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Märkte warten auf Notenbank-Dezember


02.12.15 12:41
Pioneer Investments Austria

Wien (www.anleihencheck.de) - Im November konnten die Aktienmärkte der Industriestaaten auf Eurobasis wieder deutlich zulegen, so die Experten von Pioneer Investments Austria.

Weltaktien seien auf Eurobasis um +3,89% gestiegen und lägen seit Jahresbeginn mit 13,55% im Plus. Nur Emerging Markets-Aktien lägen seit Jahresbeginn auf Eurobasis mit -2,44% im Minus.

"Die Märkte blicken derzeit gespannt auf die EZB und die amerikanische Federal Reserve. Den Startschuss gibt Mario Draghi am 3. Dezember. Er wird Klarheit schaffen, auf welche Art und Weise die EZB gegen die nach wie vor zu niedrige Inflation und die geringe Kreditnachfrage aus dem Unternehmenssektor bzw. die niedrige Kreditvergabe der Banken vorgehen möchte", erkläre Hans Köck, Investmentstratege bei Pioneer Investments.

Die Märkte würden mittlerweile einpreisen, dass die Geldmarktzinsen (gemessen am 3-Monats-EURIBOR) bis in den Sommer 2018 hinein negativ bleiben würden. Der Einlagensatz für die Banken, die derzeit 170 Mrd. Euro bei der EZB horten würden, könnte von -0,2% auf -0,3% oder sogar -0,4% gesenkt werden. Damit solle endlich die Liquidität den Weg in die Wirtschaft finden.

Kurz danach könnte die US-Notenbank FED bei ihrer Dezember-Sitzung (16.12.) ihren Zinserhöhungszyklus starten. "Im September und Oktober hat die FED aufgrund der Sommerkorrektur an den Börsen und aufgrund der extremen Volatilität zugewartet. Die Märkte hatten zu weniger als 30 Prozent mit einer Zinserhöhung gerechnet, ein erster Zinsschritt wäre daher eine sehr negative Überraschung gewesen. Jetzt preist der Markt zu ca. 75 Prozent ein, dass Janet Yellen eine Zinserhöhung bekannt geben wird. Das wäre also keine Überraschung mehr", ergänze Köck. Der Dollar habe u. a. als Reaktion auf diese Erwartungen seinen Höhenflug fortgesetzt und sei gegenüber dem Euro allein im November um +4,2% und seit Jahresbeginn um +12,7% gestiegen.

Die Wirtschaftsdaten in Europa würden auf ein Wachstum von ca. 1,6% für 2015 hindeuten, für 2016 würden die Experten bis zu 2% Wachstum erwarten. "Die viel zitierten Faktoren - niedriger Euro, niedrige Energiepreise, niedrige Zinsen, leichte Verbesserungen am Arbeitsmarkt, Fortsetzung der Reformen, weniger staatliche Einsparungen und damit weniger Belastung für das Wachstum sowie die Verbesserung des Kreditumfelds - sprechen für eine Fortsetzung der positiven Tendenz und damit auch weiterhin für europäische Aktien", erläutere Köck.

Euro-Staatsanleihen seien im Verlauf des Jahres 2015 um +2,7% gestiegen. Italien sei mit +6% deutlicher Outperformer gewesen, Deutschland sei seit Jahresbeginn um +1,5% gestiegen. Deutliche Outperformer seien 2015 auch Emerging Markets-Hartwährungen in USD und EUR gewesen, die auf Eurobasis um +17,6% gestiegen seien. Emerging Markets Corporates mit High Yield-Rating seien auf Eurobasis sogar um +20,3% gestiegen, Emerging Markets-Lokalwährungsanleihen hätten auf Eurobasis allerdings -0,3% verloren und seien damit deutliche Underperformer gewesen.

Die Experten würden positiv für die von den Notenbanken unterstützten Aktienmärkte der Eurozone und Japan bleiben. Emerging Markets-Aktien seien zwar billig, aber noch gebe es Gegenwind von der konjunkturellen Seite, vor allem für die Rohstoffexporteure. Hier sei ein sehr selektiver Ansatz, sowohl in Bezug auf Länder als auch Sektoren, notwendig. Die Experten würden bei Emerging Markets-Aktien neutral gewichtet mit Fokus auf einzelne Länder bleiben - wie etwa nach wie vor Indien, das mittlerweile stärker wachse als China.

Im Staatsanleihen-Segment sehe Pioneer Investments wenig Value bei Staatsanleihen, Corporates würden neutral eingeschätzt, Emerging Markets- und High Yield-Anleihen würden selektiv Chancen bieten.

"Wir erwarten auch für 2016 tendenziell höhere Volatilitäten. Der notwendige Schuldenabbau von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten verhindert höhere Wachstumsraten. Der starke Dollar wird sich auf die Gewinne der US-Unternehmen tendenziell negativ auswirken."

Politisches Risiko (Stichwort Flüchtlinge, Wahlzyklus, Terrorismus), mögliche Probleme bei der Umsetzung von Reformen (v. a. in China) und mögliche politische Fehler im Rahmen der Fiskal- oder Geldpolitik seien nur einige Risiken, die man für 2016 berücksichtigen müsse. "Das spricht für den Aufbau von 'Alternativen Szenarien', mit denen man sich auseinandersetzen muss und gegen die man sich absichern sollte. Gemischte Fonds mit flexiblem Management und ausgezeichnetem Risikomanagement werden auch 2016 im Fokus des Anlegerinteresses stehen", sei Köck überzeugt. (02.12.2015/alc/a/a)