Erweiterte Funktionen

Mittel- und langfristige Renditen: Kein starker Anstieg erwartet


12.11.13 15:11
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - In den USA wurde im vergangenen Monat ein fiskal- sowie ein geldpolitischer Unsicherheitsfaktor entschärft, so die Experten von MFS Investment Management.

Erstens sei nach einer weiteren Hängepartie im Kongress der kurzzeitige Government Shutdown aufgehoben und die Schuldenobergrenze angehoben worden - offenbar früh genug, um größere Auswirkungen auf die Konjunktur zu vermeiden. Zweitens habe Präsident Obama wie erwartet FED-Vizepräsidentin Janet Yellen als Nachfolgerin von Ben Bernanke nominiert.

Der Government Shutdown werde die Konjunktur wohl nur vorübergehend bremsen, auch wenn die Daten in den nächsten Wochen uneinheitlich sein könnten. Wichtiger sei, was als Nächstes geschehe. Der Haushaltskompromiss sei eine Übergangslösung, mit der nur Zeit gekauft worden sei.

Wichtige Probleme wie die Reform des Sozial- und Steuersystems habe man ausgeklammert. Keine der großen politischen Differenzen sei überwunden worden und der allseits verabscheute Sequester sei in Kraft geblieben. Der Übergangshaushalt gelte nur bis Mitte Januar 2014. Die Schuldenobergrenze sei bis Mitte Februar ausgesetzt worden.

So könnte Anfang nächsten Jahres der nächste Akt des Washingtoner Dramas auf dem Spielplan stehen. Viel werde davon abhängen, ob sich die Parteien bis Mitte Dezember auf einen neuen Haushalt einigen würden. Vorsichtig optimistisch dürfe man sein: Nach dem Umfrageabsturz dürfte den Republikanern nicht viel an einem weiteren Shutdown liegen.

Außerdem werde das Finanzministerium eine Verletzung der Schuldenobergrenze mit kreativen Maßnahmen wohl bis zum Frühjahr vermeiden können. Je näher der Wahlkampf für die Zwischenwahlen 2014 rücke, umso mehr würden die Politiker das Thema auf 2015 vertagen wollen.

Ob sich die Ernennung von Janet Yellen zur FED-Präsidentin auf den Tapering-Fahrplan auswirken werde, lasse sich heute noch nicht sagen. Die Konjunkturdaten würden infolge des Shutdowns verspätet veröffentlicht werden und könnten auch Anfang nächsten Jahres noch unzuverlässig sein. Das spreche dafür, dass das Tapering erst im März 2014 eingeleitet werde, sechs Monate später als allgemein erwartet. Die FED habe auf ihrer Oktober-Sitzung allerdings nicht ausgeschlossen, dass sie ihre Wertpapierkäufe ab Dezember reduziere.

Auch der nächste Zinserhöhungszyklus könnte sich unter Janet Yellen verzögern. Ihre jüngsten Reden würden deutlich machen, dass sie von einem großen Angebotsüberhang am Arbeitsmarkt ausgehe und an die Wachstumseffekte einer expansiven Geldpolitik glaube. Die Experten würden beobachten, ob sie bei den Bestätigungsanhörungen im Senat eine andere Einschätzung zu erkennen gebe. Vorerst würden die Experten vermuten, dass Yellen im derzeitigen Konjunkturumfeld zu einer lockeren Geldpolitik neige. Wenn sie als FED-Präsidentin bestätigt werde, dürften die Zinserhöhungen eher später beginnen.

Die Ereignisse in Washington hätten die Aussichten für die Weltwirtschaft kaum verändert. Nach wie vor spreche fast alles für ein moderates Wachstum bei geringer Inflation. Die Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft seien allenfalls geringfügig zurückgegangen. So habe der IWF in seinem World Government Outlook vom Oktober seine Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum zurückgenommen. Für die Jahre 2013 und 2014 würden nun 2,9% bzw. 3,6% erwartet. Das seien 0,3 bzw. 0,2 Prozentpunkte weniger als im Juli.

Unterdessen würden für die Industrieländer unverändert 1,2% (im Jahr 2013) und 2,0% (im Jahr 2014) prognostiziert. Höhere Erwartungen für Europa und Großbritannien würden die etwas niedrigere US-Prognose ausgleichen. Die Bewertungen der Emerging Markets seien dagegen um 0,4 bzw. 0,5 Prozentpunkte auf 4,5% für 2013 und 5,1% für 2014 gesenkt worden. Insbesondere die Erwartungen für China, Indien und Brasilien seien sowohl aus konjunkturellen als auch strukturellen Gründen deutlich nach unten revidiert worden.

Im Aktienbereich spreche das eher für die Industrieländer als die Emerging Markets. Dort dürfte das schon seit einiger Zeit nachlassende Wachstum für weiter rückläufige Bewertungen sorgen. Rentenanleger hingegen könnten angesichts des nach wie vor mäßigen Wachstums bei niedriger Inflation davon ausgehen, dass die mittel- und langfristigen Renditen insbesondere in den Industrieländern nicht sehr stark steigen würden. (12.11.2013/alc/a/a)