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QE Reloaded - wie weit kann die EZB gehen?
26.01.15 14:36
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die EZB-Entscheidung ist als Teil eines tief greifenden geldpolitischen Umschwungs zu verstehen, so Willem Verhagen, Volkswirt bei ING Investment Management.
Damit trage der europäische Währungshüter - wie auch alle anderen G4-Zentralbanken - der stagnierenden Konjunkturentwicklung im Nachgang der Krise Rechnung. Da die EZB aber sehr viel stärkeren politischen und institutionellen Zwängen unterworfen sei als ihre Pendants in anderen Ländern, habe sich die geldpolitische Lockerung in der Eurozone deutlich langsamer vollzogen.
Trotz dieser Zwänge sei die EZB in puncto QE anscheinend noch einen Schritt weiter gegangen. Die größte positive Überraschung bestehe darin, dass das EZB-Anleiheankaufprogramm eher dem unbefristeten QE3-Programm der FED bzw. dem QQE (Qualitative and Quantitative Easing) der Bank of Japan entspreche als den FED-Vorläuferprogrammen QE1 und QE2.
Jeden Monat werde die EZB Staatsanleihen im Wert von mindestens 60 Milliarden Euro aufkaufen, und zwar mindestens bis September 2016, doch in jedem Fall bis eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung eintrete, die mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar sei. Letztere Vorgabe sei so vage, dass dieser Punkt irgendwann wieder zur Diskussion stehen werde. Doch fürs Erste laute die Hauptbotschaft: Die Bilanz der EZB werde sich in den nächsten beiden Jahren stärker aufblähen, als die Märkte bislang eingepreist hätten.
Eines der umstrittensten Themen sei dabei, inwieweit das Kreditrisiko gemeinsam getragen werde oder in den Bilanzen der einzelstaatlichen Zentralbanken verbleibe. In gewissem Maße sei diese Frage aber wohl rein akademisch. Sofern die Risiken der nationalen Zentralbanken vollständig gemeinsam getragen würden (und das sei nun mal der Kern einer Währungsunion), dann müsse das letztlich auch für die Gewinne gelten. Eine Ausnahme bestehe allerdings, falls die EZB auf einer Rekapitalisierung der infolge der Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners entstandenen Verluste bestehe. Das entspreche sozusagen einer nachträglichen Beanspruchung von Vorrang. In diesem Fall mache es einen großen Unterschied, ob die Kosten der Rekapitalisierung von allen EWU-Ländern getragen würden oder ob das zahlungsunfähige Land allein dafür verantwortlich sei.
Davon abgesehen würde ein Verzicht auf das gemeinsame Schultern der Risiken ein negatives Signal senden. Ein solcher Verzicht könnte nämlich als Rückschritt auf dem Weg zu einer Fiskalunion verstanden werden. Nach Einschätzung der Experten wäre das Thema Rekapitalisierung nur dann relevant, falls ein großes Land Staatsbankrott anmelden würde. Bislang sei dies nur ein Extremrisiko, das an der Peripherie durch den Rückgang der effektiven Zinssätze und freundlichere Wachstumsaussichten - dank zusätzlicher geldpolitischer Lockerung - gesunken sei.
Im Übrigen werde der zwiespältige Effekt für die Risikozuschläge auf Staatsanleihen von der Euro-Peripherie wahrscheinlich durch den Rückgang der Laufzeitprämien auf diese Papiere wettgemacht, die ihrerseits durch den Rückkauf in großem Stil bedingt seien.
Alles in allem habe die EZB nach Auffassung der Experten wiederum unter Beweis gestellt, dass sie bereit sei, auch im Hinblick auf ihr Preisstabilitätsziel alles in ihrer Macht Stehende zu tun. Ob das reichen werde, um die Inflationserwartungen wieder mit dem Inflationsziel zu synchronisieren, bleibe abzuwarten. Positiv sei indes zu vermerken, dass der die Inflationserwartungen treibende Effekt der QE auch mit einem schwächeren Euro, steigender Zuversicht bei Verbrauchern und Unternehmen sowie einer Stabilisierung des Kreditgeschäfts einhergehe. Andererseits könnten die tatsächlichen Inflationsraten in diesem Jahr noch größtenteils negativ bleiben. So dürfte die anhaltende Stagnation Kerninflation und Lohnwachstum bis auf weiteres deckeln.
Zumindest sind die Experten von ING Investment Management jetzt zuversichtlicher, dass die EZB tatsächlich bereit sein wird, das Tempo der Lockerung notfalls zu beschleunigen. Das Basisszenario der Experten gehe davon aus, dass das gegenwärtige Tempo der Anleihekäufe bis weit ins Jahr 2017 anhalten und der Leitzins mindestens bis 2018 auf dem aktuellen Niveau verharren werde. Im Rahmen dieses Szenarios bestünden die Risiken in erster Linie in einer unerwartet starken Lockerung. (26.01.2015/alc/a/a)
Damit trage der europäische Währungshüter - wie auch alle anderen G4-Zentralbanken - der stagnierenden Konjunkturentwicklung im Nachgang der Krise Rechnung. Da die EZB aber sehr viel stärkeren politischen und institutionellen Zwängen unterworfen sei als ihre Pendants in anderen Ländern, habe sich die geldpolitische Lockerung in der Eurozone deutlich langsamer vollzogen.
Trotz dieser Zwänge sei die EZB in puncto QE anscheinend noch einen Schritt weiter gegangen. Die größte positive Überraschung bestehe darin, dass das EZB-Anleiheankaufprogramm eher dem unbefristeten QE3-Programm der FED bzw. dem QQE (Qualitative and Quantitative Easing) der Bank of Japan entspreche als den FED-Vorläuferprogrammen QE1 und QE2.
Jeden Monat werde die EZB Staatsanleihen im Wert von mindestens 60 Milliarden Euro aufkaufen, und zwar mindestens bis September 2016, doch in jedem Fall bis eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung eintrete, die mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar sei. Letztere Vorgabe sei so vage, dass dieser Punkt irgendwann wieder zur Diskussion stehen werde. Doch fürs Erste laute die Hauptbotschaft: Die Bilanz der EZB werde sich in den nächsten beiden Jahren stärker aufblähen, als die Märkte bislang eingepreist hätten.
Davon abgesehen würde ein Verzicht auf das gemeinsame Schultern der Risiken ein negatives Signal senden. Ein solcher Verzicht könnte nämlich als Rückschritt auf dem Weg zu einer Fiskalunion verstanden werden. Nach Einschätzung der Experten wäre das Thema Rekapitalisierung nur dann relevant, falls ein großes Land Staatsbankrott anmelden würde. Bislang sei dies nur ein Extremrisiko, das an der Peripherie durch den Rückgang der effektiven Zinssätze und freundlichere Wachstumsaussichten - dank zusätzlicher geldpolitischer Lockerung - gesunken sei.
Im Übrigen werde der zwiespältige Effekt für die Risikozuschläge auf Staatsanleihen von der Euro-Peripherie wahrscheinlich durch den Rückgang der Laufzeitprämien auf diese Papiere wettgemacht, die ihrerseits durch den Rückkauf in großem Stil bedingt seien.
Alles in allem habe die EZB nach Auffassung der Experten wiederum unter Beweis gestellt, dass sie bereit sei, auch im Hinblick auf ihr Preisstabilitätsziel alles in ihrer Macht Stehende zu tun. Ob das reichen werde, um die Inflationserwartungen wieder mit dem Inflationsziel zu synchronisieren, bleibe abzuwarten. Positiv sei indes zu vermerken, dass der die Inflationserwartungen treibende Effekt der QE auch mit einem schwächeren Euro, steigender Zuversicht bei Verbrauchern und Unternehmen sowie einer Stabilisierung des Kreditgeschäfts einhergehe. Andererseits könnten die tatsächlichen Inflationsraten in diesem Jahr noch größtenteils negativ bleiben. So dürfte die anhaltende Stagnation Kerninflation und Lohnwachstum bis auf weiteres deckeln.
Zumindest sind die Experten von ING Investment Management jetzt zuversichtlicher, dass die EZB tatsächlich bereit sein wird, das Tempo der Lockerung notfalls zu beschleunigen. Das Basisszenario der Experten gehe davon aus, dass das gegenwärtige Tempo der Anleihekäufe bis weit ins Jahr 2017 anhalten und der Leitzins mindestens bis 2018 auf dem aktuellen Niveau verharren werde. Im Rahmen dieses Szenarios bestünden die Risiken in erster Linie in einer unerwartet starken Lockerung. (26.01.2015/alc/a/a)


