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Italien nimmt EU-Taxonomie-Kriterien in Green-Bonds-Rahmenwerk auf
04.03.21 11:00
NN Investment Partners
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Nachdem die Niederlande, Schweden, Deutschland und Ungarn im Jahr 2020 erstmals grüne Staatsanleihen emittiert haben, ist Italien das nächste Land, das eine grüne Staatsanleihe auflegt, so die Experten von NN Investment Partners.
Die italienische Regierung habe am 3. März 2021 ihre erste grüne Anleihe über einen Betrag von 8,5 Mrd. EUR und einer Laufzeit von 24 Jahren emittiert. Obwohl Italien regelmäßig grüne Anleihen emittieren dürfte und sich verpflichtet habe, den Markt für grüne Anleihen regelmäßig zu nutzen, plane das Land nicht, dem Beispiel Deutschlands zu folgen und eine vollständige grüne Zinskurve aufzubauen.
Bei dieser ersten Green-Bond-Emission habe Italien sechs Kategorien für die Verwendung der Erlöse festgelegt: Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Verkehr, Vermeidung und Bekämpfung von Umweltverschmutzung und Kreislaufwirtschaft, Schutz der Umwelt und der Biodiversität sowie Forschung. In einem Gespräch mit NN Investment Partners (NN IP) vor der Emission sei bestätigt worden, dass rund 90% der Anleihe in die Bereiche Transport, Energieeffizienz sowie Schutz der Umwelt und der biologischen Vielfalt fließen würden.
Nach dem Staatsanleihen-Boom in Europa im vergangenen Jahr, bei dem auch eine nachhaltige Anleihe von Luxemburg ausgegeben worden sei, die sowohl grüne als auch soziale Projekte finanziere, sei Italien nun das zehnte europäische Land, das eine grüne Anleihe emittiere.
"Wir sind überzeugt, dass dies ein wichtiger Meilenstein für den Green-Bonds-Markt ist, da Treasury-Portfolios in großem Umfang in italienische Staatsanleihen investieren", sage Bram Bos, Lead Portfolio Manager Green Bonds bei NN Investment Partners. "Der Markt für grüne Anleihen wächst immer schneller und der deutliche Emissionsanstieg von Staatsanleihen gibt mehr Investoren die Möglichkeit, ihre Fixed-Income-Portfolios zu ökologisieren. Wir haben eine Phase erreicht, in der es ein logischer und gangbarer Schritt ist, Teile eines regulären Staatsanleihen-Portfolios durch grüne Staatsanleihen zu ersetzen. Der Markt für Staatsanleihen ist diversifizierter geworden und wird weiter wachsen. Es wird erwartet, dass Länder wie Spanien, Großbritannien und Singapur im Laufe des Jahres erste grüne Anleihen begeben werden."
Als EU-Land habe sich 2019 auch Italien verpflichtet, bis 2050 CO2-Neutralität zu erreichen, um das 1,5°C-Ziel des Pariser Abkommens einzuhalten. Im Februar 2021 habe der neue Premierminister Mario Draghi angekündigt, dass der Klimawandel im Mittelpunkt seiner Pläne für Italien stünde und gesagt, dass seine Regierung beabsichtige, erneuerbare Energien und die Produktion von grünem Wasserstoff zu fördern. Es sei interessant, dass dieses Green-Bonds-Rahmenwerk die Zusage für erneuerbare Energien und Wasserstoff nicht widerspiegele, sondern es als kleinste Kategorie der Allokation aufführe.
"Italien hat sich bemüht, alle seine Green-Bonds-Kategorien an der EU-Taxonomie hinsichtlich der Klimaschutzkriterien auszurichten", sage Isobel Edwards, Green Bond Analyst at NN Investment Partners. "Wir begrüßen dies, hoffen aber, dass die 'Do no significant harm'-Kriterien für alle Aktivitäten berücksichtigt werden, so wie in den technischen Kriterien der EU-Taxonomie für jede Branche vorgesehen. Da dies bedauerlicherweise nicht im Green-Bond-Rahmenwerk vor der Emission berücksichtigt wurde, hoffen wir, dass es im Impact Report erläutert wird. Schließlich ist die 'Do no significant harm'-Prüfung eine der wichtigsten Säulen, die der EU-Taxonomie und dem EU Green Bond Standard zugrunde liegen."
Italien sei jahrelang ein großer Erdgasimporteur gewesen, da der Erdgasverbrauch des Landes das 1,5-fache der Gesamtreserven betrage. Im Gegensatz zu einigen anderen italienischen Emittenten gehöre Erdgas im Regelwerk der grünen Staatsanleihe nicht zu den förderfähigen Aktivitäten. NN IP hoffe, dass dies eine strategischere Verschiebung signalisiere, um den Erdgasanteil im Energiemix des Landes in den kommenden Jahren zu reduzieren.
Der "Schutz der Umwelt und der biologischen Vielfalt" sei eine wichtige Kategorie im Rahmenwerk. Biodiversität und Flächenschutz seien von entscheidender Bedeutung. Nicht nur, weil sie für mehr Belastbarkeit gegenüber zukünftigen extremen klimatischen Wetterereignissen sorgen würden, sondern auch, weil renaturierte Landschaften mit hohem Kohlenstoffgehalt und reicher Biodiversität wirkungsvollere Kohlenstoffsenken sein könnten und daher Vorteile bei der Reduzierung von Emissionen bieten würden.
Offen bleibe die Frage nach der Berücksichtigung der maritimen Infrastruktur im Green-Bonds-Rahmenwerk. Dies sei Teil eines größeren Plans Italiens zur Entwicklung seines Seefrachtnetzes. Da sich die Schifffahrtsindustrie noch nicht auf Transformationskurs befinde, der mit dem 1,5°C-Ziel vereinbar sei, rate NN IP, die vorhandenen Vorgaben der EU-Taxonomie für die Schifffahrt und die maritime Infrastruktur als Grundlage für alle künftigen Pläne im Zusammenhang mit der Seefracht zu nutzen.
NN IP beobachte zunehmend, dass Bergbau von den Green-Bonds-Rahmenwerken der Emittenten ausgeschlossen werde. Und Italien sei da keine Ausnahme. Es sei verständlich, dass Emittenten das Gefühl hätten, dass sie in diesen Branchen keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen treffen könnten, um zuverlässige Umweltstandards zu garantieren. Allerdings würden in Zukunft mehr Metalle und Mineralien benötigt, insbesondere Seltenerdmetalle, da diese für erneuerbare Technologien wie Batterien für Elektrofahrzeuge benötigt würden. Es sei entscheidend, hier zu investieren und eine Möglichkeit zu finden, diese nachhaltig zu gewinnen und zu recyceln, um die Entwicklung zu einer grünen Wirtschaft voranzutreiben. Emittenten sollten sich nicht scheuen, in diesem Bereich ehrgeizig zu sein und nach Lösungen für einen grünen Bergbau zu suchen. (04.03.2021/alc/a/a)
Die italienische Regierung habe am 3. März 2021 ihre erste grüne Anleihe über einen Betrag von 8,5 Mrd. EUR und einer Laufzeit von 24 Jahren emittiert. Obwohl Italien regelmäßig grüne Anleihen emittieren dürfte und sich verpflichtet habe, den Markt für grüne Anleihen regelmäßig zu nutzen, plane das Land nicht, dem Beispiel Deutschlands zu folgen und eine vollständige grüne Zinskurve aufzubauen.
Bei dieser ersten Green-Bond-Emission habe Italien sechs Kategorien für die Verwendung der Erlöse festgelegt: Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Verkehr, Vermeidung und Bekämpfung von Umweltverschmutzung und Kreislaufwirtschaft, Schutz der Umwelt und der Biodiversität sowie Forschung. In einem Gespräch mit NN Investment Partners (NN IP) vor der Emission sei bestätigt worden, dass rund 90% der Anleihe in die Bereiche Transport, Energieeffizienz sowie Schutz der Umwelt und der biologischen Vielfalt fließen würden.
Nach dem Staatsanleihen-Boom in Europa im vergangenen Jahr, bei dem auch eine nachhaltige Anleihe von Luxemburg ausgegeben worden sei, die sowohl grüne als auch soziale Projekte finanziere, sei Italien nun das zehnte europäische Land, das eine grüne Anleihe emittiere.
"Wir sind überzeugt, dass dies ein wichtiger Meilenstein für den Green-Bonds-Markt ist, da Treasury-Portfolios in großem Umfang in italienische Staatsanleihen investieren", sage Bram Bos, Lead Portfolio Manager Green Bonds bei NN Investment Partners. "Der Markt für grüne Anleihen wächst immer schneller und der deutliche Emissionsanstieg von Staatsanleihen gibt mehr Investoren die Möglichkeit, ihre Fixed-Income-Portfolios zu ökologisieren. Wir haben eine Phase erreicht, in der es ein logischer und gangbarer Schritt ist, Teile eines regulären Staatsanleihen-Portfolios durch grüne Staatsanleihen zu ersetzen. Der Markt für Staatsanleihen ist diversifizierter geworden und wird weiter wachsen. Es wird erwartet, dass Länder wie Spanien, Großbritannien und Singapur im Laufe des Jahres erste grüne Anleihen begeben werden."
"Italien hat sich bemüht, alle seine Green-Bonds-Kategorien an der EU-Taxonomie hinsichtlich der Klimaschutzkriterien auszurichten", sage Isobel Edwards, Green Bond Analyst at NN Investment Partners. "Wir begrüßen dies, hoffen aber, dass die 'Do no significant harm'-Kriterien für alle Aktivitäten berücksichtigt werden, so wie in den technischen Kriterien der EU-Taxonomie für jede Branche vorgesehen. Da dies bedauerlicherweise nicht im Green-Bond-Rahmenwerk vor der Emission berücksichtigt wurde, hoffen wir, dass es im Impact Report erläutert wird. Schließlich ist die 'Do no significant harm'-Prüfung eine der wichtigsten Säulen, die der EU-Taxonomie und dem EU Green Bond Standard zugrunde liegen."
Italien sei jahrelang ein großer Erdgasimporteur gewesen, da der Erdgasverbrauch des Landes das 1,5-fache der Gesamtreserven betrage. Im Gegensatz zu einigen anderen italienischen Emittenten gehöre Erdgas im Regelwerk der grünen Staatsanleihe nicht zu den förderfähigen Aktivitäten. NN IP hoffe, dass dies eine strategischere Verschiebung signalisiere, um den Erdgasanteil im Energiemix des Landes in den kommenden Jahren zu reduzieren.
Der "Schutz der Umwelt und der biologischen Vielfalt" sei eine wichtige Kategorie im Rahmenwerk. Biodiversität und Flächenschutz seien von entscheidender Bedeutung. Nicht nur, weil sie für mehr Belastbarkeit gegenüber zukünftigen extremen klimatischen Wetterereignissen sorgen würden, sondern auch, weil renaturierte Landschaften mit hohem Kohlenstoffgehalt und reicher Biodiversität wirkungsvollere Kohlenstoffsenken sein könnten und daher Vorteile bei der Reduzierung von Emissionen bieten würden.
Offen bleibe die Frage nach der Berücksichtigung der maritimen Infrastruktur im Green-Bonds-Rahmenwerk. Dies sei Teil eines größeren Plans Italiens zur Entwicklung seines Seefrachtnetzes. Da sich die Schifffahrtsindustrie noch nicht auf Transformationskurs befinde, der mit dem 1,5°C-Ziel vereinbar sei, rate NN IP, die vorhandenen Vorgaben der EU-Taxonomie für die Schifffahrt und die maritime Infrastruktur als Grundlage für alle künftigen Pläne im Zusammenhang mit der Seefracht zu nutzen.
NN IP beobachte zunehmend, dass Bergbau von den Green-Bonds-Rahmenwerken der Emittenten ausgeschlossen werde. Und Italien sei da keine Ausnahme. Es sei verständlich, dass Emittenten das Gefühl hätten, dass sie in diesen Branchen keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen treffen könnten, um zuverlässige Umweltstandards zu garantieren. Allerdings würden in Zukunft mehr Metalle und Mineralien benötigt, insbesondere Seltenerdmetalle, da diese für erneuerbare Technologien wie Batterien für Elektrofahrzeuge benötigt würden. Es sei entscheidend, hier zu investieren und eine Möglichkeit zu finden, diese nachhaltig zu gewinnen und zu recyceln, um die Entwicklung zu einer grünen Wirtschaft voranzutreiben. Emittenten sollten sich nicht scheuen, in diesem Bereich ehrgeizig zu sein und nach Lösungen für einen grünen Bergbau zu suchen. (04.03.2021/alc/a/a)


