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Müssen die Griechen schon wieder zum Friseur?
21.02.13 15:23
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Dieses Thema beschäftigte bereits 2012 die Finanzmärkte und man hätte nicht erwarten können, dass es binnen Jahresfrist als "reloaded" zu bezeichnen ist, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Dass sogar der griechische Finanzminister, Yannis Stournaras, einen erneuten Schuldenschnitt in Aussicht gestellt habe, habe schon ein ganz besonderes "Geschmäckle" und brüskiere die internationalen Geldgeber.
Einerseits bescheinige die Troika, bestehend aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank, dass Athen auf dem richtigen Weg sei und somit der Freigabe der nächsten Tranche in Höhe von 2,8 Mrd. Euro im Februar nichts entgegenstehe. Im Vergleich zu den bereits geflossenen Geldern handle es sich hierbei um "Peanuts", aber dennoch sei die Frage erlaubt, ob alle von dem gleichen Griechenland sprechen würden. Denn andererseits schüre der Politiker, der den besten Überblick über die Finanzsituation Athens haben sollte, Yannis Stournaras, die Ängste der Investoren, indem er einen neuerlichen "Haircut" angekündigt habe. Da das Euro-Sorgenkind Hellas trotz des Schuldenschnitts in 2012 immer noch einen Schuldenberg von über 300 Mrd. Euro vorweisen koenne, sei es sicherlich verständlich, dass solche Überlegungen angestellt würden.
Die Skeptiker hätten diese Entwicklung schon 2012 vorhergesehen und immer wieder auf die Tatsache verwiesen, dass Griechenland seit dem Jahre 1800 bereits fünfmal zahlungsunfähig gewesen sei. Im vergangenen Jahr habe es allerdings nur ausgewählte Investoren getroffen, aber wenn es nun um die öffentlichen Geldgeber gehe, dann müssten alle Steuerzahler in Euroland dafür die Zeche zahlen. Und genau das sei das Problem. Leider gebe es in allen Euro-Staaten immer noch viele Bürger, die sich trotz hoher Einkommen und begünstigt durch diverse fiskalische Schlupflöcher nicht an dieser "Gemeinschaftsaktion" beteiligen würden.
Unterm Strich bedeute dies wiederum: "Nur der Dumme zahlt".
Es sei ein gigantischer Pleitefall im Immobiliensektor, der in Spanien das Gespenst der Schuldenkrise wieder wach geküsst habe. So könnte sich die Insolvenz des Immobilienentwicklers Reyal zum zweitgrößten Pleitefall in der Geschichte des tief in der Rezession steckenden Landes entwickeln. Reyal sei bei den bisher gesunden Banken Santander und BBVA sowie der bereits verstaatlichten Bankia, also einer "Bad Bank", hochverschuldet.
Auch wenn die Verhandlungsfrist mit den Gläubigern von Reyal noch bis Samstag laufe, liege das Schicksal des Immobilienentwicklers nun in den Händen eines Gerichts. Da die spanischen Bankbilanzen ohnehin mit faulen Krediten aus dem Immobiliensektor belastet seien, würden viele Geldhäuser die Geduld verlieren und die Kunden fallen lassen. Dieser Umstand mache es eher unwahrscheinlich, dass es für Reyal in letzter Minute noch eine Einigung mit den Gläubigern geben werde.
Auch aus Italien kämen keine Signale der Entwarnung. Das Land, dessen Wirtschaft das sechste Quartal in Folge geschrumpft sei, stecke in der längsten Rezession seit 20 Jahren. Dies wiederum schmälere die Aussichten des Reformers, Ministerpräsident Mario Monti, bei der Wahl am 24. und 25. Februar. Oberwasser hätten dagegen seine politischen Gegner aus dem rechten und linken Lager, die vor allem Steuererleichterungen versprechen würden. Eine Rückkehr von Silvio Berlusconi auf der politischen Bühne käme aber bei den Märkten jedenfalls nicht gut an.
Im Zeichen der bevorstehenden Wahlen stehe auch Zypern, vor deren Hintergrund debattiert werde, ob der Inselstaat im Mittelmeer denn nun systemrelevant sei oder nicht. EU-Währungskommissar Olli Rehn jedenfalls weise darauf hin, dass die beiden größten Banken Zyperns ein umfangreiches Filialnetz in Griechenland unterhalten würden. Würden diese wackeln, könnte die Verunsicherung der Sparer schnell auf griechische Banken überspringen.
Über der US-Wirtschaft hänge wieder das Damoklesschwert der "fiskalischen Klippe" (fiscal cliff). Demnach könne es Anfang März zu automatischen Kürzungen der Staatsausgaben kommen, wenn sich Regierung und Opposition im Haushaltsstreit nicht rechtzeitig einigen würden. Demokraten und Republikaner würden nur noch zwei Wochen Zeit bleiben. Anzeichen für eine Annäherung gebe es nicht. Während die Demokraten Steuererhöhungen würden durchsetzen wollen, würden die Republikaner Kürzungen bei staatlichen Förderprogrammen fordern. Doch die Kernforderung des einen Lagers gelte im jeweils anderen Lager als Tabu.
Sollte es nicht zu einer Einigung in letzter Minute kommen, würden die Staatsausgaben allein 2013 um 86 Mrd. USD gekürzt und das Wirtschaftswachstum um 0,6% gebremst werden. Vor diesem Hintergrund seien an den Märkten vorsorgliche Umschichtungen von Aktien hin zu Staatsanleihen mit bester Bonität zu beobachten. US-Präsident Barack Obama habe eindringlich vor den Folgen gewarnt, die die Ausgabenkürzungen für Wirtschaft und nationale Sicherheit in den USA haben würden.
Wenn es um die Diversifizierung ihres Depots gehe, würden Anleger am Bondmarkt immer wieder in exotischen Ländern fündig. In der vergangenen Woche hätten Standard & Poor's und Fitch die Bonität von Jamaika herabgestuft. Als Hauptursache dieser Downgrades sei die von dem karibischen Inselstaat angekündigte Notwendigkeit eines Umschuldungsprogramms genannt worden. Nachdem daraufhin die Kurse von Jamaika-Bonds stark eingebrochen gewesen seien, würden Anleger nun wieder zugreifen.
Im Blickpunkt stehe dabei eine auf Euro lautende Anleihe von Jamaika, die bis 10/2014 laufe und mit ca. 8,6% rentiere. Ein weiterer Exot, der derzeit auf den Kauflisten stehe, sei ein Bond von Venezuela (ISIN XS0214851874 / WKN A0DZ45) mit Laufzeit 3/2015. Bei einem Kupon von 7,0% ergebe sich derzeit ein Renditeniveau von 6%, was Anlegern an den Börsen Düsseldorf und München offenbar attraktiv genug für ein Investment erscheine.
Wenn sich Ratlosigkeit breit mache, kämen einem die "besten" Ideen. Nur so seien die neuesten Lösungsansätze zur Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise zu erklären. Bereits vor Monaten habe man über einen Soli für Griechenland nachgedacht, aber inzwischen werde offen über die Vorteile einer Fiskalunion debattiert. Den Vorschlag, 10% der Einkommensteuer in einen europäischen Topf einzuspeisen, hätte man am 1. April erwartet, aber nicht jetzt. Es sei eindeutig zu erkennen, was man damit beabsichtige, nämlich das Geld des vermeintlichen "Profiteurs" - Deutschland - allen zur Verfügung zu stellen.
Sollte sich in naher Zukunft die Bundeskanzlerin zu folgender Aussage hinreißen lassen: "Durch gemeinsame Anstrengungen wird es uns gelingen Frankreich, Griechenland, Irland, Portugal und Spanien wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt", dann wisse man, was auf einen zukommen werde. Eine Fiskalunion zur Bewältigung der Krise könnte zwar den Schmerz vieler Euroländer mildern, würde allerdings unterm Strich nur dazu führen, dass sich jeder auf den anderen verlassen würde und Deutschland dürfte für den finanziellen Rahmen sorgen. Steht auf, wenn ihr "Wutbürger" seid, so die Analysten der Baader Bank.
Aber an dieser Stelle sei erwähnt, dass auch Deutschland inzwischen die Tricks anderer Staaten beherrsche. Um einen strukturell ausgeglichenen Haushalt für 2014 zu erreichen, würden noch ca. 4 Mrd. Euro fehlen und auch hierbei gelte: "Not macht erfinderisch". Wenn man nun den Zuschuss zum Gesundheitsfonds um ca. 2 Mrd. Euro kürzen würde und im Jahr des Wahlkampfes auch noch den Rentenbeitragssatz so kürzen würde, dass der Zuschuss zur Rentenversicherung um 2 Mrd. Euro reduziert werden könnte, dann wäre allen gedient. Den Bürgern, weil sie monatlich mehr Geld zur Verfügung hätten und den Politikern, weil sie ihr Versprechen einlösen könnten. Toll. Wenn die Problemstaaten schon nicht nach unseren Regeln handeln, dann passen wir uns deren Denkweise an, so die Analysten der Baader Bank.
Am Montag dieser Woche habe der Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp eine Anleihe (ISIN DE000A1R08U3 / WKN A1R08U) mit einem Volumen von 1,25 Mrd. Euro emittiert, nachdem zunächst nur 1 Mrd. Euro angekündigt worden sei.
Die Anleihe sei mehrfach überzeichnet gewesen und bei Beendigung der Zeichnungsfrist hätten Orders in einem Gesamtvolumen von über 4 Mrd. Euro vorgelegen. Fällig werde der Bond im August 2018. Den Investoren zahle ThyssenKrupp einen Kupon von 4,00%. Gepreist worden sei die Anleihe bei +270 BP über Mid Swap bzw. +338,7 BP über Bunds, was einem Emissionspreis von 99,681% entsprochen habe. Die Nachfrage nach der Anleihe sei auch in den ersten beiden Handelstagen ungebrochen gewesen und sei im Hoch bei 101,00% gehandelt worden. Zuletzt sei die Anleihe 100,63/100,81% quotiert worden.
Am selben Handelstag habe die Unibail-Rodamco SE, die größte börsennotierte Immobiliengesellschaft Europas, eine Anleihe (ISIN XS0894202968 / WKN A1HGE1) mit einer Laufzeit von acht Jahren begeben. Erwartet gewesen sei ein Spread von ca. +90 BP über Mid Swap. Gepreist worden sei die 750 Mio. Euro große Anleihe bei +83 BP über Mid Swap bzw. +120,5 BP über Bunds. Der Cashpreis habe 99,569% betragen. Die Rückzahlung sei für Februar 2021 vorgesehen. Zuletzt sei die Anleihe 99,65/99,99% quotiert worden.
Auch im Futureshandel mache sich Lethargie breit und insbesondere in den vergangenen Handelstagen habe sich die Marke von 143,00% als vorerst unüberwindbar herausgestellt. Aktuell befinde sich der Euro-Bund-Future wiederum in einem Dreieck aus längerfristigem Abwärts- und kurzfristigen Aufwärtstrend. Aber schon in den nächsten Handelstagen müsse sich der Markt entscheiden. Sollten sich bei den Wahlen in Italien keine negativen Überraschungen einstellen, so stehe wahrscheinlich der Test des Bereichs um 141,28% (Tief vom 30.01.13) an. Nur wieder aufflammende Ängste bezüglich der Fiskalklippe und der europäischen Schuldenkrise würden einen Anstieg des Sorgenbarometers über 143,11% (Hochs vom 8. und 11.02.13) ermöglichen.
Nachdem am gestrigen Mittwoch der spanische Ministerpräsident, Mariano Rajoy, sich bemüht habe, die Reduzierung der Neuverschuldung seines Landes im Jahre 2012 auf unter 7% der Wirtschaftsleistung als Erfolg zu verkaufen, würden die Marktteilnehmer gespannt auf die heutige Mittelaufnahme warten. Hierbei würden Altemissionen mit Fälligkeit 2015, 2019 und 2023 aufgestockt. Ob auch die Investoren die Interpretation des Regierungschefs teilen würden, müsse abgewartet werden. Denn ursprünglich seien lediglich 6,3% der Wirtschaftsleistung vereinbart gewesen und bei den 7% seien auch 39 Mrd. Euro, die Spanien für seinen Bankensektor benötigt habe, nicht mit eingerechnet.
Aber auch EFSF (ISIN EU000A1G0AT6 / WKN A1G0AT, 2037), Frankreich (ISIN FR0118462128 / WKN A1AYFB, 2015; ISIN FR0010517417 / WKN A0TJQ6, 2017; ISIN FR0011394345 / WKN A1HE0H, 2018) und auch Deutschland (ISIN DE0001102309 / WKN 110230, 2023) seien am Kapitalmarkt aktiv geworden. Die aktuelle zehnjährige Anleihe der Bundesrepublik Deutschland sei bei einer 1,2fachen Überzeichnung mit einer Durchschnittsrendite von 1,66% um 5 Mrd. Euro auf insgesamt 10 Mrd. Euro aufgestockt worden.
Der Begriff "Währungskrieg" könne jetzt bereits auf die Liste der Unworte 2013 gesetzt werden. Hinter diesem Begriff verberge sich die Wiederbelebung nationaler Gedanken und mache den Weg frei für die Stützung der heimischen Wirtschaft. Doch vorerst herrsche in Anbetracht der italienischen Wahlen gespannte Ruhe am Devisenmarkt. Der Euro sei in einer sehr kleinen Tradingrange zu beobachten. Seit Wochenanfang liege diese zwischen 1,3234 und 1,3433 USD. Positive Konjunkturdaten in der Eurozone, insbesondere der ZEW-Index, hätten kurzzeitig zwar für einen Anstieg des Euro gegenüber dem Greenback gesorgt, aber ohne italienische Fakten "dümple" der Markt nun wieder vor sich hin.
Aber gegenüber dem Neuseeland-Dollar (NZD) habe der Euro etwas zulegen können, nachdem der Notenbank-Chef des Landes die eigene Währung als überbewertet bezeichnet habe. Sogar von Interventionen sei die Rede gewesen. Der "Kiwi" sei daraufhin gegenüber dem Euro sogar bei 1,6024 NZD (nach 1,5757 NZD) gehandelt worden.
Ausgewählte Fremdwährungsanleihen würden immer noch von ihrem Status als Alternativanlage zum Euro profitieren. Dazu würden Anleihen auf Norwegische Kronen, Australische Dollar, Türkische Lira und Neuseeländische Dollar zählen.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright ©: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (21.02.2013/alc/a/a)
Dass sogar der griechische Finanzminister, Yannis Stournaras, einen erneuten Schuldenschnitt in Aussicht gestellt habe, habe schon ein ganz besonderes "Geschmäckle" und brüskiere die internationalen Geldgeber.
Einerseits bescheinige die Troika, bestehend aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank, dass Athen auf dem richtigen Weg sei und somit der Freigabe der nächsten Tranche in Höhe von 2,8 Mrd. Euro im Februar nichts entgegenstehe. Im Vergleich zu den bereits geflossenen Geldern handle es sich hierbei um "Peanuts", aber dennoch sei die Frage erlaubt, ob alle von dem gleichen Griechenland sprechen würden. Denn andererseits schüre der Politiker, der den besten Überblick über die Finanzsituation Athens haben sollte, Yannis Stournaras, die Ängste der Investoren, indem er einen neuerlichen "Haircut" angekündigt habe. Da das Euro-Sorgenkind Hellas trotz des Schuldenschnitts in 2012 immer noch einen Schuldenberg von über 300 Mrd. Euro vorweisen koenne, sei es sicherlich verständlich, dass solche Überlegungen angestellt würden.
Die Skeptiker hätten diese Entwicklung schon 2012 vorhergesehen und immer wieder auf die Tatsache verwiesen, dass Griechenland seit dem Jahre 1800 bereits fünfmal zahlungsunfähig gewesen sei. Im vergangenen Jahr habe es allerdings nur ausgewählte Investoren getroffen, aber wenn es nun um die öffentlichen Geldgeber gehe, dann müssten alle Steuerzahler in Euroland dafür die Zeche zahlen. Und genau das sei das Problem. Leider gebe es in allen Euro-Staaten immer noch viele Bürger, die sich trotz hoher Einkommen und begünstigt durch diverse fiskalische Schlupflöcher nicht an dieser "Gemeinschaftsaktion" beteiligen würden.
Unterm Strich bedeute dies wiederum: "Nur der Dumme zahlt".
Es sei ein gigantischer Pleitefall im Immobiliensektor, der in Spanien das Gespenst der Schuldenkrise wieder wach geküsst habe. So könnte sich die Insolvenz des Immobilienentwicklers Reyal zum zweitgrößten Pleitefall in der Geschichte des tief in der Rezession steckenden Landes entwickeln. Reyal sei bei den bisher gesunden Banken Santander und BBVA sowie der bereits verstaatlichten Bankia, also einer "Bad Bank", hochverschuldet.
Auch wenn die Verhandlungsfrist mit den Gläubigern von Reyal noch bis Samstag laufe, liege das Schicksal des Immobilienentwicklers nun in den Händen eines Gerichts. Da die spanischen Bankbilanzen ohnehin mit faulen Krediten aus dem Immobiliensektor belastet seien, würden viele Geldhäuser die Geduld verlieren und die Kunden fallen lassen. Dieser Umstand mache es eher unwahrscheinlich, dass es für Reyal in letzter Minute noch eine Einigung mit den Gläubigern geben werde.
Auch aus Italien kämen keine Signale der Entwarnung. Das Land, dessen Wirtschaft das sechste Quartal in Folge geschrumpft sei, stecke in der längsten Rezession seit 20 Jahren. Dies wiederum schmälere die Aussichten des Reformers, Ministerpräsident Mario Monti, bei der Wahl am 24. und 25. Februar. Oberwasser hätten dagegen seine politischen Gegner aus dem rechten und linken Lager, die vor allem Steuererleichterungen versprechen würden. Eine Rückkehr von Silvio Berlusconi auf der politischen Bühne käme aber bei den Märkten jedenfalls nicht gut an.
Im Zeichen der bevorstehenden Wahlen stehe auch Zypern, vor deren Hintergrund debattiert werde, ob der Inselstaat im Mittelmeer denn nun systemrelevant sei oder nicht. EU-Währungskommissar Olli Rehn jedenfalls weise darauf hin, dass die beiden größten Banken Zyperns ein umfangreiches Filialnetz in Griechenland unterhalten würden. Würden diese wackeln, könnte die Verunsicherung der Sparer schnell auf griechische Banken überspringen.
Über der US-Wirtschaft hänge wieder das Damoklesschwert der "fiskalischen Klippe" (fiscal cliff). Demnach könne es Anfang März zu automatischen Kürzungen der Staatsausgaben kommen, wenn sich Regierung und Opposition im Haushaltsstreit nicht rechtzeitig einigen würden. Demokraten und Republikaner würden nur noch zwei Wochen Zeit bleiben. Anzeichen für eine Annäherung gebe es nicht. Während die Demokraten Steuererhöhungen würden durchsetzen wollen, würden die Republikaner Kürzungen bei staatlichen Förderprogrammen fordern. Doch die Kernforderung des einen Lagers gelte im jeweils anderen Lager als Tabu.
Sollte es nicht zu einer Einigung in letzter Minute kommen, würden die Staatsausgaben allein 2013 um 86 Mrd. USD gekürzt und das Wirtschaftswachstum um 0,6% gebremst werden. Vor diesem Hintergrund seien an den Märkten vorsorgliche Umschichtungen von Aktien hin zu Staatsanleihen mit bester Bonität zu beobachten. US-Präsident Barack Obama habe eindringlich vor den Folgen gewarnt, die die Ausgabenkürzungen für Wirtschaft und nationale Sicherheit in den USA haben würden.
Wenn es um die Diversifizierung ihres Depots gehe, würden Anleger am Bondmarkt immer wieder in exotischen Ländern fündig. In der vergangenen Woche hätten Standard & Poor's und Fitch die Bonität von Jamaika herabgestuft. Als Hauptursache dieser Downgrades sei die von dem karibischen Inselstaat angekündigte Notwendigkeit eines Umschuldungsprogramms genannt worden. Nachdem daraufhin die Kurse von Jamaika-Bonds stark eingebrochen gewesen seien, würden Anleger nun wieder zugreifen.
Im Blickpunkt stehe dabei eine auf Euro lautende Anleihe von Jamaika, die bis 10/2014 laufe und mit ca. 8,6% rentiere. Ein weiterer Exot, der derzeit auf den Kauflisten stehe, sei ein Bond von Venezuela (ISIN XS0214851874 / WKN A0DZ45) mit Laufzeit 3/2015. Bei einem Kupon von 7,0% ergebe sich derzeit ein Renditeniveau von 6%, was Anlegern an den Börsen Düsseldorf und München offenbar attraktiv genug für ein Investment erscheine.
Wenn sich Ratlosigkeit breit mache, kämen einem die "besten" Ideen. Nur so seien die neuesten Lösungsansätze zur Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise zu erklären. Bereits vor Monaten habe man über einen Soli für Griechenland nachgedacht, aber inzwischen werde offen über die Vorteile einer Fiskalunion debattiert. Den Vorschlag, 10% der Einkommensteuer in einen europäischen Topf einzuspeisen, hätte man am 1. April erwartet, aber nicht jetzt. Es sei eindeutig zu erkennen, was man damit beabsichtige, nämlich das Geld des vermeintlichen "Profiteurs" - Deutschland - allen zur Verfügung zu stellen.
Sollte sich in naher Zukunft die Bundeskanzlerin zu folgender Aussage hinreißen lassen: "Durch gemeinsame Anstrengungen wird es uns gelingen Frankreich, Griechenland, Irland, Portugal und Spanien wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt", dann wisse man, was auf einen zukommen werde. Eine Fiskalunion zur Bewältigung der Krise könnte zwar den Schmerz vieler Euroländer mildern, würde allerdings unterm Strich nur dazu führen, dass sich jeder auf den anderen verlassen würde und Deutschland dürfte für den finanziellen Rahmen sorgen. Steht auf, wenn ihr "Wutbürger" seid, so die Analysten der Baader Bank.
Aber an dieser Stelle sei erwähnt, dass auch Deutschland inzwischen die Tricks anderer Staaten beherrsche. Um einen strukturell ausgeglichenen Haushalt für 2014 zu erreichen, würden noch ca. 4 Mrd. Euro fehlen und auch hierbei gelte: "Not macht erfinderisch". Wenn man nun den Zuschuss zum Gesundheitsfonds um ca. 2 Mrd. Euro kürzen würde und im Jahr des Wahlkampfes auch noch den Rentenbeitragssatz so kürzen würde, dass der Zuschuss zur Rentenversicherung um 2 Mrd. Euro reduziert werden könnte, dann wäre allen gedient. Den Bürgern, weil sie monatlich mehr Geld zur Verfügung hätten und den Politikern, weil sie ihr Versprechen einlösen könnten. Toll. Wenn die Problemstaaten schon nicht nach unseren Regeln handeln, dann passen wir uns deren Denkweise an, so die Analysten der Baader Bank.
Am Montag dieser Woche habe der Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp eine Anleihe (ISIN DE000A1R08U3 / WKN A1R08U) mit einem Volumen von 1,25 Mrd. Euro emittiert, nachdem zunächst nur 1 Mrd. Euro angekündigt worden sei.
Am selben Handelstag habe die Unibail-Rodamco SE, die größte börsennotierte Immobiliengesellschaft Europas, eine Anleihe (ISIN XS0894202968 / WKN A1HGE1) mit einer Laufzeit von acht Jahren begeben. Erwartet gewesen sei ein Spread von ca. +90 BP über Mid Swap. Gepreist worden sei die 750 Mio. Euro große Anleihe bei +83 BP über Mid Swap bzw. +120,5 BP über Bunds. Der Cashpreis habe 99,569% betragen. Die Rückzahlung sei für Februar 2021 vorgesehen. Zuletzt sei die Anleihe 99,65/99,99% quotiert worden.
Auch im Futureshandel mache sich Lethargie breit und insbesondere in den vergangenen Handelstagen habe sich die Marke von 143,00% als vorerst unüberwindbar herausgestellt. Aktuell befinde sich der Euro-Bund-Future wiederum in einem Dreieck aus längerfristigem Abwärts- und kurzfristigen Aufwärtstrend. Aber schon in den nächsten Handelstagen müsse sich der Markt entscheiden. Sollten sich bei den Wahlen in Italien keine negativen Überraschungen einstellen, so stehe wahrscheinlich der Test des Bereichs um 141,28% (Tief vom 30.01.13) an. Nur wieder aufflammende Ängste bezüglich der Fiskalklippe und der europäischen Schuldenkrise würden einen Anstieg des Sorgenbarometers über 143,11% (Hochs vom 8. und 11.02.13) ermöglichen.
Nachdem am gestrigen Mittwoch der spanische Ministerpräsident, Mariano Rajoy, sich bemüht habe, die Reduzierung der Neuverschuldung seines Landes im Jahre 2012 auf unter 7% der Wirtschaftsleistung als Erfolg zu verkaufen, würden die Marktteilnehmer gespannt auf die heutige Mittelaufnahme warten. Hierbei würden Altemissionen mit Fälligkeit 2015, 2019 und 2023 aufgestockt. Ob auch die Investoren die Interpretation des Regierungschefs teilen würden, müsse abgewartet werden. Denn ursprünglich seien lediglich 6,3% der Wirtschaftsleistung vereinbart gewesen und bei den 7% seien auch 39 Mrd. Euro, die Spanien für seinen Bankensektor benötigt habe, nicht mit eingerechnet.
Aber auch EFSF (ISIN EU000A1G0AT6 / WKN A1G0AT, 2037), Frankreich (ISIN FR0118462128 / WKN A1AYFB, 2015; ISIN FR0010517417 / WKN A0TJQ6, 2017; ISIN FR0011394345 / WKN A1HE0H, 2018) und auch Deutschland (ISIN DE0001102309 / WKN 110230, 2023) seien am Kapitalmarkt aktiv geworden. Die aktuelle zehnjährige Anleihe der Bundesrepublik Deutschland sei bei einer 1,2fachen Überzeichnung mit einer Durchschnittsrendite von 1,66% um 5 Mrd. Euro auf insgesamt 10 Mrd. Euro aufgestockt worden.
Der Begriff "Währungskrieg" könne jetzt bereits auf die Liste der Unworte 2013 gesetzt werden. Hinter diesem Begriff verberge sich die Wiederbelebung nationaler Gedanken und mache den Weg frei für die Stützung der heimischen Wirtschaft. Doch vorerst herrsche in Anbetracht der italienischen Wahlen gespannte Ruhe am Devisenmarkt. Der Euro sei in einer sehr kleinen Tradingrange zu beobachten. Seit Wochenanfang liege diese zwischen 1,3234 und 1,3433 USD. Positive Konjunkturdaten in der Eurozone, insbesondere der ZEW-Index, hätten kurzzeitig zwar für einen Anstieg des Euro gegenüber dem Greenback gesorgt, aber ohne italienische Fakten "dümple" der Markt nun wieder vor sich hin.
Aber gegenüber dem Neuseeland-Dollar (NZD) habe der Euro etwas zulegen können, nachdem der Notenbank-Chef des Landes die eigene Währung als überbewertet bezeichnet habe. Sogar von Interventionen sei die Rede gewesen. Der "Kiwi" sei daraufhin gegenüber dem Euro sogar bei 1,6024 NZD (nach 1,5757 NZD) gehandelt worden.
Ausgewählte Fremdwährungsanleihen würden immer noch von ihrem Status als Alternativanlage zum Euro profitieren. Dazu würden Anleihen auf Norwegische Kronen, Australische Dollar, Türkische Lira und Neuseeländische Dollar zählen.
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