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Keine Normalisierung bei französischen Staatsanleihen in Sicht?


26.06.24 15:09
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Mit den anstehenden Parlamentswahlen in Frankreich wächst die Sorge bei Anlegern über die Höhe der Staatsverschuldung, so Benoit Anne, Anleiheexperte bei MFS Investment Management.

Sie würden befürchten, dass die Haushaltsdisziplin nach den Wahlen weiter gelockert werde, und das in einem Land, das ohnehin schon für seine großzügige Schuldenpolitik bekannt sei.
Dabei gehe es ist nicht unbedingt um die absolute Höhe der Staatsverschuldung. Was das Vertrauen der Anleger erschüttere, sei vielmehr das Risiko, dass die Verschuldung schnell und drastisch ansteige. Das schlimmste Szenario sei natürlich, wenn die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt bereits wie in Frankreich hoch sei und befürchtet werde, dass die Schuldendynamik weiter steige. Frankreich sei zwar nicht das einzige Land in dieser Situation. In den USA hätten die Anleger ebenfalls Zweifel daran, dass die Regierung die Staatsschulden eindämmen wolle und werde. Der große Unterschied bestehe jedoch darin, dass US-Treasuries (UST) auf den globalen Märkten den Status eines ultimativen sicheren Hafens genießen würden, so dass die Messlatte für ein Nachlassen der UST-Nachfrage aufgrund der fiskalpolitischen Probleme der USA wesentlich höher liege. Die Risikoprämien für 10-jährige französische Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen seien nach wie vor extrem hoch. Ohne fiskalpolitische Zusicherung sei es unwahrscheinlich, dass sie sich auf das Niveau vor den Europawahlen normalisieren würden. Anleger würden nicht nur Vertrauen in die Geldpolitik brauchen - auch die staatliche Haushaltspolitik müsse stimmen. (26.06.2024/alc/a/a)