analysten der Weberbank weiterhin vorsichtig positioniert bleiben und sich auf qualitativ hochwertige Unternehmen mit starker Marktstellung fokussieren. (28.10.2022/alc/a/a)