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Pyrrhussieg auf Zypern: Negative langfristige Folgen für die Euroretter


26.03.13 15:28
Bank Sarasin & Cie AG

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Art, wie Zypern und seine Geldgeber die Verhandlungen über das Rettungspaket geführt haben, wird als eines der unrühmlichsten Kapitel in die Geschichte der Eurokrise eingehen, so Dr. Jan Amrit Poser, Chefökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG.

Die Troika hätte die Maßnahme, Bankguthaben unter 100 000 Euro mit einer Abgabe zu belegen, niemals gutheißen dürfen. Auch wenn sie letztendlich nicht realisiert worden sei, sei das nach der Finanzkrise mühsam aufgebaute Vertrauen der Sparer in ihre Banken wieder zerstört worden.

Die größte Gefahr für Finanzsystem und Weltwirtschaft sei, dass Kleinsparer ihre Guthaben in Panik abziehen würden, weil sie sich ihrer Ersparnisse nicht mehr sicher seien. Einen solchen Ansturm - auch "Run" genannt - könne keine noch so starke Bank überleben und es komme zu selbsterfüllenden Erwartungen. Aufgrund von Verflechtungen im Finanzsystem bestehe die Gefahr einer Kettenreaktion, die auch über die Grenzen hinweg Banken in den Abgrund reiße. Zudem entstehe das Risiko einer so genannten "Ansteckung", wenn Kleinsparer anderer Banken der Panik auf Zypern folgen und ihr Geld ebenfalls abziehen würden; mit denselben verheerenden Konsequenzen.

Dass dieser Ansteckungseffekt im Falle Zyperns ausgeblieben sei, liege erstens daran, dass sich die Nervosität in der Eurokrise zuletzt stark beruhigt habe. Durch die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), im Falle eines Hilfsantrages eines Krisenlandes unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, seien die Extremszenarien wie Staatsbankrott und Euroaustritt in den Hintergrund getreten. Zweitens befinde sich Euroland in einer leichten zyklischen Erholung, welche die Schuldentragfähigkeit in einem besseren Licht darstelle. Drittens gebe es keine akuten Sorgen im europäischen Bankensektor. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass sich dies in den nächsten Quartalen ändern werde.

Die Langzeitfolgen der missglückten Zypern-Rettung würden spätestens dann sichtbar werden, wenn ein Euroland aufgrund von Problemen in seinem Bankensektor auf die Hilfe der Troika angewiesen sein werde. Eine Panik der Anleger und Sparer werde dann nicht mehr ausgeschlossen werden können. Die einzige Hoffnung sei, dass bis dahin die Besonderheiten der Bilanzstruktur der zyprischen Institute hinreichend erklärt worden seien, so dass das Vorgehen der Troika glaubhaft als Einzelfall vermittelt werden könne.

An den Risiken ändere leider auch die Tatsache nichts, dass das nach langem Hickhack beschlossene Zypern-Hilfspaket die beste aller Lösungen beinhalte. Weder Steuerzahler, noch Kleinsparer und auch nicht Rentner würden für die Rettung der Banken geradestehen müssen, sondern die Bank-Aktionäre, die Bank-Obligationäre und diejenigen Kunden mit mehr als 100 000 Euro an Bargeld. Letztere seien zumeist reiche Ausländer, insbesondere Russen, so dass sich der Vermögenseffekt für den zyprischen Konsum in Grenzen halten werde. Zudem würden geringere Steuererhöhungen notwendig sein, als wenn die Banken durch neue Schulden gerettet worden wären. So sei das Endresultat ein Glück im Unglück. (26.03.2013/alc/a/a)