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Ist Portugal teuer oder ist Italien billig?
19.04.18 12:30
Vontobel Asset Management
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wenn die Bewertungen von festverzinslichen Wertpapieren hoch sind, müssen wir überkaufte Vermögenswerte meiden und stattdessen nach bisher ungeliebten Vermögenswerten Ausschau halten, die eine gute Gelegenheit bieten, Erträge zu erzielen, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management.
Man sollte zum Beispiel die Renditen 10-jähriger portugiesischer Staatsanleihen nehmen, die auf ein Dreijahrestief von rund 1,65% gefallen seien. Damit würden sie nur 110 Basispunkte von deutschen Bundesanleihen entfernt und etwa 15 Basispunkte niedriger als italienische Schuldverschreibungen (BTPs) notieren. Rein basierend auf den Fundamentaldaten mache es jedoch keinen Sinn, dass die italienischen Schulden teurer gehandelt würden als die portugiesischen.
Portugal sei ein Aushängeschild der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung in Europa. Steigende Investitionen und Exporte hätten dazu beigetragen, dass die Wirtschaft im Jahr 2017 um 2,7% gewachsen sei. Das sei die höchste Wachstumsrate seit dem Jahr 2000. Die Staatsverschuldung des Landes sei gleichzeitig auf 125,7% gegenüber 130% im Jahr 2016 gesunken. Diese Schuldenquote sei jedoch für eine Wirtschaft zu hoch, die sehr stark vom Tourismus abhängig sei. Zudem gehe die Bank von Portugal davon aus, dass das BIP-Wachstum auf 1,9% im Jahr 2019 und 1,7% im Jahr 2020 sinken werde.
Demgegenüber liege die Staatsverschuldung Italiens mit knapp 132% des BIPs an zweiter Stelle im Euroraum nur hinter Griechenland, und der fast chronische Bedarf des Landes an Wirtschaftsreformen sei gut dokumentiert. Das BIP-Wachstum von 1,5% im vergangenen Jahr sei nichts Herausragendes gewesen, aber für Italien sei es die beste Leistung seit 2010 und damit ein Fortschritt gewesen. Immerhin sei Italien ein G7-Land, die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und wesentlich diversifizierter als die Wirtschaft Portugals, was häufig vergessen werde.
Die Experten würden wissen, warum italienische BTPs höher gehandelt würden. Die Wahlen in Italien im vergangenen Monat hätten eine steigende Unterstützung für die populistische Fünf-Sterne-Bewegung und die Parteien der Liga Nord gezeigt. Das bedeute, eine Anti-Establishment und in unterschiedlichem Grade Anti-Euro-Partei werde im Zentrum einer Koalition stehen, wie auch immer die laufenden Verhandlungen ausgehen würden. Die politische Risikoprämie, die mit italienischen Vermögenswerten verbunden sei, sei verständlich, aber solche Entwicklungen würden immer wieder auch zu Chancen für Investoren führen, da die Spreads bestimmter Kredite, wie von Banken und Unternehmen, in der allgemeinen Ausweitung gefangen seien. Es gebe eine Reihe von Titeln in Italien, die derzeit zu dieser Kategorie gehören würden - die Experten seien in einige von ihnen investiert und würden andere genau beobachten, um den richtigen Einstiegspunkt zu finden.
Während einige italienische Kredite billig gehandelt würden, seien portugiesische Anleihen schon sehr hoch bewertet. Bundesanleihen seien die teuerste und am meisten überkaufte Anlageklasse, die sich die Experten bei festverzinslichen Wertpapieren vorstellen könnten. Daher seien die Experten sehr vorsichtig in Bezug auf portugiesische Wertpapiere, wenn man bedenke, wie nahe sie bereits an Bundesanleihen gehandelt würden. Im vergangenen Mai hätten die portugiesischen 10-Jahres-Renditen bei rund 3,5% mit einem Spread von über 320 Basispunkten auf Bundesanleihen gelegen. Der Markt sage den Experten, dass sich die Kreditstärke Portugals im Vergleich zu Deutschland in den letzten zwölf Monaten um fast zwei Drittel verbessert habe.
Portugal und andere periphere Volkswirtschaften hätten eindeutig von der sich ausweitenden wirtschaftlichen Erholung im Euroraum profitiert, ganz zu schweigen davon, dass die Europäische Zentralbank den Markt für Staatsanleihen zurückgedrängt habe. Aber ein Spread von 110 Basispunkten spiegele einen gewissen Optimismus für die nächste Phase der europäischen Integration wider, der nach Meinung der Experten fehl am Platze sei.
Dieser Optimismus gehe auf die Wahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im vergangenen Jahr zurück, die die Hoffnung genährt habe, dass eine Partnerschaft mit der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Pläne für eine "immer engere Union" beschleunigen würde. Allerdings seien Merkel und andere hochrangige Persönlichkeiten in Berlin immer zurückhaltend gegenüber Macrons ehrgeizigen Vorschlägen, wie beispielsweise einem gemeinsamen Haushalt für die Eurozone gewesen. Macron selbst stehe vor der großen Herausforderung, zu beweisen, dass er ebenso ehrgeizige Arbeitsmarktreformen im eigenen Land durchsetzen könne.
Nach der Bildung der Großen Koalition von Angela Merkel im vergangenen Monat, die den Weg für formelle Gespräche mit Frankreich über die weitere Integration frei gemacht habe, hätten acht nördliche EU-Staaten unter Führung der Niederlande ein gemeinsames Papier veröffentlicht, in dem sie vor "weitreichenden Kompetenzübertragungen auf die europäische Ebene" gewarnt hätten, und hinzugefügt, dass die Entscheidungsbefugnisse "fest in den Händen der Mitgliedstaaten bleiben sollten". Kurzfristig gebe es also große Hindernisse für die weitere europäische Integration, und je weniger Integration es gebe, desto geringer sei die Kreditwürdigkeit der Peripheriestaaten Deutschlands.
Folglich seien die Experten vorerst generell gegenüber portugiesischen Anleihen - Staatsanleihen, Banken und Unternehmen - zurückhaltend, aber es würden sich Chancen in Sektoren des italienischen Marktes ergeben, in denen die politische Risikoprämie überzogen sei. (19.04.2018/alc/a/a)
Man sollte zum Beispiel die Renditen 10-jähriger portugiesischer Staatsanleihen nehmen, die auf ein Dreijahrestief von rund 1,65% gefallen seien. Damit würden sie nur 110 Basispunkte von deutschen Bundesanleihen entfernt und etwa 15 Basispunkte niedriger als italienische Schuldverschreibungen (BTPs) notieren. Rein basierend auf den Fundamentaldaten mache es jedoch keinen Sinn, dass die italienischen Schulden teurer gehandelt würden als die portugiesischen.
Portugal sei ein Aushängeschild der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung in Europa. Steigende Investitionen und Exporte hätten dazu beigetragen, dass die Wirtschaft im Jahr 2017 um 2,7% gewachsen sei. Das sei die höchste Wachstumsrate seit dem Jahr 2000. Die Staatsverschuldung des Landes sei gleichzeitig auf 125,7% gegenüber 130% im Jahr 2016 gesunken. Diese Schuldenquote sei jedoch für eine Wirtschaft zu hoch, die sehr stark vom Tourismus abhängig sei. Zudem gehe die Bank von Portugal davon aus, dass das BIP-Wachstum auf 1,9% im Jahr 2019 und 1,7% im Jahr 2020 sinken werde.
Demgegenüber liege die Staatsverschuldung Italiens mit knapp 132% des BIPs an zweiter Stelle im Euroraum nur hinter Griechenland, und der fast chronische Bedarf des Landes an Wirtschaftsreformen sei gut dokumentiert. Das BIP-Wachstum von 1,5% im vergangenen Jahr sei nichts Herausragendes gewesen, aber für Italien sei es die beste Leistung seit 2010 und damit ein Fortschritt gewesen. Immerhin sei Italien ein G7-Land, die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und wesentlich diversifizierter als die Wirtschaft Portugals, was häufig vergessen werde.
Während einige italienische Kredite billig gehandelt würden, seien portugiesische Anleihen schon sehr hoch bewertet. Bundesanleihen seien die teuerste und am meisten überkaufte Anlageklasse, die sich die Experten bei festverzinslichen Wertpapieren vorstellen könnten. Daher seien die Experten sehr vorsichtig in Bezug auf portugiesische Wertpapiere, wenn man bedenke, wie nahe sie bereits an Bundesanleihen gehandelt würden. Im vergangenen Mai hätten die portugiesischen 10-Jahres-Renditen bei rund 3,5% mit einem Spread von über 320 Basispunkten auf Bundesanleihen gelegen. Der Markt sage den Experten, dass sich die Kreditstärke Portugals im Vergleich zu Deutschland in den letzten zwölf Monaten um fast zwei Drittel verbessert habe.
Portugal und andere periphere Volkswirtschaften hätten eindeutig von der sich ausweitenden wirtschaftlichen Erholung im Euroraum profitiert, ganz zu schweigen davon, dass die Europäische Zentralbank den Markt für Staatsanleihen zurückgedrängt habe. Aber ein Spread von 110 Basispunkten spiegele einen gewissen Optimismus für die nächste Phase der europäischen Integration wider, der nach Meinung der Experten fehl am Platze sei.
Dieser Optimismus gehe auf die Wahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im vergangenen Jahr zurück, die die Hoffnung genährt habe, dass eine Partnerschaft mit der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Pläne für eine "immer engere Union" beschleunigen würde. Allerdings seien Merkel und andere hochrangige Persönlichkeiten in Berlin immer zurückhaltend gegenüber Macrons ehrgeizigen Vorschlägen, wie beispielsweise einem gemeinsamen Haushalt für die Eurozone gewesen. Macron selbst stehe vor der großen Herausforderung, zu beweisen, dass er ebenso ehrgeizige Arbeitsmarktreformen im eigenen Land durchsetzen könne.
Nach der Bildung der Großen Koalition von Angela Merkel im vergangenen Monat, die den Weg für formelle Gespräche mit Frankreich über die weitere Integration frei gemacht habe, hätten acht nördliche EU-Staaten unter Führung der Niederlande ein gemeinsames Papier veröffentlicht, in dem sie vor "weitreichenden Kompetenzübertragungen auf die europäische Ebene" gewarnt hätten, und hinzugefügt, dass die Entscheidungsbefugnisse "fest in den Händen der Mitgliedstaaten bleiben sollten". Kurzfristig gebe es also große Hindernisse für die weitere europäische Integration, und je weniger Integration es gebe, desto geringer sei die Kreditwürdigkeit der Peripheriestaaten Deutschlands.
Folglich seien die Experten vorerst generell gegenüber portugiesischen Anleihen - Staatsanleihen, Banken und Unternehmen - zurückhaltend, aber es würden sich Chancen in Sektoren des italienischen Marktes ergeben, in denen die politische Risikoprämie überzogen sei. (19.04.2018/alc/a/a)


