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Mittelstandsanleihen: Heile, Heile Gänschen, es ist bald wieder gut


17.07.17 11:15
Wolfgang Steubing AG

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Wir müssen konstatieren, dass das Jahr 2017 im Segment der KMU-Anleihen für die Investoren recht erfolgreich gewesen ist, so das Team des Steubing German Mittelstand Fund I (SGMF) (ISIN LU0934080986/ WKN A1WY59, ausschüttend; ISIN LU0934081281/ WKN A1WY6A, thesaurierend), das sich im "Standpunkt German Mittelstand" regelmäßig zum Markt für Mittelstands- und Hochzinsanleihen äußert.

Das beziehe sich sicherlich auf die Anzahl und Volumina der Neuemissionen, sowie auch auf die Prolongation verschiedener Altanleihen. Anfang des Jahres in ihrem Standpunkt hatten die Analysten der Wolfgang Steubing AG schon darauf hingewiesen, dass im Jahr 2017 weniger Ausfälle durch Insolvenzen der Emittenten geben würde.

Unternehmen, deren Geschäftsmodelle teilweise an Schneeballsysteme erinnert hätten, seien aufgegeben worden. Unternehmen, die letztendlich keinen nachvollziehbaren zukunftsfähigen Business-Case hätten bieten können.

Momentan würden sich die Spezialisten streiten, ob das Jahr 2017 einen Turnaround darstelle, oder ob bloß - fast schon zyklisch - die Talsohle durchschritten worden sei und das Segment für Mittelstandsanleihen noch einen mühevollen Anstieg vor sich habe.

Aus Sicht der Analysten spreche für den Turnaround eigentlich nur die Platzierungsgeschwindigkeit bei den Neuemissionen in diesem Jahr. Das möge aber auch an den Vorbereitungen der emissionsbegleitenden Banken bei den Investoren liegen. Vermutlich gebe es von den Investoren auch einen Vertrauensvorschuss für das neue Börsensegment "Scale", was engere Leitplanken für alle Beteiligten gesetzt habe.

Für ein Durchschreiten der Talsohle und einen mühevollen Anstieg würden mehrere Punkte sprechen. Ein großer Teil der Investoren lecke noch seine Wunden, die im Jahr 2016 durch die insolventen Dickschiffe KTG Agrar und German Pellets entstanden seien. So seien auch verschiedene Prolongationen in diesem Jahr bislang Kombinationen aus Kredit und Anleihe gewesen. Nach dem Motto, wenn eine Bank das Unternehmen für kreditwürdig halte, dann dürfte es sich auch auf dem Kapitalmarkt refinanziere.

Die Rickmers-Anleihe über 275 Mio. Euro sei noch nicht ausgefallen. Die Betonung liege hier auf dem Wort "noch". Der Küchenhersteller ALNO habe eine Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Damit hätten viele Marktteilnehmer gerechnet - spätestens seit dem mit dem Wechsel im Vorstand es schon fast zu der logischen Konsequenz vom Verschieben der Veröffentlichung der Bilanz gekommen sei. "Nachdem ALNO-CEO Max Müller am 31. Mai ad hoc das Unternehmen verlassen hatte, war die finale Nachricht nur eine Frage der Zeit: ALNO rettet sich vor der Zahlungsunfähigkeit durch die Flucht in die Eigenverwaltungssanierung." ("Bondguide" 12. Juli 2017)

Es gebe eben keinen großen Aufschrei mehr wie im letzten Jahr. Das zeige auch, dass der Markt und die Investoren leidensfähig geworden seien. So schockiere es auch nicht mehr, dass neben ALNO auch Beate Uhse die Veröffentlichung der Bilanzen nach hinten verschoben habe. Die Verschiebung der Veröffentlichung sei übrigens ebenfalls von einem neu berufenen Vorstand vorgenommen worden. So betrachten die Analysten der Wolfgang Steubing AG momentan auch gespannt Golfino, wo sich letzte Woche der langjährige Finanzchef von heute auf morgen - natürlich im gegenseitigen Einverständnis - verabschiedet hat.

Interessant sei auch die "Variante" des Sanitärherstellers SANHA. "SANHA will die Gläubiger seiner 37,5 Millionen-Anleihe zu Zugeständnissen bewegen. Der Sanitärhersteller will die Mittelstandsanleihe um fünf Jahre verlängern, ursprünglich sollten die Mini-Bond-Holder ihr Geld im Juni 2018 wiederbekommen. Außerdem sollen sie einen gesunkenen Zinssatz von 5,5 Prozent hinnehmen, bisher lag er bei 7,75 Prozent." ("Finance Magazin", 20.06.2017) Aber dafür werde der Kupon halbjährlich gezahlt - statt wie bisher jährlich. Einen Haken gebe es wohl dabei. Bei geschrumpften Umsatz und Gewinn im letzten Jahr habe der 7,75 Prozent-Kupon nicht mehr aus dem Cashflow bezahlt werden können. Zusätzlich besichere SANHA die prolongierte Anleihe teilweise mit einem Immobilienbestand von fast 10 Mio. Euro, sowie möchte das Unternehmen ab Dezember 2019 jährlich 10 Prozent vom Nominalwert der Anleihe zurückkaufen. Auch das sähen die Analysten nicht als wirklich sehr attraktiv für die Investoren an.

Weit davon entfernt die Welt der Mittelstandsanleihen in einem düsteren Grau zu betrachten, wollen die Analysten der Wolfgang Steubing AG aber auch davor warnen, alles in einem rosarot zu betrachten. Der Markt sei nicht unattraktiv - aber teilweise noch immer gefährlich - insbesondere die kontaminierten Altlasten. Deswegen seien die Analysten der Meinung, dass nicht alles bald wieder gut sei, aber durchaus alles wieder möglich sei. (17.07.2017/alc/a/a)