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Larry Hatheway: Echte Portfolio-Diversifikation wird in 2018 unverzichtbar sein


12.12.17 12:15
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Aus unserer Sicht spricht einiges dafür, dass die Märkte 2018 mit niedrigeren Renditen und einer höheren Volatilität zu kämpfen haben werden: Die Bewertungen von Aktien und Anleihen an den wichtigsten Märkten sind angespannt und die USA verliert an Schwung, auch wenn die Aussichten für Europa und die Schwellenländer besser sind, so Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom bei GAM.

Die veränderten makroökonomischen Bedingungen dürften zudem neue Herausforderungen mit sich bringen, und zwar in Form einer Kreditverknappung in China sowie einer geldpolitischen Anpassung im Westen. Infolgedessen dürften die Märkte in den nächsten zwölf Monaten nicht mehr so günstige Bedingungen vorfinden wie im Jahr 2017.

Die Geldpolitik im Westen werde weiterhin im Zeichen einer Normalisierung stehen, wobei in den USA ein Paket von Steuersenkungen zu erwarten sei. Die US-Notenbank (FED) werde die Zinssätze im nächsten Jahr mindestens drei- oder vielleicht sogar viermal anheben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe bereits angekündigt, dass sie die Wertpapierkäufe allmählich drosseln werde. Die Bank of England und die Bank of Canada haben die Zinssätze bereits angehoben, sodass wir jetzt im weiteren Sinne zu einigen Anpassungen der Gelpolitik in fortgeschrittenen Volkswirtschaften übergehen, so die Experten von GAM. Man hoffe, dass diese Anpassungen normal ablaufen und keine größeren Störungen verursachen würden. Sollte sich die Inflation jedoch beschleunigen, werde auch das Tempo der geldpolitischen Straffung anziehen.

In China habe eine Phase des starken Kreditwachstums Immobilienmärkte und Anlageinvestitionen gestützt. Nun hätten auch Chinas Behörden mit der Beschränkung bilanzunwirksamer Finanzierungen begonnen. Dies dürfte im Jahr 2018 zu einer Verlangsamung des chinesischen Wachstums führen.

Die größten Risiken würden die Experten derzeit auf politischer und geopolitischer Ebene sehen, da sie mit einigen Unsicherheiten konfrontiert seien. Dazu würden unter anderem der Brexit, die Verabschiedung der geplanten Steuerreform und die Zwischenwahlen in den USA sowie die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und in anderen Teilen der Welt gehören.

Zudem könnten zwei weitere Herausforderungen in den Vordergrund rücken: Erstens könnte sich das globale Wachstum abschwächen. Sehr wahrscheinlich werde das für China gelten, wo das Kreditwachstum gedämpft werde. Zudem würden sich die globalen Growth-Surprise-Indices auf sehr hohen Niveaus bewegen - normalerweise würden diese Niveaus Höchststände darstellen, ab denen ein Rückgang einsetze. Das liege unter anderem daran, dass die Erwartungen nicht mit dem Wachstumstempo Schritt halten könnten. Es sei jedoch auch durchaus möglich, dass es zu echten Enttäuschungen kommen werde.

Und schließlich sei da noch das Inflationsrisiko, das momentan längst nicht jeder auf dem Schirm habe. Die Märkte scheinen mit dem Risiko einer anziehenden Inflation sehr unbekümmert umzugehen, so die Experten von GAM. Da jedoch die Produktionslücken in Nordamerika, Westeuropa und Japan geschlossen worden seien, könnte sich die Inflation beschleunigen und damit alle Anlageklassen vor bedeutende Herausforderungen stellen.

Das Jahr 2018 dürfte für alle Anleger Anpassungen an der Portfoliopositionierung mit sich bringen. In den letzten Jahren habe es sich ausgezahlt, Long-Positionen in Aktien zu halten, um mit einem 60:40-Portfolio von der breiten Erholung an den Aktienmärkten, aber auch von den sinkenden Anleihenrenditen zu profitieren.

Die Experten würden glauben, dass eine echte Diversifikation im Jahr 2018 das Thema schlechthin sein werde. Anleger sollten in Regionen, in denen Gewinnpotenzial bestehe, Aktienrisiken eingehen - zum Beispiel in Schwellenländern, Westeuropa und Teilen des japanischen Aktienmarkts. Ansonsten würden die Experten empfehlen, neben diesen Aktienengagements Positionen in alternativen Renditequellen aufzubauen, die nicht mit den Bewegungen an den Aktien- oder Anleihenmärkten korrelieren würden. Das treffe in erster Linie auf Relative-Value-Positionen und einige Carry-Positionen in speziellen Kreditbereichen zu. Nach Erachten der Experten werde eine echte Diversifikation in den Portfolios im Jahr 2018 unverzichtbar sein - ein Merkmal, das die meisten Portfolios seit einigen Jahren nicht mehr aufweisen würden. (12.12.2017/alc/a/a)