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Perspektiven nach dem Brexit


01.07.16 16:51
Amundi

Paris (www.anleihencheck.de) - Einige Tage nach dem überraschenden Brexit-Votum in Großbritannien ist nicht zu erwarten, dass sich die Unsicherheit bald legen wird - zu komplex sind die anstehenden Herausforderungen, für die es zudem keine Blaupause gibt, so Pascal Blanqué, CIO, Global Head of Institutional Division bei Amundi.

Dennoch würden sich in dieser Phase der Unsicherheit einige Erkenntnisse abzeichnen:

Erstens handele es sich beim Brexit um eine politische und keine finanzielle Krise. Man befinde sich nicht in einer Situation wie 2007/2008.

Zweitens werde das globale Wachstum wahrscheinlich durch den Brexit beeinträchtigt. Da die Binnennachfrage der wesentliche Wachstumstreiber bleiben werde, werde für 2016 und 2017 ein globales Wachstum von rund 3% erwartet.

Drittens sei die Europäische Union mit einigen Herausforderungen konfrontiert, die sie nach Überzeugung der Experten meistern werde. Unter Druck sei Europa schon immer am erfolgreichsten gewesen. Die heutige Situation sei also nicht mit der von 2011 zu vergleichen.

Viertens würden die Zentralbanken ihr Engagement ausbauen. Das heiße, die Experten würden erwarten, dass die FED die Zinsen auf absehbare Zeit nicht anheben werde und die EZB, die BoE und BoJ ihre Interventionen ausbauen würden.

Fünftens hätten die Märkte erwartungsgemäß reagiert und eine Neubewertung der Risikoprämien vorgenommen. Für langfristige Investoren werde es in den nächsten Wochen interessante Einstiegspunkte geben.

Die klassische Asset-Allokation vieler Investoren werde sich in diesem Umfeld künftig als ineffizient erweisen. Die Zinsen von Staatsanleihen aus Industrienationen würden künftig noch weiter im Negativbereich notieren. Sie könnten kurz- und mittelfristig nicht mehr als sicheres Investment für den Kapitalerhalt genutzt werden.

Für Investoren würden daraus zwei wesentliche Herausforderungen folgen:

- stärkere Diversifikation über Anlageklassen, Länder/Regionen, Stile etc.
- die Suche nach Rendite werde noch komplexer

Aktien seien aus Sicht der Experten essentiell, wobei in den nächsten Wochen Kaufmöglichkeiten zu erwarten seien, die graduell genutzt werden könnten.

Kreditpapiere würden ebenfalls interessante Risiko-Rendite-Chancen bieten - einerseits das Investment-Grade-Segment in Europa, das durch die EZB Rückenwind erhalte, und andererseits High-Yield-Bonds und Staatsanleihen aus der Peripherie.

Hinsichtlich der Regionen würden die Experten glauben, dass Schwellenländer ihre Tiefstände hinter sich gelassen hätten und dass sowohl bei Aktien und Anleihen Einstiegschancen bestünden.

Neben Volatilitätsinvestments würden US-Treasuries weiterhin der effizienteste Hedge für Tail-Risiken sein.

Selbst, wenn es unkonventionell klingen möge, würden die Experten weiterhin Potenzial für europäische Aktien sehen.

Bei Assets in GBP sei vorläufig Vorsicht geboten. Es sei abzuwarten, ob sich allenfalls Einstiegschancen verstetigen würden.

Es steht außer Zweifel, dass ein steiniger Weg vor uns liegt, so die Experten von Amundi. Der Brexit sei dabei nur eine Herausforderung - weitere Aspekte wie die Entwicklung in China und die Wachstumsdynamik in den USA seien ebenfalls elementar. Dennoch würden die Experten glauben, dass die nun beginnende Phase interessante Opportunitäten bieten werde. Gleichzeitig sollten Anleger ihre Asset-Allokation grundlegend überdenken und Kurschancen bei risikoreicheren Anlageklassen nutzen. Weiteren Aufwind würden darüber hinaus Real Assets - also Immobilien, Private Equity und Private Debt - zur Diversifikation erfahren. (Ausgabe vom 30.06.2016) (01.07.2016/alc/a/a)