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Japan: Die Lohn-Preis-Spirale aktiv gefördert


27.04.23 10:30
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Carl Vine, Fondsmanager des M&G (Lux) Japan Fund und des M&G (Lux) Japan Smaller Companies Fund bei M&G Investments, ist optimistisch, dass die Börsenerträge in Japan weiter steigen.

Das seien seine Gründe:

Dieser Optimismus beruhe auf einer Art Selbsthilfe. Der Unternehmenssektor nutze die derzeit niedrigen Zinsen, um seine Margen zu erhöhen und um Strukturen und Strategien zu optimieren. Den Experten von M&G Investments gefalle diese Selbsthilfe-Story, weil sie keinen starken makroökonomischen Rückenwind erfordere. Aber: In der Tat könnte es zusätzlich einen makroökonomischen Push geben, der die positive Entwicklung weiter vorantreibe. Die Lohndynamik in Japan ändere sich gerade deutlich. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass die inländische Wirtschaft in den kommenden Jahren ein Binnenwachstum verzeichnen werde, wenn der Konsum aufgrund höherer Löhne anziehe. Dies scheinen die meisten Anleger und Anlegerinnen aber nicht im Blick zu haben, so die Experten von M&G Investments.

Die japanischen Gewerkschaften hätten in der diesjährigen Verhandlungsrunde erhebliche Lohnerhöhungen durchgesetzt. Die durchschnittliche Steigerung liege wohl bei etwa 4% und damit über den Markterwartungen. Der Arbeitskräftemangel treibe die Löhne in vielen Wirtschaftszweigen nach oben, und zwar sowohl für qualifizierte als auch für ungelernte Arbeitnehmer sowie für Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte. Die Arbeitslosenquote dürfte sich wieder auf das Niveau vom Anfang der 90er Jahre - in etwa 2% - hinbewegen, während die Zahl der neu zu besetzenden Stellen weiter in Richtung der Höchststände vor Corona klettere. Regelmäßige Lohnsteigerungen von 3% bis 5% in den nächsten Jahren scheinen immer wahrscheinlicher, so die Experten von M&G Investments. Verglichen mit dem Wachstum der Nettoeinkünfte in den beiden vorangegangenen Jahrzehnten, das fast bei null gelegen habe, sei dies eine erhebliche Veränderung. Zwei wichtige Fragen würden sich nun aufdrängen: Werde dies zu einem höheren Konsum führen und würden die Gewinnspannen der Unternehmen darunter leiden?

An der Konsumfront entspreche die Lohnrunde von 4% zwar in etwa der aktuellen Gesamtinflationsrate. Doch würden sinkende Energiepreise und ein etwas stärkerer Yen darauf schließen lassen, dass der Verbraucherpreisindex 2023 durchschnittlich um die 2% tendieren werde. In Kombination mit der Wiederbelebung der Wirtschaft könne man sich leicht vorstellen, dass der Anstieg der Realeinkommen hilfreich sei und das Wachstum der Binnennachfrage über die aktuellen Erwartungen hinaus antreibe.

Was die Gewinnspannen angehe, sollten höhere Löhne bei sonst gleichen Bedingungen die Margen eigentlich drücken. Dies setze jedoch voraus, dass sich die Produktivität nicht ändere. Aber aktuell gebe es erhebliche Produktivitätssteigerungen, zumindest im Bereich der börsennotierten Unternehmen. Außerdem würde es auch voraussetzen, dass die Produktpreise nicht erhöht würden, um die steigenden Inputkosten auszugleichen, was aber ebenfalls passiere.

Während die Volkswirtschaften in anderen Ländern versuchen würden, die Dynamik der Lohn-Preis-Spirale einzudämmen, werde sie in Japan generell gefördert. Höhere Reallöhne, eine höhere Produktivität, ein höheres reales Wachstum, eine leicht positive Inflation und ein höheres nominales Wachstum könnten einfach mit flachen oder sogar steigenden Margen erreicht werden. Eine positive Rückkopplung zwischen Preisen und Löhnen sei in Japan also durchaus denkbar. Deshalb würden die Experten von M&G Investments meinen, dass die bereits überzeugenden Aussichten für das Wachstum der Börsengewinne einen weiteren erheblichen Rückenwind erhalten könnten. (27.04.2023/alc/a/a)