Erweiterte Funktionen

Investoren sollten sich auf die Zeit nach dem "New Normal" vorbereiten


20.02.18 11:00
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom bei GAM, kommentiert die aktuelle Marktlage.

Die Experten von GAM halten es für verfrüht, bereits das Ende der Hausse an den Aktienmärkten einzuläuten. Das Marktumfeld sei nach wie vor von einem starken globalen Wachstum und steigenden Gewinnen geprägt, insbesondere in Europa, den Schwellenländern und in Japan. Dies dürfte weitere Kursgewinne unterstützen. Wir treten jedoch in eine neue Phase ein, die durch mehr Volatilität und weitere Korrekturen gekennzeichnet sein wird, so die Experten von GAM. Dies sei auf die zunehmende Unsicherheit im Makroumfeld zurückzuführen.

In den USA seien erste Anzeichen einer anziehenden Inflation zu erkennen, wie man sie möglicherweise auch in Europa beobachten werde. Die Geldpolitik, welche zuvor die Aktienmärkte gestützt habe, werde hierdurch weniger berechenbar. Die Aktienmärkte dürften sich dieses Jahr noch weiterhin gut entwickeln, auch wenn sich die grundlegende Dynamik am Markt geändert habe. Bezüglich der Inflation würden die jüngsten Zahlen aus den USA einen überraschenden Sprung sowohl bei den Gesamt- als auch bei den Kerninflationsraten zeigen. Auch sehen wir erste Anzeichen für eine anziehende Lohninflation, so die Experten von GAM. In Deutschland seien höhere Tarifverträge als erwartet abgeschlossen worden - ein weiteres Indiz für die Verknappung des Arbeitsmarktes, die Arbeitern in eine bessere Verhandlungsposition versetze.

Die steigende Lohninflation bringe einige positive Effekte mit sich: Zu ihnen zähle die einfachere Entschuldung, eine gleichmäßigere Einkommensverteilung und höhere Zufriedenheit. Unternehmen und Zentralbanken stelle sie jedoch vor Herausforderungen: Erstere in Bezug auf ihre Rentabilität und letztere in Bezug auf die Geschwindigkeit, mit der sie die Geldpolitik anpassen sollten.

Wir treten in eine neue Ära ein, die wir gerne als "post new normal" bezeichnen, so die Experten von GAM. Die "neue Normalität" sei gekennzeichnet gewesen durch ein niedriges Wachstum, eine niedrige Inflationsrate und eine unterstützende Geldpolitik. In den USA habe der Ausstieg aus dieser Politik bereits vor einigen Jahren begonnen, als die FED den Prozess der Normalisierung eingeleitet habe. Nun bereite sich auch die EZB darauf vor, ihr Programm zum Kauf von Vermögenswerten abzubauen. Sie werde die Zinsen voraussichtlich im nächsten Jahr anheben. Unter anderem hätten auch die Bank of England und die Bank of Canada damit begonnen, ihre Leitzinsen anzuheben.

In einigen entwickelten Volkswirtschaften sei der Konjunkturzyklus bereits weit fortgeschritten. Das Umsatzwachstum bei Unternehmen dürfte weiterhin stark bleiben, aber die Gewinne würden wohl weniger anziehen. Das gelte vor allem in den USA, wo es wenig Spielraum für eine Ausweitung der Margen gebe. Die Zentralbanken müssten nun besonders darauf achten, dass sie allfällige Änderungen ihrer Geldpolitik noch vorsichtiger abwägen und kommunizieren würden. Für Investoren würden sich damit allgemein die Voraussetzungen in den Märkten ändern.

All dies habe starke Auswirkungen auf die Zusammensetzung von Portfolios. Eine Mischung aus Aktien und Anleihen sorge in der Regel für Erträge und Diversifikation. Im derzeitigen Umfeld seien jedoch die Aussichten für die Anleihemärkte, insbesondere für langfristige Staatsanleihen, wenig positiv. Darüber hinaus seien die Credit Spreads und Renditen für Unternehmensrisiken enttäuschend niedrig. Dementsprechend werde es wichtiger, beim Portfolioaufbau stärker auf das Fixed-Income-Risiko zu achten.

Ebenso müssten die Allokationen bei Aktien selektiver sein. Die Experten von GAM setzen daher auf Aktien, die in der Lage sind, die Ertragserwartungen zu übertreffen. Dies treffe vermehrt auf Unternehmen in Europa, den Schwellenländern und in Japan zu.

Wir werden zwangsläufig künftig weniger Anleihen halten, als dies normalerweise bei ausgewogenen Portfolios der Fall ist, so die Experten von GAM. Dies eröffne Chancen für nicht-direktionale Strategien und liquide Alternativen, einschließlich alternativer Risikoprämien oder Zielrenditen - also Strategien, die darauf ausgerichtet seien, unkorrelierte Renditen zu erwirtschaften. Diese Strategien könnten jetzt die Portfoliostabilität bieten, die man normalerweise von Anleihen erwarten würde. (20.02.2018/alc/a/a)