Erweiterte Funktionen

Italien ante portas - 10-jährige italienische Staatsanleihen stark unter Druck


16.05.18 13:00
Wolfgang Steubing AG

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Viele reden momentan ausschließlich über Donald Trump und seine Iran-Politik - verbunden mit Auswirkungen auf die europäische Konjunktur und die Zinspolitik der EZB, so das Asset Management Team der Steubing AG.

Nur wenige Analysten würden sich mit der massiven italienischen Regierungskrise beschäftigen, die seit den Wahlen in diesem Frühjahr herrsche und die damit verbundene potenzielle Krise der Europäischen Gemeinschaft. Denn schließlich sei Italien die drittgrößte Wirtschaftskraft der EU.

"Bis zuletzt wollte Italiens Staatspräsident Sergio Matterella die italienischen Politiker zur Raison bringen. Zwei Monate nach der Wahl haben sie noch immer keine Regierung zustande gebracht. Mattarella verwies auf Sorgen um die Wirtschaft, den Staatshaushalt und die Europäische Währungsunion" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 9. Mai 2018).

Auch wenn jetzt erst einmal scheinbar die Kuh vom Eis zu sein scheine - der laute Appell des Staatspräsidenten an die handelnden Parteien habe wohl erst einmal gefruchtet und die Lega Nord werde zusammen mit der Fünf Sterne Bewegung eine Regierung bilden. Die beiden Parteien hätten aber einen strikt europakritischen Wahlkampf gemacht und würden nicht ihre strikt-partikularen Interessen für Gemeinschaftsinteressen aufgeben.

Uns verwundert, dass all jene, die vor Jahren wegen der Verschuldung Griechenlands und die Verflechtung zwischen den griechischen Banken und dem Staat laut Alarm geschlagen haben, dieses Thema im Fall Italien kaum beachten, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Im Gegensatz zu Griechenland haben wir in Italien auch noch eine mittlerweile massive europäische Bekenntniskrise - wohl mit ausgelöst durch die nicht gelöste Flüchtlingskrise der EU (Dublin Abkommen) und dem Erstarken von rechtspopulistischen Parteien wie Lega Nord, der Fünf Sterne Bewegung und der Forza Italia, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG.

"Wegen der Rettung zweier Banken hat Italien im vergangenen Jahr deutlich mehr Schulden gemacht als zunächst angegeben. Das italienische Defizit lag 2018 bei 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), wie das Statistikamt Istat mitteilte. Italien gehört zu den am höchsten verschuldeten Industriestaaten. Der Schuldenberg entsprach 2017 rund 131,8 Prozent der Wirtschaftsleistung." (SPON, 04.04.2018)

In den letzten Tagen seien die 10-jährigen italienischen Staatsanleihen stark unter Druck geraten. Die Rendite dieser Papiere sei um 0,10 Prozentpunkte auf 1,85 Prozent gestiegen. Auch die jetzige Regierung werde - da müsse man kein römischer Augure sein - nicht lange Bestand haben können. Denn alleine die Haltung zu Europa verhindere weitere Investitionen in Italien und auch den Binnen-Konsum.

Was heiße das alles in der Konsequenz? Die Zinserhöhungen der EZB würden nicht so schnell kommen, wie sich viele insbesondere Nord-Europäer erhoffen würden. Wenn die EZB die Zinsen erhöhen würde, müsste Italien um Investoren anzulocken, den Kupon für seine Staatsanleihen deutlich erhöhen und käme damit bei einer nicht mehr prosperierenden Konjunktur und mit dem höheren Schuldendienst in eine extrem angespannte Lage.

Aus dem gleichen Grund sehen die Analysten der Wolfgang Steubing AG es auch noch nicht letztlich beschlossen an, dass die EZB ihr Anleihenaufkaufprogramm auslaufen lässt. Die Pläne der möglichen neuen Regierung in Italien noch mehr Schulden zu machen, werde ein Auslaufen des Anleihenkaufprogramms noch weiter infrage stellen. Seit der Finanzkrise sei der italienische Schuldenberg um rund EUR 550 Milliarden angestiegen. Davon habe die EZB fast 80% in ihren Büchern. Aber Europa könne ein kriselndes Griechenland auffangen - eine Finanzkrise in Italien würde das europäische Konzept zum Scheitern verurteilen. Deswegen sollten wir unseren Blick nicht nur in den Nahen Osten oder über den Atlantik sondern auch direkt hinter die Alpen richten, wenn wir wirtschaftliche Gefahren sichten wollen, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. (16.05.2018/alc/a/a)