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Mittelstandsanleihen: Wer traut sich?
20.02.17 12:45
Wolfgang Steubing AG
Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Seit dem Antritt des amerikanischen Präsidenten Ende Januar 2017 haben die Börsen weltweit massive Zugewinne verzeichnen können, so das Team des Steubing German Mittelstand Fund I (SGMF) (ISIN LU0934080986/ WKN A1WY59, ausschüttend; ISIN LU0934081281/ WKN A1WY6A, thesaurierend), das sich im "Standpunkt German Mittelstand" regelmäßig zum Markt für Mittelstands- und Hochzinsanleihen äußert.
Der Markt für Mittelstandsanleihen stagniere jedoch weiterhin. Das liege sicherlich auch an den massiven Unsicherheiten, die von den ehemaligen Emittenten verbreitet würden. Während bei der Insolvenz der Gebr. Sanders wohl zumindest für die Anleihegläubiger mit einer Quote zwischen 20 und 30% gerechnet werden könne, müssten die Anleihegläubiger der KTG Energie wohl auf alles verzichten.
"Im Insolvenzverfahren der KTG Energie AG hat das Amtsgericht Neuruppin per Beschluss vom 10. Februar 2017 den Insolvenzplan bestätigt und die fehlende Zustimmung der Anleihegläubiger ersetzt. Trotz eines klaren Votums der Anleihegläubiger gegen den Plan wurde damit die weitaus größte Gläubigergruppe ignoriert - das Gericht folgte insofern der Argumentation der Eigenverwaltung" (bondguide 14.02.2017). Aus Sicht der Experten habe hier wieder ein Unternehmen mithilfe verschiedener Investoren den Notausgang ESUG genutzt, um sich erfolgreich von seinen Fremdkapital-Belastungen, gleich Anleihegläubiger, zu entledigen. 50 Mio. Euro würden so einfach mal weggezaubert. In diesem Zusammenhang würden auch Erinnerungen an die Pleite von Zamek wach.
Auch hier hätten die Anleihegläubiger nichts bekommen, weil sie ihr Geld an die Holding vergeben hätten, die rein formal einfach keine Substanz vorzuweisen gehabt habe, nachdem die Tochtergesellschaften das einzig noch werthaltige Asset, das Grundstück in Düsseldorf, erfolgreich in ihre eigene Masse zurück geklagt hätten. Ein solch "genialer Schachzug" sei auch bei der KTG Energie angewandt worden: "Die neuen Chefs meldeten auch für die KTG Energie Insolvenz an. Für die Holding, nicht aber für die rund 20 Tochterunternehmen, die das Biogas produzieren. Diese sind ja dank der festen Einspeisevergütungen profitabel. Die Holding, so argumentierten die Anwälte, war durch die Insolvenz der Mutter KTG Agrar selbst so in finanzielle Bedrängnis gekommen, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen konnte: Die Auszahlungen an die Anleihegläubiger und die Zwischenfinanzierung für die Biogas-Töchter." (Handelsblatt vom 09.02.2017)
In dieser Gemengelage versuche nun erneut eine Modeproduzent seine Anleihe zu prolongieren: Der Hemdenproduzent Eterna. "Der Markt für Mittelstandsanleihen gelte zwar vielen als tot, aber nicht alle Unternehmen feche diese Auffassung an. Der Hemden- und Blusenhersteller Eterna biete nun als Teil der Refinanzierung einer Alt-Anleihe eine neue Schuldverschreibung an, die mit einem Volumen von 25 Mio. Euro sogar verhältnismäßig groß ausfallen solle. Sie decke zwar weniger als das halbe Volumen der Anfang Oktober fälligen, mit 8 Prozent verzinsten Anleihe ab, der Rest von rund 28 Mio. Euro solle indes aus einem Schuldscheindarlehen im Umfang von 33 Mio. Euro kommen. Dieses laufe bei einem Zinssatz von 4,75 Prozent über dem Zinssatz 3-Monats Euribor (aktuell also 4,42 Prozent) bis zum Jahr 2021 und sei "mit einer deutschen Geschäftsbank mit Investment Grade Rating vereinbart". (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.02.2017)
In dem von den Experten beschriebenen Umfeld am Anfang des Jahres 2017 könne es durchaus mutig genannt werden, eine Anleihe über 25 Mio. Euro platzieren zu wollen. Insbesondere komme auch das Schuldscheindarlehen nur zur Auszahlung, wenn die Anleihe vollumfänglich platziert worden sei. Mutig sei das Unterfangen auch aus einem anderen Grund. Die Eigenkapitalquote liege bei unter 10%. Damit käme im betriebswirtschaftlichen definierten Finanzierungsmix im Normalfalle keine weitere oder erneute Fremdkapitalaufnahme infrage, sondern es müsste eigentlich eine Eigenkapitalerhöhung durch Einlagen oder vom Kapitalmarkt angestrebt werden.
Die Situation am Markt für Mittelstandanleihen sei am Anfang des Jahres 2017 noch immer stark von Unsicherheiten geprägt. Solange die Pleiten des vergangenen Jahres nicht seriös zusammen mit den Anleihegläubigern verarbeitet worden seien, werde es schwer fallen, Neuplatzierungen vorzunehmen. (20.02.2017/alc/a/a)
Der Markt für Mittelstandsanleihen stagniere jedoch weiterhin. Das liege sicherlich auch an den massiven Unsicherheiten, die von den ehemaligen Emittenten verbreitet würden. Während bei der Insolvenz der Gebr. Sanders wohl zumindest für die Anleihegläubiger mit einer Quote zwischen 20 und 30% gerechnet werden könne, müssten die Anleihegläubiger der KTG Energie wohl auf alles verzichten.
"Im Insolvenzverfahren der KTG Energie AG hat das Amtsgericht Neuruppin per Beschluss vom 10. Februar 2017 den Insolvenzplan bestätigt und die fehlende Zustimmung der Anleihegläubiger ersetzt. Trotz eines klaren Votums der Anleihegläubiger gegen den Plan wurde damit die weitaus größte Gläubigergruppe ignoriert - das Gericht folgte insofern der Argumentation der Eigenverwaltung" (bondguide 14.02.2017). Aus Sicht der Experten habe hier wieder ein Unternehmen mithilfe verschiedener Investoren den Notausgang ESUG genutzt, um sich erfolgreich von seinen Fremdkapital-Belastungen, gleich Anleihegläubiger, zu entledigen. 50 Mio. Euro würden so einfach mal weggezaubert. In diesem Zusammenhang würden auch Erinnerungen an die Pleite von Zamek wach.
In dieser Gemengelage versuche nun erneut eine Modeproduzent seine Anleihe zu prolongieren: Der Hemdenproduzent Eterna. "Der Markt für Mittelstandsanleihen gelte zwar vielen als tot, aber nicht alle Unternehmen feche diese Auffassung an. Der Hemden- und Blusenhersteller Eterna biete nun als Teil der Refinanzierung einer Alt-Anleihe eine neue Schuldverschreibung an, die mit einem Volumen von 25 Mio. Euro sogar verhältnismäßig groß ausfallen solle. Sie decke zwar weniger als das halbe Volumen der Anfang Oktober fälligen, mit 8 Prozent verzinsten Anleihe ab, der Rest von rund 28 Mio. Euro solle indes aus einem Schuldscheindarlehen im Umfang von 33 Mio. Euro kommen. Dieses laufe bei einem Zinssatz von 4,75 Prozent über dem Zinssatz 3-Monats Euribor (aktuell also 4,42 Prozent) bis zum Jahr 2021 und sei "mit einer deutschen Geschäftsbank mit Investment Grade Rating vereinbart". (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.02.2017)
In dem von den Experten beschriebenen Umfeld am Anfang des Jahres 2017 könne es durchaus mutig genannt werden, eine Anleihe über 25 Mio. Euro platzieren zu wollen. Insbesondere komme auch das Schuldscheindarlehen nur zur Auszahlung, wenn die Anleihe vollumfänglich platziert worden sei. Mutig sei das Unterfangen auch aus einem anderen Grund. Die Eigenkapitalquote liege bei unter 10%. Damit käme im betriebswirtschaftlichen definierten Finanzierungsmix im Normalfalle keine weitere oder erneute Fremdkapitalaufnahme infrage, sondern es müsste eigentlich eine Eigenkapitalerhöhung durch Einlagen oder vom Kapitalmarkt angestrebt werden.
Die Situation am Markt für Mittelstandanleihen sei am Anfang des Jahres 2017 noch immer stark von Unsicherheiten geprägt. Solange die Pleiten des vergangenen Jahres nicht seriös zusammen mit den Anleihegläubigern verarbeitet worden seien, werde es schwer fallen, Neuplatzierungen vorzunehmen. (20.02.2017/alc/a/a)
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