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Italienische Staatsanleihen so attraktiv wie seit Jahren nicht mehr


11.12.18 11:46
Legal & General IM

London (www.anleihencheck.de) - Seit den Wahlen im März 2018 zählt Italien zu den größten politischen Risiken in Europa, so die Experten von Legal & General Investment Management (LGIM).

Diese Entwicklung wirke sich auch an den Kapitalmärkten aus: Im Oktober hätten italienische Staatsanleihen (Buoni del Tesoro Poliennali, BTP) einen Einbruch verzeichnet. In der Folge hätten sich die Renditeabstände gegenüber der deutschen Bundesanleihe stark ausgeweitet. "Die Entschädigung dafür, risikobehaftete italienische Staatsanleihen im Portfolio zu halten, ist höher als je zuvor während der vergangenen fünf Jahre. Für Investoren ergibt sich daraus eine attraktive Anlagemöglichkeit", sage Christopher Jeffery, Fixed Income Strategist bei Legal & General Investment Management (LGIM).

Italien biete mit Abstand die günstigsten Staatsanleihen mit Investment-Grade-Rating. Zudem bestünden weitere Gründe, die eine Investition interessant erscheinen lassen würden. Zwar weise Italien einen Schuldenstand von 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf, und der erste Haushaltsvorschlag der italienischen Regierung habe eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent des BIP vorgesehen, obwohl die Vorgängerregierung eine maximale Neuverschuldung von nur 0,8 Prozent versprochen habe.

Um jedoch im andauernden Haushaltsstreit mit der Europäischen Kommission ein Defizitverfahren abzuwenden, plane die italienische Regierung, zügig einen neuen Etat vorzulegen. Der in Aussicht gestellte Haushalt solle mit um die 2,0 Prozent neuen Schulden auskommen. "Bislang hat die Koalitionsregierung nicht wirklich viel Geld ausgegeben. Das italienische Haushaltsdefizit 2018 ist geringer als 2017. In der laufenden Debatte geht es daher um die künftigen Ausgaben und die Glaubwürdigkeit der italienischen Wirtschafts- und Finanzprognosen", betone Jeffery.

Zudem unterscheide sich die Finanzierungssituation in Italien von derjenigen während der Schuldenkrise der Eurozone in den Jahren 2011 und 2012. Damals seien die europäischen Peripheriestaaten unter Druck geraten, als die internationalen Kapitalzuflüsse ausgeblieben seien. Gleichzeitig seien die Leistungsbilanzdefizite groß mit beispielsweise bis zu 10 Prozent in Griechenland gewesen. Im Gegensatz dazu weise Italien derzeit einen Überschuss auf: "Italien benötigt keine Mittel aus dem Ausland. Es muss die Italiener nur davon überzeugen, ihr Geld im Land zu belassen", erkläre der Experte.

Obwohl Italien anders als andere europäische Peripheriestaaten zu groß sei, um zu scheitern, rate Jeffery dazu, die bestehenden Risiken im Blick zu behalten. Sollte die Situation eskalieren und zu einer Herabstufung des Ratings italienischer Staatsanleihen führen, wären die BPT eventuell von den Reinvestitionen der Europäischen Zantralbank (EZB) ausgeschlossen und könnten von italienischen Banken nur noch schwer als Sicherheit verwendet werden. Damit wäre das italienische Finanzsystem vom Zusammenbruch bedroht.

"Italien wird intensiv über die Folgen einer Ratingherabstufung nachdenken. Gleichzeitig dürfte sich die Europäische Kommission die aufkommenden Anzeichen einer Ansteckung anderer Peripheriemärkte vor Augen führen, bevor sie zu hart mit Italien ins Gericht geht. Alles in allem sind italienische Staatsanleihen immer noch mit vielen Risiken verbunden, aber die Chancen werden immer größer", laute Jefferys Einschätzung. (11.12.2018/alc/a/a)