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Kapitalflucht aus den USA - Schwellenländer und Europa profitieren
06.06.25 11:00
Edmond de Rothschild Asset Management
Paris (www.anleihencheck.de) - Die US-Regierung propagiert die Idee, dass die protektionistische Phase um den 4. Juli herum enden und sie sich anschließend auf ein Programm aus Steuersenkungen und Deregulierung konzentrieren werde. An diese Vorstellung scheinen auch die Investoren zu glauben, so Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer bei Edmond de Rothschild Asset Management in seinem jüngsten "Letter from the CIO".
Der derzeit im Kongress ausgearbeitete Haushaltsentwurf wecke in der Tat Hoffnungen auf einen fiskalischen Nettoanreiz von etwa einem Prozent des Bruttoinlandprodukts.
Die Handelsgespräche seien noch lange nicht abgeschlossen, wie die jüngsten Spannungen mit China und Europa zeigen würden. So sei etwa eine mögliche Anhebung der Zölle auf 50 Prozent ab dem 1. Juni angekündigt worden, die später auf den 9. Juli verschoben worden sei. Aktuell stünden Anleger vor wichtigen Fragen: Würden die laufenden Handelsgespräche scheitern oder sich weiter zuspitzen? Werde das in der zweiten Jahreshälfte drohende "Stagflationstal" in den USA infolge der Zölle problematischer als zunächst angenommen, insbesondere mit dem Risiko, dass sich die Inflationsprognosen entkoppeln würden? Könnte der US-Anleihemarkt rebellieren, wenn er zur Finanzierung eines weiter wachsenden Haushaltsdefizits herangezogen werde, zumal dieses bereits jetzt mit 7,2 Prozent im Jahr 2024 außergewöhnlich hoch sei?
Schließlich bestehe Unklarheit darüber, ob internationale Investoren, die ohnehin schon stark im US-Dollar engagiert seien, bereit seien, ihr Engagement weiter zu erhöhen – vor allem, wenn dies bedeute, ein tiefes Leistungsbilanzdefizit (3,9 Prozent im Jahr 2024) zu finanzieren. All diese Fragen trügen zur aktuellen Unsicherheit bei.
In den vergangenen Wochen habe man eine Zunahme der Kapitalzuflüsse in die Aktienmärkte Europas und der Schwellenländer beobachtet. Diese Märkte seien in globalen Portfolios lange Zeit vernachlässigt worden. Melman gehe davon aus, dass dieser Trend anhalten werde.
Auch wenn die Wachstumsaussichten für Europa weiterhin verhalten seien und durch die unsichere wirtschaftliche Lage sowie unklare US-Politikentscheidungen zusätzlich belastet würden, sollte die Fähigkeit Europas, neue Herausforderungen zu bewältigen, nicht unterschätzt werden. Derzeit richte sich der Blick auf Deutschland. Der neue Bundeskanzler Friedrich Merz habe innerhalb weniger Wochen mit dem Umfang des strukturellen Konjunkturprogramms sowie mit unkonventionellen Ankündigungen zur militärischen Unterstützung der Ukraine für Aufsehen gesorgt.
Die politisch schwer durchsetzbaren Empfehlungen des Draghi-Berichts würden eine erneuerte europäische Führungsrolle erfordern, um die bestehenden Hürden zu überwinden. Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland stünden offensichtlich im Einklang mit diesem Ziel und dürften dazu beitragen, den derzeitigen Skeptizismus abzubauen. Entscheide sich Europa, die Draghi-Reformen entschlossen voranzutreiben, würden europäische Aktien von einer Neubewertung profitieren. Schon die Diskussion darüber könnte Investoren dazu bewegen, ihre Untergewichtung europäischer Aktien zu reduzieren und somit die Kapitalzuflüsse stärken.
Schwellenländer würden derzeit zudem von mehreren günstigen Faktoren profitieren: der Aussicht auf ein Ende der protektionistischen Phase mit moderateren Zöllen, einer allgemein pessimistischen Einschätzung des US-Dollars und Anzeichen dafür, dass sich China - insbesondere der Immobiliensektor - allmählich aus der deflationären Krise befreie.
Die von der chinesischen Zentralbank vorgenommenen Zinssenkungen, insbesondere die Senkung der sogenannten Loan Prime Rate, seien ein positives Signal für die Stabilisierung der Immobilieninvestitionen. Melman gehe davon aus, dass China im Laufe des Jahres weitere fiskalische Stimulierungsmaßnahmen ankündigen werde, um das Binnenwachstum anzukurbeln und die Abhängigkeit vom Außenhandel zu verringern. Dies werde auch durch die jüngsten Regierungsäußerungen unterstrichen, denen zufolge die Maßnahmen zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes im Juni in Kraft treten sollen. Das sei ein entscheidender Faktor für die Schwellenländer.
"Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Vermögensallokation unverändert beibehalten: Wir sind moderat untergewichtet in Aktien (insbesondere US-Aktien) und haben eine reduzierte Position im US-Dollar", so Melman. (06.06.2025/alc/a/a)
Der derzeit im Kongress ausgearbeitete Haushaltsentwurf wecke in der Tat Hoffnungen auf einen fiskalischen Nettoanreiz von etwa einem Prozent des Bruttoinlandprodukts.
Die Handelsgespräche seien noch lange nicht abgeschlossen, wie die jüngsten Spannungen mit China und Europa zeigen würden. So sei etwa eine mögliche Anhebung der Zölle auf 50 Prozent ab dem 1. Juni angekündigt worden, die später auf den 9. Juli verschoben worden sei. Aktuell stünden Anleger vor wichtigen Fragen: Würden die laufenden Handelsgespräche scheitern oder sich weiter zuspitzen? Werde das in der zweiten Jahreshälfte drohende "Stagflationstal" in den USA infolge der Zölle problematischer als zunächst angenommen, insbesondere mit dem Risiko, dass sich die Inflationsprognosen entkoppeln würden? Könnte der US-Anleihemarkt rebellieren, wenn er zur Finanzierung eines weiter wachsenden Haushaltsdefizits herangezogen werde, zumal dieses bereits jetzt mit 7,2 Prozent im Jahr 2024 außergewöhnlich hoch sei?
Schließlich bestehe Unklarheit darüber, ob internationale Investoren, die ohnehin schon stark im US-Dollar engagiert seien, bereit seien, ihr Engagement weiter zu erhöhen – vor allem, wenn dies bedeute, ein tiefes Leistungsbilanzdefizit (3,9 Prozent im Jahr 2024) zu finanzieren. All diese Fragen trügen zur aktuellen Unsicherheit bei.
Auch wenn die Wachstumsaussichten für Europa weiterhin verhalten seien und durch die unsichere wirtschaftliche Lage sowie unklare US-Politikentscheidungen zusätzlich belastet würden, sollte die Fähigkeit Europas, neue Herausforderungen zu bewältigen, nicht unterschätzt werden. Derzeit richte sich der Blick auf Deutschland. Der neue Bundeskanzler Friedrich Merz habe innerhalb weniger Wochen mit dem Umfang des strukturellen Konjunkturprogramms sowie mit unkonventionellen Ankündigungen zur militärischen Unterstützung der Ukraine für Aufsehen gesorgt.
Die politisch schwer durchsetzbaren Empfehlungen des Draghi-Berichts würden eine erneuerte europäische Führungsrolle erfordern, um die bestehenden Hürden zu überwinden. Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland stünden offensichtlich im Einklang mit diesem Ziel und dürften dazu beitragen, den derzeitigen Skeptizismus abzubauen. Entscheide sich Europa, die Draghi-Reformen entschlossen voranzutreiben, würden europäische Aktien von einer Neubewertung profitieren. Schon die Diskussion darüber könnte Investoren dazu bewegen, ihre Untergewichtung europäischer Aktien zu reduzieren und somit die Kapitalzuflüsse stärken.
Schwellenländer würden derzeit zudem von mehreren günstigen Faktoren profitieren: der Aussicht auf ein Ende der protektionistischen Phase mit moderateren Zöllen, einer allgemein pessimistischen Einschätzung des US-Dollars und Anzeichen dafür, dass sich China - insbesondere der Immobiliensektor - allmählich aus der deflationären Krise befreie.
Die von der chinesischen Zentralbank vorgenommenen Zinssenkungen, insbesondere die Senkung der sogenannten Loan Prime Rate, seien ein positives Signal für die Stabilisierung der Immobilieninvestitionen. Melman gehe davon aus, dass China im Laufe des Jahres weitere fiskalische Stimulierungsmaßnahmen ankündigen werde, um das Binnenwachstum anzukurbeln und die Abhängigkeit vom Außenhandel zu verringern. Dies werde auch durch die jüngsten Regierungsäußerungen unterstrichen, denen zufolge die Maßnahmen zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes im Juni in Kraft treten sollen. Das sei ein entscheidender Faktor für die Schwellenländer.
"Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Vermögensallokation unverändert beibehalten: Wir sind moderat untergewichtet in Aktien (insbesondere US-Aktien) und haben eine reduzierte Position im US-Dollar", so Melman. (06.06.2025/alc/a/a)


