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Neuseeland - ein verborgenes Juwel für Anleiheanleger


19.07.16 11:46
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Viele Anleger haben Neuseeland nicht auf dem Radar. Ein Fehler, denn in diesem Jahr bot der Inselstaat im südlichen Pazifik bislang den performancestärksten Anleihemarkt unter den Industrieländern, so Enzo Puntillo, Leiter Fixed Income für GAM in Zürich.

Die unerwartete Entscheidung Großbritanniens für den Austritt aus der EU habe an den globalen Anleihemärkten risikoaverse Reaktionen ausgelöst. Die Anleger hätten sich nach dem Brexit ein düsteres Bild der Welt gemalt und seien in sichere Häfen geflüchtet. Die Menge der Anleihen mit negativen Renditen nehme weltweit stetig zu.

Trotz dieses schwierigen wirtschaftlichen Hintergrunds und der anhaltenden negativen Stimmung sehe Enzo Puntillo Lichtblicke am Markt, die in einem rezessiven Marktumfeld Schutz bieten könnten. "Neuseeland war abseits des Radarschirms vieler internationaler Anleger im bisherigen Jahresverlauf der performancestärkste Anleihemarkt in den Industrieländern", stelle Puntillo fest. "Investoren konnten von ihrem Zinsengagement profitieren, da die Rendite der zehnjährigen Benchmark-Staatsanleihe um 132 Basispunkte sank."

Tatsächlich zähle die Reserve Bank of New Zealand zu den wenigen Zentralbanken unter den Industrieländern, die die Zinssätze nach der globalen Finanzkrise angehoben hätten. Infolgedessen biete Neuseeland derzeit eine der höchsten Realrenditen: Sogar nach Zinssenkungen von insgesamt 1,25 Prozentpunkten seit Juni 2015 liege der reale Zinssatz, basierend auf dem Leitzins der Zentralbank, bei 1,5 Prozent. Das Wirtschaftswachstum und die Binnennachfrage des Landes würden durch Zuwanderung, Bauwirtschaft und den Tourismus, aber auch durch eine sich anpassende Geldpolitik unterstützt. Das Geschäftsklima habe sich im zweiten Quartal dieses Jahres ebenfalls deutlich verbessert und trotz der globalen Unsicherheit für eine positive Stimmung gesorgt.

Obwohl die Reserve Bank of New Zealand ihren offiziellen Zinssatz im letzten Monat unverändert bei 2,25 Prozess belassen habe, habe das Land immer noch viel Handlungsspielraum, und die politischen Entscheidungsträger würden weiterhin auf Zinssenkungen setzen. Nach Ansicht von Puntillo sei mit einer weiteren geldpolitischen Lockerung zu rechnen: "Die Inflationserwartungen bleiben niedrig und der Neuseeland-Dollar ist im Vergleich zu den Währungen der Handelspartner eher teuer. Im vergangenen Jahr stieg die Währung handelsgewichtet um 10 Prozent", erläutere der Fixed-Income-Experte.

Angesichts der mäßigen Aussichten für die Weltwirtschaft würden die von den Terminkursen implizierten Markterwartungen an die Zinssätze in fünf Jahren mit rund 2,7 Prozent immer noch zu hoch erscheinen. "Unserer Meinung nach muss die Zentralbank den Leitzins möglicherweise stärker senken, als es die Konsensprognosen derzeit vorsehen", führe Puntillo aus.

Das alles verschaffe Neuseeland-Anleihen reichlich Spielraum für eine Fortsetzung ihrer guten Wertentwicklung. "Neuseeländische Staatsanleihen sind mittlerweile einer der wenigen "risikolosen" Märkte mit positiven Nominal- und Realzinsen und einer Zentralbank, die immer noch in der Lage ist, die Zinssätze auch in der Zukunft tatsächlich zu senken. Wir sind schon seit einiger Zeit in Neuseeland investiert aber aufgrund der Tatsache, dass diese Anleihen weiterhin eine der attraktivsten Bewertungen aufweisen und in den Anlegerportfolios deutlich unterrepräsentiert sind, könnte sich ihre positive Dynamik noch eine ganze Weile fortsetzen." (19.07.2016/alc/a/a)