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Markt spekuliert auf Zinssenkung
05.04.19 10:30
BNP Paribas
Paris (www.anleihencheck.de) - Am Konjunkturhimmel sind dunkle Wolken aufgezogen, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate".
Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone schwäche sich zusehends ab. Vor allem die deutsche Wirtschaft, die in den vergangenen Jahren noch die Konjunkturlokomotive der Eurozone gewesen sei, liefere derzeit Grund zur Sorge. Die Institute hätten jüngst reihenweise ihre Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr gesenkt. Und auch aus den USA und China seien zuletzt enttäuschende Konjunktursignale gekommen. So habe die chinesische Regierung ihr Wachstumsziel für 2019 auf 6,0 bis 6,5 Prozent gesenkt - es wäre das niedrigste Wachstum in fast 30 Jahren. Dazu würden sich ein weiterhin ungeklärter EU-Austritt Großbritanniens sowie der nach wie vor auf eine Einigung wartende Zollstreit zwischen den USA und China gesellen.
Und dennoch sei es an den Aktienmärkten seit Jahresanfang deutlich aufwärts gegangen. Einer der Gründe hierfür dürfte der kräftige Renditeeinbruch an den Anleihemärkten gewesen sein, denn würden die Renditen bei risikoärmeren Anlagen sinken, würden die Investoren wieder vermehrt bei Aktien zugreifen. Für die sinkenden Renditen an den Bondmärkten seien wiederum die zuletzt erheblich geänderten Zinsperspektiven verantwortlich gewesen.
Das Wachstum der deutschen Wirtschaft sei zum Erliegen gekommen. Im vierten Quartal 2018 habe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands nur um 0,02 Prozent zugelegt. Nachdem die Wirtschaftsleistung im Vorquartal bereits um 0,2 Prozent geschrumpft sei, sei Deutschland somit nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Entwarnung könne aktuell jedoch noch nicht gegeben werden, denn wichtige Stimmungsindikatoren seien zuletzt weiter gefallen.
So sei der wichtige Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Februar um weitere 2,1 Punkte auf 47,6 Zähler gesunken, womit er noch deutlicher unter die 50-Punkte-Marke gerutscht sei, die Wachstum signalisiere, und zugleich ein 6-Jahres-Tief erreicht habe. 2018 sei die deutsche Wirtschaft noch um 1,5 Prozent gewachsen, nach jeweils 2,2 Prozent in den beiden Jahren zuvor. Nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werde sich das Wirtschaftswachstum der größten Volkswirtschaft der Eurozone 2019 weiter verlangsamen - die OECD erwarte für dieses Jahr nur noch ein Wachstum von 0,7 Prozent.
Innerhalb der Eurozone laufe es derzeit nur in einem Land noch schlechter - in Italien. Dort sei die Wirtschaft in eine Rezession geschlittert, nachdem das BIP in den beiden vergangenen Quartalen jeweils um 0,1 Prozent geschrumpft sei. Die gesamte Wirtschaft der Eurozone sei im vierten Quartal zwar um 0,2 Prozent gewachsen, habe sich aber ebenfalls deutlich abgekühlt - auf Jahressicht habe das Wachstum nur noch bei 1,1 Prozent gelegen. Der konjunkturelle Abschwung sei für die OECD Grund genug gewesen, ihre im November gemachte Prognose für die Eurozone, die für 2019 noch ein Wachstum von 1,8 Prozent vorgesehen habe, nun auf 1,0 Prozent zu revidieren.
Die trüben Konjunkturaussichten hätten die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer jüngsten Sitzung im März zu weiteren geldpolitischen Maßnahmen veranlasst. Zur Überraschung vieler Experten werde den Banken künftig eine neue Serie von Langfristkrediten zu günstigen Bedingungen angeboten. Die als TLTRO-III (Targeted Longer-Term Refinancing Operations) bezeichneten Finanzierungshilfen würden ab September einmal im Quartal und zunächst bis März 2021 an die Banken vergeben. Die Laufzeit betrage zwei Jahre, womit die letzten Rückzahlungen erst im März 2023 fällig würden.
Der Grundgedanke dieser Langfristkredite, die bereits 2011 unter dem Schlagwort "Dicke Berta" vergeben worden seien, sei es, die Kreditvergabe im Währungsraum zu befeuern. Das Programm sei jedoch höchst umstritten, da zu erwarten sei, dass die Kredite in erster Linie von hoch verschuldeten Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich genutzt würden, um ihre 2020 und 2021 auslaufenden Kredite aus früheren TLTRO-Programmen abzulösen. Kritiker sähen in dem Programm daher eine Art verdeckte Staatsfinanzierung. Auf italienische Geldhäuser seien zuletzt noch ausstehende Langfristkredite in Höhe von 240 Milliarden Euro entfallen. Ein Großteil dieser Kredite (etwa 140 Milliarden Euro) werde noch in diesem Jahr fällig und müsse verlängert werden. Praktisch für Italien, dass die EZB nun neue Finanzierungshilfen für Banken anbiete.
Über die Auflegung eines solchen Programms habe der Markt bereits spekuliert. Die Bekanntgabe der Maßnahme sei jedoch früher gekommen, und Umfang und Laufzeit seien deutlich expansiver ausgefallen, als viele Experten erwartet hätten. Auch die Verschiebung der Zinswende auf frühestens 2020 signalisiere ihrer Meinung nach die Sorge der Notenbanker vor einer stärkeren Abkühlung und die damit zunehmenden Risiken für die Wirtschaft der Währungsunion. Dies spiegele sich auch in der gesenkten Wachstumsprognose für dieses Jahr wider - die EZB erwarte für die Eurozone 2019 nur noch ein Wachstum von 1,1 Prozent (vorher 1,7 Prozent). Mario Draghi werde damit als erster Präsident der EZB in die Geschichte eingehen, der in seiner 8-jährigen Amtszeit nie die Zinsen erhöht habe.
Und auch das Wachstum der US-Wirtschaft habe sich zum Jahresauftakt abgeschwächt. Neben zahlreichen Konjunkturdaten belege dies auch der jüngste Konjunkturausblick der US-Notenbank (FED) - auch "Beige Book" genannt. In zehn von zwölf Notenbankdistrikten habe die wirtschaftliche Aktivität zu Jahresbeginn demnach nur noch "geringfügig bis moderat" zugelegt. Zuvor habe die FED noch von einem "mäßigen bis moderaten" Wachstum gesprochen. Die Märkte würden in der Regel sehr sensibel auf Änderungen im Wortlaut solcher Berichte reagieren. Die US-Währungshüter hätten auf eine schwächere globale Nachfrage, höhere Kosten wegen gestiegener Zölle und einer erheblichen Unsicherheit wegen diverser Handelsstreitigkeiten verwiesen.
Einige Frühindikatoren seien zuletzt enttäuschend ausgefallen, was die Eindrücke der Notenbanker untermauere. Unter anderem seien die Neubauverkäufe im Januar um 6,9 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen. Auftragseingänge und Produktion in der Industrie seien zuletzt jeweils nur noch um 0,1 Prozent gestiegen und damit weniger stark als erwartet. Und auch der US-Arbeitsmarkt habe im Februar gemischte Signale gesendet. Positiv hätten sich die durchschnittlichen Stundenlöhne entwickelt, die gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent und im Jahresvergleich um 3,4 Prozent angezogen hätten. Doch bei der Arbeitsplatzbeschaffung habe die US-Wirtschaft im Februar eine Vollbremsung hingelegt. Nach 304.000 Neustellen im Januar sei für Februar die Schaffung von 180.000 Jobs erwartet worden - es seien gerade einmal 20.000 und somit nicht einmal genug geworden, um den monatlichen Bevölkerungszuwachs der USA zu decken. (Ausgabe April 2019) (05.04.2019/alc/a/a)
Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone schwäche sich zusehends ab. Vor allem die deutsche Wirtschaft, die in den vergangenen Jahren noch die Konjunkturlokomotive der Eurozone gewesen sei, liefere derzeit Grund zur Sorge. Die Institute hätten jüngst reihenweise ihre Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr gesenkt. Und auch aus den USA und China seien zuletzt enttäuschende Konjunktursignale gekommen. So habe die chinesische Regierung ihr Wachstumsziel für 2019 auf 6,0 bis 6,5 Prozent gesenkt - es wäre das niedrigste Wachstum in fast 30 Jahren. Dazu würden sich ein weiterhin ungeklärter EU-Austritt Großbritanniens sowie der nach wie vor auf eine Einigung wartende Zollstreit zwischen den USA und China gesellen.
Und dennoch sei es an den Aktienmärkten seit Jahresanfang deutlich aufwärts gegangen. Einer der Gründe hierfür dürfte der kräftige Renditeeinbruch an den Anleihemärkten gewesen sein, denn würden die Renditen bei risikoärmeren Anlagen sinken, würden die Investoren wieder vermehrt bei Aktien zugreifen. Für die sinkenden Renditen an den Bondmärkten seien wiederum die zuletzt erheblich geänderten Zinsperspektiven verantwortlich gewesen.
Das Wachstum der deutschen Wirtschaft sei zum Erliegen gekommen. Im vierten Quartal 2018 habe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands nur um 0,02 Prozent zugelegt. Nachdem die Wirtschaftsleistung im Vorquartal bereits um 0,2 Prozent geschrumpft sei, sei Deutschland somit nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Entwarnung könne aktuell jedoch noch nicht gegeben werden, denn wichtige Stimmungsindikatoren seien zuletzt weiter gefallen.
So sei der wichtige Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Februar um weitere 2,1 Punkte auf 47,6 Zähler gesunken, womit er noch deutlicher unter die 50-Punkte-Marke gerutscht sei, die Wachstum signalisiere, und zugleich ein 6-Jahres-Tief erreicht habe. 2018 sei die deutsche Wirtschaft noch um 1,5 Prozent gewachsen, nach jeweils 2,2 Prozent in den beiden Jahren zuvor. Nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werde sich das Wirtschaftswachstum der größten Volkswirtschaft der Eurozone 2019 weiter verlangsamen - die OECD erwarte für dieses Jahr nur noch ein Wachstum von 0,7 Prozent.
Die trüben Konjunkturaussichten hätten die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer jüngsten Sitzung im März zu weiteren geldpolitischen Maßnahmen veranlasst. Zur Überraschung vieler Experten werde den Banken künftig eine neue Serie von Langfristkrediten zu günstigen Bedingungen angeboten. Die als TLTRO-III (Targeted Longer-Term Refinancing Operations) bezeichneten Finanzierungshilfen würden ab September einmal im Quartal und zunächst bis März 2021 an die Banken vergeben. Die Laufzeit betrage zwei Jahre, womit die letzten Rückzahlungen erst im März 2023 fällig würden.
Der Grundgedanke dieser Langfristkredite, die bereits 2011 unter dem Schlagwort "Dicke Berta" vergeben worden seien, sei es, die Kreditvergabe im Währungsraum zu befeuern. Das Programm sei jedoch höchst umstritten, da zu erwarten sei, dass die Kredite in erster Linie von hoch verschuldeten Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich genutzt würden, um ihre 2020 und 2021 auslaufenden Kredite aus früheren TLTRO-Programmen abzulösen. Kritiker sähen in dem Programm daher eine Art verdeckte Staatsfinanzierung. Auf italienische Geldhäuser seien zuletzt noch ausstehende Langfristkredite in Höhe von 240 Milliarden Euro entfallen. Ein Großteil dieser Kredite (etwa 140 Milliarden Euro) werde noch in diesem Jahr fällig und müsse verlängert werden. Praktisch für Italien, dass die EZB nun neue Finanzierungshilfen für Banken anbiete.
Über die Auflegung eines solchen Programms habe der Markt bereits spekuliert. Die Bekanntgabe der Maßnahme sei jedoch früher gekommen, und Umfang und Laufzeit seien deutlich expansiver ausgefallen, als viele Experten erwartet hätten. Auch die Verschiebung der Zinswende auf frühestens 2020 signalisiere ihrer Meinung nach die Sorge der Notenbanker vor einer stärkeren Abkühlung und die damit zunehmenden Risiken für die Wirtschaft der Währungsunion. Dies spiegele sich auch in der gesenkten Wachstumsprognose für dieses Jahr wider - die EZB erwarte für die Eurozone 2019 nur noch ein Wachstum von 1,1 Prozent (vorher 1,7 Prozent). Mario Draghi werde damit als erster Präsident der EZB in die Geschichte eingehen, der in seiner 8-jährigen Amtszeit nie die Zinsen erhöht habe.
Und auch das Wachstum der US-Wirtschaft habe sich zum Jahresauftakt abgeschwächt. Neben zahlreichen Konjunkturdaten belege dies auch der jüngste Konjunkturausblick der US-Notenbank (FED) - auch "Beige Book" genannt. In zehn von zwölf Notenbankdistrikten habe die wirtschaftliche Aktivität zu Jahresbeginn demnach nur noch "geringfügig bis moderat" zugelegt. Zuvor habe die FED noch von einem "mäßigen bis moderaten" Wachstum gesprochen. Die Märkte würden in der Regel sehr sensibel auf Änderungen im Wortlaut solcher Berichte reagieren. Die US-Währungshüter hätten auf eine schwächere globale Nachfrage, höhere Kosten wegen gestiegener Zölle und einer erheblichen Unsicherheit wegen diverser Handelsstreitigkeiten verwiesen.
Einige Frühindikatoren seien zuletzt enttäuschend ausgefallen, was die Eindrücke der Notenbanker untermauere. Unter anderem seien die Neubauverkäufe im Januar um 6,9 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen. Auftragseingänge und Produktion in der Industrie seien zuletzt jeweils nur noch um 0,1 Prozent gestiegen und damit weniger stark als erwartet. Und auch der US-Arbeitsmarkt habe im Februar gemischte Signale gesendet. Positiv hätten sich die durchschnittlichen Stundenlöhne entwickelt, die gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent und im Jahresvergleich um 3,4 Prozent angezogen hätten. Doch bei der Arbeitsplatzbeschaffung habe die US-Wirtschaft im Februar eine Vollbremsung hingelegt. Nach 304.000 Neustellen im Januar sei für Februar die Schaffung von 180.000 Jobs erwartet worden - es seien gerade einmal 20.000 und somit nicht einmal genug geworden, um den monatlichen Bevölkerungszuwachs der USA zu decken. (Ausgabe April 2019) (05.04.2019/alc/a/a)


