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Der Kreditmarkt könnte in den USA dieses Jahr den Ausschlag für die Konjunktur geben
16.03.16 08:37
Legal & General IM
London (www.anleihencheck.de) - Das weltweite Wachstum enttäuscht, doch die USA könnten sich 2016 als Insel der Stabilität erweisen, so James Carrick, Ökonom bei Legal & General Investment Management.
"Die US-Wirtschaft ist relativ geschlossen. Unsere Modelle lassen daher erwarten, dass es vor allem auf inländische Faktoren ankommt. Der niedrige Ölpreis hat bislang nicht für den erwarteten Wachstumsschub gesorgt, und damit rückt die Investitionstätigkeit der Unternehmen in den Fokus", erkläre er. Diese werde durch zwei Faktoren beeinflusst: Positiv durch die Entwicklung des amerikanischen Arbeitsmarkts und negativ durch die prekäre Lage am Markt für Unternehmensanleihen. "Es liegt nun an der US-Notenbank FED, Vorsicht bei den geplanten Zinserhöhungen walten zu lassen, um für Stabilität zu sorgen", so Carrick.
Nur 13 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes würden durch Exporte erbracht. Umso wichtiger sei der Konsum. "Fallende Ölpreise wie im vergangenen Jahr kommen tendenziell den Konsumenten zugute, doch bislang hat sich diese Erwartung nicht erfüllt", so Carrick. Die amerikanischen Haushalte hätten die Entlastungen offenbar zum Sparen genutzt. Zudem habe die Entwicklung insbesondere die Schiefergasbranche zu Kürzungen gezwungen, die steigende Konsumausgaben bislang aufgefangen hätten: "Daher kommt es jetzt vor allem auf die Fähigkeit der Unternehmen an, im Inland für Kaufkraft und Beschäftigung zu sorgen."
Derzeit rechne Carrick mit einem Wachstum von 2 Prozent in den USA. "Das entspricht dem Trend der letzten fünf Jahre, und in dieser Zeit hat sich der Arbeitsmarkt stark entwickelt", habe er gesagt. Daher erwarte er auch im laufenden Jahr weiter fallende Arbeitslosigkeit, die die Banken ermutigen sollte, Kredite für langlebige Konsumgüter und Hypotheken an die amerikanischen Haushalte auszugeben. "Das ist auch ein gutes Zeichen hinsichtlich der Kreditvergabe gegenüber Unternehmen, denn historisch korrelieren diese beiden Größen", so der Ökonom. Auch die jüngsten Umfragen zu den Konditionen der Kreditvergabe der Banken hätten in diese Richtung gewiesen. Dennoch warne James Carrick davor, diese Zahlen zu optimistisch zu interpretieren, denn Bankkredite hätten seit der Finanzkrise für die Unternehmensfinanzierung an Bedeutung verloren. Daher könne eine Konzentration auf die Banken dazu führen, die Finanzierungsspielräume der Unternehmen zu überschätzen.
Stattdessen gewinne die Lage am Markt für Unternehmensanleihen an Bedeutung. Insbesondere im High-Yield-Segment rechne der Ökonom 2016 mit einer schwierigen Lage. Niedrige Öl- und Rohstoffpreise dürften für eine Rekordzahl an Ausfällen bei Unternehmen aus diesem Sektor sorgen. "Die Gefahr ist, dass sich Investoren insgesamt abschrecken lassen und sich tendenziell aus der Anlageklasse zurückziehen. Und dabei dürfte auch die Erwartung steigender Leitzinsen eine Rolle spielen", so Carrick. Käme es dazu, könnten auch gesunde Unternehmen Problem bekommen, an Kapital zu kommen, und wären gezwungen, bei Investitionen und Neueinstellungen zu kürzen. Das dürfte sich wiederum auf die Kaufkraft der Konsumenten auswirken. Carrick rate allerdings dazu, auch diese Gefahr nicht zu überschätzen: "Viele Unternehmen haben das Kapital vom Kreditmarkt für Aktienrückkäufe verwendet. Bei diesen Unternehmen dürften sich schlechtere Bedingungen weniger stark auswirken als befürchtet. Darüber hinaus gibt es bislang kaum Anzeichen, dass die Kapitalmärkte für Unternehmen nicht mehr zugänglich sind." (Ausgabe vom 15.03.2016) (16.03.2016/alc/a/a)
"Die US-Wirtschaft ist relativ geschlossen. Unsere Modelle lassen daher erwarten, dass es vor allem auf inländische Faktoren ankommt. Der niedrige Ölpreis hat bislang nicht für den erwarteten Wachstumsschub gesorgt, und damit rückt die Investitionstätigkeit der Unternehmen in den Fokus", erkläre er. Diese werde durch zwei Faktoren beeinflusst: Positiv durch die Entwicklung des amerikanischen Arbeitsmarkts und negativ durch die prekäre Lage am Markt für Unternehmensanleihen. "Es liegt nun an der US-Notenbank FED, Vorsicht bei den geplanten Zinserhöhungen walten zu lassen, um für Stabilität zu sorgen", so Carrick.
Derzeit rechne Carrick mit einem Wachstum von 2 Prozent in den USA. "Das entspricht dem Trend der letzten fünf Jahre, und in dieser Zeit hat sich der Arbeitsmarkt stark entwickelt", habe er gesagt. Daher erwarte er auch im laufenden Jahr weiter fallende Arbeitslosigkeit, die die Banken ermutigen sollte, Kredite für langlebige Konsumgüter und Hypotheken an die amerikanischen Haushalte auszugeben. "Das ist auch ein gutes Zeichen hinsichtlich der Kreditvergabe gegenüber Unternehmen, denn historisch korrelieren diese beiden Größen", so der Ökonom. Auch die jüngsten Umfragen zu den Konditionen der Kreditvergabe der Banken hätten in diese Richtung gewiesen. Dennoch warne James Carrick davor, diese Zahlen zu optimistisch zu interpretieren, denn Bankkredite hätten seit der Finanzkrise für die Unternehmensfinanzierung an Bedeutung verloren. Daher könne eine Konzentration auf die Banken dazu führen, die Finanzierungsspielräume der Unternehmen zu überschätzen.
Stattdessen gewinne die Lage am Markt für Unternehmensanleihen an Bedeutung. Insbesondere im High-Yield-Segment rechne der Ökonom 2016 mit einer schwierigen Lage. Niedrige Öl- und Rohstoffpreise dürften für eine Rekordzahl an Ausfällen bei Unternehmen aus diesem Sektor sorgen. "Die Gefahr ist, dass sich Investoren insgesamt abschrecken lassen und sich tendenziell aus der Anlageklasse zurückziehen. Und dabei dürfte auch die Erwartung steigender Leitzinsen eine Rolle spielen", so Carrick. Käme es dazu, könnten auch gesunde Unternehmen Problem bekommen, an Kapital zu kommen, und wären gezwungen, bei Investitionen und Neueinstellungen zu kürzen. Das dürfte sich wiederum auf die Kaufkraft der Konsumenten auswirken. Carrick rate allerdings dazu, auch diese Gefahr nicht zu überschätzen: "Viele Unternehmen haben das Kapital vom Kreditmarkt für Aktienrückkäufe verwendet. Bei diesen Unternehmen dürften sich schlechtere Bedingungen weniger stark auswirken als befürchtet. Darüber hinaus gibt es bislang kaum Anzeichen, dass die Kapitalmärkte für Unternehmen nicht mehr zugänglich sind." (Ausgabe vom 15.03.2016) (16.03.2016/alc/a/a)


