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Macrons Hoffnungen könnten naiv sein


14.06.24 11:00
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Aufgrund eines relativ positiven Verbraucherpreisindex in den USA besteht die Hoffnung, dass ein erneuter Abwärtstrend bei der Inflation die Tür für künftige Zinssenkungen öffnen könnte, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Der Dot Plot der US-Notenbank Federal Reserve (FED), der die Zinserwartungen der Währungshüter widerspiegele, habe aber die Hoffnungen auf eine geldpolitische Lockerung 2024 gedämpft: Er deute nun auf eine Zinssenkung in diesem Jahr hin, nachdem er zuvor noch drei Zinsschritte prognostiziert habe. Kommentare von FED-Chef Jerome Powell hätten jedoch das Gefühl bekräftigt, dass - abhängig von den Daten im Sommer - ein erster Schritt im September möglich bleibe.

Die Wahlen zum Europäischen Parlament am vergangenen Wochenende hätten in weiten Teilen die Umfragen bestätigt, die eine Verschiebung nach rechts vorhergesagt hätten. Die größten Verlierer seien in der gesamten Europäischen Union die grünen Parteien gewesen.

Den größten politischen Schock habe jedoch nicht das Wahlergebnis selbst verursacht, sondern die Reaktion des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Die Entscheidung, drei Jahre früher als erwartet Parlamentswahlen im Land einzuberufen, habe alle überrascht. Der Schritt sei erfolgt, nachdem Marine Le Pens Rassemblement National mit beeindruckenden 31,5 Prozent der französischen Stimmen deutlich stärker abgeschnitten habe als Macrons Partei.

Macrons Kalkül scheine zu sein, dass er entweder eine Koalition bilden könne, um Le Pen zu stoppen und so sein Mandat zu bekräftigen sowie den Schwung der Rassemblement National aufzuhalten. Oder er hoffe, dass die Partei im Falle eines Sieges ihre Amtszeit verpfuscht und so Le Pens Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2027 vereitelt werde.

Dies habe jedoch etwas von einem Glücksspiel. Die kommenden Wochen würden zeigen, ob sich dieser Schritt auszahle. Politiker wie der Brite David Cameron könnten ein bisschen was darüber erzählen, wie einem sowas um die Ohren fliegen könne.

Tatsache sei, dass Macron bei den Wählern derzeit sehr unbeliebt sei. Seine Partei liege in den Umfragen bei 13,5 Prozent. Er werde hoffen, dass sich in einer Stichwahl genug Wähler zusammenschließen würden, um Le Pen zu stoppen. Es könnte aber sein, dass dies naiv sei.

In jedem Fall habe sein Schritt zu einer Risikoprämie für französische Vermögenswerte geführt, die sich auf alle anderen EU-Anlagen übertragen habe. Macron sei eine treibende Kraft für eine stärkere europäische Integration gewesen. Seine Schwäche beeinträchtige daher auch diese Agenda.

Die Experten seien der Meinung, dass die Spreads zehnjähriger französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen im Vorfeld der Wahlen Ende des Monats bei rund 70 Basispunkten liegen könnten. Ein Sieg Le Pens könnte einen Anstieg auf 85 Basispunkte oder mehr bedeuten. Die Experten würden seit einiger Zeit an ihrer pessimistischen Haltung gegenüber französischen Staatsanleihen festhalten. Diese beruhe auf einer Kombination aus fiskalischen und politischen Risiken.

Man nähere sich nun dem Sommer. Mit den bevorstehenden Wahlen im Vereinigten Königreich und in Frankreich stehe die Politik weiterhin im Mittelpunkt des Interesses. Es sei bemerkenswert, wie das Großbritannien nach links rücke, während der Rest Europas nach rechts drifte. Es sei jedoch nicht das erste oder das letzte Mal, dass das Vereinigte Königreich nach seiner eigenen Pfeife tanze. "Wir können froh sein, dass wir uns mit der Fußball-Europameisterschaft etwas ablenken können", so Mark Dowding. (14.06.2024/alc/a/a)