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Positive Wirkung von QE ist nicht nachweisbar
20.09.16 08:40
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auf ihrer letzten Sitzung hat die EZB keine Änderung ihres gegenwärtigen Kurses der Geldpolitik beschlossen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Auch die vielfach erwartete Ausweitung und Verlängerung ihres Wertpapierkaufprogrammes (QE) sei ausgeblieben. Präsident Mario Draghi aber sei weiter von den positiven Wirkungen von QE überzeugt. Obwohl das Asset purchase programme (APP) inzwischen auf EUR 1,225 Billionen angestiegen sei, könne kein funktionaler Zusammenhang zwischen BIP-Wachstum und QE-Verlauf nachgewiesen werden. Bis zum März 2017 werde QE noch um EUR 560 Mrd. auf dann EUR 1,785 Billionen steigen.
Die einzig positive Wirkung komme den Schuldnern zugute, insbesondere den öffentlichen Händen, neue Schulden würden preiswerter, teilweise nichts mehr kosten oder sich bei negativen Zinsen sogar auszahlen. Wenn es für einen Treasurerr so "leicht" sei, neue Schulden aufzunehmen, die auch noch die Zentralbank finanziere, werde er immer den Weg des geringsten Widerstandes wählen, anstatt sich durch unpopuläre Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen unbeliebt zu machen. Da die Politiker in der Regel nur bis zur nächsten Wahl denken würden, mache sich niemand Sorgen darüber, dass spätere Generationen mit einer wieder normalen Zinsstruktur sehr hohen Belastungen ausgesetzt sein würden. Die EU-Kommission habe bisher keine Strafen ausgesprochen gegen Länder, die längere Zeit die Maastrichter Stabilitätskriterien mit ihrer Schuldenobergrenze überschritten hätten. Also weiter mit dem "süßen Leben auf Pump".
Die EZB habe eine besonders schwierige Aufgabe, da sie die in den nördlichen Ländern der Eurozone und der Südperipherie völlig unterschiedliche Konjunkturentwicklung und die entgegengesetzte Auffassung über eine angemessene Konjunktur- und Geldpolitik unter einen Hut bringen müsse. Auf der Konferenz der Mittelmeerländer der Eurozone einschließlich Frankreich sei das Ende der Austerität verlangt worden. Eine solche Divergenz bestehe auch in den USA zwischen Staaten mit zufriedenstellendem Wachstum und gesunden Finanzen und solchen mit hoher Arbeitslosigkeit und übermäßiger Verschuldung. Die Zentralbank müsse einen Kurs einschlagen, der beiden Lagern nutze. In der Eurozone ergebe sich der Eindruck, die EZB würde sich besonders um die Südperipherie sorgen.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zähle zu den Kritikern der ultraexpansiven Geldpolitik der Zentralbanken und warne vor weiteren Lockerungen. Da die Folgen niedriger Inflation und milder Deflation nicht so desaströs seien wie vielfach angenommen, falle die Nutzen-Kosten-Bilanz der unkonventionellen Geldpolitik sehr viel schlechter aus als unterstellt. Möglicherweise sei sogar bereits der Punkt erreicht, an dem diese Geldpolitik mehr schade als nutze.
Die Deutsche Bundesbank komme in ihrem Monatsbericht zu der Auffassung, dass die Unsicherheit über die Effekte von QE groß seien. Sie warne erneut vor Risiken und unerwünschten Nebenwirkungen dieser Politik. Bbk-Präsident Jens Weidmann kritisiere, dass die niedrigen Zinsen zu einer "Aufweichung" des Budgetkurses geführt hätten. Damit würden die Gefahren um die Finanzstabilität wachsen.
Der Grenznutzen der Lockerungspolitik scheine schon auf 0 gesunken zu sein. Jede weitere expansive Maßnahme wirke kontraproduktiv. Eine Rückkehr zur "Normalität in der Zinsstruktur" sei wegen der Höhe der weltweiten Verschuldung (alle Sektoren ca. USD 220 Billionen) kaum noch möglich. Für das QE-Programm könne kurzfristig kein positiver Effekt nachgewiesen werden, doch langfristig führe es zur Unstabilität des Finanzsystems. (Ausgabe vom 19.09.2016) (20.09.2016/alc/a/a)
Auch die vielfach erwartete Ausweitung und Verlängerung ihres Wertpapierkaufprogrammes (QE) sei ausgeblieben. Präsident Mario Draghi aber sei weiter von den positiven Wirkungen von QE überzeugt. Obwohl das Asset purchase programme (APP) inzwischen auf EUR 1,225 Billionen angestiegen sei, könne kein funktionaler Zusammenhang zwischen BIP-Wachstum und QE-Verlauf nachgewiesen werden. Bis zum März 2017 werde QE noch um EUR 560 Mrd. auf dann EUR 1,785 Billionen steigen.
Die einzig positive Wirkung komme den Schuldnern zugute, insbesondere den öffentlichen Händen, neue Schulden würden preiswerter, teilweise nichts mehr kosten oder sich bei negativen Zinsen sogar auszahlen. Wenn es für einen Treasurerr so "leicht" sei, neue Schulden aufzunehmen, die auch noch die Zentralbank finanziere, werde er immer den Weg des geringsten Widerstandes wählen, anstatt sich durch unpopuläre Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen unbeliebt zu machen. Da die Politiker in der Regel nur bis zur nächsten Wahl denken würden, mache sich niemand Sorgen darüber, dass spätere Generationen mit einer wieder normalen Zinsstruktur sehr hohen Belastungen ausgesetzt sein würden. Die EU-Kommission habe bisher keine Strafen ausgesprochen gegen Länder, die längere Zeit die Maastrichter Stabilitätskriterien mit ihrer Schuldenobergrenze überschritten hätten. Also weiter mit dem "süßen Leben auf Pump".
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zähle zu den Kritikern der ultraexpansiven Geldpolitik der Zentralbanken und warne vor weiteren Lockerungen. Da die Folgen niedriger Inflation und milder Deflation nicht so desaströs seien wie vielfach angenommen, falle die Nutzen-Kosten-Bilanz der unkonventionellen Geldpolitik sehr viel schlechter aus als unterstellt. Möglicherweise sei sogar bereits der Punkt erreicht, an dem diese Geldpolitik mehr schade als nutze.
Die Deutsche Bundesbank komme in ihrem Monatsbericht zu der Auffassung, dass die Unsicherheit über die Effekte von QE groß seien. Sie warne erneut vor Risiken und unerwünschten Nebenwirkungen dieser Politik. Bbk-Präsident Jens Weidmann kritisiere, dass die niedrigen Zinsen zu einer "Aufweichung" des Budgetkurses geführt hätten. Damit würden die Gefahren um die Finanzstabilität wachsen.
Der Grenznutzen der Lockerungspolitik scheine schon auf 0 gesunken zu sein. Jede weitere expansive Maßnahme wirke kontraproduktiv. Eine Rückkehr zur "Normalität in der Zinsstruktur" sei wegen der Höhe der weltweiten Verschuldung (alle Sektoren ca. USD 220 Billionen) kaum noch möglich. Für das QE-Programm könne kurzfristig kein positiver Effekt nachgewiesen werden, doch langfristig führe es zur Unstabilität des Finanzsystems. (Ausgabe vom 19.09.2016) (20.09.2016/alc/a/a)


