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Lässt die EZB ihr Wertpapierkaufprogramm ausschleichen?
06.10.16 12:57
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Von der Europäischen Zentralbank (EZB) kam prompt ein Dementi, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Nein, die Notenbank wolle ihr Anleihekaufprogramm nicht schrittweise zurückfahren, so wie es Bloomberg gemeldet habe. Der EZB-Rat habe diese Themen nicht diskutiert, habe die Notenbank verlautbaren lassen. Außerdem habe EZB-Chefvolkswirt Peter Praet gesagt, dass das erforderliche Ausmaß an geldpolitischer Anpassung für eine längere Zeit ein Umfeld mit sehr niedrigen Zinsen in der Eurozone nahelege. Unter Berufung auf Notenbankvertreter aus der Eurozone habe dagegen die renommierte Nachrichtenagentur berichtet, die EZB wolle schon vor Ende des Programms das Kaufvolumen von derzeit 80 Mrd. Euro monatlich um jeweils 10 Mrd. Euro verringern.
Bisher sei vorgesehen gewesen, das Anleiheprogramm von insgesamt 1,74 Bio. Euro noch bis mindestens Ende März 2017 laufen zu lassen. Es habe sich jetzt ein Konsens in der EZB gebildet, die Käufe schrittweise zu reduzieren, bevor das Programm letztlich ende, habe es bei Bloomberg geheißen. Allerdings werde auch nicht ausgeschlossen, habe es weiter geheißen, dass das Programm in seinem bisherigen Volumen verlängert werde.
Also alles nur ein Sturm im Wasserglas? Nicht ganz, zumindest würden Marktteilnehmer ein früheres Ausschleichen des Kaufprogramms für möglich halten, denn sonst wäre der Eurokurs in Folge der Bloomberg-Meldung am Dienstag nicht deutlich auf sein Tageshoch von 1,1240 US-Dollar angezogen und der Euro-Bund-Future auf Talfahrt geschickt worden. Vielleicht habe die EZB doch zumindest teilweise die mahnenden Worte derer erhört, die seit Monaten die Nebenwirkungen ihrer Nullzinspolitik beklagen würden. So hatten erst in der vergangenen Woche die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten vor zunehmenden Risiken durch die anhaltend niedrigen Zinsen gewarnt.
Dies sei umso besorgniserregender für die Stabilität der öffentlichen Finanzen, je mehr gleichzeitig die Regeln des Stabilitätspakts missachtet würden. Daher, so der Rat der Wirtschaftsforscher, sollte die EZB im Moment keine Fortsetzung ihrer Anleihekäufe ankündigen und eine erneute, gar aggressive Senkung der Leitzinsen würde den Finanzsektor noch mehr belasten. Man könnte es aber auch mit den Worten des EZB-Präsidiumsmitglied Yves Mersch ausdrücken: "Irgendwann ist auch mal das Ende der Fahnenstange erreicht, nämlich dann, wenn die Kosten für den Bankensektor den Nutzen überwiegen."
Die Bloomberg-Meldung über eine Reduzierung des Ankaufprogramms der EZB könnte also darauf hindeuten, dass in der EZB die Debatte zumindest über ein kleines Exit-Szenario für die expansive Geldpolitik ("Tapering") begonnen habe. Ob dies mehr als eine vage Hoffnung sei, werde sich zeigen. Der Kursanstieg des Euro als Reaktion auf die Bloomberg-Meldung habe jedenfalls gezeigt, wie sehr sich die Märkte nach einem solchen ersten Schritt hin zu einer Normalisierung sehnen würden.
Im Streit um die österreichische Skandalbank Heta stehe eine Einigung kurz bevor. Wie Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling bekannt gegeben habe, habe eine Mehrheit der Heta-Gläubiger das nachgebesserte Rückkaufangebot des Bundeslandes Kärnten akzeptiert.
Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit den Geldgebern der ehemaligen Kärntner Bank Hypo Alpe Adria könne damit die Alpenrepublik einen Schlussstrich unter den größten Finanzskandal Österreichs ziehen. Auch eine drohende Pleite des Bundeslandes Kärnten dürfte damit abgewendet sein. Allerdings werde ein fader Beigeschmack bleiben, denn trotz der Einigung werde die Diskussion über den Wert einer Bürgschaft damit nicht enden.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg hätten inzwischen bei den vorrangigen Anleihen ca. 95 Prozent und bei den nachrangigen Titeln ca. 89 Prozent der Gläubiger das neue Angebot angenommen. Damit sei bereits vor Ende der Annahmefrist am 7.10. die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit mehr als erreicht worden.
Zunächst sei im Frühjahr das erste Vergleichsangebot abgelehnt worden. Anfang September habe Kärnten dann den Gläubigern eine nachgebesserte Offerte gemacht, wonach die Inhaber besicherter Anleihen rund 90 Prozent ihrer Forderungen zurückbekämen, die von nachrangigen Papieren rund 45 Prozent.
Über die Heta würden die Schulden der früheren Kärntner Bank Hypo Alpe Adria abgewickelt. Kärnten habe Garantien für Heta-Anleihen von rund 11 Mrd. Euro übernommen, sei aber nach eigenen Angaben nicht in der Lage, die Schulden komplett zu begleichen. Da das erste Kompromissangebot mit den Gläubigern zunächst gescheitert sei, habe dem Land die Pleite gedroht.
Unter den Geldgebern würden sich zahlreiche deutsche Banken und Versicherer befinden, darunter die FMS Wertmanagement, die Abwicklungsanstalt der Hypo Real Estate (HRE), sowie die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dexia Kommunalbank und die HSH Nordbank. Da sie 2015 auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) die Hälfte des Wertes ihrer Heta-Papiere hätten abschreiben müssen, würden sie nun in der Lage sein, Rückstellungen aufzulösen und ihre Bilanz aufzuhübschen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe die allgemeinen Erwartungen für die Entwicklung der Weltwirtschaft gedämpft. Insbesondere die Situation in den USA und der anstehende Brexit würden auf das globale Wachstum drücken, wie es in dem jüngsten "World Economic Outlook" heiße.
Darin subsummiere der Fonds die Brexit-Entscheidung der Briten vom Juni als Teil einer globalen Bewegung zugunsten wirtschaftlicher Abschottung. Beim Handel "die Uhr zurückzudrehen" würde aber "die derzeitige Flaute der Weltwirtschaft nur verstärken und vertiefen", warne der IWF.
Die Popularität protektionistischer Maßnahmen offenbare sich nach Beobachtungen des Fonds auch im US-Präsidentschaftswahlkampf. So habe der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump angekündigt, sämtliche von den USA abgeschlossenen Handelsabkommen neu verhandeln zu wollen. Die Demokratin Hillary Clinton habe sich ihrerseits gegen das bereits fertig ausgehandelte TPP-Abkommen mit elf Staaten aus dem pazifischen Raum gewandt.
Als Reaktion auf solche Entwicklungen könnten Unternehmen sich allerdings mit Investitionen zurückhalten, was wiederum die Schaffung von Arbeitsplätzen begrenzen würde, so der IWF. Trotz solcher Unwägbarkeiten halte der IWF an seiner bisherigen Voraussage für das globale Wachstum fest und belasse seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft im laufenden Jahr bei 3,1% und 3,4% für 2017. Für die USA habe der IWF aber seine Wachstumsprognose gegenüber Juni für 2016 auf 1,6% von 2,2% und für 2017 auf 2,2% von 2,5% zurückgenommen.
IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld habe vor diesem Hintergrund mehr wachstumsfördernde Impulse der Politik gefordert - unter anderem durch Reformen am Arbeitsmarkt und den Abbau von Handelsbarrieren. Außerdem komme, wie er gesagt habe, in vielen Ländern der Erfolg der Wirtschaftserholung bei zu wenigen Menschen an - mit dem Resultat, dass in einigen reicheren Staaten Globalisierungsgegner Zulauf hätten.
Wie bereits in der vergangenen Woche angekündigt, habe sich die Emissionstätigkeit der Unternehmen in dieser Berichtswoche munter fortgesetzt. Neben den avisierten Neuemissionen von EnBW, LANXESS und Veolia habe sich auch die Total Gruppe eingereiht und 2,5 Mrd. Euro am Kapitalmarkt refinanziert.
Das ölproduzierende Unternehmen Total habe direkt zwei nachrangige Anleihen mit unendlicher Laufzeit an den Markt gebracht. Die erste Tranche (ISIN XS1501166869 / WKN A1869J) mit einem Emissionsvolumen von 1,5 Mrd. Euro zahle dem Investor einen jährlichen Fixkupon von 3,369% bis Oktober 2026. Die anschließende variable Verzinsung richte sich nach dem Fünf-Jahres-Swapsatz: Von Oktober 2026 bis Oktober 2046 zahle das Unternehmen einen Aufschlag von 335 Basispunkten über dem dann geltenden Fünf-Jahres-Swapsatz, ab Oktober 2046 steige der Aufschlag auf 410 Basispunkte. Der Ausgabepreis habe bei pari gelegen, was einem Emissionsspread von +310 bps über Mid Swap gleichgekommen sei. Ab dem 06.10.2026 habe sich der Emittent ein jährliches Kündigungsrecht in den Anleihebedingungen festschreiben lassen.
Der zweite "fix-to-float" Bond (ISIN XS1501167164 / WKN A1869H) sei 1 Mrd. Euro schwer und ebenfalls jährlich seitens Total ab dem 05.05.2023 kündbar. Bis zu diesem Datum zahle das Unternehmen einen festen Kupon von jährlich 2,708%. In der Folge werde die Anleihe variabel verzinst, der Kupon richte sich ebenfalls jeweils nach dem Fünf-Jahres-Swapsatz: Bis zum 05.05.2028 betrage der Aufschlag 275 bps, bis zum 05.05.2043 +300 bps und danach +375 bps. Beide Anleihen hätten eine Mindeststückelung von 100.000 Euro und würden sich daher vornehmlich an institutionelle Investoren richten.
Ebenfalls mit einem Doppelpack hätten sich Veolia und LANXESS an den Kapitalmarkt gewagt. Der Versorger Veolia habe insgesamt 1,1 Mrd. Euro platziert. Der erste Bond (ISIN FR0013210408 / WKN A1866J) mit einer Laufzeit bis zum 04.10.2023 und einem jährlichen Kupon von 0,314% sei zum Preis von 100% emittiert worden, was einem Emissionsspread von +82,3 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entspreche. Die zweite Tranche (ISIN FR0013210416 / WKN A1866K) mit Fälligkeit am 04.01.2029 zahle den Investoren jährlich 0,927% Zinsen und sei ebenfalls zu pari (+50 bps über Mid Swap) begeben worden. Veolia habe bei beiden Anleihen ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen und die Mindeststückelung auf 100.000 Euro festgelegt.
LANXESS hingegen statte seine beiden Anleihen mit der privatanleger-freundlichen Stückelung von 1.000 Euro aus, habe sich aber ebenfalls ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) eingeräumt. Beide Bonds seien je 500 Mio. Euro schwer und würden bis zum 07.10.2021 (ISIN XS1501363425 / WKN A2BN7N) bzw. bis zum 07.10.2026 (ISIN XS1501367921 / WKN A2BN7P) laufen. Die fünfjährige Anleihe zahle den Investoren einen Kupon in Höhe von 0,25% pro Jahr und sei zu 99,53% begeben worden. Dies entspreche einem Emissionsspread von +92,2 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe. Die zehnjährige weise einen 1%-Kupon aus, der jährlich gezahlt werde. Der Reoffer-Preis habe bei 98,889% (+123,6 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe) gelegen.
Ebenfalls mit 1.000 Euro Mindeststückelung habe der Stromerzeuger EnBW einen 725 Mio. Euro schweren hybriden Bond (ISIN XS1405770907 / WKN A2BPFD) emittiert. Zunächst würden die Anleger eine jährliche feste Verzinsung in Höhe von 3,375% erhalten. Ab dem 05.04.2022 richte sich der Zins dann nach dem Fünf-Jahres-Swapsatz und einem nach Laufzeit gestaffelten Aufschlag. Demnach würden bis zum Jahr 2027 +362,9 bps, bis 2042 +387,9 bps und im Anschluss dann +462,9 bps hinzu gerechnet. EnBW habe sich ab dem 05.04.2022 ein jährliches Kündigungsrecht zum Kurs von 100% einräumen lassen.
Sei in der vergangenen Handelswoche in Deutschland noch größtenteils eitler Sonnenschein angesagt, so habe sich zum Wochenende der Sommer wohl endgültig verabschiedet und dem nasskalten Herbst das Feld überlassen. Der damit verbundene Temperatursturz habe sich im übertragenen Sinne auch beim Euro-Bund-Future in Form von fallenden Notierungen eingestellt. Von vielen Marktbeobachtern sei diese Reaktion bereits seit vielen Wochen erwartet und somit als überfällig bezeichnet worden.
Zum Wochenschluss sei mit 166,36% zwar noch ein neues Hoch im Dezember-Kontrakt erreicht worden, das allerdings nicht habe verteidigt werden können. Innerhalb von drei Handelstagen seien sogar über 2 Punkte abgebaut worden. So habe das Rentenbarometer am gestrigen Mittwoch im Tief bei 164,14% notiert, wodurch die Rendite der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe, welche an diesem Handelstag um 4 Mrd. Euro auf ein Gesamtvolumen von 19 Mrd. Euro aufgestockt worden sei, auf einen nur noch geringfügig negativen Wert (-0,01%) abgeschmolzen sei. Aktuell handle der Euro-Bund-Future bei 164,28%.
Charttechnisch betrachtet, sei durch die starke Kurskorrektur ein sehr steiler Abwärtstrend entstanden und die erste ernstzunehmende Unterstützungslinie verlaufe aktuell bei ca. 163,27%. Ob es sich bei dieser Marktreaktion nur um eine technische Gegenbewegung oder um eine Trendwende handle, könne zu diesem Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Denn auch ein Test der Widerstandslinie bei ca. 164,80% könne nicht ausgeschlossen werden, zumal solch extreme Handelsmuster oftmals der Auftakt zu heftigen Turbulenzen seien.
Grundsätzlich sei es an den Börsen allerdings wie beim Wetter: "Auf Regen folgt Sonnenschein, nur niemand weiß, wann genau der Umschwung kommen wird und wie lange er anhält!"
Am 23. Juni dieses Jahres hätten sich die Bürger Großbritanniens mit einer knappen Mehrheit für einen Brexit entschieden und damit gegen die Europäische Union. Bis dato sei wenig passiert, außer vieler Spekulationen um das weitere Vorgehen zum EU-Austritt. Seit dem Wochenende scheine nun manches klarer zu werden. In einer Rede habe Premierministerin Theresa May erstmals - mit spätestens Ende März 2017 - einen konkreten Zeitpunkt für den Beginn der offiziellen Gespräche genannt. Das Britische Pfund habe auf diese Äußerung mit massiven Kursverlusten reagiert und notiere sowohl zum US-Dollar als auch zum Euro deutlich schwächer als noch kurz nach dem UK-Referendum. Im Vergleich zum Greenback habe das Pfund zeitweise weniger als 1,27 US-Dollar gekostet, dies entspreche dem niedrigsten Stand seit 1985. Im Verhältnis zum Euro sei die Entwicklung nicht so dramatisch, trotzdem habe die europäische Gemeinschaftswährung mit 0,88432 GBP ein neues Fünf-Jahreshoch markieren können.
Zwar befinde sich die Londoner Börse im Höhenflug, weil die britische Exportwirtschaft von dem schwachen Pfund profitiere. Aber zu groß sei die Unsicherheit darüber, wie viele Vorteile des EU-Binnenmarkts die Briten verlieren würden. May habe Spekulationen befeuert, wonach die britische Regierung im Zuge der Austrittsverhandlungen auf die Teilnahme am EU-Binnenmarkt verzichten werde, um sich im Gegenzug Autonomie bei Einwanderungsfragen zu sichern. Hinzu kämen Befürchtungen, dass die Regierung in London ausgerechnet auf die ansonsten stets verwöhnte Finanzindustrie weniger Rücksicht nehmen könnte. Immerhin habe Mays Parteikollege Steve Baker die Finanzbranche dazu aufgerufen, sich der neuen politischen Realität anzupassen.
Das Devisenpaar EUR/US-Dollar sei davon weitgehend unbeeindruckt geblieben und habe sich innerhalb der vergangenen Berichtswoche in einer Range zwischen 1,1138 und 1,1251 USD bewegt. Zur Stunde handle die Einheitswährung um die Marke von 1,12 USD.
Obwohl sich die Privatanleger aktuell etwas zurückhalten werden, seien dennoch Aktivitäten bei einigen Währungsanleihen zu beobachten gewesen. Insbesondere gelte dies für Anleihen auf Norwegische Kronen, Südafrikanische Rand, Brasilianische Real und US-Dollar.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (06.10.2016/alc/a/a)
Nein, die Notenbank wolle ihr Anleihekaufprogramm nicht schrittweise zurückfahren, so wie es Bloomberg gemeldet habe. Der EZB-Rat habe diese Themen nicht diskutiert, habe die Notenbank verlautbaren lassen. Außerdem habe EZB-Chefvolkswirt Peter Praet gesagt, dass das erforderliche Ausmaß an geldpolitischer Anpassung für eine längere Zeit ein Umfeld mit sehr niedrigen Zinsen in der Eurozone nahelege. Unter Berufung auf Notenbankvertreter aus der Eurozone habe dagegen die renommierte Nachrichtenagentur berichtet, die EZB wolle schon vor Ende des Programms das Kaufvolumen von derzeit 80 Mrd. Euro monatlich um jeweils 10 Mrd. Euro verringern.
Bisher sei vorgesehen gewesen, das Anleiheprogramm von insgesamt 1,74 Bio. Euro noch bis mindestens Ende März 2017 laufen zu lassen. Es habe sich jetzt ein Konsens in der EZB gebildet, die Käufe schrittweise zu reduzieren, bevor das Programm letztlich ende, habe es bei Bloomberg geheißen. Allerdings werde auch nicht ausgeschlossen, habe es weiter geheißen, dass das Programm in seinem bisherigen Volumen verlängert werde.
Also alles nur ein Sturm im Wasserglas? Nicht ganz, zumindest würden Marktteilnehmer ein früheres Ausschleichen des Kaufprogramms für möglich halten, denn sonst wäre der Eurokurs in Folge der Bloomberg-Meldung am Dienstag nicht deutlich auf sein Tageshoch von 1,1240 US-Dollar angezogen und der Euro-Bund-Future auf Talfahrt geschickt worden. Vielleicht habe die EZB doch zumindest teilweise die mahnenden Worte derer erhört, die seit Monaten die Nebenwirkungen ihrer Nullzinspolitik beklagen würden. So hatten erst in der vergangenen Woche die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten vor zunehmenden Risiken durch die anhaltend niedrigen Zinsen gewarnt.
Dies sei umso besorgniserregender für die Stabilität der öffentlichen Finanzen, je mehr gleichzeitig die Regeln des Stabilitätspakts missachtet würden. Daher, so der Rat der Wirtschaftsforscher, sollte die EZB im Moment keine Fortsetzung ihrer Anleihekäufe ankündigen und eine erneute, gar aggressive Senkung der Leitzinsen würde den Finanzsektor noch mehr belasten. Man könnte es aber auch mit den Worten des EZB-Präsidiumsmitglied Yves Mersch ausdrücken: "Irgendwann ist auch mal das Ende der Fahnenstange erreicht, nämlich dann, wenn die Kosten für den Bankensektor den Nutzen überwiegen."
Die Bloomberg-Meldung über eine Reduzierung des Ankaufprogramms der EZB könnte also darauf hindeuten, dass in der EZB die Debatte zumindest über ein kleines Exit-Szenario für die expansive Geldpolitik ("Tapering") begonnen habe. Ob dies mehr als eine vage Hoffnung sei, werde sich zeigen. Der Kursanstieg des Euro als Reaktion auf die Bloomberg-Meldung habe jedenfalls gezeigt, wie sehr sich die Märkte nach einem solchen ersten Schritt hin zu einer Normalisierung sehnen würden.
Im Streit um die österreichische Skandalbank Heta stehe eine Einigung kurz bevor. Wie Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling bekannt gegeben habe, habe eine Mehrheit der Heta-Gläubiger das nachgebesserte Rückkaufangebot des Bundeslandes Kärnten akzeptiert.
Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit den Geldgebern der ehemaligen Kärntner Bank Hypo Alpe Adria könne damit die Alpenrepublik einen Schlussstrich unter den größten Finanzskandal Österreichs ziehen. Auch eine drohende Pleite des Bundeslandes Kärnten dürfte damit abgewendet sein. Allerdings werde ein fader Beigeschmack bleiben, denn trotz der Einigung werde die Diskussion über den Wert einer Bürgschaft damit nicht enden.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg hätten inzwischen bei den vorrangigen Anleihen ca. 95 Prozent und bei den nachrangigen Titeln ca. 89 Prozent der Gläubiger das neue Angebot angenommen. Damit sei bereits vor Ende der Annahmefrist am 7.10. die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit mehr als erreicht worden.
Zunächst sei im Frühjahr das erste Vergleichsangebot abgelehnt worden. Anfang September habe Kärnten dann den Gläubigern eine nachgebesserte Offerte gemacht, wonach die Inhaber besicherter Anleihen rund 90 Prozent ihrer Forderungen zurückbekämen, die von nachrangigen Papieren rund 45 Prozent.
Über die Heta würden die Schulden der früheren Kärntner Bank Hypo Alpe Adria abgewickelt. Kärnten habe Garantien für Heta-Anleihen von rund 11 Mrd. Euro übernommen, sei aber nach eigenen Angaben nicht in der Lage, die Schulden komplett zu begleichen. Da das erste Kompromissangebot mit den Gläubigern zunächst gescheitert sei, habe dem Land die Pleite gedroht.
Unter den Geldgebern würden sich zahlreiche deutsche Banken und Versicherer befinden, darunter die FMS Wertmanagement, die Abwicklungsanstalt der Hypo Real Estate (HRE), sowie die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dexia Kommunalbank und die HSH Nordbank. Da sie 2015 auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) die Hälfte des Wertes ihrer Heta-Papiere hätten abschreiben müssen, würden sie nun in der Lage sein, Rückstellungen aufzulösen und ihre Bilanz aufzuhübschen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe die allgemeinen Erwartungen für die Entwicklung der Weltwirtschaft gedämpft. Insbesondere die Situation in den USA und der anstehende Brexit würden auf das globale Wachstum drücken, wie es in dem jüngsten "World Economic Outlook" heiße.
Darin subsummiere der Fonds die Brexit-Entscheidung der Briten vom Juni als Teil einer globalen Bewegung zugunsten wirtschaftlicher Abschottung. Beim Handel "die Uhr zurückzudrehen" würde aber "die derzeitige Flaute der Weltwirtschaft nur verstärken und vertiefen", warne der IWF.
Die Popularität protektionistischer Maßnahmen offenbare sich nach Beobachtungen des Fonds auch im US-Präsidentschaftswahlkampf. So habe der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump angekündigt, sämtliche von den USA abgeschlossenen Handelsabkommen neu verhandeln zu wollen. Die Demokratin Hillary Clinton habe sich ihrerseits gegen das bereits fertig ausgehandelte TPP-Abkommen mit elf Staaten aus dem pazifischen Raum gewandt.
Als Reaktion auf solche Entwicklungen könnten Unternehmen sich allerdings mit Investitionen zurückhalten, was wiederum die Schaffung von Arbeitsplätzen begrenzen würde, so der IWF. Trotz solcher Unwägbarkeiten halte der IWF an seiner bisherigen Voraussage für das globale Wachstum fest und belasse seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft im laufenden Jahr bei 3,1% und 3,4% für 2017. Für die USA habe der IWF aber seine Wachstumsprognose gegenüber Juni für 2016 auf 1,6% von 2,2% und für 2017 auf 2,2% von 2,5% zurückgenommen.
IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld habe vor diesem Hintergrund mehr wachstumsfördernde Impulse der Politik gefordert - unter anderem durch Reformen am Arbeitsmarkt und den Abbau von Handelsbarrieren. Außerdem komme, wie er gesagt habe, in vielen Ländern der Erfolg der Wirtschaftserholung bei zu wenigen Menschen an - mit dem Resultat, dass in einigen reicheren Staaten Globalisierungsgegner Zulauf hätten.
Das ölproduzierende Unternehmen Total habe direkt zwei nachrangige Anleihen mit unendlicher Laufzeit an den Markt gebracht. Die erste Tranche (ISIN XS1501166869 / WKN A1869J) mit einem Emissionsvolumen von 1,5 Mrd. Euro zahle dem Investor einen jährlichen Fixkupon von 3,369% bis Oktober 2026. Die anschließende variable Verzinsung richte sich nach dem Fünf-Jahres-Swapsatz: Von Oktober 2026 bis Oktober 2046 zahle das Unternehmen einen Aufschlag von 335 Basispunkten über dem dann geltenden Fünf-Jahres-Swapsatz, ab Oktober 2046 steige der Aufschlag auf 410 Basispunkte. Der Ausgabepreis habe bei pari gelegen, was einem Emissionsspread von +310 bps über Mid Swap gleichgekommen sei. Ab dem 06.10.2026 habe sich der Emittent ein jährliches Kündigungsrecht in den Anleihebedingungen festschreiben lassen.
Der zweite "fix-to-float" Bond (ISIN XS1501167164 / WKN A1869H) sei 1 Mrd. Euro schwer und ebenfalls jährlich seitens Total ab dem 05.05.2023 kündbar. Bis zu diesem Datum zahle das Unternehmen einen festen Kupon von jährlich 2,708%. In der Folge werde die Anleihe variabel verzinst, der Kupon richte sich ebenfalls jeweils nach dem Fünf-Jahres-Swapsatz: Bis zum 05.05.2028 betrage der Aufschlag 275 bps, bis zum 05.05.2043 +300 bps und danach +375 bps. Beide Anleihen hätten eine Mindeststückelung von 100.000 Euro und würden sich daher vornehmlich an institutionelle Investoren richten.
Ebenfalls mit einem Doppelpack hätten sich Veolia und LANXESS an den Kapitalmarkt gewagt. Der Versorger Veolia habe insgesamt 1,1 Mrd. Euro platziert. Der erste Bond (ISIN FR0013210408 / WKN A1866J) mit einer Laufzeit bis zum 04.10.2023 und einem jährlichen Kupon von 0,314% sei zum Preis von 100% emittiert worden, was einem Emissionsspread von +82,3 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entspreche. Die zweite Tranche (ISIN FR0013210416 / WKN A1866K) mit Fälligkeit am 04.01.2029 zahle den Investoren jährlich 0,927% Zinsen und sei ebenfalls zu pari (+50 bps über Mid Swap) begeben worden. Veolia habe bei beiden Anleihen ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen und die Mindeststückelung auf 100.000 Euro festgelegt.
LANXESS hingegen statte seine beiden Anleihen mit der privatanleger-freundlichen Stückelung von 1.000 Euro aus, habe sich aber ebenfalls ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) eingeräumt. Beide Bonds seien je 500 Mio. Euro schwer und würden bis zum 07.10.2021 (ISIN XS1501363425 / WKN A2BN7N) bzw. bis zum 07.10.2026 (ISIN XS1501367921 / WKN A2BN7P) laufen. Die fünfjährige Anleihe zahle den Investoren einen Kupon in Höhe von 0,25% pro Jahr und sei zu 99,53% begeben worden. Dies entspreche einem Emissionsspread von +92,2 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe. Die zehnjährige weise einen 1%-Kupon aus, der jährlich gezahlt werde. Der Reoffer-Preis habe bei 98,889% (+123,6 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe) gelegen.
Ebenfalls mit 1.000 Euro Mindeststückelung habe der Stromerzeuger EnBW einen 725 Mio. Euro schweren hybriden Bond (ISIN XS1405770907 / WKN A2BPFD) emittiert. Zunächst würden die Anleger eine jährliche feste Verzinsung in Höhe von 3,375% erhalten. Ab dem 05.04.2022 richte sich der Zins dann nach dem Fünf-Jahres-Swapsatz und einem nach Laufzeit gestaffelten Aufschlag. Demnach würden bis zum Jahr 2027 +362,9 bps, bis 2042 +387,9 bps und im Anschluss dann +462,9 bps hinzu gerechnet. EnBW habe sich ab dem 05.04.2022 ein jährliches Kündigungsrecht zum Kurs von 100% einräumen lassen.
Sei in der vergangenen Handelswoche in Deutschland noch größtenteils eitler Sonnenschein angesagt, so habe sich zum Wochenende der Sommer wohl endgültig verabschiedet und dem nasskalten Herbst das Feld überlassen. Der damit verbundene Temperatursturz habe sich im übertragenen Sinne auch beim Euro-Bund-Future in Form von fallenden Notierungen eingestellt. Von vielen Marktbeobachtern sei diese Reaktion bereits seit vielen Wochen erwartet und somit als überfällig bezeichnet worden.
Zum Wochenschluss sei mit 166,36% zwar noch ein neues Hoch im Dezember-Kontrakt erreicht worden, das allerdings nicht habe verteidigt werden können. Innerhalb von drei Handelstagen seien sogar über 2 Punkte abgebaut worden. So habe das Rentenbarometer am gestrigen Mittwoch im Tief bei 164,14% notiert, wodurch die Rendite der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe, welche an diesem Handelstag um 4 Mrd. Euro auf ein Gesamtvolumen von 19 Mrd. Euro aufgestockt worden sei, auf einen nur noch geringfügig negativen Wert (-0,01%) abgeschmolzen sei. Aktuell handle der Euro-Bund-Future bei 164,28%.
Charttechnisch betrachtet, sei durch die starke Kurskorrektur ein sehr steiler Abwärtstrend entstanden und die erste ernstzunehmende Unterstützungslinie verlaufe aktuell bei ca. 163,27%. Ob es sich bei dieser Marktreaktion nur um eine technische Gegenbewegung oder um eine Trendwende handle, könne zu diesem Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Denn auch ein Test der Widerstandslinie bei ca. 164,80% könne nicht ausgeschlossen werden, zumal solch extreme Handelsmuster oftmals der Auftakt zu heftigen Turbulenzen seien.
Grundsätzlich sei es an den Börsen allerdings wie beim Wetter: "Auf Regen folgt Sonnenschein, nur niemand weiß, wann genau der Umschwung kommen wird und wie lange er anhält!"
Am 23. Juni dieses Jahres hätten sich die Bürger Großbritanniens mit einer knappen Mehrheit für einen Brexit entschieden und damit gegen die Europäische Union. Bis dato sei wenig passiert, außer vieler Spekulationen um das weitere Vorgehen zum EU-Austritt. Seit dem Wochenende scheine nun manches klarer zu werden. In einer Rede habe Premierministerin Theresa May erstmals - mit spätestens Ende März 2017 - einen konkreten Zeitpunkt für den Beginn der offiziellen Gespräche genannt. Das Britische Pfund habe auf diese Äußerung mit massiven Kursverlusten reagiert und notiere sowohl zum US-Dollar als auch zum Euro deutlich schwächer als noch kurz nach dem UK-Referendum. Im Vergleich zum Greenback habe das Pfund zeitweise weniger als 1,27 US-Dollar gekostet, dies entspreche dem niedrigsten Stand seit 1985. Im Verhältnis zum Euro sei die Entwicklung nicht so dramatisch, trotzdem habe die europäische Gemeinschaftswährung mit 0,88432 GBP ein neues Fünf-Jahreshoch markieren können.
Zwar befinde sich die Londoner Börse im Höhenflug, weil die britische Exportwirtschaft von dem schwachen Pfund profitiere. Aber zu groß sei die Unsicherheit darüber, wie viele Vorteile des EU-Binnenmarkts die Briten verlieren würden. May habe Spekulationen befeuert, wonach die britische Regierung im Zuge der Austrittsverhandlungen auf die Teilnahme am EU-Binnenmarkt verzichten werde, um sich im Gegenzug Autonomie bei Einwanderungsfragen zu sichern. Hinzu kämen Befürchtungen, dass die Regierung in London ausgerechnet auf die ansonsten stets verwöhnte Finanzindustrie weniger Rücksicht nehmen könnte. Immerhin habe Mays Parteikollege Steve Baker die Finanzbranche dazu aufgerufen, sich der neuen politischen Realität anzupassen.
Das Devisenpaar EUR/US-Dollar sei davon weitgehend unbeeindruckt geblieben und habe sich innerhalb der vergangenen Berichtswoche in einer Range zwischen 1,1138 und 1,1251 USD bewegt. Zur Stunde handle die Einheitswährung um die Marke von 1,12 USD.
Obwohl sich die Privatanleger aktuell etwas zurückhalten werden, seien dennoch Aktivitäten bei einigen Währungsanleihen zu beobachten gewesen. Insbesondere gelte dies für Anleihen auf Norwegische Kronen, Südafrikanische Rand, Brasilianische Real und US-Dollar.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (06.10.2016/alc/a/a)
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