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Markt nicht mehr vollends vom Zinssenkungszyklus der EZB überzeugt
05.06.24 11:53
ALTE LEIPZIGER Trust
Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die im Mai berichteten Daten haben zu keiner Neubewertung geführt, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.
Gleichwohl seien die Investoren erleichtert gewesen, als die amerikanische Notenbank Federal Reserve (FED) bekräftigt habe, im nächsten Schritt die Zinsen herabsetzen und nicht wieder anzuheben zu wollen. Der Fokus in den USA dürfte sich in den kommenden Wochen vom primären Blick auf die Inflation, die zwar weiterhin zäh, aber nach unten gerichtet bleibe, zur Konjunktur verschieben. Die Experten würden nach Blick auf die aktuellen Wirtschaftsdaten eine Abkühlung erwarten, die den Weg für eine FED-Zinssenkung Ende Juli ebnen sollte.
Die schwächeren Konjunkturdaten dürften aber zugleich zu Abwärtsrevisionen der Gewinnerwartungen führen, die nicht nur in den USA eine Konsolidierung an den Aktienmärkten auslösen könnten. Im Euro-Raum hätten die vorgelegten Mai-Daten nicht an den EZB-Plänen rütteln können, im Juni die Zinsen erstmals zu senken. Im Gegensatz zu den USA sollten die Konjunkturdaten den Trend einer moderaten Erholung in Europa bestätigen.
Enttäuscht werden könnten diejenigen, die eine Fortsetzung des Disinflationstrends im Euro-Raum erwarten würden. Die Experten würden diesbezüglich skeptisch bleiben und von der EZB wie von der FED zumindest eine, wenn nicht sogar zwei Zinssenkungen bis Jahresende erwarten.
Folglich würden die Experten auch von einer vorsichtigen Kommentierung des Ausblicks der EZB im Juni ausgehen. Dies könnte am Markt zu Verstimmungen führen.
Auch das Ergebnis der anstehenden Europawahlen dürfte, nach den aktuell vorliegenden Prognosen zum wahrscheinlichen Ausgang der Wahlen, zu Ernüchterung führen. Sollten sich die Umfragen bestätigen und es zu deutlichen Zugewinnen von extremen Parteien kommen, sollte dies die Bildung einer neuen Kommission erschweren und Europa im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen politisch geschwächt sein.
In Kombination mit eingetrübten Hoffnungen auf substanzielle Zinssenkungen könnte der Wahlausgang zudem Sorgen über die fiskalische Stabilität der Peripherieländer verstärken, die sich zuletzt konjunkturell besser entwickelt hätten.
Nachdem die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen Ende Mai wegen der überraschend stark gestiegenen Inflationsraten im Euroraum noch ein neues Jahreshoch von über 2,70% erreicht hätten, seien sie zu Beginn des neuen Monats dann wieder auf 2,51% zurückgefallen. Die Inflationsrate falle im Euroraum seit zwei Monaten nicht mehr und sei im Mai sogar wieder von 2,4% auf 2,6% im Jahresvergleich gestiegen. Dies bedeute auch, dass auch die Kernrate im Mai ihren Abwärtstrend beendet und von 2,7% auf 2,9% zugelegt habe.
Für die EZB würden diese Daten, wie schon der überraschende Anstieg des Tariflohnindex für das erste Quartal, zur falschen Zeit kommen. Denn aus ihren bisherigen Verlautbarungen gehe hervor, dass sie auf ihrer anstehenden Juni-Sitzung eine Senkung der Leitzinsen vornehmen werde. EZB-Präsidentin Lagarde dürfte die Zinssenkung wohl vor allem mit dem mittelfristigen Inflationsausblick begründen. Doch auch dieser sei unsicher, denn die Kernrate könnte sich im weiteren Jahresverlauf eher bei 3% als beim EZB-Ziel von 2% einpendeln.
Die Zinssenkungsprojektionen würden zeigen, dass der Markt nicht mehr in Gänze von einem raschen Zinssenkungszyklus der EZB überzeugt sei. Seit der März-Sitzung der EZB hätten sich die Zinssenkungserwartungen für das laufende Jahr um etwa 35 Basispunkte reduziert.
Die Zinserwartungen in den USA hätten sich auf zwei Zinssenkungen bis Jahresende 2024 eingependelt und sollten damit realistisch eingepreist sein. Auf dieser Basis dürften mit einsetzender Abschwächung der US-Konjunktur und beginnender Zinswende Treasury-Renditen vor allem am kürzeren Ende der Zinskurve auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten rückläufig tendieren. Die Renditen länger lautender Anleihen würden unter anderem durch das anhaltend hohe Emissionsvolumen bei fortgesetztem Bilanzabbau der Zentralbanken vergleichsweise stabil bleiben. Auch für Bundesanleihen würden die Experten entsprechende Bewegungen erwarten. Die 10-jährige Bund-Rendite sollte bis zum Jahresende 2024 unverändert Richtung 2,2% tendieren und damit Kursgewinne ermöglichen.
Neben der ersten Zinssenkung und der Europawahl finde im Juni die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland statt. In den Prognosen der Experten habe diese zwar keine spürbaren Auswirkungen. Ein gutes Abschneiden des Gastgebers könnte jedoch eine Aufbruchsstimmung im Land auslösen, mit deren Rückenwind die vielfältigen strukturellen Probleme des einstigen EU-Primus endlich angegangen würden. (Ausgabe Juni 2024) (05.06.2024/alc/a/a)
Gleichwohl seien die Investoren erleichtert gewesen, als die amerikanische Notenbank Federal Reserve (FED) bekräftigt habe, im nächsten Schritt die Zinsen herabsetzen und nicht wieder anzuheben zu wollen. Der Fokus in den USA dürfte sich in den kommenden Wochen vom primären Blick auf die Inflation, die zwar weiterhin zäh, aber nach unten gerichtet bleibe, zur Konjunktur verschieben. Die Experten würden nach Blick auf die aktuellen Wirtschaftsdaten eine Abkühlung erwarten, die den Weg für eine FED-Zinssenkung Ende Juli ebnen sollte.
Die schwächeren Konjunkturdaten dürften aber zugleich zu Abwärtsrevisionen der Gewinnerwartungen führen, die nicht nur in den USA eine Konsolidierung an den Aktienmärkten auslösen könnten. Im Euro-Raum hätten die vorgelegten Mai-Daten nicht an den EZB-Plänen rütteln können, im Juni die Zinsen erstmals zu senken. Im Gegensatz zu den USA sollten die Konjunkturdaten den Trend einer moderaten Erholung in Europa bestätigen.
Enttäuscht werden könnten diejenigen, die eine Fortsetzung des Disinflationstrends im Euro-Raum erwarten würden. Die Experten würden diesbezüglich skeptisch bleiben und von der EZB wie von der FED zumindest eine, wenn nicht sogar zwei Zinssenkungen bis Jahresende erwarten.
Folglich würden die Experten auch von einer vorsichtigen Kommentierung des Ausblicks der EZB im Juni ausgehen. Dies könnte am Markt zu Verstimmungen führen.
In Kombination mit eingetrübten Hoffnungen auf substanzielle Zinssenkungen könnte der Wahlausgang zudem Sorgen über die fiskalische Stabilität der Peripherieländer verstärken, die sich zuletzt konjunkturell besser entwickelt hätten.
Nachdem die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen Ende Mai wegen der überraschend stark gestiegenen Inflationsraten im Euroraum noch ein neues Jahreshoch von über 2,70% erreicht hätten, seien sie zu Beginn des neuen Monats dann wieder auf 2,51% zurückgefallen. Die Inflationsrate falle im Euroraum seit zwei Monaten nicht mehr und sei im Mai sogar wieder von 2,4% auf 2,6% im Jahresvergleich gestiegen. Dies bedeute auch, dass auch die Kernrate im Mai ihren Abwärtstrend beendet und von 2,7% auf 2,9% zugelegt habe.
Für die EZB würden diese Daten, wie schon der überraschende Anstieg des Tariflohnindex für das erste Quartal, zur falschen Zeit kommen. Denn aus ihren bisherigen Verlautbarungen gehe hervor, dass sie auf ihrer anstehenden Juni-Sitzung eine Senkung der Leitzinsen vornehmen werde. EZB-Präsidentin Lagarde dürfte die Zinssenkung wohl vor allem mit dem mittelfristigen Inflationsausblick begründen. Doch auch dieser sei unsicher, denn die Kernrate könnte sich im weiteren Jahresverlauf eher bei 3% als beim EZB-Ziel von 2% einpendeln.
Die Zinssenkungsprojektionen würden zeigen, dass der Markt nicht mehr in Gänze von einem raschen Zinssenkungszyklus der EZB überzeugt sei. Seit der März-Sitzung der EZB hätten sich die Zinssenkungserwartungen für das laufende Jahr um etwa 35 Basispunkte reduziert.
Die Zinserwartungen in den USA hätten sich auf zwei Zinssenkungen bis Jahresende 2024 eingependelt und sollten damit realistisch eingepreist sein. Auf dieser Basis dürften mit einsetzender Abschwächung der US-Konjunktur und beginnender Zinswende Treasury-Renditen vor allem am kürzeren Ende der Zinskurve auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten rückläufig tendieren. Die Renditen länger lautender Anleihen würden unter anderem durch das anhaltend hohe Emissionsvolumen bei fortgesetztem Bilanzabbau der Zentralbanken vergleichsweise stabil bleiben. Auch für Bundesanleihen würden die Experten entsprechende Bewegungen erwarten. Die 10-jährige Bund-Rendite sollte bis zum Jahresende 2024 unverändert Richtung 2,2% tendieren und damit Kursgewinne ermöglichen.
Neben der ersten Zinssenkung und der Europawahl finde im Juni die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland statt. In den Prognosen der Experten habe diese zwar keine spürbaren Auswirkungen. Ein gutes Abschneiden des Gastgebers könnte jedoch eine Aufbruchsstimmung im Land auslösen, mit deren Rückenwind die vielfältigen strukturellen Probleme des einstigen EU-Primus endlich angegangen würden. (Ausgabe Juni 2024) (05.06.2024/alc/a/a)


