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Niedrigzinsen führen zu Obligationenknappheit


21.06.16 11:47
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die Rendite von zehnjährigen deutschen Bundesanleihen ist inzwischen auf 0% gefallen und ein zunehmendes Volumen an Anleihen im Euroraum rentiert nun unterhalb des Einlagensatzes der EZB, so Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG.

Damit würden viele Anleihen nicht mehr den Kriterien des Kaufprogrammes der EZB entsprechen. Gemäß J. Safra Sarasin Research würden die Zentralbanken bereits im Oktober 2016 Schwierigkeiten haben, kaufbare irische Anleihen zu finden. Im November 2016 finde das Programm bei deutschen und im Februar 2016 bei portugiesischen Anleihen seine Grenze. Daher müssten die Kriterien des EZB-Kaufprogrammes schon bald angepasst werden. Am effektivsten wäre es, einfach Käufe von Anleihen mit Renditen unterhalb des Einlagensatzes zu erlauben. Am wahrscheinlichsten sei es, dass die Obergrenze der Emittentenlimite für gewisse Anleihen erhöht werde.

Der jüngste Zinsrückgang im Euroraum habe eine bedeutsame Konsequenz: Er reduziere das Volumen an Anleihen, die im Rahmen des EZB-Kaufprogrammes von den Zentralbanken erworben werden könnten. Schließlich dürften Notenbanken nur solche Anleihen kaufen, deren Rendite oberhalb des Einlagensatzes von -0,4% liege. Vor allem für deutsche Bundesanleihen sei dies ein einschneidendes Kriterium. Eine andere Grenze sei, nicht mehr als 33% der ausstehenden Anleihen eines Emittenten zu kaufen. Diese Auflage wirke besonders in Portugal und Irland einschneidend. In diesen beiden Ländern würden die europäischen Notenbanken nämlich schon aus einem früheren Kaufprogramm ein großes Volumen an Anleihen besitzen. J. Safra Sarasin Research habe daher simuliert, wie die Kaufkriterien verändert werden könnten, sodass das EZB-Programm bis zum geplanten Ende im März 2017 oder darüber hinaus durchgeführt werden könne.

Um es klar zu sagen - eine erneute Absenkung des Einlagensatzes würden die Analysten nicht für sinnvoll halten. Besser wäre es, Käufe von Anleihen mit Renditen unterhalb des Einlagensatzes von -0,4% zu erlauben. Sicherlich, ein gutes Geschäft wäre das für die EZB und die nationalen Zentralbanken nicht. Aber darum gehe es bei diesen Operationen auch nicht. Nicht der finanzielle Erfolg der EZB sei primär, sondern ob es ihr gelinge, das Wachstum und die Inflationsentwicklung im Euroraum wiederzubeleben. Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Emittentenlimite von 33% auf 50% für gewisse Anleihenarten zu erhöhen. Geeignet wären dabei ältere Anleihen, die keine sogenannten "collectiv action clauses" aufweisen würden. Bei diesen Anleihen hätten die EZB oder die nationalen europäischen Zentralbanken selbst dann keine Sperrminorität, wenn sie einen großen Anteil der ausstehenden Anleihen halten würden. Sie würden im Falle einer Umschuldung sich daher nicht vorwerfen lassen müssen, monetäre Staatsfinanzierung zu betreiben oder eine ökonomisch gebotene Schuldenrestrukturierung zu verhindern.

Zu erwarten seien Anpassungen der Kaufkriterien schon sehr bald - am besten auf dem nächsten EZB-Treffen im Juli 2016. Was allerdings unsicher bleibe, sei, wie schnell sich dann auch ihr ökonomischer Erfolg einstelle. Bislang bleibe die Inflationsrate in Euroland jedenfalls noch im negativen Bereich. (21.06.2016/alc/a/a)