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Neun Notenbanksitzungen im März: "Marktteilnehmer sollten verstärkt auf die Rhetorik der Währungshüter achten"


05.03.24 09:10
Ebury

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Nach Einschätzung der Analysten des international tätigen Fintechs Ebury, haben sich die Markterwartungen für die drei wichtigsten Währungsräume USA, Eurozone und Japan den jeweiligen Notenbank-Politiken angeglichen.

Noch um den Jahreswechsel habe der Markt Zinssenkungen eingepreist, die nach Einschätzung von Matthew Ryan, Head of Market Strategy bei Ebury, auch im März ausbleiben würden. Dennoch seien die acht Notenbanksitzungen im März spannend - Marktteilnehmer sollten verstärkt auf die Rhetorik der Währungshüter achten.

Marktanalyst Matthew Ryan kommentiere die Notenbanksitzungen im März in chronologischer Reihenfolge:

Während wir erwarten, dass alle Zentralbanken der G10-Staaten die Zinsen unverändert lassen, werden die begleitenden Mitteilungen entscheidend sein, um für Klarheit über den möglichen Zeitpunkt von Zinssenkungen zu sorgen, so die Experten von Ebury. Die erste G10-Zentralbank, die in diesem Monat tage, sei die Bank of Canada (6. März). Auf der letzten Sitzung der Bank im Januar habe es deutliche Hinweise darauf gegeben, dass eine Lockerung der Geldpolitik bevorstehe. Die Pressemitteilung von Gouverneur Tiff Macklem habe deutlich gemacht, dass die Zinsen angesichts der Wachstumssorgen nicht mehr lange hoch bleiben könnten. Die Märkte sähen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von vierzig Prozent für eine erste Zinssenkung im April, Matthew Ryan von Ebury aber halte einen Zinsschritt bei der Sitzung im Juni für wahrscheinlicher.

Europäische Zentralbank

Am nächsten Tag (7. März) tage die Europäische Zentralbank (EZB). Da die Zinssätze beibehalten werden sollten, werde die Rhetorik der Bank über die künftige Geldpolitik und die aktualisierten makroökonomischen Prognosen interessant sein. Die jüngsten Daten aus der Eurozone und die Rhetorik der EZB-Mitglieder, die sich für spätere Zinsschritte ausgesprochen hätten, hätten zu einer Neujustierung der Zinserwartungen geführt. Swaps würden derzeit lediglich eine Wahrscheinlichkeit von zwanzig Prozent für eine erste Zinssenkung im April und etwa 75 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Lockerung im Juni anzeigen. Die Sitzung in diesem Monat dürfte eher zurückhaltend ausfallen, wenngleich ein moderaterer Ton, begleitet mit deutlichen Abwärtskorrekturen der makroökonomischen Prognosen, eine Zinssenkung im April wieder ins Blickfeld rücken könnte.

Bank of Japan und Reserve Bank of Australia

Am 19.03. seien die Bank of Japan und die Reserve Bank of Australia an der Reihe. Matthew Ryan von Ebury erwarte von der Bank of Japan einen moderaten Kurswechsel, der die Grundlage für eine erste Anhebung der Leitzinsen um 10 Basispunkte auf der nächsten Sitzung im April legen könnte. Was die Reserve Bank of Australia betreffe, werde das Augenmerk auf den Kommentaren der Zentralbank zur Entwicklung von Inflation und Wachstum liegen. Matthew Ryan von Ebury erwarte, dass die Notenbank ihren Fokus auf die Inflation bekräftige, was für eine anhaltend restriktive Zinspolitik spreche.

Federal Reserve

Am nächsten Tag (20. März) finde die lang erwartete März-Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve statt. Es war uns schon lange klar, dass die FED die Zinsen diesen Monat unverändert lassen würde und die Märkte haben diese Ansicht endlich eingepreist, so Matthew Ryan von Ebury. Die jüngsten Mitteilungen der FED-Mitglieder seien unbestreitbar hawkish gewesen, was Prognosen über den genauen Zeitpunkt für Zinssenkungen erschwere. Matthew Ryan von Ebury erwarte, dass die Notenbank die Stärke des US-Arbeitsmarktes loben, das solide Wachstum betonen und darauf hinweisen werde, dass mehr Daten nötig seien, bevor Zinssenkungen eingeleitet werden könnten. Dieses Vorgehen werde wahrscheinlich vom Dot Plot unterstützt werden, der Ryans Erachtens gegenüber der Dezember-Sitzung weitgehend unverändert bleiben werde.

Schweizer Nationalbank

Die März-Sitzung der Schweizer Nationalbank (SNB) (21. März) werde eine der interessantesten seit einiger Zeit sein. Eine erste Zinssenkung sei nicht völlig auszuschließen, insbesondere angesichts des Rückgangs der Inflation. Matthew Ryan von Ebury glaube allerdings, dass die Notenbank mit der Senkung der Zinssätze noch warte, bis auch die EZB mit Zinssenkungen nachziehe. Eine Zinssenkung der SNB im Juni sei deswegen realistischer.

Norges Bank

Für die Sitzung der Norges Bank am 21. März erwarte Matthew Ryan von Ebury, dass die norwegischen Währungshüter ihre restriktive Haltung bekräftigen würden. Die Zinssätze würden voraussichtlich für einen längeren Zeitraum unverändert bleiben - die Swap-Märkte sähen eine Wahrscheinlichkeit von weniger als fünfzig Prozent für eine Zinssenkung in den nächsten sechs Monaten. Wenn die Norges Bank ihre Ansicht bekräftige, dass die Zinssätze für einige Zeit hoch bleiben sollten, könnte das die Norwegische Krone unterstützen.

Bank of England

Die Bank of England (21. März) werde wahrscheinlich eine restriktive Haltung einnehmen und betonen, dass sie weitere Anzeichen für eine Desinflation und ein Nachlassen des Lohndrucks sehen müsse, bevor sie sich zu Zinssenkungen bekenne. Eine weitere dreigeteilte Abstimmung unter den Mitgliedern des Monetary Policy Committee (MPC) sei zu erwarten, obwohl Matthew Ryan von Ebury die Möglichkeit sehe, dass einer der Falken oder gar beide mit der Mehrheit des Ausschusses für eine unveränderte Haltung der Bank of England stimmen würden.

Riksbank

Die Sitzung der Riksbank am 27. März werde den Monat abschließen. Die schwache schwedische Wirtschaft und der Abwärtstrend der Kerninflation würden darauf hindeuten, dass eine Lockerung in nicht allzu ferner Zukunft möglich sei. Ein solcher Schritt erscheine jedoch vor dem zweiten Quartal unwahrscheinlich, da die Märkte einer Senkung im März nur eine Wahrscheinlichkeit von eins zu vier beimessen würden. (05.03.2024/alc/a/a)