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Marktausblick: 2015 ist weiterhin mit niedrigen Zinsen zu rechnen
08.12.14 12:42
Meriten IM
Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Geldpolitische Maßnahmen werden das zentrale Anlagethema im kommenden Jahr sein. Zu diesem Fazit kommt ein Marktausblick von BNY Mellon Investment Management und seinen Investmentboutiquen, darunter Meriten Investment Management, Newton Investment Management und The Boston Company Asset Management, so die Experten von Meritem Investment Management.
Die 14 Analysen würden neben den globalen Marktaussichten auch den US-Wohnungsmarkt und die wachsende Diskrepanz zwischen den US-amerikanischen und europäischen Anleihemärkten beleuchten. Außerdem werfe der Gesamtreport einen Blick in die Zukunft Chinas und auf die politischen Herausforderungen in Brasilien. Allen Beiträgen gemeinsam sei die Erwartung, dass die Zinsen 2015 nicht dramatisch steigen würden.
Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt bei Meriten Investment Management, meine, dass die Aussicht auf großvolumige Ankäufe von Wertpapieren am Sekundärmarkt durch die EZB alle anderen Themen dominiere - insbesondere bezogen auf die Entwicklung von Euroland-Renditen, Spreads und Aktienbewertungen. Er halte ein umfangreiches QE für realistisch, wenn sich das ökonomische Umfeld in der Eurozone nicht bald bessere:
"Die "Drohung" des EZB-Präsidenten mit zusätzlichem geldpolitischem Stimulus ist glaubwürdig, denn seine dahinterstehende Sorge um den Zustand der Eurozone ist fundamental begründet: Seit 2011 ist das reale Bruttoinlandsprodukt der EWU per Saldo geschrumpft. Die Inflationsrate ist rückläufig und steht mit 0,3 Prozent nur noch knapp über Null. In einigen Teilnehmerstaaten ist sie bereits negativ, was bei Mario Draghi und anderen im EZB-Rat die Furcht ausgelöst hat, die langfristigen Inflationserwartungen könnten ihre Verankerung verlieren. Dies würde eine Rückkehr zum offiziellen EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent erschweren und könnte daher einer Deflationsspirale, wie sie Japan durchlebt hat, Vorschub leisten."
"Die Androhung zusätzlicher Ankäufe von Staatsanleihen hat bereits dazu geführt, dass die Renditen in der Eurozone auf Rekordtiefstände gefallen sind. Sollte die EZB Ernst machen und im kommenden Jahr tatsächlich beginnen Staatsanleihen zu kaufen, was sie in Aussicht gestellt hat, könnten sich Renditen und Spreads allerdings nochmals verringern. Infolgedessen gehen wir davon aus, dass die Staatsanleihen des Euroraums für inländische Anleger weiterhin werthaltig bleiben. Den Währungsfaktor müssen sie allerdings sorgfältig bedenken, denn die allmähliche Abwertung des Euro ist Teil der EZB-Strategie, die im Erfolgsfall zu steigenden Inflationsraten und Renditen führen könnte", erkläre Fahrinkrug.
Für die USA herrsche am Markt die Einschätzung vor, dass die FED die Zinsen anheben werde. James Lydotes von The Boston Company Asset Management, einer auf Aktien spezialisierten Investmentboutique von BNY Mellon mit Sitz in den USA, sei anderer Meinung. "Die Zinsen in den USA dürften auf längere Sicht auf niedrigem Niveau verharren, möglicherweise sogar bis 2020. Mit steigenden Teuerungsraten, welche die US-Notenbank zu einer Anhebung der Zinsen veranlassen würde, ist nicht zu rechnen. Bislang sind kaum Anzeichen für eine Lohn- oder Rohstoffinflation als treibender Faktor zu erkennen. Diese Kennzahlen werden wir weiter genau beobachten. Zudem werden wir nach Änderungen in der Tonlage der EZB Ausschau halten. In der Zwischenzeit können ertragsorientierte Anlageklassen, wie US-Substanzwerte, globale Rohstoff- und Infrastrukturtitel, aussichtsreiche Chancen versprechen."
Kein einheitliches Meinungsbild gebe es in der Frage, wann die Bank of England die Zinszügel anziehen werde. Paul Stephany, Portfoliomanager bei Newton Investment Management, kommentiere dies wie folgt: "Man könnte es den Anlegern nicht verübeln, wenn diese von dauerhaft niedrigen Zinsen ausgehen - schließlich liegt der Basissatz bereits seit März 2009 bei 0,5 Prozent. Am Ende werden die Zinsen dennoch steigen, allerdings nicht in großen Schritten."
"Eine Zinsanhebung der Bank of England dürfte sich mit großem zeitlichen Vorlauf abzeichnen. Entsprechende Vorboten werden eine kräftigere Konjunktur und anziehende, von Lohninflation getriebene Teuerungsraten sein. Dies wiederum würde bedeuten, dass die Verbraucher in ihren Portemonnaies zunächst wenig von der geldpolitischen Straffung zu spüren bekommen dürften", so Stephany.
Das aktuelle Umfeld bringe durchaus viele positive Effekte mit sich, erkläre Iain Stewart, Leiter des Real Return Teams von Newton. Dennoch bleibe sein Team bezüglich Wachstumserwartungen verhalten. "Auch wenn wachstumsfördernde Maßnahmen sicher von den besten Absichten geleitet waren, könnten sie unsere Volkswirtschaften instabiler und schockanfälliger machen."
"Es besteht ganz offensichtlich eine Diskrepanz zwischen dem Vertrauen der Anleger in den Erfolg der Politik und dem Glauben, dass die Verantwortlichen alles tun werden, um mögliche Risiken für die Marktteilnehmer abzuwenden. Das kann nur eines bedeuten: höhere Volatilität", so die Schlussfolgerung Stewarts. "Das heißt nicht, dass der Markt unserer Ansicht nach keine Anlagechancen bietet. Wahrscheinlich aber müssen potenzielle Anlagekandidaten noch stärker als bisher selektiert werden."
Attraktiv würden in diesem Umfeld laut Stewart der Gesundheitssektor und Unternehmen bleiben, die von Technologieausgaben profitieren würden. Mit Vorbehalt sehe er Unternehmen, die im Bereich der Infrastrukturentwicklung in China tätig seien. (08.12.2014/alc/a/a)
Die 14 Analysen würden neben den globalen Marktaussichten auch den US-Wohnungsmarkt und die wachsende Diskrepanz zwischen den US-amerikanischen und europäischen Anleihemärkten beleuchten. Außerdem werfe der Gesamtreport einen Blick in die Zukunft Chinas und auf die politischen Herausforderungen in Brasilien. Allen Beiträgen gemeinsam sei die Erwartung, dass die Zinsen 2015 nicht dramatisch steigen würden.
Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt bei Meriten Investment Management, meine, dass die Aussicht auf großvolumige Ankäufe von Wertpapieren am Sekundärmarkt durch die EZB alle anderen Themen dominiere - insbesondere bezogen auf die Entwicklung von Euroland-Renditen, Spreads und Aktienbewertungen. Er halte ein umfangreiches QE für realistisch, wenn sich das ökonomische Umfeld in der Eurozone nicht bald bessere:
"Die "Drohung" des EZB-Präsidenten mit zusätzlichem geldpolitischem Stimulus ist glaubwürdig, denn seine dahinterstehende Sorge um den Zustand der Eurozone ist fundamental begründet: Seit 2011 ist das reale Bruttoinlandsprodukt der EWU per Saldo geschrumpft. Die Inflationsrate ist rückläufig und steht mit 0,3 Prozent nur noch knapp über Null. In einigen Teilnehmerstaaten ist sie bereits negativ, was bei Mario Draghi und anderen im EZB-Rat die Furcht ausgelöst hat, die langfristigen Inflationserwartungen könnten ihre Verankerung verlieren. Dies würde eine Rückkehr zum offiziellen EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent erschweren und könnte daher einer Deflationsspirale, wie sie Japan durchlebt hat, Vorschub leisten."
"Die Androhung zusätzlicher Ankäufe von Staatsanleihen hat bereits dazu geführt, dass die Renditen in der Eurozone auf Rekordtiefstände gefallen sind. Sollte die EZB Ernst machen und im kommenden Jahr tatsächlich beginnen Staatsanleihen zu kaufen, was sie in Aussicht gestellt hat, könnten sich Renditen und Spreads allerdings nochmals verringern. Infolgedessen gehen wir davon aus, dass die Staatsanleihen des Euroraums für inländische Anleger weiterhin werthaltig bleiben. Den Währungsfaktor müssen sie allerdings sorgfältig bedenken, denn die allmähliche Abwertung des Euro ist Teil der EZB-Strategie, die im Erfolgsfall zu steigenden Inflationsraten und Renditen führen könnte", erkläre Fahrinkrug.
Kein einheitliches Meinungsbild gebe es in der Frage, wann die Bank of England die Zinszügel anziehen werde. Paul Stephany, Portfoliomanager bei Newton Investment Management, kommentiere dies wie folgt: "Man könnte es den Anlegern nicht verübeln, wenn diese von dauerhaft niedrigen Zinsen ausgehen - schließlich liegt der Basissatz bereits seit März 2009 bei 0,5 Prozent. Am Ende werden die Zinsen dennoch steigen, allerdings nicht in großen Schritten."
"Eine Zinsanhebung der Bank of England dürfte sich mit großem zeitlichen Vorlauf abzeichnen. Entsprechende Vorboten werden eine kräftigere Konjunktur und anziehende, von Lohninflation getriebene Teuerungsraten sein. Dies wiederum würde bedeuten, dass die Verbraucher in ihren Portemonnaies zunächst wenig von der geldpolitischen Straffung zu spüren bekommen dürften", so Stephany.
Das aktuelle Umfeld bringe durchaus viele positive Effekte mit sich, erkläre Iain Stewart, Leiter des Real Return Teams von Newton. Dennoch bleibe sein Team bezüglich Wachstumserwartungen verhalten. "Auch wenn wachstumsfördernde Maßnahmen sicher von den besten Absichten geleitet waren, könnten sie unsere Volkswirtschaften instabiler und schockanfälliger machen."
"Es besteht ganz offensichtlich eine Diskrepanz zwischen dem Vertrauen der Anleger in den Erfolg der Politik und dem Glauben, dass die Verantwortlichen alles tun werden, um mögliche Risiken für die Marktteilnehmer abzuwenden. Das kann nur eines bedeuten: höhere Volatilität", so die Schlussfolgerung Stewarts. "Das heißt nicht, dass der Markt unserer Ansicht nach keine Anlagechancen bietet. Wahrscheinlich aber müssen potenzielle Anlagekandidaten noch stärker als bisher selektiert werden."
Attraktiv würden in diesem Umfeld laut Stewart der Gesundheitssektor und Unternehmen bleiben, die von Technologieausgaben profitieren würden. Mit Vorbehalt sehe er Unternehmen, die im Bereich der Infrastrukturentwicklung in China tätig seien. (08.12.2014/alc/a/a)


