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Nicht alle Schwellenländer sind schwach
22.08.22 16:29
Legal & General IM
London (www.anleihencheck.de) - Hochzins-Staatsanleihen aus Schwellenländern haben derzeit sehr attraktive Renditeniveaus und sind im Vergleich zu anderen Assetklassen günstig bewertet, so Volker Kurr, Head of Europe Institutional bei Legal & General Investment Management (LGIM).
Relativ zum Durchschnitt der letzten zehn Jahre würden die Spreads derzeit im 97. Perzentil liegen (Bloomberg, Stand 29. Juli 2022). Anders ausgedrückt: Seit 2012 hätten Hochzins-Staatsanleihen aus Schwellenländern in 97% der Zeit niedrigere Risikoaufschläge aufgewiesen als jetzt. Damit werde das Segment aktuell nahe seinem historisch niedrigsten Niveau bewertet.
Der Markt neige jedoch typischerweise dazu, die Kategorie "Schwellenländer-Staatsanleihen" unabhängig von der tatsächlichen Kreditwürdigkeit einzelner Länder über einen Kamm zu scheren und abzustrafen. Die Experten von LGIM sind deshalb der Meinung, dass sich durch eine Differenzierung Chancen erschließen lassen.
Was spreche für diese These? Zunächst einmal würden bei Hochzins-Staatsanleihen aus Schwellenländern bis 2024 nur relativ geringe Volumina fällig. Bei Single-B-Anleihen (ohne die Türkei) würden die Fälligkeiten im Durchschnitt unter 10 Mrd. USD pro Jahr liegen, würden sich in diesem Jahr sogar nur auf 3 Mrd. USD und im nächsten Jahr auf 7 Mrd. USD belaufen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass viele Hochzinsländer erst 2014 begonnen hätten, verstärkt Kredite auf den globalen Märkten aufzunehmen. Die "Wall of Maturities" werde daher erst im Jahr 2024 erreicht. Nach Meinung der Experten bleibe somit Zeit, in der die Märkte sich wieder beruhigen könnten.
Zweitens hätten die höheren Rohstoffpreise der letzten Jahre dazu beigetragen, dass die aufstrebenden Volkswirtschaften nie dagewesene Handelsüberschüsse hätten erzielen können. In Kombination mit der starken Unterstützung durch multilaterale Organisationen bedeute dies, dass sich die Auslandsliquidität der Schwellenländer in einer besseren Verfassung befinde als während früherer Preisspitzen bei Nahrungsmitteln und Energie. Viele Hochzins-Länder wie Gabun, Kenia und Senegal würden von bestehenden Programmen des Internationalen Währungsfonds (IWF) profitieren, während Länder wie Ägypten und Pakistan sich derzeit mit dem IWF im Gespräch befinden würden. Sobald ein IWF-Programm bestehe, sei keine externe Finanzierungslücke zu erwarten. Infolge dieser Handelsbilanz-Verbesserungen und der multilateralen Unterstützung seien die Devisenreserven der Schwellenländer nach wie vor auf einem guten Niveau und auch höher als in früheren Zeiten hoher Lebensmittel- und Energiepreise.
Ein dritter Aspekt, der häufig übersehen werde, sei die bessere Kreditwürdigkeit. Mehrere Länder seien in den letzten zwei Monaten entweder heraufgestuft worden oder ihr Ratingausblick habe sich zum Positiven hin verändert. Dazu würden Aserbaidschan, Vietnam, Paraguay, Kuwait, Angola, Brasilien, Côte d'Ivoire und Guatemala zählen.
Was Wachstum und Inflation angehe, würden allerdings insbesondere die Länder mit niedrigerem Rating Sorgen bereiten. Wie oben erwähnt: Wo Einkommen und Ersparnisse gering seien, seien auch die Spielräume begrenzt, und die schwachen Wachstumsaussichten für die entwickelten Märkte würden die Rohstoffpreise und damit viele Exporteinnahmen belasten.
Im Zyklus der Zinserhöhungen seien die Schwellenländer den Industriestaaten übrigens deutlich voraus, würden aber deren Wachstum voraussichtlich dennoch übertreffen. Das belege die Widerstandsfähigkeit vieler aufstrebenden Volkswirtschaften. Auch das BIP pro Kopf liege im Schnitt höher als in früheren Phasen hoher Lebensmittel- und Energiepreise.
Zusammen mit den weiterhin attraktiven Bewertungen könnten sich somit Chancen für Investoren ergeben. Wie immer hänge dies jedoch auch von weiteren Faktoren ab, etwa der generellen Risikobereitschaft, einer Stabilisierung sowohl der US-Zinsen als auch der Abflüsse aus dem Schwellenländer-Segment - und von der Selektion der richtigen Anleihetitel. (22.08.2022/alc/a/a)
Relativ zum Durchschnitt der letzten zehn Jahre würden die Spreads derzeit im 97. Perzentil liegen (Bloomberg, Stand 29. Juli 2022). Anders ausgedrückt: Seit 2012 hätten Hochzins-Staatsanleihen aus Schwellenländern in 97% der Zeit niedrigere Risikoaufschläge aufgewiesen als jetzt. Damit werde das Segment aktuell nahe seinem historisch niedrigsten Niveau bewertet.
Der Markt neige jedoch typischerweise dazu, die Kategorie "Schwellenländer-Staatsanleihen" unabhängig von der tatsächlichen Kreditwürdigkeit einzelner Länder über einen Kamm zu scheren und abzustrafen. Die Experten von LGIM sind deshalb der Meinung, dass sich durch eine Differenzierung Chancen erschließen lassen.
Was spreche für diese These? Zunächst einmal würden bei Hochzins-Staatsanleihen aus Schwellenländern bis 2024 nur relativ geringe Volumina fällig. Bei Single-B-Anleihen (ohne die Türkei) würden die Fälligkeiten im Durchschnitt unter 10 Mrd. USD pro Jahr liegen, würden sich in diesem Jahr sogar nur auf 3 Mrd. USD und im nächsten Jahr auf 7 Mrd. USD belaufen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass viele Hochzinsländer erst 2014 begonnen hätten, verstärkt Kredite auf den globalen Märkten aufzunehmen. Die "Wall of Maturities" werde daher erst im Jahr 2024 erreicht. Nach Meinung der Experten bleibe somit Zeit, in der die Märkte sich wieder beruhigen könnten.
Ein dritter Aspekt, der häufig übersehen werde, sei die bessere Kreditwürdigkeit. Mehrere Länder seien in den letzten zwei Monaten entweder heraufgestuft worden oder ihr Ratingausblick habe sich zum Positiven hin verändert. Dazu würden Aserbaidschan, Vietnam, Paraguay, Kuwait, Angola, Brasilien, Côte d'Ivoire und Guatemala zählen.
Was Wachstum und Inflation angehe, würden allerdings insbesondere die Länder mit niedrigerem Rating Sorgen bereiten. Wie oben erwähnt: Wo Einkommen und Ersparnisse gering seien, seien auch die Spielräume begrenzt, und die schwachen Wachstumsaussichten für die entwickelten Märkte würden die Rohstoffpreise und damit viele Exporteinnahmen belasten.
Im Zyklus der Zinserhöhungen seien die Schwellenländer den Industriestaaten übrigens deutlich voraus, würden aber deren Wachstum voraussichtlich dennoch übertreffen. Das belege die Widerstandsfähigkeit vieler aufstrebenden Volkswirtschaften. Auch das BIP pro Kopf liege im Schnitt höher als in früheren Phasen hoher Lebensmittel- und Energiepreise.
Zusammen mit den weiterhin attraktiven Bewertungen könnten sich somit Chancen für Investoren ergeben. Wie immer hänge dies jedoch auch von weiteren Faktoren ab, etwa der generellen Risikobereitschaft, einer Stabilisierung sowohl der US-Zinsen als auch der Abflüsse aus dem Schwellenländer-Segment - und von der Selektion der richtigen Anleihetitel. (22.08.2022/alc/a/a)


