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Negative Einlagezinsen und was nun?
23.12.14 09:40
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die Schweizerische Notenbank (SNB) hat die Finanzmärkte mit dem Timing der Einführung negativer Einlagezinsen überrascht, so Karsten Junius, Chefvolkswirt der Bank J. Safra Sarasin AG.
Dass dieses Instrument zur Verfügung stehe, sei klar gewesen; auch dass es bei Bedarf schnell eingeführt würde. Die Notwendigkeit zu handeln, schien angesichts des in der letzten Woche der Untergrenze immer näher rückenden Wechselkurses auch dringlicher, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. Nichts spreche gegen negative Einlagezinsen per se, vor allem, wenn sie wie im gegenwärtigen Fall mit hohen Freibeträgen versehen seien. So schaffe es die SNB, zusätzliche und potenziell spekulative Kapitalströme in den Franken abzuschrecken, ohne die bisherigen langfristigen Halter von Frankenliquidität unnötig zu belasten. Aber hätten es nicht auch herkömmliche Devisenmarktinterventionen als ersten Schritt getan? Die Glaubwürdigkeit der Untergrenze war und ist vorhanden und sie ist sehr hoch, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.
Der Druck auf den Franken in der letzten Woche sei klar auf die hohe Unsicherheit an den Finanzmärkten und die "Flucht in sichere Häfen" zurückzuführen gewesen. In dieser Situation würden veränderte Fundamentaldaten allerdings wenig bewirken. Genau dazu würden aber die Zinsdifferenzen zum Euroraum gehören. Insofern erscheine die Maßnahme eher vorausschauender Natur mit Hinblick auf die voraussichtliche weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik am 22. Januar zu sein. Die auf den Termin der nächsten EZB-Sitzung gelegte erstmalige Anwendung der Negativzinsen scheine ebenfalls für die Absicht einer vorausschauende Wirkung zu sprechen. Aber in diesem Fall hätten sie auch auf der SNB-Quartalssitzung in der Vorwoche eingeführt werden können.
So bleibe der Eindruck, dass die SNB stark unter dem Druck der aktuellen Ereignisse gehandelt habe, mit einer Maßnahme, die prinzipiell die Politik der SNB mittelfristig unterstütze, aber für eine Situation kurzfristig erhöhter Volatilität und Kapitalzuströme eigentlich nicht optimal sei. Oder sei der SNB nur einmal die sonst so bewundernswerte Besonnenheit abhandengekommen? Habe sie befürchtet, dass die Ankündigung ihrer unbeschränkten Interventionsbereitschaft zur Unterstützung der Untergrenze nicht mehr ausreiche? In jedem Fall scheine sie etwas frühzeitig ein Instrument aus der Hand gegeben zu haben, dass in einem späteren Stadium vielleicht eine stärkere Wirkung entfaltet hätte. Der geringe Anstieg des Wechselkurses in den letzten Tagen lege jedenfalls diese Interpretation nahe.
Es bleibe die Frage, was bei weiterem Druck auf die Untergrenze als nächstes folgen würde. Noch tiefere Einlagezinsen von -0,5% oder von -1%? Ob dann noch nicht-negative Zinsen für Kundeneinlagen zu verhindern wären, oder eine unerwünscht expansive Wirkung auf den Immobilienmarkt? Aber es sei vielleicht einfach die Jahreszeit, in der man sich frage, was nun und wie es im nächsten Jahr weitergehen solle. (23.12.2014/alc/a/a)
Dass dieses Instrument zur Verfügung stehe, sei klar gewesen; auch dass es bei Bedarf schnell eingeführt würde. Die Notwendigkeit zu handeln, schien angesichts des in der letzten Woche der Untergrenze immer näher rückenden Wechselkurses auch dringlicher, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. Nichts spreche gegen negative Einlagezinsen per se, vor allem, wenn sie wie im gegenwärtigen Fall mit hohen Freibeträgen versehen seien. So schaffe es die SNB, zusätzliche und potenziell spekulative Kapitalströme in den Franken abzuschrecken, ohne die bisherigen langfristigen Halter von Frankenliquidität unnötig zu belasten. Aber hätten es nicht auch herkömmliche Devisenmarktinterventionen als ersten Schritt getan? Die Glaubwürdigkeit der Untergrenze war und ist vorhanden und sie ist sehr hoch, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.
So bleibe der Eindruck, dass die SNB stark unter dem Druck der aktuellen Ereignisse gehandelt habe, mit einer Maßnahme, die prinzipiell die Politik der SNB mittelfristig unterstütze, aber für eine Situation kurzfristig erhöhter Volatilität und Kapitalzuströme eigentlich nicht optimal sei. Oder sei der SNB nur einmal die sonst so bewundernswerte Besonnenheit abhandengekommen? Habe sie befürchtet, dass die Ankündigung ihrer unbeschränkten Interventionsbereitschaft zur Unterstützung der Untergrenze nicht mehr ausreiche? In jedem Fall scheine sie etwas frühzeitig ein Instrument aus der Hand gegeben zu haben, dass in einem späteren Stadium vielleicht eine stärkere Wirkung entfaltet hätte. Der geringe Anstieg des Wechselkurses in den letzten Tagen lege jedenfalls diese Interpretation nahe.
Es bleibe die Frage, was bei weiterem Druck auf die Untergrenze als nächstes folgen würde. Noch tiefere Einlagezinsen von -0,5% oder von -1%? Ob dann noch nicht-negative Zinsen für Kundeneinlagen zu verhindern wären, oder eine unerwünscht expansive Wirkung auf den Immobilienmarkt? Aber es sei vielleicht einfach die Jahreszeit, in der man sich frage, was nun und wie es im nächsten Jahr weitergehen solle. (23.12.2014/alc/a/a)


